HAR SHATAN – MANUM INICERE ALICUI

Artist

Har Shatan

Albumtitel

Manum Inicere Alicui

Genre

Black Metal

Ein Albumtitel Manum Inicere Alicui zu benennen klingt wesentlich mystischer als Jemandem die Hand auflegen. Überhaupt ist die lateinische Sprache für Bands bzw. Soloprojekte ein gefundenes Fressen, ihren Werken einen geheimnisvollen Schliff zu geben. Für dieses Konzept hat sich auch Zepar alias HAR SHATAN entschieden. Ansässig in den rheinland-pfälzischen Wäldern ist der Solokämpfer seit zwanzig Jahren in finsterer Mission Satans unterwegs. Neben einigen Demos und Splits gab es 2009 das bislang einzige teuflische Ritual mit dem Titel His Legacy. Nach diesem ersten Warnschuss an die religiösen Völker der Erde legte sich für lange Zeit der eisige Mantel von Väterchen Permafrost über das Projekt.

Jetzt, wo die Nächte am längsten sind und der Winter im Normalfall sein weißes Naturkleid ausbreitet, da fühlt sich die Black Metal Gemeinde in der Regel am wohlsten. Mit Schwert und Fackeln bewaffnet im schwarzen Nietengewand grimmig durch den Schnee stapfend, wird jedes Schwarzwurzelklischee in Perfektion erfüllt. Seit einiger Zeit hat sich HAR SHATAN aus seiner diabolischen Behausung hervorgewagt, um mit seiner zweiten Botschaft Manum Inicere Alicui endlich das Reich Satans auf Erden zu errichten.

Das Intro / Aurora startet mit einem bedächtigen, teils schleppendem Einstieg. Beschwörender Klargesang setzt ein und mischt sich mit krächzenden Vocals. Hat eher was von Doom Metal. Ein sehr überraschender Ansatz, der sich als erstaunlich aufpoliertes Soundmonster präsentiert. Die aufkommende Stimmung wird allerdings durch die anhaltende Monotonie in diesen ersten acht Minuten zunichtegemacht. Das viel gefürchtete Damoklesschwert schwebt schon zu dem frühen Zeitpunkt wie ein drohendes Unheil über dieser zweiten Veröffentlichung.

Verzerrte Riffs zu Beginn von Fulgens et Sole Clarior bringen die erwarteten skandinavischen Vibes. Sporadisch setzt im Hintergrund sowas wie Atmosphäre ein, doch diese bleibt autonom für sich. Hier baut sich keine Verbindung zu dem kalten Midtemposturm auf, welcher im Vordergrund tobt. Zwar grundsätzlich ein guter Ansatz, doch hapert es in der passenden Umsetzung. Dadurch ziehen sich die siebeneinhalb Minuten wie zähes Kaugummi und verpassen mit wesentlich mehr Tiefgang einen ersten Hinhörer zu kreieren.

Secret ist ein instrumentales Zwischenspiel, was entgegen der düsteren Erwartung eher wie eine leicht beschwingte Elfe unbeschwert durch eine Blumenwiese schweben lässt. Das lenkt die losgetretene misanthropische Energie in eine völlig falsche Richtung. Loyalty until Death katapultiert das bislang aufgebaute Szenario direkt zurück ins finstere BM Mittelalter und verrenkt sich dabei sämtliche Gliedmaßen bei dem kläglichen Versuch, die billig vorgetragene Turnakrobatik auf den gefürchteten Sportmatten von DARKTHRONES Demozeiten zu absolvieren.

Irgendwie siedelt sich der bisherige sprunghafte Trip mit jedem Track auf einem anderen Gemüsebeet an. Blood of Creation wieder rum ist eine kristallklare Raserei mit typisch roher Prozedur. Hier kann man, wenn überhaupt das erste Mal von annehmbaren Black Metal sprechen. Eine obligatorische Namensfindung in Deutsch gibt es auch auf Manum Inicere Alicui zu entdecken. Nachdem bereits Ein Ritus der ekstatischen Befreiung diesen Part auf dem 2009’er Debüt innehält, präsentiert HAR SHATAN jetzt mit Lichtträger Lucifers eine reißerisch unterkühlte Ballade.

Zum Abschied erklingt Another Dimension, welches sich nahtlos als Fortsetzung zu Secret herauskristallisiert. Eine harmonische Überraschung zum Abschluss. Das kann man so machen, ist aber meilenweit von satanistischen Machenschaften entfernt.

Infos

Release

31.12.2022

Laufzeit

43:54 Minuten

Label

The Sinister Flame

Fazit
"Manum Inicere Alicui" klingt wie ein trüber und äußerst sprunghafter Versuch einen schwarzen Klumpen Hass zu erschaffen ! Da ist wesentlich mehr machbar ! 
6
von 15
Zwiespältig
.