BELIAL – GODS OF THE PIT II (PARAGON SO BELOW) (EP) (RE-RELEASE)

Albumtitel

Gods Of The Pit II (Paragon So Below) (EP) (Re-Release)

Label/Vertrieb

Moribound Records

Veröffentlichung

29.01.2021

Laufzeit

13:02 Minuten

Warum es ein Label für notwendig erachtet, eine 1993 erschienene EP einer finnischen Band im Jahre 2021 noch einmal aufzulegen? Eine Möglichkeit wäre, dass sie seit 2010 nicht mehr gepresst wurde. Eine andere hoffentlich, dass sie so geil ist, dass sie auch heute noch gehört werden sollte. Wie bei vielen neu entstehenden Musikstilen ist auch Vieles aus den Anfangstagen des Death Metal wieder in der Versenkung verschwunden oder landet nur noch bei Oldschool-Connaisseuren auf den Drehtellern.
„The Invocation“ stampft zunächst doomig los, aber das ist nur falscher Alarm. Schon nach ein paar Takten geht die Bassdrum in doppelläufiges Dauerfeuer über, die Gitarren sägen sich durch brutale Riffs aus jener fernen und sehnsuchtsvollen Zeit, als noch niemand so genau wusste, wo eigentlich DEATH METAL aufhört und BLACK METAL anfängt. Trotz des hohen Tempos bleiben BELIAL facettenreich und vernachlässigen auch den Groove nicht. Das bei diesem Tempo alle Instrumente so sehr auf den Punkt gespielt sind, ist in einer Zeit, als Tonspuren noch nicht per Mausklick bearbeitet und einzelne Anschläge noch nicht hin und hergeschoben werden konnten, alles andere als selbstverständlich. Manche Releases dieser Epoche leben von ihrem krakigen Charme, BELIAL hingegen brauchen keinen Nostalgiebonus, um hörbar zu sein. Dazu tut auch der Gesang seinen Teil. Zwar ist kein Wort zu verstehen, aber wen stört das, wenn der Sänger derart brutal vor sich hinröchelt, als wäre er zwei Mal gestorben und wieder auferstanden? Bei „Voices Beyond“ gibt es die gleiche Mischung, allerdings mit einem kurzen Gitarrensolo. Diese beginnt mit einem kurzen Kerry-King-Gedächtnis-Bending, verschwindet aber leider ohne bleibenden Eindruck und allzu viel Aufsehen eben so schnell, wie es gekommen ist. Der Song endet mit einem Fade-Out, was eigentlich auch in den Neunzigern schon nicht mehr cool gewesen dürfte. „Deceased“ und und „For Them“ verzichten auf derlei Kinkerlitzchen weitgehend und pflügen sich weiter durch die Gehörgänge wie ein Panzer durch den  finnischen Schnee. Aus dieser brutalen Erfolgsmischung sticht einzig „Piece By Piece (Remix)“ heraus, der klingt wie ein Überbleibsel einer qualitativ weniger wertigen Grindcore-Produktion und wohl auch genau das ist.

Drummer und Sänger Reima Kellokoski und Gitarrist Jarno Antila liefern dermaßen ab, dass sich mir die Frage aufdrängt, was die heute wohl machen. Derartige Talente sind ja wohl hoffentlich nicht einfach so im musikalischen Nirvana verschwunden. Sind sie auch nicht. Letztlich sind die beiden bei IMPALED NAZARENE untergekommen und lärmen dort noch heute vor sich hin. Ein Zeugnis ihrer starken Anfänge als Musiker liefert „The Gods Of The Pit Part II (Paragon So Below)“. Brutaler kann Nostalgie und Bierdurst wohl kaum klingen.

Fazit
Ganze starke Neuauflage eines vergriffenen Death Metal Klassikers!
14
von 15
Geniestreich