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13. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing L7, BLACK MOTH
Ort Hamburg, Grnspan
Datum 19.06.2018
Autor Marc Schallmaier
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Im Dezember des Jahres 2014 platzte eine Bombe. Als die Neuigkeit die Runde machte, dass die amerikanische Band L7 sich wieder zusammen finden wollte, und zwar in Original Besetzung, war das wirklich eine groe berraschung, denn damit hatte eigentlich niemand mehr gerechnet. Ein kurzer Rckblick in die Geschichtsbcher: 1985 grnden die beiden Gitarre spielenden Mdels Suzi Gardner und Donita Sparks die Band L7. Nach kurzer Zeit stoen Jennifer Finch (Bass) und Demetra "Dee" Plakas (Schlagzeug) dazu und somit ist die Kapelle auch vollstndig. Ihr erstes Album mit dem simplen Titel "L7" sorgt 1988 fr einiges an Aufsehen. Die Mischung aus Metal, Rock, Punk, Alternative und Grunge ist zu dieser Zeit recht einmalig. Dem Heavy Metal wird im Allgemeinen so gut wie keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt, und mit Grunge steht eine vllig neue Musikrichtung auf der Startbahn und der groe Durchbruch ist nur noch eine Frage der Zeit. Und so werden die beiden L7 Alben "Smell The Magic" (1990) und auch "Bricks Are Heavy" (1992) berall abgefeiert und die Band steht auf dem Zenit ihres Schaffens. Und sie hat mit einem gewissen Kurt Cobain einen Edelfan der fters auf den Konzerten vorbeischaut und sich ffentlich als Fan outet. Leider verschwindet mit der Grunge Welle auch das Interesse an L7, wobei die Band nie diese Art von Musik gespielt hat, und die nachfolgenden Alben werden kaum noch beworben. Bassistin Jennier Finch ist die erste, die das sinkende Schiff im Jahre 1999 verlsst. Der Rest der Truppe versucht es noch einmal mit einer neuen Bassistin, aber schon zwei Jahre merken die beiden Damen Sparks und Gardner das der Ofen aus ist. Offiziell lste sich die Band zwar nie auf, aber einzelne Mitglieder starteten neue Projekte so dass man einfach davon ausgehen musste, dass das Kapitel L7 fr immer geschlossen ist. Doch dann kam der Dezember 2014 und die oben beschriebene Nachricht. Im Sommer 2015 spielte die Band auf dem Rock Am Ring Festival, um kurz danach auch in Ihrer Heimat wieder aufzutreten. Der Ball rollte wieder, und schon gab es weitere Konzerte und auch den ersten neuen Song. Mittlerweile schraubt man an einem neuen Album und gibt berall wieder Konzerte.

Bevor nun aber die vier Damen aus Los Angeles loslegen gibt es die Vorband BLACK MOTH. Die englische Band existiert seit 2010 konnte aber bisher noch nicht den groen Wurf landen. Das Quintett aus Leeds macht es aber einem auch nicht ganz einfach. Zwar ist der Sound richtig stark und auch dass Grnspan ist bereits gut gefllt, die etwas krude Mischung aus Doom, Metal und Rock ist aber nicht so einfach zu konsumieren. Es dauert bestimmt drei Songs bevor das nordische Publikum mit den Riffs von der Bhne etwas anfangen kann. Erstaunlicherweise lassen sich BLACK MOTH nichts anmerken, Frontfrau Harriert Bevan bemht sich auch zwischen den Songs als Entertainerin und die Musiker rund um das Gitarrenduo Jim Swainston und Federia Gialanze ballern ihren Songs trocken und mit Spielfreude ins Publikum. So richtig kommt die groe Stimmung aber einfach nicht auf. BLACK MOTH spielen ihren Set jedenfalls sauber zu Ende und bekommen den wohlverdienten Applaus. Mehr aber auch nicht.

Der Changeover zieht sich leider etwas hin, so dass ein gewisser Unmut im Publikum entsteht. Allerdings kann es natrlich sein, dass es Probleme gibt die den Besuchern nicht ersichtlich sind. Aber dann geht endlich das Licht aus und unter einem groen Applaus kommen L7 auf die Bhne. Leider fehlt Schlagzeugerin Dee Plakas. Die Band erklrt dass sich die Drummerin kurz vor der Abreise aus den USA sich den Arm gebrochen hat. Als Ersatz haben sie JoDee Locks dabei, und um es vorwegzunehmen, er macht seine Sache prima. L7 bringen mit "Andres" und "Fast And Frightening" gleich zwei absolute Knaller und sofort ist das Publikum auf Betriebstemperatur. Donita Sparks und Jennifer Finch sind die beiden Aktivposten, letzte lsst es sich nehmen um mit ihrem Instrument einen Purzelbaum auf der Bhne zu vollziehen. Suzi Gardner dagegen ist die Coolness in Person, selbst die Sonnenbrille nimmt sie whrend der ersten vier Songs nicht. Mit "Everglade" und "Monster" geht es direkt weiter, und die Meute frisst der Band aus der Hand. Die Damen und der Herr sprhen nur so vor Spielfreude, Licht und Sound sind erste Sahne und gerade Donita Sparks such auch immer wieder den Kontakt zum Publikum. Dass L7 sich schon immer politisch und auch sozial engagiert haben, sollte jedem klar sein, ansonsten sei dies hier auch noch einmal ausdrcklich erwhnt. Und so gibt es mehrere Kommentare zum derzeitigen Weltgeschehen und der Politik in den USA im Speziellen. Zum Thema Donald Trump passt dann auch der nchste Song, nmlich "Fuel My Fire" (wurde brigens auch schon mal von PRODIGY mit einem Cover veredelt!). Es folgen weitere Klassiker, das Publikum schwitzt und ist verdammt gut drauf und ist in hohem Mae textsicher. Vereinzelte Liebesbekundungen, mnnlich wie weiblich, werden von den Musikerinnen mit spitzen Jubelchreien beantwortet. Mit "I Came Back To Bitch" kommt dann auch schon der erste brandneue Song, der jetzt schon Lust auf mehr macht. "Shove" und "Deathwish" luten den Endspurt ein, bevor mit "Dispatch From Mar-A-Lago" der zweite neue Track kommt und die Damen und ihr mnnlicher Begleitung von der Bhne gehen. Als Zugabe folgen dann noch "Bloodstains" (ein Cover der Band AGENT ORANGE), sowie der Megahit schlechthin "Pretend We're Dead". Mit "Shitlist" zum Abschluss werden noch mal alle Schleusen geffnet bevor dann endgltig Schicht im Schacht ist.

Whrend das Hallenlicht angeht und sich die Besucher so langsam auf den Weg nach drauen machen stelle ich mir ernsthaft die Frage, was aus dieser Band htte werden knnen wenn die Dinge nur ein klein wenig anders gelaufen wren kurz vor der Jahrtausendwende. Dass die Damen, die mittlerweile Mitte/Ende 50 sind, immer noch die Scheie fett rocken haben Sie an diesem Abend mehr als eindrucksvoll unterstrichen. Ich bin sehr gespannt auf das neue Album und kann nur jedem einen Besuch eines L7 Konzerts ans Herz legen!

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