Stellt euch vor, ihr wachst in Alaska auf. Ich denke, da hat man eine Menge Zeit. Zeit, um Musik zu hören und Einflüsse aufzusaugen und Zeit, um Musik zu machen (falls man genügend Mitstreiter findet). Der entstehende Output dürfte da fast zwangsläufig etwas eigenwillig werden, auch wenn ihr, wie im vorliegenden Fall, nach Portland, Oregon weiterzieht. Willkommen in der Welt von PORTUGAL. THE MAN
Jetzt macht es also „Shish“. Kann man machen, insbesondere wenn der Release „Woodstock“ zuletzt Platin-Status erreicht hat. Gerade für eine maximal freigeistige Indie Rock Band mit massig Pop-Appeal und großem sozialen Engagement keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn PORTUGAL. THE MANs Fronter John Gourley hier lyrisch und musikalisch Lektionen verarbeitet, die er bereits bei der Erziehung seiner Tochter Frances gelernt hat, bei der vor vier Jahren eine der seltensten genetischen Erkrankungen der Welt diagnostiziert wurde – die eigentümlich schwermütige Leichtigkeit der Band bleibt stets erhalten und trägt durch das gesamte Album. Da bringen auch eingestreute Metal-Riffs, Noise-Eskapaden oder Garage-Trips nichts, PORTUGAL.THE MAN klingen stets wie eine Portion Zuckerwatte mit dem Gewicht eines Elefanten, oder wie ein rosa lackierter Amboss – sucht es euch aus. Oder hört euch Tracks wie „Denali“, „Pittmann Ralliers“ oder „Knik“ an – spätestens dann dürfte klar werden, wie vielseitig und trotzdem konsequent auf ihrer eigenen Linie PORTUGAL. THE MAN sind. Ob der oben skizzierten maximalen Fallhöhe in der Kombination aus kommerziellen Erfolg und Anspruch an einen selbst hätte „Shish“ fast zwangsläufig scheitern müssen. Hätte – tut es aber nicht. Im Gegenteil: die Scheibe überzeugt mit einer eigentümlichen Faszination.