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22. Juni 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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BLACK SPACE RIDERS
Platten wie musikalische Überraschungseier
Peter Hollecker
www.blackspaceriders.com


Nachdem mein Kollege Marc Fischer sich 2014 mit den Black Space Riders näher beschäftigte, drehte es sich im damaligen Interview alles um ihr drittes Album "D:REI". Kürzlich erschien die fünfte Studioplatte "Amoretum Vol. 1", die der Münsteraner Band Allerortens mal wieder beste Kritiken einbrachte. Das nahmen wir zum Anlass, mit JE mal über allgemeinere Themen über die BSR zu sprechen, um denjenigen diese vielseitige Gruppe näher vorzustellen, die noch nicht in den Hörgenuss gekommen sind bzw. sie überhaupt nicht kennen sollten. Hier kamen einige wirklich interessante Fakten zur Sprache und es entwickelte sich ein kurzweiliges Gespräch - aber lest selbst.

Stell doch unseren Lesern eure Band am besten mal kurz vor.

Gerne, wir gehen jetzt bald ins zehnte Jahr, also so schrecklich lange gibt`s uns noch gar nicht, verglichen mit dem biblischen Alter der meisten Bandmitglieder (lacht). Wir haben uns Ende 2008, Anfang 2009 gegründet und kannten uns teilweise schon länger aus anderen Musikprojekten. Wir hatten alle lange keine harte Musik mehr gemacht. Da wir damals so Ende 30, Anfang 40 Jahre alt waren, dachten wir dass es jetzt nochmal Zeit wird, um im Proberaum zusammen richtig Krach zu machen.

Das ist euch dann gleich mit dem ersten Album gelungen, denn es war ein richtig fettes Metal Brett! Das änderte sich nach und nach, eure Platten wurden von mal zu mal vielschichtiger und zugänglicher. Man könnte geradezu denken, dass da verschiedene Bands am Werk waren, um es mal etwas plakativ zu sagen. Wie erklärst du diese Entwicklung?

Ja, ich denke schon dass man uns immer erkennt, was allein an den Stimmen und der Art und Weise der Produktionen liegt. Aber ich gebe dir schon teilweise Recht. Wenn man es negativ ausdrücken will, war unser erstes Album vielleicht eindimensionaler als die anderen, es ist Stoner Rock mit Classic Hard Rock im Stil von Black Sabbath oder Motörhead, teilweise ziemlich düster. Man hört ein bisschen Monster Magnet und KYUSS raus, aber auch viel 70er Jahre finde ich. Unsere Liebe für Motörhead und Black Sabbath stand irgendwie im Vordergrund und von Album zu Album sind dann neue Facetten hinzugekommen. Auch auf dem zweiten Album "Light Is The New Black" ist düsteres Zeug drauf, sogar auf der dritten Platte, aber da wird es halt schon viel bunter, sogar tanzbares Material ist mehr und mehr vorhanden.

Kommerzieller ist ein böses Wort, aber trifft es das vielleicht?

Mmmh, schwieriges Thema, ich bin mir da nicht sicher, ich glaube das hängt ganz von den Hörgewohnheiten ab. Es gibt sogar Leute, die wir mit unseren neueren Sachen vergraulen. Die meisten Medien die über uns berichten, sagen dass wir was mit Progressive Rock zu tun haben, was wir früher ja überhaupt nicht waren. Wenn du jetzt sagen wir mal ein klassischer Art Rock, Stoner, Metal Hörer bist, ist zum Beispiel das erste Album für dich höchstwahrscheinlich viel eingängiger als unser neues Album. Es gibt viele Leute, die diese Stilvielfalt total verwirrt, die lange brauchen um da rein zu finden und es zu verstehen. Ich denke es ist eine Frage der Position, in der sich der jeweilige Hörer befindet.

Die BSR haben neben dir noch einen zweiten Sänger (SEB), mit dem du dich abwechselst. Singt ihr die jeweiligen von euch geschriebenen Songs selbst oder darf der eine schreien und der andere gefühlvoller singen? Wie funktioniert die Aufteilung?

Nein, es ist so dass jeder von uns sowohl soft als auch aggressiv singen kann. Die Stimme von SEB klingt ein wenig rauer und hört sich in leisen Tönen, wenn er rumröchelt an wie Tom Waits! Aber er kann auch fies grölen. Wenn es sich eher nach David Bowie oder 80ern anhört, bin das meistens ich in ruhig. Und wenn es lauter wird und nach Killing Joke klingt bin das auch ich. Aber die Aufteilungen finden im Proberaum beim Entstehen der Lieder statt.

Und wie sieht dieser Prozess genau aus?

Auch das hat sich im Laufe der Zeit verändert. Das erste Album war fast komplett eine Sammlung meiner Ideen. Ich bin ja der Gitarrist und Haupt-Songschreiber kann man sagen. Aber das hat sich auch von Album zu Album geändert, so ist das neue Album fast komplett beim gemeinsamen Musizieren entstanden. Also irgendjemand legt was vor, das ist meistens was von der Gitarre, kann aber auch etwas vom Klavier oder der Orgel sein. Das bringt dann der Drummer in eine rhythmische Richtung. Wir hören uns das dann an und wenn wir der Meinung sind, dass wir verstanden haben was da passieren soll, steigen wir ein. Wir nehmen das dann auf und erst als letztes fängt einer von uns an zu singen, das ist dann SEB oder ich. Zu dem Zeitpunkt ist ja logischerweise noch kein Text da, wir singen dann nur lautmalerisch. Die Texte entstehen erst später, irgendwann kommt die Idee eines Konzeptes. Das machen dann der zweite Sänger SEB und ich zusammen. Wir malen uns mit Worten Bilder aus und gehen im Ping Pong Verfahren weiter. Das heißt ich schicke SEB 2 Songzeilen rüber und er sendet mir eine zurück…oder umgekehrt. Das ist für uns jedes Mal ein lustiger, aber zugleich spannender kreativer Prozess!

Woher stammt eure Lust, so viele Stile miteinander zu verbinden? Als ich mich kürzlich durch euren Back-Katalog gearbeitet habe, kam ich mir vor als würde ich musikalische Ü-Eier öffnen, was ich als Kompliment verstanden werden möchte.

Danke sehr, habe ich so aufgefasst. Für uns natürlich nicht, weil wir es ja aufgenommen haben. Aber das kommt daher, dass wir alle einen breitgefächerten Musikgeschmack haben. Wie gesagt, die meisten von uns sind jetzt so um die 50 Jahre alt und wir sind mit NWOBHM und Classic Hard Rock aufgewachsen. Heißt Sachen wie Saxon, Deep Purple, Black Sabbath und all dem Zeug. Dann haben wir die Achtziger voll abgekriegt und den New Wave und eine Band wie Bauhaus erlebt, David Bowie natürlich und diese ganzen Einflüsse lassen wir jetzt eben zu, was man halt raus hört. Dazu kommt, dass wir in der Zeit vor BSR auch verschiedene Musik gemacht haben, Reggae oder elektronische Musik, ich habe zum Beispiel auch Jazz gemacht. Und wenn du mit diesen Erfahrungen eine neue Band gründest, muss man sich erstmal finden und einen Bandkern bilden, was ich mit dem ersten Album eben gemeint habe. Wenn du diesen Kern gefunden hast, kannst du natürlich nach und nach ein paar Nuancen von Einflüssen dazugeben, nicht zu extrem, sonst hängst du die Leute ab. Aber dieser Prozess macht unglaublichen Spaß und macht uns als Band auch aus.

Wie gut, dass es vielen Leuten gefällt. Ich habe euch vor zwei Jahren auf dem Space Rock Festival im Essener Turock gesehen. Ich war überrascht, wie viele Leute da waren, und die meisten kamen offensichtlich wegen euch!

Ja, finden wir auch! Obwohl uns ist schon klar, dass wir nicht alle mit unserer Musik kriegen. Auch wenn die Reviews überwiegend positiv sind, einigen ist es zu wild oder zu durcheinander. Wir haben im Januar eine Release-Show bei uns in Münster gespielt. Da haben wir im Vorfeld das Café in der Sputnik Halle gebucht, da gehen so 250 Leute rein. Doch der Vorverkauf lief so blendend, dass wir tatsächlich in die große Halle ausweichen mussten, weil über 400 Leute kamen. Also es läuft ziemlich gut im Moment. Trotzdem können wir natürlich von der Musik nicht leben. Aber ich bin froh sagen zu können, FÜR die Musik und nicht VON der Musik leben zu können. Da wir ein eigenes Label haben, sind wir wenigstens frei, müssen keine Kompromisse machen und brauchen uns von niemandem Vorschriften machen zu lassen, wie wir zu klingen haben. Das ist ein gutes Gefühl und sichert die künstlerische Freiheit. Das heißt wir können bestimmen wo wir aufnehmen, wann wir auf Tour gehen, wie teuer und aufwendig wir unsere Platten machen, welche Lieder auf unsere Platten kommen und so weiter. Das nimmt unheimlich viel Druck vom Kessel und ich denke, Druck wäre bei uns nicht förderlich, kreativ und gut zu sein. Außerdem ermöglichen unsere Jobs, dass wir die Band aus eigener Kraft stemmen können und keinen Kredit für eine neue Platte aufnehmen müssen. Wir legen z.B. auch großen Wert auf Vinyl und verkaufen mehr Platten als CDs. Das ist natürlich viel teurer in der Herstellung, aber wir bedienen die Nachfrage unserer Fans gerne. Unsere Musik ist auch mittlerweile als Vinyl gedacht!

Mit der Musik sind auch die eben schon angesprochenen Texte niveauvoller geworden, oder?

Genau, beim ersten Album waren die noch viel comichafter…in jedem Satz mussten "Black", "Space" oder "Riders" vorkommen, am besten alle drei Worte zusammen, haha! Erst ab Album Nummer drei wurden sie konzeptioneller. Es gibt Reviews aus den USA, da haben Muttersprachler unsere Texte seitenweise auseinandergenommen und waren völlig begeistert. Sowas ist natürlich eine tolle Bestätigung unserer Arbeit, keine Frage!

Keine Frage ist auch, dass es noch in diesem Jahr nach "Amoretum Vol. 1" eine zweiten Teil geben wird, da habt ihr von Anfang an kein Geheimnis darum gemacht. Warum diese Veröffentlichungs-Politik und nicht eine Doppel-CD?

Das liegt ganz einfach an der eben beschriebenen Sache mit dem Vinyl. Unsere Platten sind ja regelmäßig Doppel-Alben und ein Dreifach Album wollten wir nicht machen. Also es ist so, dass Teil 2 fertig und komplett aufgenommen und gemastert ist. Sie wird demnächst auch gepresst und wird nicht erst am Ende des Jahres erscheinen sage ich jetzt mal so wage. Die Stücke stammen ja aus der gleichen Aufnahme-Session wie der erste Teil und wir haben insgesamt 22 Stücke mit einer Laufzeit von über 2 Stunden gemacht. Da wir finden dass man unsere Platten am Stück hören muss, wollten wir den Hörern keine so lange Laufzeit zumuten und haben halt 2 Teile gemacht. Es dauert nicht mehr allzu lange, bis der 2. Teil rauskommt, wenn ich auch noch kein genaues Datum nennen kann. Aber ich kann verraten, dass der zweite Teil länger als der erste ist und natürlich auch als Doppel-Vinyl erscheint!

Prima, ich bin schon gespannt! Eine letzte Frage habe ich noch: Warum nennt ihr in den Credits nicht eure Echtnamen, sondern nur Buchstabenkombinationen?

Das ist ein Geheimnis (lacht)! Nein, Quatsch, am Anfang haben wir uns einen Spaß daraus gemacht, weil wir irgendwie cool sein wollten. Das gehörte dann später irgendwie zum Konzept dazu und ist ein Selbstläufer geworden. Aber ich lüfte jetzt das Geheimnis, es sind irgendwelche Bestandteile unserer Vor-und Nachnamen, ganz einfach. Wir finden, dass echte Namen so eine Bandgeschichte etwas klinisch erscheinen lassen und diese Synonyme bringen etwas Humor in die Sache!

Besser jedenfalls als irgendwelche Phantasie-Namen wie es bei vielen anderen Bands gebräuchlich ist! JE, ich danke dir herzlich für dieses informative und nette Interview und wir drücken euch fest die Daumen, dass euch großer Erfolg beschieden sein wird!

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