Michael Bormann`s Jaded Hard – Back To The Roots!

Vor 15 Jahren trennten sich die Wege von Jaded Heart-Sänger Michael Bormann und seinen ehemaligen Band-Kollegen. Dies ging seinerzeit leider Gottes nicht ohne Streitereien und Querelen vonstatten, zu verschieden waren die Auffassungen über die weitere musikalische Ausrichtung von Jaded Heart der Beteiligten. Das Ende einer der erfolgreichsten deutschen Melodic Rock Bands war besiegelt und Jaded Heart mutierten ohne ihr stimmliches Aushängeschild mit neuem Personal zu einer waschechten Metal-Combo, während Michael Bormann selbst mit einigen Soloalben seiner etwas gemäßigteren AOR bzw. Melodic Rock-Ausrichtung treu blieb. Das blieb auch nicht ohne Folgen für die vielen Fans, die sich ebenfalls in zwei Lager teilten. So verging die Zeit, bis der stimmgewaltige Sänger vor zwei Jahren anfing, mit den alten, von ihm geschriebenen und gesungenen Songs unter dem neuen Banner Michael Bormann`s Jaded Hard mit geeigneten Mitmusikern einige Konzerte zu spielen, unter anderem beim „HEAT“-Festival in der Ludwigsburger Rockfabrik. Und hier erhielt Michael Bormann so viel Zuspruch von den Fans, dass er sich entschied, genau mit dieser Besetzung und Namen ein Album mit neuen Songs ganz im Stile seiner damaligen Band aufzunehmen. Ich erwische einen sehr positiv gestimmten und gut gelaunten Musiker, als er gerade von einer gemeinsamen Tour mit den Melodic-Kollegen von Creye und DeVicious zurück nach Duisburg gekehrt ist.

 Michael, zuerst muss ich natürlich fragen, wie die Tour so gelaufen ist, bist du zufrieden?

Ach ja, sagen wir mal so, wenn dir der Film „Spinal Tap“ was sagt, dann hast du ungefähr eine Vorstellung von dem, was die ersten Tage so abging, haha! Es ging gleich am Anfang los, als wir auf irgendeinem Rastplatz standen und die Batterie vom Bus kaputt war. Da standen wir also den ganzen Tag ohne Strom so rum und nix ging mehr! Dann lief der Sprit aus und wurden erst wach, als wir von der Polizei eskortiert in einer Werkstatt landeten. Dazu kam, dass mir am ersten Tag der Sender kaputtging, meine Gitarre umgefallen  und eine Mechanik abgebrochen ist, am dritten Tag ist mir mein Handy runtergefallen, natürlich auch kaputt und eine Woche komplett von der Welt abgeschnitten. Dann noch die üblichen Probleme, die jede Band kennt, dass man die Straße zum Venue nicht findet zum Beispiel, haha! Aber wie du merkst, ich kann darüber jetzt mittlerweile lachen.

Ich meinte auch eigentlich die Gigs selbst und den Zuspruch der Fans!

Das war alles gut, kann ich nicht anders sagen! Das ist ja das Schöne an der Musik, wenn du dann auf der Bühne stehst ist der Tag, mag er auch noch so beschissen gewesen sein, komplett vergessen! Die Konzerte waren geil, die neuen Songs kamen gut an und wir als Bands untereinander haben uns sehr gut verstanden. Im Laufe der Zeit sind wir alle Freunde geworden, was wichtig war. Wär ja auch doof, wenn so viel Mist tagsüber passiert und du hast noch Idioten dabei, mit denen man sich nicht versteht. Das Schöne war letztendlich, dass die größte Scheiße in der ersten Hälfte der Tour passierte und von da an wurde es von Tag zu Tag besser. Der Publikumszuspruch war mega, wenn man bedenkt dass wir ja nicht vor 10 000 Leuten spielen. Wir hatten im Schnitt so etwa 100 Leute bei den Konzerten, womit wir aber zufrieden sind, auch weil der Merchandise-Verkauf sehr ordentlich war. Das Wichtigste ist immer, dass Band und Publikum Spaß haben bei der Show. Und den hatten wir zweifellos!

Okay, das hört sich doch gut an. Kommen wir zur aktuellen Lage bei euch. „Feels Like Yesterday“ hat  ja in der Fachpresse bisher ziemlich gut abgeschnitten. Warum hast du dich für ein Bandalbum entschieden und welche Vorteile haben sich daraus ergeben?

Stimmt, bisher kamen nur positive Rückmeldungen, mal sehen, ein paar schlechte werden bestimmt auch noch kommen. Aber von Anfang an: Bis 2017 habe ich mich gesträubt, als Michael Bormann`s Jaded Hard was Eigenes zu machen, weil ich das als etwas lächerlich abgetan habe. Aber die Nachfrage nach den alten Songs war spürbar, nicht nur von den Fans, sondern auch von Veranstaltern. Als dann noch Eddy Freiberger auf mich zukam und anfragte, ob ich nicht überwiegend, so etwa 80% alte Jaded Heart Songs spielen wollte, habe ich meine Meinung geändert. Da zeitlich gesehen fast genauso viele Jahre zwischen meiner Abstinenz von dieser Musik bis zum Neustart vergangen waren, wollte ich es einfach mal ausprobieren. Und die Shows kamen so gut an, dass bei mir ein Umdenken stattfand. Zu meinen Solo-Shows kamen nicht so viele Leute wie zu den neuen Konzerten und alle wollten eigentlich nur die alten JH-Songs hören, also warum nicht diese Fans bedienen? Ich wär doch bekloppt gewesen, wenn ich das nicht gemacht hätte. Plötzlich wurden Gagen bezahlt und ich musste mir keinen Kopp mehr machen, weil die Nachfrage halt da war. So waren wir ein ganzes Jahr lang unterwegs und da wollte ich unter dem neuen Banner auch den nächsten Schritt gehen und neue Songs schreiben. Bei meinem letzten Soloalbum „Closer“ habe ich viel experimentiert und moderne Elemente eingebracht, was vielleicht für den normalen Melodic-Fan zu viel war. Deshalb wollte ich back to the roots und denselben Stil der guten alten Zeit bringen.

Also ist der Titel „Feels Like Yesterday“ bewusst gewählt?

Ganz genau, da kamen plötzlich wieder Leute zu den Konzerten, die ich zum letzten Mal vor 15 Jahren mit den alten Jungs gesehen habe! Du spielst die alten Sachen und jeder singt die Songs mit, das ist doch dann einfach der prädestinierte Albumtitel. Die unterschiedliche Schreibweise der Band in Verbindung mit meinem Namen ist ja auch nur, weil ich unnötigem Copyrights-Geschichten und weiteren Streitigkeiten aus dem Weg gehen möchte, denn darauf habe ich keine Lust, das braucht kein Mensch.

Nachvollziehbar. Aber trotzdem ist es kein Soloalbum, sondern ein echtes Bandalbum geworden!

Genauso wollte ich es auch haben. Die Songs sind grundsätzlich schon seit anderthalb Jahren fertig, ich habe sie zuerst komplett alleine eingespielt und vorproduziert. Doch ich wollte auch unbedingt, dass die Jungs, mit denen ich schon seit langer Zeit live unterwegs bin mit beteiligt sind und ihren Teil dazu beitragen. Und deshalb hat es auch so lange gedauert. Bis du die Jungs alle zusammen hast, die ja auch alle Familie haben und andere Jobs, die Wochenenden sind auch kurz und da dauert es halt alles länger, bis alles eingespielt ist. Alles dauert zehn Mal so lange im Vergleich zu einer Solo-Platte, aber es ist für mich wichtig, dass nicht nur die Namen im Booklet stehen, sondern dass die Jungs auch aktiv mit dabei waren.

Irgendwie witzig für mich, dass dabei ein Namensvetter zu Michael „Mülli“ Müller, Bassist von Jaded Heart (übrigens das letzte Gründungsmitglied der aktuellen Formation-der Verf.) mit dabei ist.

Ja das stimmt, aber unser Michael Müller wird „Maikel“ genannt und ist Drummer! Aber ich gebe dir Recht, lustig ist das schon. Wie das Leben so spielt, haha!

Nicht nur ich frage mich, wie es mit deiner neuen Band so weitergeht. Was gibt es dahingehend zu berichten?

 Auch da gibt es viel zu berichten. Dieses Jahr stehen noch drei Konzerte an und ein paar Termine für nächstes Jahr bei einigen Festivals wurden auch schon angefragt. Dann wird es auch garantiert noch ein zweites Album geben, denn ich bin ja quasi permanent am Schreiben und ich habe für „Feels Like Yesterday“ ja gut doppelt so viele Songs geschrieben, von denen es halt nur 12 auf die Platte geschafft haben. Im nächsten Jahr haben wir außerdem noch vor, eine Art „Best-Of“ der alten Jaded Heart-Songs einzuspielen. Dabei wollen wir die Lieder live im Studio neu aufnehmen. An den Arrangements will ich grundsätzlich nicht so viel ändern, lediglich ein paar Kleinigkeiten, so dass es klingen wird wie es soll, nämlich mit viel Power und moderner Frische, so wie es die Fans von mir kennen.

Das hört sich doch sehr vielversprechend an. Letzte Frage: Du gehst also momentan irgendwie gemäß dem berühmten Film „Zurück In Die Zukunft“. Wenn Du noch einmal in die Zeit der Trennung von Jaded Heart zurüückblickst, hegst du noch Groll?

Nein, die Wut war ziemlich schnell vorbei. Ich war eher enttäuscht, weil wir wirklich auch abseits der Musik beste Freunde waren und sogar gemeinsam in Urlaub gefahren sind u.s.w. Aber so ist das im Leben, man bekommt nicht immer was man möchte.

Die Melodie muss stimmen!