AMON ACID – PARADIGM SHIFT

Albumtitel

Paradigm Shift

Label/Vertrieb

Helter Skelter/Regain Records

Veröffentlichung

26.02.2021

Laufzeit

40:31 Minuten

In den Sechzigern und Siebzigern des letzten Jahrhunderts erobert mit den Hippies eine der ersten Subkulturen den Planeten. Im Gepäck hatten sie VW-Bullis, bunte Klamotten, frei Liebe, Musik und LSD, damals Acid genannt. Dies war nicht nur die Zeit der Geburt neuer politischer Ideen, sondern auch vieler Bands, deren Werk und Einfluss in späterer Zeit unter anderen Geburtshelfer des Heavy Metal sein sollten. Nach dieser Substanz haben sich wohl AMON ACID benannt, und auch die vom LSD maßgeblich mitbestimmte Epoche der Musik scheint ihre Kunst beeinflusst zu haben.
Das Intro wartet mit dreckig verzerrten Gitarren auf und würden das Albumcover und der Bandname nicht schon Bände sprechen, welche Art von Musik auf den Hörer wartet, wären wir erst einmal recht im Unklaren. „Monarch“ beginnt mit einer hypnotischen Mischung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthies sowie einem Effekt im Hintergrund, der ein wenig an eine extrem langsame Sprachnachricht erinnert und in der Machart Erinnerungen an HAWKWINDs „Silver Machine“ erinnert. Flower Power ist hier musikalisch aber nicht angesagt, viel eher ein doomiger Acid-Trip. Der Gesang ist unter Effekten begraben, gewinnt aber dadurch eine Atmosphäre, die sich perfekt ins klangliche Gesamtbild einfügt. Überhaupt ist es nicht ganz passend, von Gesang im eigentlichen Sinne zu sprechen. Eher wird hier effektvoll und melodisch ins Mikrofon geredet, eine Stimme, wie aus dem Nebel des eigenen Unterbewusstseins. „Alien King“ startet mit orientalisch angehauchten Gitarren vor einer ähnlichen Klangkulisse, bricht aber immer wieder in tonnenschwere Doomriffs aus. SciFi-Sounds und verzerrter Bass leiten „Overlord“ ein, „Fear of Space“ kommt nahezu ganz ohne Gesang irgendeiner Art aus. Auch am Anfang des Titelsongs bliept es wie in einem Science-Fiction-Film aus der Zeit der Blumenhaarkränze und übergroßen Sonnenbrillen, entwickelt sich mit aber über zwölf Minuten zu einem wahrlich beklemmenden Stoner-Doom-Epos mit nicht minder epischem Finale.
Sarantis und Briony Charvas nehmen uns über die klassische Laufzeit einer LP auf einen akustischen Trip mit, der aber alles in allem eher nach Paranoia und Beklemmung klingt als nach Freiheitsdrang und Liebe unter freiem Himmel. Schwere Kost, aber grandios komponiert und vorgetragen. Das neue Album erscheint dank Regain Records auch standesgemäß in limitierter Stückzahl auf Vinyl, wer sich für diese Art Musik begeistern kann, sollte da zugreifen.

Fazit
Schwere Kost, aber musikalisch astrein!
13
von 15
Hervorragend