BEHEMOTH – AND THE FORESTS DREAM ETERNALLY (RE-RELEASE)

Albumtitel

And The Forests Dream Eternally (Re-Release)

Label/Vertrieb

Metal Blade Records/Sony

Veröffentlichung

18.09.2020

Laufzeit

71:57 Minuten

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Bei den Mannen um Teilzeitinstragraminfluencer Adam „Nergal“ Darski weiß man nie so genau, was sie als nächstes tun. Eine Tour mit Folk-Black-Metal-Elbenprinzessin MYRKUR im Gepäck war schon für viele Elitisten schwer auszuhalten, der Openerslot auf der letzten SLIPKNOT-Tour war dann der allerletzte Pflock in den untoten Körper ihrer Black Metal „Street Credibility“. Sei es drum, im Tausch gegen den beständigen Aufstieg zur musikalisch bedeutsamsten Extreme Metal Band ein mehr als verschmerzbares Opfer. Jetzt wurde ihre erste EP „And The Forests Dream Eternally“ neu aufgelegt, dazu gibt es zahlreiches Bonusmaterial. Leichenfledderei oder doch ein Geschenk an die Fangemeinde? Let’s find out…
Der erste Song „Transylvanian Forest“ beginnt mit einem krächzenden Raben vor dem Hintergrund eines rauschenden Waldes, oder doch einer stark befahrenen Autobahn? Man hört es nicht so genau heraus, daran ändern auch die zart piepsenden Vögelein drum herum nichts. Aber eben das macht den Sound von Black Metal Mitte der Neunziger aus, und genau da befinden wir uns jetzt. Eine Zeitreise zu einer Band in ihren Anfängen, die Emanzipation von den Idolen ist noch nicht zu erahnen. Nergal krächzt sich aggressiv durch Black Metal Songs alter Schule und klingt dabei kaum anders als ABBATH. Bei „Pure Evil And Hate“ gibt es gar bestes VENOM-Riffing, aber schon hier weit weniger rumpelig, als es die Urväter des Genres heute noch zelebrieren. Der Bass sitzt erstaunlich hörbar im Mix, die Drums feuern über dem damaligen Genrestandard aus den Rohren, hier und da kommt ein Gitarrensolo um die Ecke. Wie die Songs dieser EP aus dem Jahr meiner Einschulung mit einem stimmlich gereiften Nergal und einem noch besseren Drummer klingen, demonstrieren die als Bonustracks enthaltenen Liveversionen  von „Transylvanian Forest“, „Moonspell Rites“ und „Pure Evil And Hate“. „Transylvanian Forest“ gibt es dann noch zwei mal als Liveversion aus dem Jahr 1996. Hier geht, wenn auch nicht so stark wie bei den folgenden Proberaumaufnahmen aus dem Jahr 1993, dokumentarischer Eifer vor klanglicher Qualität. Aber fuck, wäre ich damals nicht gerade erst acht Jahre alt gewesen, hätte ich da gerne leicht bis mittelmäßig angetrunken in der ersten Reihe gestanden. Bei letzteren vier Songs übrigens kommt mir unfreiwillig das Bild des Fisher-Price-Black-Metal-Recordingstudios in den Sinn, aber so war das halt früher. Wir hatten ja auch nicht viel damals. Und für eine Aufnahme aus dem Proberaum einer Undergroundband Anfang der Neunziger ist das dennoch mehr als amtlich, die musikalische Qualität der Songs und Musiker ist nicht zu leugnen. Auch wenn es interessant gewesen wäre, bei allen Songs Nergals Gesang im Proberaum zu hören.

Der Re-Release dieser EP wird die Kritiker nicht zum Schweigen bringen und kaum eine nennenswerte Zahl verlorener schwarzer Schafe zurück in den Schoß der „Ecclesia Diabolica Catholica“ führen, Fans und die, die es noch werden wollen, können aber bedenkenlos zugreifen. Das Bonusmaterial bietet einen echten Mehrwert, und von dem Geld, dass man Bootleggern in den Hals wirft, können Nergal und seine Mitstreiter schließlich nicht ihre Gerichtskosten zahlen – der nächste Blasphemieprozess kommt bestimmt.

Fazit
Starke Neuauflage mit viel value for money!
11
von 15
Gut