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15. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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HARTMANN
Rocker mit Faible für Oldtimer
Peter Hollecker
oliverhartmann.com


Oliver Hartmann ist unseren Lesern seit vielen Jahren als ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene ein Begriff. Neben seinem Engagement bei Avantasia und der Pink Floyd Tribute Band Echoes stehen u.a. At Vance sowie Rock Meets Classic in der Vita des Allroundmusikers. Kürzlich veröffentlichte er mit seiner nach ihm benannten Band das sechste Album "Hands On The Wheel", das nicht nur höchst abwechslungsreich klingt, sondern die ganze stilistische Bandbreite der Band dokumentiert. Dass es dabei noch einen guten Tick härter als die Vorgänger ausfiel und weitere interessante Details erläutert mir der Aschaffenburger dann in einem interessanten Telefonat.

Ja, es stimmt auf jeden Fall, dass "Hand On The Wheel" gegenüber dem Vorgänger "Shadows & Silhouettes" eine gute Portion rockiger ausgefallen ist. Nachdem das ja eher ruhig angelegt war mit vielen Balladen und akustischen Anteilen, hatten wir beim neuen Album einfach mal wieder richtig Bock die Regler auf 11 zu drehen, was jedoch nicht ein gesetztes Ziel von uns war. Die meisten Songs sind im Herbst und Winter des letzten Jahres entstanden und es hat sich dabei schnell heraus kristallisiert, dass das Ding härter wird. Wir hatten beim Songwriting und der Produktion jedenfalls eine ganze Menge Spaß.

Hat da vielleicht deine jahrelange Mitgliedschaft bei Avantasia etwas abgefärbt?

Die färbt ja immer etwas ab, schließlich bin ich seit 2008 bei den Konzerten mit dabei und als Musiker sogar seit Teil 1 im Jahr 2000, also so etwas wie ein Ur-Mitglied. Außerdem liegen meine Wurzeln als damaliger Sänger von At Vance im Metal. Natürlich beeinflusst dich immer was du tust, aber Avantasia hatte prinzipiell keine direkte Auswirkung auf unsere neue Platte.

Eine kleine Verbindung dürfte jedoch der schöne Song "Simple Man" sein, den du im Duett mit Mr. Big Sänger Eric Martin singst. Der wiederum war auch bei der letzten Tour mit Avantasia mit dabei.

Klar, um mal die Geschichte von "Simple Man" kurz zu erzählen: Dieser Song war einer der letzten, den wir für das Album vorgesehen hatten und die Grundvorlage kam von unserem Bassisten Armin. Als wir die Arrangements und Text etwas überarbeitet hatten, kam mir die Idee daraus eventuell ein Duett zu machen. Sowas hatten wir schon auf dem Album "III" mit dem Tobi Sammet, was ja ziemlich gut geklappt hat. Bezogen auf "Simple Man" musste ich mir natürlich überlegen, wessen Stimme dafür infrage kommt, denn sie soll sich von meiner eigenen Stimme abheben und dazu musikalisch passen. Ich hatte zwar ein paar Namen im Kopf, aber Eric war definitiv einer der ersten, den ich fragen wollte. Und er hatte Lust darauf, der Song hat ihm gefallen, was mich wahnsinnig gefreut hat. Logo kommt der Kontakt von Avantasia, wir waren schon 2013 erstmalig zusammen auf Tour und haben uns angefreundet. Ich war schon immer ein großer Fan seiner Musik, egal ob solo oder mit Mr. Big und so war es klar, dass er einer meiner ersten Ansprechpartner sein würde. Umso schöner dass es geklappt hat.

Wo wir gerade bei diesem tollen Song sind: wie kam es zu diesem schönen Irish Folk Einschlag?

Bei uns ist es beim Songwriting immer so, dass wir uns das letzte Arrangement bis ziemlich zum Schluss aufheben. Das hängt dann auch immer etwas vom Thema des Liedes ab und den Ideen, in welche Richtung es gehen soll. Für die Produktion für "Simple Man" war alles schon mit Samples vorbereitet, aber es ereignete sich dann noch eine coole Geschichte. Als wir bei den Drum Recordings bei Dennis Ward im Studio abends in einem Irish Pub essen waren, lernten wir ein Irish Folk Duo kennen! Zwei Irinnen spielten dort eine Open Session. Wir haben sie einfach angesprochen, uns bekannt gemacht und noch ein wenig zusammen gejammt. Wir fragten sie, ob sie nicht am nächsten Morgen spontan zu uns ins Studio kommen wollten und die Parts von Flöten und Geige zu "Simple Man" beisteuern wollten. Und genauso ist es gekommen, was uns erstens tierisch gefreut und zweitens dem Song nochmal richtig gut getan hat.

Insgesamt fiel mir auf, dass viele der Texte etwas schwermütiger oder auch kritischer ausgefallen sind. Hattest du etwa den Winter-Blues?

Haha, nein, so kann man das nicht sagen. Auf dem letzten Album waren eben ein paar persönlichere Texte enthalten und vielleicht hast du Recht, dass auf der neuen Platte ein paar Texte sind, die etwas schwermütig oder melancholischer sind. Grundsätzlich hängt das natürlich immer mit dem Thema eines Stückes zusammen. Da können dann natürlich mal ein paar kritischere Sachen dabei sein wie z.B. "The Sky Is Falling". Das sind nicht immer autobiografische Geschichten, sondern einfach Dinge, die man in seinem Umfeld beobachtet, über die man sich Gedanken macht oder grundsätzlich die Welt etwas kritisch betrachtet. Doch ich finde, wir haben insgesamt eine gute Mischung gefunden, es sind ja auch einige positivere und fröhlichere Sachen darunter.

Ohne Zweifel. Und gerade "The Sky Is Falling" hat zwar einen düsteren Text, besticht aber vor allem durch die Musik, was aus diesem Stück einen rifflastigen Classic Hard Rock Track werden lässt und für mich zu einem der besten Songs der Bandgeschichte zählt. Betrachte ich "Hands On The Wheel" in Gänze, gehe ich davon aus, dass es sich, angefangen beim Cover über die Produktion bis hin zum Endergebnis, um das bisher aufwendigste Hartmann Album handelt.

Das siehst du genau richtig! Dieses Album war definitiv dass bisher zeitintensivste und auch aufwendigste Produktion die wir bisher gemacht haben. Aber wir sind von Anfang an so an die Sache herangegangen, dass wir als kleine Band noch einen großen Schritt nach vorne machen und deshalb mit voller Konzentration nur für dieses Album arbeiten wollten. Wenn ich mal die Zeit zwischen "Balance" und "Shadows & Silhouettes" betrachte, in der ich sehr viel mit verschiedenen anderen Projekten unterwegs war, wurde die Zeitspanne zwischen den beiden Platten mit fast fünf Jahren halt lang. Beim neuen Album waren Muße und Ruhe einfach da und wir konnten quasi am Stück konzentriert arbeiten. Wir haben wirklich eine Menge investiert, gerade auch finanziell! Deshalb haben wir auch im Marketing Bereich das versucht, was andere Bands erfolgreich vorgemacht haben. Wir haben uns nämlich um ein Crowdfunding gekümmert, um Teile der Produktion damit zu finanzieren. Wie jeder weiß gehen die CD-Verkäufe rapide zurück, von Jahr zu Jahr wird es weniger. Die meisten Leute streamen Musik und für die Künstler bleibt nur ein ganz kleiner Bruchteil der Tantiemen übrig. Das hat zur Folge, dass die kleinen Bands die Kosten die an einem Album hängen nicht mehr tragen können. So haben wir es mal probiert und wir waren wirklich überrascht, wie viele Fans sich letztendlich beteiligt haben.

Das ist ein schwieriges, aber wir ich finde ein wichtiges Thema das du angesprochen hast. Eigentlich wäre in diesen rechtlichen Fragen unsere neue Regierung und damit der Gesetzgeber mal gefragt, aber das ist für euch Musiker sicherlich wie gegen Windmühlen-Räder anzukämpfen! Umso schöner, dass es bei euch funktioniert hat und sich die Fans über handsignierte CDs, Tourplakate und weiteres Merch als Gegenleistung noch freuen können. Ich möchte zum Schluss noch mal zum Cover sowie den Fotos im Booklet kommen. Hast du eine Affinität zu Oldtimern?

Ja, wenn ich Auto fahre dann am liebsten in alten Kisten. Das Cover hat in erster Linie aber der Titel vorgegeben, der länger feststand. Der soll im übertragenen Sinne deutlich machen, dass wir als Band und dem angehängten Label die Strippen selber in der Hand behalten wollen. Beim Gedankenspiel hinsichtlich des Artworks kam uns die Idee, irgendwas mit Rennwagen aus den 20er, 30er Jahren zu machen. Durch Glück haben wir dann dieses tolle Foto gefunden. Die Idee, dann auch die Bandfotos im alten Stil zu machen kam von einem befreundeten Fotograf. In einer privaten Fotosession hat er dann die Fotos mit ganz alter Technologie, also wie im Jahr 1870 mit kleiner Belichtung, Magnesium Blitz und fünf Sekunden stillhalten geschossen! Die Session hat zwei Tage gedauert, wir hatten wirklich eine Menge Spaß und sind total glücklich über das Ergebnis!

Glücklich sind ganz sicher auch alle Freunde zeitloser Rockmusik, die Hartmann ab Sommer live erleben können!

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