WALDGEFLÜSTER – DAHOAM

Albumtitel

Dahoam

Label/Vertrieb

AOP Records

Veröffentlichung

24.09.2021

Laufzeit

49:20 Minuten

Genre

Black Metal

„Dahoam“ ist für WALDGEFLÜSTER ein besonders Album. Einerseits ist es der gedankliche Nachfolger des zehn Jahre zurückliegenden Konzeptalbuma „Femundsmarka“, vor allem aber ist es ihr Labeldebüt bei AOP Records. Dass sie diesen Ritterschlag mehr als verdient haben, stellen WALDGEFLÜSTER eindrucksvoll unter Beweis.
„A Taglachinger Morgen“ eröffnet das Album melancholisch und zurückhaltend mit Akustikgitarre, untermalt von Waldgeräuschen. Der einsetzende Gesang, ruhig und gefühlvoll, ist erfüllt von jener Ergriffenheit, die nur die Schönheit der Natur in einem Menschen wecken kann. Es ist überhaupt nicht notwendig, jedes Wort des in bayrischer Mundart vorgetragenen Textes zu verstehen. Die musikalischen Themen des Openers greift „Im Ebersberger Forst“ auf und verarbeitet sie weiter, lässt dabei Bilder im Kopf entstehen von malerischen, unberührten Landschaften. Solche Stücke kann nur schreiben, wer mit der Majestät der Natur aufgewachsen ist. „Am Stoa“ bietet wieder eine Ruhepause für die Sinne. Akustikgitarre, Synthesizer, Klavier und das Flüstern von Winterherz, bevor der Black Metal Sturm mit epischen Anleihen an BATHORY in Gestalt von „Am Tatzlwurm“ wieder über den Hörer hereinbricht. „In da Fuizn“ erreicht diese Stimmung mühelos in etwa der Hälfte der Spielzeit. Das kompositorische Herzstück des Albums ist aber ohne Zweifel „Mim Blick aufn Kaiser“. Winterherz zeigt in diesem Song alle Facetten seiner Stimme, und WALDGEFLÜSTER schaffen auch hier den Spagat zwischen Härte und Verträumtheit, ohne dass es an irgendeiner Stelle zusammengestückelt wirkt. „Am Wendelstoa“ erinnert anfangs mit dem archaischen Rhythmus der spärlich eingesetzten Trommeln, den Akustikgitarren und dem teils mehrstimmigen Gesang an ruhigere Stücke der Pagan Götter von PRIMORDIAL, die E-Gitarren sind allerdings verstummt, ein Rückfall in die Raserei bleibt aus. Nach einem kurzen Einsatz militärisch anmutender Snarewirbel klingt das Album ruhig und verträumt aus und 49 Minuten sind wie im Flug vergangen.

„Dahoam“ von WALDGEFLÜSTER klingt, als hätte man das Rauschen eines bayrischen Urwaldes in epischen, komplexen Black Metal gegossen. Wunderbar unmordern, weltfremd und zeitlos in der Zeit stehengeblieben. Der Albumtitel hätte passender nicht gewählt werden können, denn „Dahoam“ ist ein wahrlich ergreifende Liebeserklärung an die Heimat. Wen immer es aus der ländlichen Heimat der Kindertage in die graue Tristesse der Großstadt verschlagen hat, braucht nur dieses Album aufzulegen, die Augen zu schließen, und ist zu Hause.

Fazit
Atmosphärisch-dichter Black Metal, der einen Waldspaziergang nahezu ersetzt! Ganz großes Kino!
13
von 15
Hervorragend
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