LEVIATHAN – WORDS WAGING WAR

Albumtitel

Words Waging War

Label/Vertrieb

Stonefellowship Recordings

Veröffentlichung

27.11.2020

Laufzeit

67:23 Minuten

„Words Waging War“, Worte die Krieg führen, heißt der neuste Output von LEVIATHAN.
„Compromised by Need“ leitet das Album mit einem Sprachsample ein, einem Stilmittel, dass zusammen mit Spoken Word Passagen immer wieder auf dem Album zu finden ist. Der Sound des Albums ist klar und transparent, Gitarre, Bass, Keyboards, Drums und Gesang lassen sich gegenseitig genügend Raum. Dieser Sound in Verbindung mit der Klangfarbe der Stimme von Rafael Gazal lässt sofort an die Progressive-Metal-Überväter von DREAM THEATER denken, doch schlagen wir uns diesen Vergleich trotzdem aus dem Kopf, denn mal ehrlich, wer kann in diesem Rennen schon bestehen?  Über etwas mehr als eine Stunde Spielzeit breiten LEVIATHAN nämlich mit sehr ähnlichen Zutaten einen ganz eigenen Klangteppich und Stil aus, der trotz aller Reminiszenzen sehr eigenständig wirkt. Dies zeigt sich zum einen am fokussierteren Songwriting, das den längsten Song des Albums, „Projecting Feelings“, schon nach 7:15 über die Zielgerade schickt. Es werden alle Register gezogen, die ein Prog-Album ausmachen, bis auf die großen Frickelorgien und ausufernden Instrumentalsoli. „Who Am I Supposed To Be“ fährt schönen Kopfnicker-Prog mit geilem Gitarrensolo auf. Am Ende gibt es wieder Synthies mit düsterem Monolog: „Every time I looked in the mirror I saw a stranger staring back at me“. Man muss wirklich kein Prog-Fan sein, um da eine Referenz an den QUEENSRYCHE-Klassiker „Eyes Of A Stranger“ zu bemerken. Eine schmalzige Ballade findet sich auf dem Album glücklicherweise nicht, auch wenn „Picture Perfect“ das mit Akustikgitarren und Flamencoflair zunächst antäuscht. Die beiden Songs „Cast A Long Shadow“ und „A Legacy Not Yet Defined“ hat Gazal für seinen Sohn geschrieben, wobei letzterer eher das Feeling eines Outros als eines richtigen Songs besitzt, dominiert von Klavier und spärlicher Hintergrundinstrumentierung.

Einen konzeptionellen Überbau, wie ihn der Titel und seine Geschichte sowie die zahlreichen Sprachsamples andeuten, konnte ich auf „Words Waging War“ nicht ausmachen. Das ist auch kein Muss, aber ein schönes Mittel, um die Hörerschaft bei dieser Musik an der Stange zu halten. „Words Waging War“ bietet an sich fast alles, was das Prog-Herz begehrt, liefert aber zu wenige eigene Ideen, um aus der Masse herauszustechen. Eingängigkeit ist zwar nicht die Kardinalstugend in der progressiven Musik, aber so ein, zwei Melodien, die schon nach dem ersten Hören des Albums im Kopf bleiben, wären nett gewesen. Ein wirklich solides Album, dass einen treiben lässt, aber leider nie wirklich in die Tiefe zieht. In den Neunzigern wäre es eventuell ein aufsehenerregenderes Release gewesen, so steht es souverän im Schatten der großen Vorbilder.

Fazit
Ein gutes Progressive Metal Album, dass es nicht ganz schafft aus der Masse herauszustechen
10
von 15
Interessant