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24. September 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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FARGO
Zurück nach über 30 Jahren!
Peter Hollecker
www..facebook.com/fargo.official


Wiedervereinigungen von alten Acts stehen im Moment hoch im Kurs, aber mit einer neuen Platte der Hannoveraner Kult-Band Fargo hätten selbst die größten Optimisten nicht mehr gerechnet. Schließlich löste sich die Truppe um die Köpfe Peter Ladwig (Gitarre, Gesang) und Peter "Fargo Pedda" Knorn (Bass) schon 1984 auf. Aber was gut war kommt bekanntlich auch oftmals wieder und vor der neuen CD "Constellation" gab es sogar einige Konzerte im neuen Line-Up zu bestaunen, das die beiden "Neuen" Arndt Schulz (Gitarre) und Mob Rules Drummer Nikolas Fritz komplettieren. So traf ich mich mit meinen beiden Vornamens-Vettern in Hannover zum lockeren Plausch, bei dem ich viele interessante Details über die Hintergründe und weiteren Aktivitäten bzw. Planungen für die Zukunft erfuhr.

Peter Knorn erzählt erst wie es zum Neuanfang kam:

Jau also, die Initialzündung war mein Buch "Bis Hier Hin Und So Weiter-20 Jahre Rock n Roll" und kein Schwein konnte damit rechnen, dass ausgerechnet das Buch den Stein ins Rollen bringen würde. Eigentlich war es letztendlich Olly (…Hahn, SPV Hannover-Anm. des Verf.), der mich vehement nervte, dass wir doch zur Buchpräsentation ein paar Lieder von Fargo spielen könnten. Ich hatte gar keine Lust mehr zu spielen, mein Bass stand jahrelang in der Ecke und um ein Haar wäre er sogar im Rock-Museum von Udo Lindenberg in Gronau gelandet. Jedenfalls haben wir uns überreden lassen, zur Buch-VÖ im Sommer 2016 ein ganzes Konzert zu spielen, was wir dann bei einem kleinen Open Air vor der Beat Box in Hannover dann auch taten. Zuvor habe ich mich schon öfter mit Peter Ladwig getroffen, weil wir ja noch Verstärkung brauchten. Und unsere Vorgabe war, dass die auch direkt aus Hannover kommen sollte, weil wir uns ohne größeren Zeitverzug treffen mussten, um zu üben usw. Arndt und Nikolas passen allein von daher optimal zu uns, wenn auch Nikolas den Altersschnitt von Fargo mächtig nach unten drückt, (lacht)!

Tommy Newton war keine Option?

Peter Ladwig: Nein, und zwar weil er stilistisch nicht zu uns gepasst hätte. Er hat zwar auch die vierte Fargo LP "F" geprägt, aber wir wollten musikalisch eher zum alten Sound, also dem Classic Rock zurück. Außerdem wohnt er wie gesagt zu weit weg von Hannover und wir haben momentan einen Proberaum, der nur kurzfristig und auf Zuruf buchbar ist. Arndt ist ja auch ein altes Hannoveraner Urgestein und wohnt sogar bei mir in der Nachbarschaft. Außerdem wussten wir, dass er nicht nur gut Gitarre spielen, sondern auch selbst Songs schreiben kann. Ja und bei Nikolas waren wir sehr erfreut, dass er sich sofort und völlig unkompliziert bei uns alten Säcken integriert und eingebracht hat. Er macht zwar noch mit Mob Rules Böse Männer-Musik, aber er tut uns wirklich gut. Mit 35 Jahren der Benjamin zu sein, ist wirklich witzig.

Standet ihr beiden denn vor eurem Treffen vor zwei Jahren noch in näherem Kontakt?

Peter Ladwig: Eigentlich nicht, weil wir ja auch ganz andere Wege nach Fargo gegangen sind. Pedda hatte Victory und war später Manager von einigen Bands, während ich mich aufs Produzieren von ganz verschiedenen Sachen konzentrierte, meine Solo-Platten gemacht habe und immer noch den Gitarren Lehrer gebe. Doch wir haben uns vor Jahren hin und wieder immer mal zwischendurch in der alten Musiker-Kneipe Fledermaus in Hannover getroffen. Dort trafen sich alle, angefangen von Michael Schenker über die Scorpions bis hin zu Thunderhead und wir eben auch. Da tranken wir auch gerne mal ein Bier zusammen, aber dass wir wieder mal zusammen was machen, stand zu dieser Zeit einfach nicht zur Debatte. Aber durch die Buchveröffentlichung wurde der Kontakt wieder enger und so griffen die Räder wieder ineinander, weil die Bereitschaft von beiden Seiten grundsätzlich vorhanden war.

Wo du gerade deine Solo-Platten ansprichst, die ich zur Vorbereitung auch mal wieder auflegte. Da gibt es einige Songs, die denen der neuen Fargo CD stilistisch nicht unähnlich sind.

Peter Knorn: Na das ist doch logisch! Es ist die gleiche Gitarre und der Sänger hört sich auch so ähnlich an, (lacht). Aber Fargo ist letztendlich doch ein wenig kräftigere, gut abgehangene Rockmusik wie man allgemein so sagt, meine Sachen sind etwas poppiger.

Peter Knorn: Wobei mir der Begriff "gut abgehangen" nicht so sehr gefällt. Er ist zwar bei Fargo völlig richtig, kann aber schnell fehlinterpretiert werden. Das Wort abgehangen wird ursprünglich nämlich nur für Fleisch angewendet. Das wissen die meisten Leute nämlich gar nicht, genauso wie das Wort dezimieren, also weniger werden. Wörtlich genommen heißt das nämlich, dass jeder zehnte weg muss. Man sagt ja auch allgemein, dass alter Wein besser schmeckt, was ja auch nicht immer stimmt. Also in der Musik "abgehangen" zu verwenden, damit bin ich vorsichtig.

Peter Ladwig: Aber dass ältere Männer immer besser aussehen, DAS kann ich jedenfalls bestätigen!

Ach herrlich dieser Humor, obwohl ich froh wäre, wenn ich mit 66 Jahren noch so gut aussehen würde wie Peter Ladwig, der am Tag der Veröffentlichung von "Constellation" (25.05.) Geburtstag hatte. Beim Konzert in Dortmund als Vorgruppe von Epitaph habt ihr mir erzählt, dass geplant war einen alten Fargo Song mit auf "Constellation" zu nehmen. Das habt ihr letztendlich nicht umgesetzt.

Peter Ladwig: "Nein, genau wie auch einige andere neue Stücke, die wir noch in Petto haben und nicht drauf gepasst haben. Weil wir wieder so eine große Lust am gemeinsamen Musizieren haben, legen wir jetzt garantiert nicht die Hände in den Schoß und ich denke nicht, dass "Constellation" unser letzter Streich sein wird. Pedda sagte mir persönlich, dass er wieder Lust am Bass spielen hat und das heißt für mich, dass da noch was kommt." Fargo Pedda: "Klingt alles so als wär ich gar nicht hier, haha. Nein, Spaß beiseite, ich kann das alles bestätigen! In der Zwischenzeit habe ich mich wie gesagt um Bandmanagement gekümmert. Ich hatte z.B. Michael Schenker, UFO, Glenn Hughes, Quireboys, Michael Monroe, Mob Rules oder The Quill. Ach je, als Manager hat man es auch nicht immer leicht. Wenn du z.B. nachts einen Anruf vom Quireboys Sänger Spike bekommst, dass er deine Kreditkarten-Nr. braucht, damit er an die Minibar im Hotel in London kommt, ist das nicht immer lustig und feste Bürozeiten kannst du vergessen. Und wenn man Spike kennt und das in Verbindung mit meiner Kreditkarten-Nummer, dann ist das grundsätzlich nicht kompatibel (lacht).

Das glaub ich gerne, da erlebt man sicher die tollsten Geschichten. Wie ging denn das Songwriting für die neuen Fargo Songs vonstatten?

Peter Ladwig: Bei mir war das der Situation geschuldet. Der Kreativprozess war im Frühjahr/Sommer 2017, Pedda hatte mir im Vorfeld schon ein paar Texte geschickt. Ich brauche immer eine Deadline, Songs für die Schublade kann ich nicht schreiben. Erst wenn ich einen gewissen Termindruck verspüre, laufe ich zur Form auf. Da helfen mir dann die Texte sehr, denn ich schreibe am liebsten Musik für die Texte, bei den meisten anderen Musikern ist es ja eher umgekehrt. Meine Texte sind eher einfach gestrickt und handeln meistens von Herzschmerz, während Pedda eher andere, tiefsinnigere Geschichten bevorzugt. Aber wir sind ein gutes Team, wie Lennon/Mc Cartney…Knorn/Ladwig klingt ja schon so ähnlich. .

Peter Knorn Genau! Ich mag eben keine Texte über die Liebe oder an eine bestimmte Frau schreiben, wie toll sie doch ist. Ich bevorzuge Themen, die alltäglich und so normal wie das Leben sind, über Gefühle und Situationen, über die jeder schon mal nachgedacht oder erlebt hat. Zum Beispiel wie sehr einem das Summen einer Fliege im Schlafzimmer auf den Senkel geht und dich nicht einschlafen lässt, wie bei "Buzz Buzz", das kennt einfach jeder. Das darf dann ruhig auch mal gefühlvoller oder sensibler werden wie bei "Good Night", einem Schlaflied für ein Kind, dessen Mutter kürzlich verstorben ist. Ein fremder Text kann inspirieren.

Peter Ladwig: "Richtig, in meinem Fall trifft das voll zu! "Good Night" ist ein trauriges Lied, für das ich die Musik im Urlaub geschrieben habe, während meine Familie unten im Pool geplanscht und die Sonne des Südens genossen hat. Das Songwriting hat bei uns wieder ganz hervorragend geklappt, so als wäre die Zeit stehengeblieben. Wobei auch zwei Stücke von Arndt sind, das möchten wir nicht verschweigen.

Die Konstellation stimmt also bei Fargo, wie es das Sternen-Cover verspricht!

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