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23. Januar 2019 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MARILLION, JENNIFER ROTHERY & RICCARDO ROMANO
Ort Colosseum Theater, Essen
Datum 26.11.2018
Autor Joachim Batzik
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Es war Marillions zweiter Abend in Essen und wie schon am Vortag, erffnete den Abend Marillions Gitarrist, Steve Rothery mit der Ankndigung des Supports: Seine eigene Tochter, Jennifer Rothery begleitet durch Riccardo Romano, den Steve als "The Maestro Himself" angekndigt hatte.

Der Auftritt der beiden begann pnktlich um 20:00 Uhr und endete ziemlich genau um 20:30 Uhr. Zu der Zwischenzeit mchte ich mich nicht allzu ausfhrlich uern. In aller Krze kann man den Auftritt als relativ misslungen bezeichnen. Jennifer R. hat sicherlich eine ansprechende Stimme, aber es wirkt schon verdammt unglaubwrdig, wenn eine einzige Sngerin auf der Bhne steht, man vernimmt jedoch ein Chor von wenigstens sechs Sngerinnen. hnlich verhielt es sich mit ihrem Compagnon, der ber ein E-Piano und Laptop verfgte. Zu Beginn eines jeden Songs wurde eine Laptop-Taste bettigt und ein ganzes Orchester ertnte durch die Boxen Ein ganzes Orchester voller Plastiktne, wohlgemerkt. Bei zwei Songs sang Riccardo mit und beide Stimmen klangen eigentlich harmonisch, aber nun mal durch die liebe Technik ziemlich hochgepusht. Lediglich das letzte Stck sorgte fr ein wenig Abwechslung, nderte aber nichts an der Tatsache, dass man zuhause eine CD in den Schacht schieben kann, um sich Konserven-Mucke dieser Art reinzuziehen. Wenigstens bekommt man keine Live-Performance vorgegaukelt. In welche Schublade kann man wohl die Musik dieser beiden stecken? Sphrische, spacige, monotone bis deprimierende E-Musik ohne Hhepunkte.

Punkt 20:00 Uhr begannen die Headliner mit dem Fnfteiler "The Leavers", von der letzten Studioscheibe "F.E.A.R.". Obwohl der Sound wuchtig und transparent klang, konnte man in den ersten 8-10 Minuten Pete Trewavas, den Bassisten kaum hren. Sowohl die Bassgitarre als auch die zweite Stimme, mit der er den Snger Steve Hogarth fr gewhnlich begleitet, waren vorerst wie ausgeblendet. Aber das war schon das einzige Manko des Auftritts der Prog-Giganten. Als nchste folgten die Songs "Seasons End"(1989), "Out Of This World(1995),"El Dorado als der zweite "F.E.A.R.-Fnfteiler und "Sounds That Cant Be Made (2012). Bevor die Jungs mit "The Party" (von der 1991er Scheibe "Holidays In Eden") ihre Performance fortfhrten, wurde Mark Kelly (Keyboards) fr die nchsten vier Songs entschuldigt. Er wurde am Tag zuvor beim Joggen von einem LKW erfasst. Basierend auf heftigen Schmerzen bruchte er kurze Pause fr eine Tasse heien Tee und eine Massage. Seine Kopfverletzung war deutlich sichtbar, obwohl er keinen angeschlagenen Eindruck machte. Fr die weiteren drei Songs, den Rare Bird-Cover "Sympathy", "Enlightened"(1999) und "Estonia"(1997) hat auch der Drummer, Ian Mosley die Bhne verlassen. Diese drei Songs wurden als semi-akustische Versionen dargeboten. Nachdem die Band auf der Bhne wieder komplett war, folgten die beiden letzten Songs des Haupt-Sets - "Quartz"(2001) und "This Strange Engine" von der gleichnamigen 1997er Scheibe. Aber so schnell wurden die Jungs vom begeisterten Publikum nicht entlassen und als Zugabe folgten die Songs "Cover My Eyes (Pain And Heaven)" (1991) und der Klassiker schlechthin, "Garden Party" von der 1983er LP "Script For A Jester's Tear". Marillions Auftritt dauerte 135 Minuten und erstreckte sich ber ihre Schaffensperiode angefangen bei "Script For A Jester's Tear" (1983) bis "F.E.A.R." (2016). Die Standing Ovations, die locker weitere fnf Minuten andauerten, haben leider nicht geholfen die Musiker wieder auf die Bhne zu bewegen.

Es war mein erster Marillion-Gig seit der Fish-ra Mitte der 80er Jahre. Damals war ich von den Jungs begeistert, aber ohne Fish waren sie fr mich nicht mehr "komplett". Nach diesem Konzert muss ich zu meiner eigenen Schande eingestehen, seit Fishs Zeit vieles verpasst zu haben. Steve Hogarths Stimme ist natrlich unverkennbar. Seine Bhnen-Mimik erinnert an Peter Gabriels Genesis-Zeit. Lediglich die aufwendige Bhnenverkleidung fehlt. Steve Rotherys Gitarrenspiel ist wie eh und je band-dienlich. Seine spartanischen Soli sind nun mal Marillions Aushngeschild. Keyboards und Drums reihen sich ein in die schlichten, jedoch interessanten und intelligenten Arrangements und die Song-Darbietung ist berzeugend und begeisternd.

Noch etwas zum Essener Colosseum Theater: Eine richtig geile Akustik, gepaart mit wohlgeordneten und bersichtlich aufgebauten Sitzgelegenheiten. Die Security-Leute sehr hilfreich und zuvorkommend. Obwohl mitten in Essen, reichlich Parkmglichkeiten. Leider bis auf berteuerte Laugenbrezel bietet dieses Venue nichts Essbares an.

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