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13. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing AT THE DRIVE-IN, DEATH FROM ABOVE, LE BUTCHERETTES
Ort Hamburg, Sporthalle
Datum 02.03.2018
Autor Marc Schallmaier, Fotos: Toni B. Gunner
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Als Mitte der 1990er Jahre eine Formation mit dem komischen Namen AT THE DRIVE-IN auf der musikalischen Bhne auftauchte, war sie ein paar Jahre lang der absolute Geheimtipp und Insidern. Denn tatschlich war die Mischung aus Post Hardcore, Alternativ und harten Riffs nicht jedermanns Sache. Als dann im Jahre 2000 das Album "Relationship Of Command" erschien drehte eigentlich jeder der sich mit gitarrenlastiger Musik beschftigte komplett durch. Selten gab es eine so gute Verquickung von progressiven Rhythmen, harten Riffs, tanzbarem Groove und einer unfassbaren Energie. Der absolute Gegensatz zu vielen Nu Metal Verffentlichungen, die in diesen Tagen erschienen. Aber wie das auch manchmal mit so kreativen Kpfen ist, irgendwie tat die weltweite Beachtung der Bandchemie nicht wirklich gut und die Truppe lste sich bereits ein Jahr spter auf. Es folgten zahlreich neue Bands der Musiker mit ihren Verffentlichung, allerdings konnte keine davon an den Erfolg von AT THE DRIVE-IN anknpfen. Im Jahre 2012 kam dann die Nachricht, dass die Band sich wieder zusammenraufen wollte und spielte erste Konzerte. Es dauerte dann nochmal vier Jahre bis bekannt wurde, dass man auch an neuem Material arbeiten wird. Im vergangenen Jahr erschien dann tatschlich das Album "In-ter A-li-a" und bekam recht wohlwollende Kritiken. Und nun war es auch an der Zeit in Europa Konzerte zu geben und den alten und neuen Fans die Hits von damals sowie Material vom aktuellen Silberling zu prsentieren.

Bevor es soweit war gab es aber erst einmal zwei Vorbands zu begutachten. Als erstes kamen LE BUTCHERETTES auf die Bhne. Vllig unbekannt lie ich das mexikanische Trio dann mal auf mich wirken. Die Schlagzeugerin wirkte auch nicht wirklich motiviert, betrat sie die Bhne doch mit einem groen Ghnen. Absoluter Blickfang und auch Bandleaderin ist allerdings Teri Gender Bender, die Keyboard/Synthesizer und manchmal auch die Gitarre bediente. Dazu "sang" die Dame dann auch noch, wenn man das denn so bezeichnen kann. Musikalisch sind LE BUTCHERETTES sehr experimentierfreudig. Im Internet wird die Musik als Garage Rock oder auch Garage Punk bezeichnet. Das trifft es ganz gut, den es ist sehr unkonventionell was da von der Bhne kommt. Frontfrau Teri mag es aber auch krperlich sehr variabel, so dass sie immer wieder schrge Bewegungen machte. Definitiv nicht fr Puristen, andererseits muss man aber ehrlich sagen, dass die ganze Geschichte wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert hatte und somit die dreiig Minuten auch ziemlich schnell vorbei gingen.

Das Duo DEATH FROM ABOVE kam dann als nchstes auf die Bhne. Auch die beiden Kanadier gelten als uerst kreativ und hatten zwischenzeitlich mal eine Pause eingelegt. Die Sporthalle war nun auch etwas besser gefllt als bei LE BUTCHERETTES. Es war schon ein wenig traurig zu sehen, dass der Raum in der Sporthalle knstlich verknappt wurde. Denn die Bhne stand weit mehr in der Mitte als ich das schon bei anderen Konzerten erlebt hatte. Und auch der grte Teil der Tribnen war abgehngt worden. Da auch die Abendkasse an diesem Abend noch geffnet hatte waren im Vorfeld wirklich nicht viele Karten verkauft worden. Die beiden Kanadier lieen sich davon nicht beeindrucken und legten gleich mal los. Auch die Musik von DEATH FROM ABOVE lsst sich am ehesten als rotzigen Rock mit viel Punk Attitde erklren. Ein singender Schlagzeuger, dazu ein Bassist der nebenbei auch noch den Synthesizer bedient, mehr Bedarf es manchmal nicht. Die Songs kamen mit viel Wucht und Herzblut aus den Boxen, im spteren Verlauf des Auftritts musste ich einsehen dass es mit der Abwechslung bei DEATH FROM ABOVE nicht so weit her ist. Klar, die beiden Musiker knnen was und einige der Songs sorgten auch fr etwas Bewegung im Publikum, im groen und ganzen aber war ein Spielzeit von 45 Minuten fast schon zu lang.

Nach einer kurzen Umbaupause, es waren natrlich schon alle Sets aller Bands auf einer Bhne aufgebaut, kamen dann endlich AT THE DRIVE-IN ins Rampenlicht. Es war fr mich das erste Mal dass ich die Band live bewundern durfte. Und sicherlich hatte ich auch meine Erwartungen dahin gehend geschraubt, dass die Jungs nicht mehr wie vor zwanzig Jahren durch die Gegend springen werden und den Laden in Schutt und Asche legen wrden. Allerdings war der Beginn dann doch recht fulminant. Als "Arcarsenal" ertnte gab es einen Ruck im Publikum und pltzlich wussten wieder alle, warum sie hier waren. "No Wolf Like The President" folgte gleich darauf, bevor es mit "Pattern Against User" direkt den ersten Hit gab. Aber irgendwie war der Zauber der ersten Minuten schnell verflogen. Klar, Snger Cedric Bixler - Zavala schwang sein Mikro wie ein Lasso, sprang tatschlich einmal vom Verstrkerturm und war eigentlich stndig in Bewegung. Alles etwas gemchlicher wie frher, aber immerhin! Der Rest der Truppe war dann doch eher bewegungsmde, da ging fast gar nichts. Und Gitarrist Omar Rodriguez Lopez? Der stand gedankenverloren am linken Rand der Bhne und bespielte sein Instrument. Kaum Bewegung und man mute schon froh sein wenn er ab und zu mal von einem Scheinwerfer ein paar Strahlen abbekam. Es folgten weitere vier Songs, whrend derer die Stimmung merklich abkhlte. Anscheinend gab es doch mehrere im Publikum die sich das alles etwas anders vorgestellt hatten. Als dann aber "Napoleon Solo" erklang war das Publikum wieder voll da und auch die Band wurde ein wenig mitgenommen. Mit "Pendulum In A Peasant Dress" gab es wieder eine Bremse, bevor mit "Invalid Litter Dept." und "Enfilade" die beiden nchsten Kracher des Mega Albums "Relationship Of Command" gespielt wurden. So langsam steuerte der Abend auf den Hhepunkt zu. Der Sound war brigens ganz okay fr die Verhltnisse in der Sporthalle, da hatte ich schon deutlich schlimmere Sound Debakel live miterleben mssen. Aber nach wie vor gab es fr meinen Geschmack zu viel Routine auf der Bhne. Wo war die Energie? Wo war die Aggressivitt? Die Leidenschaft? Ich denke dass dies mit AT TH DRIVE-IN im Jahre 2018 nicht mehr ganz vereinbar ist. Zwar haben die Amerikaner ein gutes Comeback Album gemacht und man verfgt ber jede Menge Hits aus der Vergangenheit, in Sachen Live Aktivitt ist aus einem echten Feuer aber nur noch eine kleine lodernde Flamme geworden. Bevor das Quintett nun das erste Mal von der Bhne ging kamen noch "Holtzclaw", "Quarantined" und "Governed By Contagions". Auch diese wurde mit miger Begeisterung aufgenommen. Als Zugabe gab es dann noch den berhit "One Armed Scissor", bei dem das Publikum wie zu erwarten auch noch einmal komplett ausrastete. Die Band trat danach ab, das Licht ging langsam an und es ertnte leise Musik aus der PA. Womit allen klar war das es weitere Zugabe nicht geben wrde.

Was bleibt als Fazit zu sagen? Nun, ich war auf der einen Seite froh AT THE DRIVE-IN endlich mal live gesehen zu haben. Bei den Querkpfen in der Band kann man nie wissen, wann und ob es ein nchstes Mal geben wird. Der Sound war okay und meine persnlichen Hits wurden alle gespielt. Auf der anderen Seite wurden meine, wie ich finde, realistischen Erwartungen noch leicht unterboten, und das stimmte mich etwas nachdenklich. Bei einem Ticketpreis von ber EURO 40,00 eine recht happige Veranstaltung, auf der die Knstler hchst routiniert ihren Set runter kurbelten. Ich kann es durchaus verstehen, dass einige Zuschauer recht unzufrieden mit dem Konzert waren. Man kann sich heutzutage AT THE DRIVE-IN sicherlich noch live anschauen, allerdings sollte man einfach gewisse Erwartungen ber Bord werfen.

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