ABSCESSION – Rot of Ages

Albumtitel

Rot of Ages

Label/Vertrieb

Transcending Obscurity Records

Veröffentlichung

19.11.2021

Laufzeit

40:00 Minuten

Genre

Death Metal

Was das Reinheitsgebot für das deutsche Bier bedeutet, gilt in Schweden für den ansässigen Death Metal. Dort zwischen Elchen und Surströmming scheint die HM2 Quelle durch immer wieder neue Bands nicht mehr zu versiegen. Was mittlerweile drei Jahrzehnten als bewährtes Konzept bestand hat, macht auch vor den Toren Stockholms nicht halt. Spezifisch in Linköping haben sich ABSCESSION vor zwölf Jahren vereint, um die blaugelbe Fahne weiter im klassischen HM2 Stil wehen zu lassen. Dabei ist die Bandhistorie in der Zeit mit dem Demo „Death Incarnate“ (2010), dem Debüt „Grave Offerings“ (2015) und der Single „The Final Furnace“ (2016) bisher noch nicht sonderlich gefüllt worden.

Das ändert sich nun mit dem zweiten Album „Rot Of Ages“. Glatte vierzig Minuten rotiert diese zweite Runde Elchtod durch die Boxen. Obwohl die Band in der Vergangenheit bisher nur bedingt in Erscheinung getreten ist, besteht bei den ersten Tönen des Openers „Rat King Crawl“ direkt ein vertraute Midtempo-Gefühl mit einigen schnelleren Updates. Dieses Feeling pendelt permanent zwischen Göteborg und Stockholm im typischen Uftatastil mit dem Herz am richtigen Fleck. Mit „Theater Of Pain“ packen die Schweden im Anschluss ein Albumhighlight direkt auf den Tisch. Diese Nummer trumpft durch schnell vorgetragene Melodien auf, ohne dabei auf eine große Portion Brutalität zu verzichten. Das auch heute noch EDGE OF SANITY einen großen Einfluss ausüben, ist bei „Dead Man’s Hate“ nicht zu überhören. Immer wieder ein Genuss, dem zeitlosen Stil der großartigen Band aus dem Dan Swanö Lager auch in heutigen Veröffentlichungen zu begegnen.

„Rain Of Death“ entwickelt sich zu einem durchtriebenen Blastbeat-Unwetter. Doch auch hier schleichen sich die herrlichen Melo-Parts an die richtigen Stellen im Song, um den nächsten Elch fachmännisch zu zerlegen. Ein Song mit Suchtpotenzial ! Je länge die zweite Veröffentlichung vor sich hin rotiert, je größer wird die Begeisterung für ihre musikalische Performens. Nach dem bisher gehörten Songs hat ABSCESSION noch lange nicht sein Pulver verschossen. Auch bei dem gleichnamigen Titeltrack „Rot Of Ages“ zaubern die Jungs einen Überraschungsmoment aus dem Hut. Nach den bisherigen Prügelorgien wird es nah zu sentimental. Ein Klavierpart im Mittelteil zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und erhält dabei Unterstützung von schönen Clean-Vocals. Ein gelungener Move, bevor der Death Metal wieder Einzug hält. Das auch mit dem Beginn der zweiten Hälfte keine Gefangenen gemacht werden zeigt „The Final Furnace“ Auch hier wehen einem die nordlischen Todesbleimelodien um die Nase und mit sehr viel Nachdruck wird ein deftiger Abschnitt zelebriert. Die Basis besteht zwar aus bekannten Death Metal Strukturen, lässt dabei viel Raum für eine eindrucksvolle Frische.

„When the Guillotine Falls“ sehr gesundes Selbstbewusstsein. Markus „The Mexican Mummy“ Porsklev lässt sein Schlagzeug ordentlich krachen und die Nummer treibt zunächst in sehr straighten aggressiven Gewässern und steuert zum Ende hin mit den Synthesizerklängen in die melancholisch seichte Untiefe. Ein schöner Track der gern es verdient öfters gehört zu werden. Nun holen ABSCESSION  ihre „War Machine“ aus dem Schuppen. Motor zu laufen gebracht und die Ketten geölt und los geht es… Was hier bedrohlich durch die Landschaft walzt, ist ein Prunkstuck der skandinavischen Armee. Neben einigen eingebauten Kriegsszenarien herrscht der unermüdliche Schwedentod in diesem facettenreichen Kriegstreiben. Bei dem vorletzten Song „Prometheus Unbound“ wird unbekümmert weiter geholzt. Im sehr zügigen Tempo kreist neben ein paar schönen rhythmischen Riffeinlagen nur die bewährte Abrissbirne. Knappe fünf Minuten dauert das reine Keyboardfinale „Età della putrefazione“ (Alter der Fäulnis). Da gibt es das erste Mal Zeit zum durchschnaufen. Diese Soundinspiration erinnert ein wenig an die gute alte italienische Spezialitätenküche des Gore ala Fulci !! 

„Rot Of Ages“ ist ein sprichwörtliche Wucht in Tüten. Dabei schaffen es ABSCESSION in den vierzig Minuten ein unerschütterliches Fundament zu gießen, welches auf spielerisch hohem Niveau wandelt und dabei eine ganze Menge Abwechslung zu bieten hat !

Fazit
ABSCESSION - "Rot of Ages" ein vertonter zeitgemäßer Volltreffer !! 
14
von 15
Geniestreich
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