A Chance For Metal Festival 2019 / Andernach

Tempest, Sacriolegion, Hornado, Desdemonia, Tyler Leads, Sic Zone, Deluminate, Ghost Empire, Futurephobia, Moontowers, Journey Of DC, Elvenpath, Blessed Hellride, Hammer King, Contradiction

Ort

Andernach, Juz Live Club

Datum

02.05.-03.05.2019

Bilder

Mario Loeb / Thorsten Dietrich

Freitag

Seit Anbeginn der Andernacher  Zeitrechnung war das zwei Tage Undergroundevent „A Chance For Metal Festival“ immer mit Bombenwetter gesegnet! Dieses Mal sollte es nachts am 2 und 3. Mai etwas kalt werden mit einstelligen Temperaturen, Regen und Wolken gab es auch etwas, aber ansonsten war alles wie immer, wobei nur der Acker mit Gemüse auf dem Zeltplatz befremdlich wirkte. Aber die Veranstalter machten das Beste daraus und legten den Campingplatz halt etwas mehr nach hinten und nach links. Ansonsten war alles wie immer. Ein Merchzelt für die Bands, ein großer Bierbrunnen, zwei Imbiss Buden draußen und jede Menge Bänke. Für die in der Halle spielenden Bands war das Wetter aber sicherlich von Vorteil.

Sacrilegion

Die für uns erste Band des Tages waren Sacrilegion die eine ganz interessante Mischung aus Heavy Metal und Thrash zockten. Die Trierer um Frontmann und Gitarrist Alexander Orth der mit ordentlichem „Brüllgesang“ punkten konnte, zeigten gutes Material auf der Bühne, was die Zuschauer mit erhöhter Anwesenheitsrate zu würdigen wussten. Das ungekünstelte Auftreten der in fremden Bandshirts und Jeans auftretenden Truppe gefiel also nicht nur mir. Ich muss sagen, dass ich das Quartett einfach gut und bodenständig empfand!

Hornado

Ich habe zwar noch nie eine CD von Hornado gehört, doch die Bonner old school Metaller machen live tierisch Spaß wie ich schon 2017 auf dem „ACFMF“ feststellen konnte!  Das Retrooutfit des schmächtigen Bassisten Moe Rider mit dem Tom Selleck Schnauzbart regt mich immer zum Schmunzeln an. Der Mann spielte mit sich den Fingern an seinem kurzen Bass einen Wolf.  So war es auch wieder an diesem Freitag. Die Jungs um Frontglatze Dave Laserchild ließen nichts anbrennen, waren agil, gut drauf und unterhielten mich mit rauem Heavy Metal bei dem Pilotensonnenbrillen einfach dazu gehören. Die Saitenfraktion ließ die Matten kreisen wie bei einer Thrash Kapelle, in Bewegung waren die Herren dabei auch ordentlich. Ein guter Gig der die Leute mitgerissen hat!

Desdemonia

Unter diesem Bandnamen konnte ich mir nichts vorstellen! Entsprechend neugierig war ich dann. Die vier gesetzteren Herren aus Luxemburg, einem kleinen Nachbarland mit hervorragenden Melodic Death Metal Band wie Sleeper‘s Guilt oder Feradur spielten klassischen, leicht thrashigen Death Metal der zwar auf die Dauer etwas monoton war, aber direkt ins Blut ging. Der kurzhaarige, bullige Bassist Tom Dosser war direkt auch Sänger und röhrte sich stilecht den Elch, wobei er von dem positiven Feedback des immer zahlreicher zu scheinenden Publikums positiv überrascht war. Auch ich war von der rohen und direkten Musik gefangen und genoss die 45 Minuten Kontrastprogramm zu dem ansonsten eher Heavy Metal-lastigen Billing. Desdemonia ist einer der Acts die man im Auge behalten sollte.

Tyler Leads

Was jetzt kam ist kaum zu beschreiben! Eine völlig unbekannte, erst 2016 gegründet Band aus NRW namens Tyler Leads rockte sich dermaßen professionell und agil den Arsch ab dass ich meinen Kindern später sagen kann: ich war dabei als die kaum einer kannte!  Die verdammt fit aussehenden Burschen um Sänger Johnny Kovacs sind für mich und viele andere Deutschlands heißester Newcomer. Als hätte Bon Scott einen Enkel von dem keiner weiß rockte die Arsch tretende Mischung aus  frühen Led Zeppelin,  etwas Airbourne und Konsorten das Haus und schwitzten sich um ihr Leben. So agil, sicher und dabei mitreißend habe ich selten eine „kleine“ Band erlebt. So war es kein Wunder, dass das gesamte Juz dabei steil ging und die Truppe völlig zu Recht abfeierte. Tyler Leads waren so geil, die hätten auch locker eine halbe Stunde länger spielen können! Von Tyler Leads werdet ihr hoffentlich noch viel hören! Hoffentlich schaffen die Herren es ihre unbändige Liveenergie mittels fähigem Knöfchendreher auf CD zu bannen.

Sic Zone

Gern gesehene Andernach Headliner, oder zumindest oben im Billing sind die Kölner Sic Zone, die ich schon oft gesehen habe und auch an diesem Freitag mir gerne ansah. Wie immer war zur „Freude“ aller Fotografen die Bühne in tiefrotes Licht getaucht und es blitzte an allen Ecken und Kanten.  Es ist aber doch eine Weile her, dass ich die Musiker um Patrick Fischer (Gesang, Gitarre) live sah. Der neue Gitarrist und der Keyboarder waren mir noch nicht geläufig. Wie immer gab es jede Menge brachialer derber Modern Death / Thrash Songs die mit Inbrunst ins durchdrehende Publikum geschleudert wurden. Jedes Open Air mit Geschmack und einer gewissen Härte müsste diese Truppe eigentlich direkt buchen! Wer nicht glaubt wie cool der Abend war, die Band hat das ganze live bei Facebook übertragen und das Ganze ist immer noch auf ihrer Seite zu finden. Denn trotz harter Musik, kritischer Texte und derben Gesang wurde hier mit dem Publikum gefeiert und wieder waren einige Leute auf der Bühne zum Abfeiern während diverser Lieder. Ich kann mich auch 2019 nur wiederholen: Daumen hoch für Sic Zone!

Samstag

Das Wetter hatte sich überraschend gehalten, nachts war es dafür aber bitterkalt. Wir ließen uns als Heimschläfer davon nicht abhalten. Ansonsten haben wir mal das Essen probiert, Pizza war in Ordnung. Die Currywurst aber mit vier Euro viel zu teuer für ein Undergroundfestival und die vegetarischen Sachen und die Suppe waren wohl lecker und schnell ausverkauft, schade! Ich denke da wird sich 2020 bestimmt wieder was ändern in Sachen Anbieter, da einige nicht zufrieden waren. Die Auswahl des Essens im Vorfeld war ja cool und die Speisekarte machte Lust da zuzuschlagen.

Deluminate

Als erstes mussten Deluminate um 15 Uhr ran. Die junge Combo spielte eine Art Metalcore, war somit ein Farbtupfer im Billing und kam mit zwei Sängern daher. Schnell machte sich bei mir jedoch Ernüchterung breit! Irgendwo habe ich die Jungs schon mal gesehen und der umwickelte Knochen (?) am Mikro eines der Schreihälse angeschraubt sah aus wie ein frisch bandagierter Ellenbogen und war auch 2019 extrem albern. Ansonsten fiel mir direkt auf, dass die beiden Vokalisten eigentlich recht ähnlich blökten, weshalb die Doppelfunktion eigentlich überflüssig war, zumal ein Gitarrist die wenigen und etwas wehleidig klingenden klaren Passagen sang.  Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich mir diese Truppe merken konnte, da weder die Musik noch die Liveperformance irgendwie für mich spannend waren.

Ghost Empire

Die Hessen Ghost Empire hatten einen coolen Bandnamen, also war ich neugierig auf die 2014 gegründete Band. Direkt auffallend war der optische Unterschied von Sänger Sascha „Tatze“ Noll zum Rest der Formation. Dieser sah mit blonder Matte, Achselshirt, Tattoos und Flecktarnhose nebst Wampe wie ein typischer Thrasher aus, während der Rest der Truppe teilweise mit schicker Weste, schwarzen Hemden und ebensolchen Hosen um einiges gediegener auftraten. Vielleicht das war so geplant als Kontrast, witzig war es trotzdem, denn die anderen Musiker waren live eher reserviert und kühl, während Herr Noll den headbangenden, rumstapfenden Schreihals gab. Irgendwie spielte der Neffe von Johan Hegg hier zusammen mit einer finnischen Gothic Rock Band,  so sah es jedenfalls aus. Ach ja, einer der Gitarrenbrüder war noch für den wehleidigen Klargesang zuständig.  Ghost Empire waren für mich also dank der kuriosen Mischung echt interessant, musikalisch wie optisch. An der Feinjustierung der Lieder muss aber noch was getan werden!

Futurephobia

Ich glaube Futurephobia sind die Band mit der weitesten Anreise aller Zeiten beim ACFMF – 15 Stunden mit dem Auto, Respekt! Die vier Jungs kamen nämlich aus Bosnien. Wie jeder weiß, werden die Gruppen bei diesem Festival von den Fans gewählt durch die zwei Tage frei stehende Bandbox. Da wirft jeder anonym was rein. Aber anscheinend gibt es noch eine Futurephobia aus Unna. Die machen, ihr werdet es kaum glauben auch Thrash Metal wie die Bosnier. Aber egal, manchmal brauch man halt Glück. Die Bosnier zockten soliden, recht traditionellen Thrash Metal der von Acts wie frühen Sepultura hörbar beeinflusst wurden. Blitzsaubere Riffs und eine gute Mannschaftsleistung attestiere ich den vier Herren ohne Exotenbonus oder ähnliches. Das war eine ordentliche Vorstellung. Als unbekannte Band hatten die Südeuropäer es natürlich schwer und so waren im Vergleich zu anderen Formationen natürlich weniger Leute vor der Bühne. Aber immerhin gab es hier nette deutsche Ansagen.

Moontowers

Nun folgte ein grandioses Heimspiel da die Newcomer Moontowers aus Koblenz mit Musikern von diversen Bands wie Desaster, Metal Inquisitor, Secutor und Bluesside besetzt waren. Die lediglich eine kurze EP am Start habenden Epic-Doom Metaller hatten somit den Laden auf ihrer Seite und es war recht voll. Dabei bekamen sie auch den besten Sound des Abends da sie ihren eigenen Soundmann dabei hatten der sich in Andernach auch noch gut auskannte. So kam es dann zum ersten Highlight des Tages und meiner Erkenntnis dass Moontowers verdammt originell und eigenständig klangen. Vor allen Dingen tönte da nichts nach den anderen Bands der Musiker, auch wenn Gitarrist Infernal Kuschke wie bei Desaster über die Bühne marschierte. In Sachen Outfit kamen die Musiker mit ihren schwarzen Hemden und Hosen echt edel rüber und zeigen dass man als Band keine beknackten Bühnenklamotten braucht um sich etwas von der Masse abzuheben. Die intensive Stimme von Frontmann und Teilzeitgitarrist Dirk Dommermuth setzte der spannenden und an diesem Festival völlig einzigartigen Musik dann auch noch die Krone auf. Ich hoffe die irgendwann kommende Debütscheibe wird so toll wie dieses Konzert in Andernach!

Journey Of DC

Unter dem Namen Journey Of DC konnte ich mir nichts vorstellen! Um die AOR Helden Journey oder die Hauptstadt der USA schien es sicherlich nicht zu gehen. Roher Death Metal boten uns die Frankfurter als dritte Hartwurstband des Festivals. Das Alles hatte Hand und Fuß, aber weder der gleichförmige Standardgrowler, noch die Lieder hinterließen bei mir einen Eindruck. In Sachen Stageshow wurde solider Standfußball mit Headbangeinlagen der Gitarristin geboten. Die Frontglatze stapfte etwas über die Bühne, der Rest wirkte sehr auf die Instrumente konzentriert. Die 45 Minuten waren für die Band auf jeden Fall zu lang, was ich genauso empfand wie viele Zuschauer. Fazit: totaler Durchschnitt.

o.

Elvenpath

Die Frankfurter Fantasy Power Metaller habe ich jetzt schon drei Mal gesehen und sie haben immer eine total engagierte, natürliche Show hingelegt. So war das auch 2019. Etwas drollig empfand ich die nicht vorhandenen Bühnenklamotten, jeder kam wie er dachte und Frontsirene Dragutin Kremenovic sah mit neuer Kurzhaarfrisur wie der Cousin von John Bush aus. Sein Lederjackenoutfit kombiniert mit kurzer Hose hätte aber auch ein Karl Lagerfeld gewagt gefunden. Dafür bekam der Topsänger Kilometergeld, klatschte die Leute im Sprint durch die Halle ab, wandelte auf der Empore herum und gab sich stimmlich dabei keine Blöße. Der Rest der Gruppe ackerte mit sichtlichem Spaß in den Backen an ihren Instrumenten und ballerte jede Menge Hits in die Menge. Elvenpath die ohne Label arbeiten, haben auch mit „The Path Of The Dark King“ ein relativ aktuelles und wie immer sehr starkes Album draußen. Das war dann mein zweites Tageshighlight.

Blessed Hellride

Mit den Trierern Blessed Hellride folgte dann mein drittes Highlight des Samstages! Wahnsinn wie stark das Billig an diesem zweiten Tag doch war. Die fünf bärtigen Herren zeigten viel Selbstvertrauen und Bühnenerfahrung, sahen wie eine stilechte, zeitlose Metalband ohne Gimmicks aus und hatten wohl die meisten Langhaarmatten des Festivals vereint. Frontmann Tiny Fuel sah wenig aus wie sein Pseudonym, eher wie der Sohn von Gene Hoglan der über eine tolle Röhre verfügte und mit seinen Lämpchen am Mikrofon recht verspielt wirkte. Hits wie „Bourbon King“ oder „Helldorado“ konnte sich keiner entziehen. Vor der Bühne und auf jener wurden dazu kräftig die Matten geschüttelt und wer auf Black Label Society steht, von denen ein Album so heißt wie diese Band hier, wird auch ganz viel Spaß mit den Trierern haben! Blessed Hellride will ich mir auf jeden Fall wieder anschauen.

Hammer King

Das vierte Highlight folgte auf den Fuß und war mein erster Kontakt live mit den Deutschen Hammer King. Das sind ehemalige Musiker von Bands wie Ross The Boss oder den Pfälzern Ivory Night die hier eine Art Gimmick Band aus St. Tropez (!) darstellen mit falscher Biografie und saublöden Pseudonymen. Dabei wird das Wort Hammer relativ inflationär bei den Songtiteln und auch als Symbol auf dem Artworks verwendet. Wegen dieser Mätzchen hatte ich eigentlich auf die dezent kriegsbemalte Truppe keinerlei Bock, aber das aktuelle dritte Album „Poseidon Will Carry Us Home“ ist echt ein Kracher. Live ließ sich das engagierte Quartett um Sänger Titan Fox alias Patrick Fuchs dann auch nicht lumpen, hatte die Bühne nett mit Aufstellern dekoriert und ballerte einen starken Querschnitt ihrer drei Alben in die Menge. Dabei trafen sie den Nerv der Zuschauer,  kamen verdammt gut an und legten sich auch in Sachen Bewegung und Posen gut ins Zeug, Accept Ballet inklusive. Nebensäulen, verschieden farbiges Licht und der druckvolle Sound waren weiter Pluspunkte. Das war ein Gig wie aus dem Lehrbuch!

Contradiction

Leider schafften wir es nicht die Wuppertaler Thrasher zu sehen die auch zu den bekannten Größen dieser Festivalreihe gehören und mussten den Heimweg antreten. Augenzeugen sagten aber dass die vier Musiker wie gewohnt abgeräumt hätten. Das wäre für mich sicherlich ein weiteres Highlight gewesen. Der Samstag war ein richtiger Volltreffer was die Bands betrifft!

Fazit

Insgesamt war, wenn auch kälter das 2019er „A Chance For Metal“ Festival wieder eine sehr friedliche, entspannte und gelungene Veranstaltung die 2020 sicherlich mit ein, zwei oder drei kleinen Feinjustierungen weiter laufen wird. Der Termin steht eh schon fest, wir sehen uns!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)