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23. Juni 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

DISMEMBER - Under Blood Red Skies
Band DISMEMBER
Titel Under Blood Red Skies
Label/Vertrieb Regain Records
Homepage www.myspace.com/dismemberofficial
Veröffentlichung 04.09.2009
Laufzeit 110:00 & 75:23 Minuten
Autor Snke Hansen
Bewertung 13 von 15 Punkten
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Ehrlich whrt am Lngsten. Das alte Sprichwort wird mit der neuen Doppel-DVD der Urgesteine des schwedischen Todesbleis mal wieder brutalst unter Beweis gestellt.
Das Debt-Album "Like An Ever Flowing Stream" ist ein wahrer Kracher, totaler Kult, eine Legende, ein Wegweiser fr eine ganze Generation, Fundament einer eigenen, rudigen Musikrichtung. Als in den Neunzigern die Tage des Death Metals gezhlt zu sein schienen und unzhlige Bands die Flinte ins Korn warfen oder sich musikalisch umorientierten (mit eher bescheidenem, manchmal aber auch mit beschmend kommerziellen Erfolg gekrnt), da gab es von DISMEMBER weiterhin schwedischen Death Metal. Es folgte ein Death Metal-Boom, durchsiebt mit anderen Einflssen, hochglanzpoliert, mit Orchester, teilweise sogar Frauengesang, ohne Haare, mit Haare, langsam, corelig, schnell, in einfach jeglicher Variation erhltlich; was machen DISMEMBER? Genau. Wie immer halt. Rau, unpoliert, selber Sound, selber Weg, mit dem Kopf durch die Wand und Spa dabei! Authentische Death Metal-Maniacs, auf der Bhne, hinter der Bhne, Die Hard-Fans bis aufs Blut, selbst im Schlaf noch mit der Rbe wackelnd.
Genau das ist es auch, was ihre erste DVD "Live Blasphemies" ausgemacht hat: nicht wilde Kamerafahrten, fnfzig Mglichkeiten, den Sound einzustellen, Bhneneffekte oder opulente, langatmige Intros oder grospurige Ansagen waren es, die das unbeschreibliche Live-Gefhl ins heimische Wohnzimmer gebracht haben und den Bereich zwischen Sofa und Fernseher zum Moshpit verwandelte, sondern es waren die Jungs selbst.
So auch hier: 2008 auf dem Party San lieferte die Band ein ganz besonderes Konzert ab, das wir nun auf Silberling konserviert bewundern drfen. Mit einer unglaublichen Live-Prsenz, die - ich bin mir nicht so ganz sicher, wie rum jetzt - die Band zu uns ins Wohnzimmer oder uns direkt vor die Bhne holt, knppeln DISMEMBER nebst wenigen alten Klassikern verhltnismig neues Liedgut. Der Sound ist eine typische Elchtod-Wand. Was erwartet man, wenn man DISMEMBER kennt? Das, was man erhlt: Dreckiges, brachiales Gebolze, ursprnglich und trotzdem differenziert.
Ungefhr ab der Hlfte ndert sich die Setlist jedoch radikal: DISMEMBER spielen von nun an ihr komplettes Debtalbum.
"Like An Ever Flowing Stream" an einem Stck, ich geh kaputt. Kann mich nicht mehr halten, muss vom Sofa aufspringen und mitbangen, grlen, solo-pogen, einfach alles, das volle Programm! Scheie, das ist geil wie Hlle! Die Mucke, der Sound, die Songs, die Melodien, der Metal, die Pyros, Alles! Ich scheie einen riesen Haufen auf die ganzen Trittbrettfahrer, auf die Hochglanzpolierten und auf die Schnen. Frauengesang, Keyboard, Triggern, Haarspray, alles fr'n Arsch! Wer seine Ohren gestreichelt bekommen will, soll Tokio Hotel oder Manowar hren. Radio tut's auch. Ich schraube mir die Rbe ab, whrend mir mein metallisches Blut in den Ohren rauscht. Lauter! Schneller! Jaaaa! Bevor ich berhaupt begreife, was passiert ist, schaue ich hnlich enttuscht wie die Fans vor der Bhne drein (welche brigens fester Bestandteil vieler Kamerafahrten sind), die sich fragen: Oh schade, schon vorbei?
Auf der zweite Scheibe folgt die Dokumentation "Death Metal & More Mental Illness". Hier kann man eindrucksvoll sehen, dass Death Metal-Mucker keineswegs Leichen fressende, Satan verehrende, Tiere schndende Bsewichte sind, denen jeglicher Bezug zur Realitt abhanden gekommen ist, als vielmehr... Kinder. Mnner altern, bis sie zwlf sind, danach wachsen sie nur noch? Stimmt schon. Irgendwie. So kann man hier die Band dabei bewundern, wie sie an schwedischen Zungenbrechern verzweifeln, was sie im vollen Kopf fr einen Mll von sich geben, wie improvisierte Setlisten wirklich aussehen (zum Beispiel auf den Rcken eines Muckers der Vorband geschrieben) und wie lustig eine Session im Studio sein kann, wenn man partout keine Ahnung davon hat, was man da eigentlich gerade macht. Natrlich uert sich die Band auch in halbwegs ernstem Ton zu ihrer Beziehung zu ihren Fans, zu der Masters Of Death-Tour oder zu ihrer Meinung bezglich berproduziertem Liedgut. Zudem lften DISMEMBER das groe Geheimnis ihres besonderen Gitarrensounds. Ich will es nicht verraten, aber sagen wir einfach mal: das htte ich jetzt nicht gedacht.
Obendrauf gibt es noch ein Bonus-Video. Ein halbe Stunde lang DISMEMBER hautnah. Auf der Bhne, in verschiedenen Stdten dieser Welt (die Jungs beteuern jedoch immer, sie seien in Gothenburg), im Hotel, im Tourbus, beim Kegeln, auf einem Billardtisch liegend, um sich von den Bandmitgliedern den im Gehrgang verloren gegangenen Gehrschutz wieder heraus fischen zu lassen. Natrlich ununterbrochen Bldsinn labernd und zum Wegwerfen komisch. Oder um es in DISMEMBERs Worten zu sagen: Sie sind einfach nur Idioten!
Nun gut, das Artwork ist nicht der Brller, englische Untertitel gibt's nur, wenn schwedisch gesprochen wird, ansonsten ist nichts mit Translationen. Klangeinstellungen? Wer braucht denn sowas? Aber vllig egal. Ich finde diese beiden DVDs deutlich interessanter, unterhaltsamer, lustiger und authentischer als die -zigste Metallica-Dokumentation. Sie ist einfach randvoll gestopft mit Videos, Live-Mitschnitten, Interviews oder einfach nur lustigen Dingen auf und hinter der Bhne. Ihr liebt Death Metal? Kauft diese DVD!
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