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19. Jul 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

FÄHRMANN - Neunzig Liter Und Mehr
Band FÄHRMANN
Albumtitel Neunzig Liter Und Mehr
Label/Vertrieb DMG Records/Broken Silence
Homepage www.faehrmann-lieder.de/
Veröffentlichung 01.06.2018
Laufzeit 50:16 Minuten
Autor Peter Hollecker
Bewertung 13 von 15 Punkten
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Es gibt sie noch, die deutschsprachigen Storyteller, die Singer-Songwriter, hier eher als Liedermacher bekannt. Klar, jeder kennt Reinhard Mey oder Hannes Wader, der kürzlich seinen Abschied von der Bühne bekanntgab. Doch darüber hinaus fristet diese Gattung derer leider doch eher ein Schattendasein bei uns. Pohlmann fällt mir noch ein oder auch Thees Uhlmann, der Sänger von Tomte, der solo ebenfalls richtig gute Musik macht. Jetzt flattert mir eine CD von Fährmann auf den Tisch, dessen Name ich vorher noch nie gehört habe. Den Fährmann möchte ich eben auch in die Gattung der klassischen Liedermacher einordnen, doch hebt der Sänger und Gitarrist sich doch noch gewaltig von seinen o.a. Kollegen ab. Denn der Fährmann bevorzugt den musikalischen Stil der großen amerikanischen Helden wie Bob Dylan, Johnny Cash, Neil Young oder dem akustischen Bruce Springsteen. Er spielt auch Mundharmonika und wird bei seinen Konzerten oft von einer Violinistin begleitet, die auf diesem seinem 2. Album jedoch leider nicht zu hören ist. Aber seine Mitmusiker im Studio machen ihre Sache sehr ordentlich und Instrumente wie Banjo, Congas, Tambourin, Akkordeon oder Orgel werden stimmig in diesen Sound aus Folk, Blues und Roots Rock integriert. Hier ist vor allem Multi-Instrumentalist Karl Neukauf zu nennen. Mit angenehm kratziger Stimme erzählt der Fährmann seine Geschichten von Sehnsucht, Fern-und Heimweh oder gebrochenen Herzen in poetischer, oft vergleichender Sprache und zeichnet so Bilder vor dem geistigen Auge seiner Zuhörer. Und diese Bilder verbreiten eine herrlich intensive Stimmung, bei der ich mir am liebsten auf der Stelle ein Feuer anmachen, eine Flasche Rotwein entkorken und eine Pfeife rauchen möchte. Beispiel gefällig? Bitte sehr, ein kleiner Auszug aus dem Lied "Fährmann": ..."Jetzt sitze ich hier am Ufer der Träume, seh` die Fähre mit gläserner Fracht. Und mein Herz setzt die Segel-es fliegt und es schneidet den Strom, bricht die Wellen zu dir in die Nacht..."
Klar, hard & heavy ist bei "Neunzig Lieter Und Mehr" kein einziger Ton, aber in Sachen deutschsprachiger Musik habe ich sehr lange nichts besseres gehört. Wer behauptet, Wolfgang Niedecken sei der "deutsche Bob Dylan", den lach ich aus und stopf ihm diese CD in die Jackentasche! Wirklich ein imponierender und sehr empfehlenswerter Künstler, der mich am Ufer abgeholt hat und nicht mehr so schnell von seiner Fähre lässt!
   
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