ANDERNACH METAL DAYS – Freitag – Juz Live Club / Andernach

Billing

Spread Of Disease, Synlakross, Obscurity, Desaster, Suicidal Angels, Die Apokalyptischen Reiter

Ort

Andernach

Datum

03.05.2024

Bilder

Volker Bruns

Zum 2. Mal fanden an zwei Tagen im Mai die ANDERNACH METAL DAYS statt. Wir konnten wegen privater Verpflichtungen leider nur am Freitag teilnehmen, wobei der noch in Sachen Wetter richtig gut war. Samstag gab es leider viel Regen, aber auch ein gutes Billing. Freitag war quasi der Tag der harten Bands, während es Samstags eher melodischer, Power Metal, Heavy Metal und Hard Rock zu Hören gab. Der Zuschauerzuspruch scheint größer als beim letzten Jahr zu sein und geschätzt über 600 Zuschauer waren da. Die Aufteilung war ziemlich übersichtlich, ein Foodtruck links neben der Bühne, auf der rechten Seite eine lange Merchandisemeile wo die Bands ihre Sachen anbieten konnten und ein Cocktailstand neben dem Mischpult im hinteren Teil. Dazu einige Bänke und Tische und genügend Dixies und Pissoirs links hinten. Wichtigster Anlaufpunkt war der Bierwagen links vom Eingang wo immer genügend Hände beim Ausschank waren. Ich hätte mich zeitweise noch über einen Eiswagen gefreut, aber man kann ja nicht alles haben! Die Stimmung und Atmosphäre war aber den ganzen Tag friedlich und entspannt.

Los ging es pünktlich mit der Koblenzer Undergroundtruppe SPREAD OF DISEASE. Die Truppe bot einen bodenständigen Gig ohne Besonderheiten und konnte die anwesenden Besucher mit ihrem Thrash meets Death Metal jenseits der üblichen Klischees gut aufwärmen. Mehr will man ja auch nicht von der ersten Band des Festivals! Die neue Formation hat bisher eine selbst betitelte EP am Start und kann hoffentlich noch weitere Konzerterfahrungen sammeln. Mir war die vielleicht auch recht nervöse Truppe etwas zu in sich gekehrt und introvertiert für ein Open Air Metalfestival. Etwas mehr Augenkontakt und Anfeuern des Publikums hätte es schon gebraucht.

Als zweite Truppe durfte dann SYNLAKROSS aus Spanien antreten. Der bei uns noch völlig unbekannten Kapelle bot das Festival eine Möglichkeit sich zu präsentieren und man konnte auch dem Ruf entgegen wirken  die immer die gleichen Acts am Start zu haben. Dreh-und Angelpunkt der Band ist die extrovertierte Frontfrau mit den grünen Haaren, Patricia Pons die auf der Bühne Blickfang und Rampensau in einer Person war, wodurch die etwas unscheinbare Instrumentalfraktion etwas in den Hintergrund trat. Die Dame schnitt diverse Grimassen, growlte, schrie und quiekte, wobei sie auch „normalen“ Gesang präsentierte der aber noch ausbaufähig war. Auch wenn einige aufgrund dieser Zeilen jetzt an Bands wie ARCH ENEMY denken müssen, spielen SYNLAKROSS mit ihrer Mischung aus Melodic Death Metal, Alternative und diverse Coreelementen doch im Grunde andere Musik und sind auch gar nicht mehr so neu wie ich gedacht habe. Seit 2008 ist die Truppe am Start, hat schon vier Studioalben und die 2022er EP „Ideas Are Bulletproof“ veröffentlicht. Was der Truppe vielleicht noch etwas fehlt ist Struktur und ein roter Faden! Unterhalten hat mich das Ganze schon, wenn es auch zeitweise wegen Frau Pons etwas anstrengend war.

Die bergischen Löwen aus Velbert, OBSCURITY habe ich bisher nur auf Konserve genießen dürfen und deshalb freute ich mich sehr in Andernach eine für mich sehr frische Band zu erleben. Auf Platte empfinde ich die Truppe bisher nicht schlecht, doch live sind die mit schwarzen Hemden und Hosen (nur die Instrumentalfraktion) leicht paramilitärisch ausgestatteten Musiker samt Löwenlogo eine Einheit, während das letzte Gründungsmitglied, Frontmann Agalaz mit gut verständlichen Growls und lockeren Ansagen samt guter Bühnenpräsenz punkten konnte. Auch wenn er wie beim ersten Track nicht zu hören war blieb er locker, macht einen lockeren Smalltalk und spricht den Soundmann an der ihn eh auf dem Kicker hätte. Da können sich manche Diven am Mikro eine Scheibe abschneiden! Ansonsten boten die oft in Deutsch vorgetragenen Lieder eine packende Atmosphäre und gefallen mir live ehrlich gesagt sogar besser als auf Platte! Auch ihr Stil, grob gesagt Melodic Black/Viking/Death Metal hob sich gekonnt vom Rest der Bands ab. Selbst wenn das letzte Album  schon von 2021 ist, habe ich selten eine Band erlebt in diesem Genre aus Deutschland die von 2000 – 2021 satte neun Alben veröffentlicht hat. Mit dieser geschlossenen Mannschaftsleistung und den packenden Liedern waren OBSCURITY für mich das erste Highlight am Freitag! Die können auch gerne wieder kommen.

Setlist:

Wodanaz Kriger
Schicksal Der Götter
Niedertracht
Vintar
Glod En Isa
Ethnogenese
Bergischer Hammer
Naglfar

Als nächstes mussten die zweite und somit letzte Band aus der Region ran: DESASTER! Die Black-Thrasher, ursprünglich aus Mülheim-Kärlich feierten ihren 35. Geburtstag und ballerten den vielen anwesenden Fans eine für meinen Geschmack eine gut ausgewogene Setlist mit vielen Hits und inklusive der meiner Meinung nach nicht zwingenden VENOM Covernummer „Countess Bathory“ vor den Latz. Die vier Herren hatte ich noch nicht mit Drummer Honth gesehen der etwas längere Haare nun hatte und mit viel Bock und großen Grinsen seine Felle bearbeitete. Ebenso Gitarrist Infernal fegte gut über die Bühne, poste wie die Hölle und hatte immer ein Grinsen auf dem Gesicht. Dazu trug er ein echt schönes Leibchen seiner Zweitband MOONTOWERS. Der Gegenpol dazu stellt immer Bassist Odin, immer noch mit Corpsepaint dar. Jener repräsentierte mit viel Leder und Nagelbändern an seinem schlanken Körper den Black Metal Spirit der Neunziger. Aber auch er konnte sich ab und ein ein Grinsen nicht verkneifen. Dazu kommt als prima Einpeitscher aus der Eifel, Frontmann Sataniac welcher einfach eine krasse Röhre hat und einfach einen guten, agilen Frontmann darstellt der auch wohldosiert mit dem Publikum kommunizierte. In Sachen Setlist waren natürlich jede Menge Hits am Start ohne die DESASTER nicht auf eine Bühne gehen dürfen, wobei sie natürlich aufgrund der Spielzeit einige Abstriche machen mussten. Anstatt des VENOM Covers hätte ich mir lieber einen alten Klassiker gewünscht, aber das ist ja alles Geschmackssache. Bang Or Be Banged!

Setlist:

  1. Unholy Intro
  2. Satans Soldiers Syndicate
  3. Devil’s Sword
  4. Learn To Love The Void
  5. Damnatio Ad Bestias
  6. Phantom Funeral
  7. Towards Oblivion
  8. Nekropolis Karthago
  9. Hellbangers
  10. Divine Blasphemies
  11. Countess Bathory
  12. Metalized Blood

Auch die Griechen-Thrasher SUICIDAL ANGELS habe ich bisher immer verpasst! Doch die SLAYER Fans boten hier in Dunkelheit mit effektiver Lightshow eine energiegeladene Vorstellung. Aber entweder ist die Band taub oder deren Soundmann, denn so laut habe ich selten in Andernach und auf ähnlichen Festivals Bands erlebt! Das war echt krass, so dass ich weit nach hinten gegangen bin. Ansonsten konnte man das ganze Festival den knackigen Sound ohne Gehörschutz gut genießen. Ich muss gestehen, dass ich mich warum auch immer in der Vergangenheit mit den Thrashern  wenig beschäftigt habe, manchmal haben mir auch die Alben nicht ganz so gut wie andere in dem Genre gefallen, so dass ich erst mit dem aktuellen Langeisen „Profane Prayer“ richtig Spaß mit den vier Jungs hatte. Den hatte ich auch beim Konzert und das Ganze war einfach eine gute Vorstellung einer erfahrenen Band. Da wie gesagt der Regler mindestens auf 11 gedreht war und ich meine Ohrstöpsel wieder vergessen hatte, war es auch im hinteren Teil spaßig der Band zuzuschauen. Ich glaube sogar kleine Circle Pits gesehen zu haben und viele freudige Gesichter mit und ohne fliegende Mähnen.

Setlist:

When The Lion Dies
Crypts Of Madness
Purified By Fire
The Return Of The Reaper
Bloodbath
Bloody Ground
Virtues Of Destruction
Born Of Hate
Years Of Aggression
Apokathilosis
Capital Of War

DIE APOKALYPTISCHEN REITER aus Weimar sind für mich in Sachen Konzerte wie liebgewonnene, alte Bekannte! In den letzten 20 Jahren haben sie auch mehrmals schon in Andernach gespielt und einmal sogar auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Ich habe die Truppe um Sänger Fuchs und Bassist Volk-man schon in diversen Line-Ups genossen und war sehr traurig, dass ihr quasi Bandmaskottchen Dr. Pest (Keyboards) nicht mehr a am Start ist und auch kein Ersatz eingestellt wurde. Den Mann der oft im S/M Outfit und teils mit und ihm Käfig aufgetreten ist, war immer für einen spaßigen Liveauftritt gut und ähnlich wie Flake bei RAMMSTEIN der Schmunzler auf der Bühne. Aber es gab auch Zeiten da war er ganz brav an den Tasten unterwegs, aber egal. In Andernach kamen die Sounds aus der Konserve wie bei fast allen Bands heutzutage. An Gitarre und Schlagzeug sind neue Leute, leider hat man nur einen Gitarristen, was aber die Keys und der Bass gut kaschieren. Ich kann mich noch an Auftritten mit zwei Saitenhexern erinnern. Gitarrist Titus Maximus agierte optisch unauffällig, aber spielfreudig und agil, während Fuchs wie immer den galanten Entertainer spielte,  dabei gute, intelligente und nette Ansagen machte. Bassist Volk-man ließ die Matte schwingen und war wie der Rest extrem motiviert. Klar so ein neues Line-Up muss man präsentieren. Drummer Rohgarr (die haben auch lustige Bühnennamen!) ballerte die Truppe gekonnt nach vorne. Gerade am Anfang der Setlist kamen die meist deutschsprachigen, kurzen und sehr knackigen Lieder gut an um die Menge aufzuheizen. „Friede Sei Mit Dir“ ist auch ein toller Eröffnungstrack. Später gibt es bei „Seemann“ das obligatorische Schlauchboot und auch eine Konfettikanone kommt zum Einsatz. Frontmann Fuchs war mit dickem Pullover und schwerer Hose mit Stiefeln fast schon winterlich angezogen und wirkte wie ein Gaukler auf alten Jahrmärkten.  Die APOKALYPTISCHEN REITER haben auch 2024 in neuer Besetzung überzeugt und das sehen sicherlich viele Festivalbesucher ähnlich!

Der Freitag war recht gelungen und musikalisch härter, während am Samstag es melodischer und hard rockiger zuging. Laut Kollegen und Bekannten sollen JELUSICK, PHIL CAMPBELL und U.D.O. trotz Dauerregen Highlights gewesen sein, wobei ALL FOR METAL sicherlich den größten Entertainmentfaktor genossen. Ich bin gespannt, was 2025 für Acts kommen und hoffe auf einen Eiswagen und das der Cocktailstand auch wieder kommt!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)