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15. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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LADY CATMAN
Eine Katze und viele Sänger
Thorsten Dietrich
www.ladycatman.com/


Die Gitarristin Lady Catman die eigentlich Cathleen heißt hat ein echt starkes Debüt Soloalbum veröffentlicht auf dem sich einige Topsänger und Instrumentalisten die Klinke in die Hand geben, während das Grundgerüst von der blonden Gitarristin stammt. "Eyes Wide Open" ist eine Hammerscheibe, da wollten wir mal etwas Licht ins Dunkel bringen was es mit der Dame an der Gitarre auf sich hat. Ein informatives Gespräch kam dabei heraus.

Wie kommt eine ausgebildete Gitarristin auf den Künstlernamen Lady Catman? War es so, weil du damals bei den Apokalyptischen Reitern warst und die alle ausgefallenen Namen hatten?

Ja, in der Tat. Nachdem ich bei den Apokalyptischen Reitern eingestiegen bin, musste ein Künstlername her. Alle vier Namen der Reiter der Apokalypse (Symbole des Sieges, Todes, Hunger und Krankheit) waren schon vergeben. Ich wollte auf jeden Fall etwas Gutes darstellen, so etwas wie einen Retter (lacht). Batman ist ja jedem von uns bekannt, als eben eine solche Kultfigur. Aus der Verschmelzung von Batman und Cathleen wurde dann Catman. Damit keiner denkt, ich sei männlichen Geschlechts, kam noch dass Lady davor. Ich finde, dass der Name ziemlich gut zu mir passt zumal mich natürlich schon viele unter diesem Namen kennen. Aus diesen Gründen habe ich diesen Namen beibehalten.

Nach deinem kurzen Gastspiel bei der Truppe hast du die All Girl AC/DC Tribute Band She's Got Balls am Start, nun eine Soloscheibe. Wie kam es zu der Idee, ein Lied mit Henning Basse ist ja schon länger, seit zwei Jahren bei You tube?!

Die Idee dieses Songs ist wirklich schon ein wenig älter. Ich hatte so viele Riffs und Songmaterial gesammelt, die nur danach schrien, ohne Abstriche zu fertigen Songs verarbeitet zu werden. Ich hatte so viele Songideen im Kopf, welche nur mit unterschiedlichen Sängern verwirklicht werden konnten. Henning Basse war damals für einen Kurzurlaub in Weimar, da habe ich ihm vier meiner schon vorproduzierten Songs vorgespielt und er hatte spontan zugesagt, die Songs zu singen. In unserem hauseigenen Studio war dann auch schnell ein Termin gefunden, wo Henning dann die Tracks eingesungen hat. Natürlich habe ich erst einmal nur einen Song veröffentlicht, um den Appetit auf das kommende Album zu wecken.

Ehrlich gesagt finde ich die Mischung der Sänger ziemlich klasse. Wie bist du an diese denn gekommen (Warrel Dane, Todd Michael Hall, Schmier, usw.)? Gab es die Lieder vor der Teilnahme der Herren?

Das waren meine Wunschkandidaten, ich habe die Songs mit der entsprechenden Stimme im Hinterkopf geschrieben. Es sollten Songs werden, die dem jeweiligen Sänger auf den Leib geschnitten waren. Natürlich war das ein Risiko, ich hatte ja weder eine Zusage, noch kannte ich außer Henning die Jungs persönlich. Da blieb mir nur übrig, alles instrumental vorzuproduzieren und dem Sänger den fertigen Track vorzuspielen. Zum Glück bekam ich nur positive Feedbacks und ich konnte die Sänger für mein Album gewinnen.

Volles Risiko was sich gelohnt hat. Ein Instrumentalalbum wolltest du nicht machen, aber eins musste mindestens an Bord sein, wie stehst du zu Alben ohne Gesang?

Ja, eigentlich wäre ein Instrumentalalbum auch ganz schön. Ich denke aber, dass das Aufrechterhalten eines Spannungsbogens innerhalb eines Instrumentalstückes schwieriger ist. Es kann dann auch schnell zur Hintergrundmusik werden, wo man irgendwann nicht mehr richtig hinhört. Außerdem ist die Botschaft des Songs mit Text und Sänger einfach leichter zu vermitteln.

Du hast ja nur Sänger als Gäste, Bass und Gitarre sind von dir. Wieso dann Jeff Loomis? Ich finde es ja toll, dass er bei einem Song bei welchem Warrel Dane singt, an Bord ist. War das von Anfang an geplant?

Jeff und Warrel haben sich immer für meine Musik interessiert und ich hielt sie ständig darüber auf dem Laufenden. Eines Tages legten sie während einer Tournee mit Nevermore einen Zwischenstopp bei uns ein. Nach einem gemütlichen Festschmaus (Jeff, you remember my "amtliche" Hühnersuppe?) jammten wir ein wenig herum und beide versprachen mir was Tolles zu meiner CD beizusteuern. Arne Lakenmacher, der Betreiber der High Gain Recording Studios, in denen ich oft als Musikerin gebucht bin, hat sein mobiles Recording-Set Up im Backstage-Bereich der Markthalle in Hamburg aufgebaut. Jeff hat sich den Song direkt vor der Aufnahme noch ein paar Mal angehört, das Solo dann drei mal "trocken" mitgespielt und danach in einem Take eingerockt. Exakt dieser "First Take" ist in dem Song festgehalten. Hammer! Leider kam kurze Zeit später dann der Split von Nevermore dazwischen. Es herrschte dann bekanntermaßen erst einmal Funkstille zwischen Jeff und Warrel. Auch Teile von Warrels Vocal-Beiträgen wurden in der Markthalle aufgenommen, andere Teile dann später bei Aaron Smith in Seattle. Bridge, Mittelteil und Refrain waren also schon mal "im Kasten" bzw. "on tape". Warrel war dann wieder sehr viel mit Sanctuary beschäftigt, so dass er dadurch leider keine Zeit mehr hatte, die restlichen Passagen einzusingen. Die Vocal Spuren der Strophen hat dann später Todd M. Hall beigesteuert, der auf dem Album auch in einem anderen Song zu hören ist. Ich bin sehr glücklich, dass der Song "Eyes Wide Open" letztendlich nach so vielen Anlaufschwierigkeiten so toll geworden ist. Es macht mich aber auch jedes Mal wieder sehr traurig, dass Warrel ihn nie in der finalen Fassung gehört hat. Ach wer weiß, vielleicht hört er ihn ja da, wo auch immer er jetzt gerade sein mag, genau in diesem Moment. Im Nachhinein fühlt es sich so an, als hätten beide wohlweislich ihrer Beiträge zu meinem Song "Eyes Wide Open", bewusst den Grundstein für eine Reunion von Nevermore gelegt. Zu dem Zeitpunkt fühlte es sich auf jeden Fall für alle Beteiligten so an, weil sich mir gegenüber der eine immer nur positiv über den anderen äußerte. Warrel und Jeff haben sich auf meinem Album musikalisch wiedervereint. Das macht mich sehr stolz.

Ja, das mit Warrel war echt schade Ganz ehrlich ich mag die Scheibe sehr. Aber den langen Track "Bauhaus" verstehe ich nicht. Wolltest du dann im Rammstein Sphären und hast Till Lindemann nicht bekommen, daher der Märzfeld Sänger? Geht es um die Band, den Baumarkt (Kalauer!) oder die Schule in Weimar?

In der Tat, Till war die erste Wahl. Wir stammen ja beide aus Schwerin und sind uns in der Szene oft über den Weg gelaufen. Natürlich habe ich diese Tatsache genutzt und ihm den Song einfach mal zukommen lassen. Leider hatte er keine Gelegenheit für die Aufnahmen, da er zu dem Zeitpunkt mit Rammstein sehr beschäftigt war. Ich bin dann auf die Band Märzfeld aufmerksam geworden, Heli hat eine begnadet schöne und tiefe Stimme, die perfekt zum Bauhaussong passt. Ansonsten geht es in diesem Song um die Kunst des Bauhauses, die ja in den 20ger Jahren mit der Revolutionierung des Handwerkes entstand. Die Funktionalität zwischen Kunst und Handwerk fanden eine neue Bedeutung. Alles wurde schlichter und funktionsorientierter. Es wurden z.B. der Rasenmäher, die Kaffeemaschine und der Geschirrspüler erfunden. Das wird ja auch schön in der zweiten Strophe aufgezählt, aber wirklich auch nur aufgezählt. Ein Verpacken in Sätze hätte die Bauhausschlichtheit schon wieder zerstört. In der ersten Strophe sind es die Handwerksberufe, die wieder einen besonderen Aufschwung erhielten. Ja, und jetzt kommt sicher die Frage, was hat Ikea (Refrain) damit zu tun? Bei Ikea finden wir genau die schöne funktionelle Schlichtheit, und da ist die Brücke zu heute, nicht nur weil ich ein großer Ikea-Fan bin. Schade, dass sie keine Gitarren bauen (lacht). Natürlich gibt es auch eine große Verbindung zur Bauhausuniversität in Weimar, 2018 haben wir ja schließlich das große Bauhausjahr.

Wen willst du mit deiner Musik ansprechen, wo siehst du dich? Für mich ist das abwechslungsreicher Metal irgendwo zwischen Thrash und klassischem Metal mit einer leicht progressiven Note.

Du hast es genau getroffen: melodischer Metal mit progressiver Note. Trotz der verschiedenen Songstile denke ich, kann man eine einheitliche Handschrift erkennen: Ordentliches Riffing, melodische Soli, ausdrucksstarke Gesänge. Ich wollte ein Album herausbringen, bei dem nicht ein Song wie der andere klingt. Klar werden einige sagen, dass keine einheitliche Linie vorhanden ist, aber das war auch nicht beabsichtigt. Es sollte Abwechslung pur sein, nicht allein nur durch die unterschiedlichen Sänger sollte das gelingen, sondern auch durch die verschiedenen Stilrichtungen. Man muss die Songs einfach bewusst hören und wird dann feststellen, dass man jedes Mal wieder viele kleine neue Fassetten entdeckt, die man zuvor noch nicht wahrgenommen hat. Das macht für mich die Musik besonders reizvoll und ich hoffe, dass es vielen anderen Metalheads so geht.

Willst du in Zukunft weiter Soloalben machen oder strebst du eher nach einer echten Band um neue Musik zu schreiben?

Das nächste Album ist schon in Arbeit. Es wird aber unter anderem aus organisatorischen Gründen voraussichtlich nur einen Sänger geben, soviel kann ich schon mal verraten.

Hast du vor diese Lieder live in irgendeiner Weise zu präsentieren, vielleicht nur mit einem Sänger oder bleibt das hier ein Studioprojekt?

Sehr sehr gerne, mit einem Sänger wird es auf jeden Fall leichter möglich sein. Nun muss ich eh erst einmal abwarten, ob der Welt meine Musik gefällt. Sollte dies der Fall sein, werde ich mich auf die Suche nach Konzertagenturen machen, die an mich und meine Musik glauben.

Wir drücken die Daumen!

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