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16. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

Wir töten Stella
Titel Wir töten Stella
Produktion/Vertrieb eye see movies (AV Visionen)
Homepage www.facebook.com/wir-t%c3%b6ten-stella-f...
Veröffentlichung 18.05.2018
Laufzeit 99:00 Minuten
Autor Marco Fertig
Bewertung 10 von 15 Punkten
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Obwohl Regisseur Johann Pölsl bereits seit den frühen 90er Jahren in dem Metier unterwegs ist, kennen ihn wohl die wenigsten. Das liegt mitunter wohl auch daran, dass der Österreicher fast hauptsächlich fürs TV Serien und Filme drehte, unter anderem Die Hausmeisterin, die Polt Krimireihe oder Folgen von Bella Block. Etwas mehr Bekanntheit erregte er wohl als er dann 2011 das Buch Die Wand von Marlen Haushofer mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmte. Just sechs Jahre später machte er sich an die Arbeit einer weiteren Geschichte von Haushofer. 2017 entstand Wir töten Stella, der nun auch fürs Heimkino erscheint.

Die Story beginnt mit dem Tod der besagten Stella. Diese lebte eine Zeit lang bei einer befreundeten Familie ihrer Mutter, um in der Stadt studieren zu können. Anna und Richard bilden mit ihren beiden Kindern eine wohlhabende Familie mit großem Haus, Richard ist erfolgreicher Anwalt. Doch als Stella einzieht beginnt Richard bald eine verhängnisvolle Affäre mit Stella, während Anna tatenlos zusieht. Dies ist die Geschichte die zum Tod der jungen Studentin führen soll...

Wie schon bei Die Wand, den ich nicht gesehen habe bisher, kann man eines getrost sagen: Wir töten Stella ist kein alltäglicher TV-Film, wurde ja auch fürs Kino produziert. Man kann den Streifen eigentlich schon in die Arthouse Ecke schieben, auch wenn Die Wand augenscheinlich wesentlich unzugänglicher war, als es dieses Drama hier ist. Pölsl inszenierte die Geschichte aus der Sicht von Anna, die uns nun auch die Hintergründe schildert, mit ihren Gedanken die sie zu Papier bringt, weil sie sich die Mitschuld an der Misere gibt. Dies geschieht in den tatsächlichen literarischen Worten, die Haushofer in ihrer Vorlage aus dem Jahr 1958 verwendete, und die somit natürlich nicht so Recht ins gutbürgerliche aktuelle Stadtleben passen wollen. Andererseits fügt sie sich doch wieder in die kühle Sachlichkeit des Ganzen ein.

Getragen wird der Film von seinen Darstellern. Martina Gedeck ist auch hier wieder in der Hauptrolle mit von der Partie, spielt die stoische Sachlichkeit und Etikette der gehobenen Gesellschaft durchaus gut. Besser noch ist Matthias Brandt als ihr Ehemann und Urheber des grausamen Ergebnisses. Aber auch der Rest des Ensembles bietet keinen Grund zur Kritik. Da man den Ausgang der Geschichte schon sofort weiß, gibt es für den Zuschauer keine Überraschungen. Vielmehr ist Wir töten Stella einerseits eine Demontage der heilen Familienfassade, die es auch vor Stellas Auftauchen schon nicht mehr wirklich gab, andererseits ein stummes Zusehen aller Beteiligten, die im Grunde Mitschuld an der Sache tragen.

Sicherlich ist Töten wir Stella kein Film für Jedermann, ich würde sogar sagen er erinnert stellenweise an die Arbeiten von Michael Haneke, ohne jedoch diese Intensität erreichen zu können. Es fehlt ein wenig die Wucht in der Erzählung, auch wenn darstellerisch ganz klar viel herausgeholt wird. Was bleibt ist aber dennoch ein sehenswertes Psychogramm im kleinen Rahmen. Da ich die Vorlage von Marlen Haushofer nicht kenne, fehlen mir die Vergleichsmöglichkeiten, dies sei an der Stelle noch angemerkt. Nach meinen Recherchen muss man aber Die Wand nicht gesehen haben, um diesen hier schauen zu können, nur weil das Cover Die Wand als Prequel von Wir töten Stella erklärt.
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