Den Sänger (oder die Sängerin) zu verlieren ist immer ein großes Problem für eine Band. Meistens geht es ja nicht nur um den Gesang sondern auch um das „Gesicht“ einer Kapelle. Selbiges passierte der jungen norwegischen Band LÜT, die bereits mit zwei Alben und fulminanten Live Auftritten auf sich aufmerksam. mache konnte. Was nun?
Die Truppe entschied sich dazu keinen neuen Sänger aufzunehmen, sondern den Gesang auf alle zu verteilen. Gar nicht mal ein so schlechte Idee, denn so bekommen viele der Songs auf „Lüt“ eine ganz eigene Dynamik. Und auch das mehrstimmige Singen verleiht den Stücken seinen eigenen Charme. Obendrauf sind fast alle Songs in der Landessprache Norwegisch gesungen, was zusätzlich für eine individuelle Note sorgt. Fast alle? Ja, denn bei „Glücksschmied“ gibt es auch deutsche Worte zu hören. Kein Wunder denn hier konnte niemand geringeres als Bela B. von DIE ÄRZTE als Gast gewonnen werden.
Wem übrigens das Grundgerüst von LÜT bekannt vorkommen sollte und sich denkt: „Hmmmm, das klingt doch alles sehr nach KVELERTAK!“, dem kann nur zustimmen. Allerdings gehen LÜT weitaus melodischer zu Werke und driften eher in Alternative Bereiche ab als in stampfende Metal Phasen.
Das ganze Album kommt nicht nur durch seine überschaubare Laufzeit knackig daher, die Songs wurden auch ordentlich auf den Punkt gebracht. So entsteht eigentlich kaum Leerlauf.
Hier und da kommen mir LÜT etwas zu glatt vor, aber das ist wahrscheinlich auch einfach dem Entwicklungsprozess geschuldet. Die mitreißenden Nummern wie „Bindingstid På Livstid“, der Opener „Fokk D“ oder auch „Komfortsona“ reißen das Album nach oben.