Sabaton – Geschichte vermitteln mit Metal!

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Dass die schwedischen Power Metaller von Sabaton in ihren Liedern sehr gerne über Schlachten und Kriege singen ist ja allgemein bekannt. Das hört bzw. sieht nicht jeder gern, so musste sich die Band in der Vergangenheit viel geistigen Schrott von deren sogenannten Kritikern anhören, die ihnen vorwarfen, den Krieg zu verherrlichen, Gewalt zu verharmlosen und die Gruppe um Frontmann Joakim Brodén sogar in eine rechte Ecke drängen wollen. Klar, das Auftreten mit Tarnklamotten, Panzern auf der Bühne und dem rollenden R des Frontmanns wirken zugegebenermaßen ziemlich martialisch, doch gehört das wie jeder weiß zur Show dazu. Beim neuen Studioalbum, dem 10., „The Great War“ drehen sich die Songs allesamt um den Ersten Weltkrieg, sind aber, ganz wie bei Sabaton gewohnt, historisch belegt und entsprechen somit nachweislich der Wahrheit. So traf ich mich also zum Interview mit Bassist Pär Sundström, der mir vorher auf einem Laptop einen Film vorführte, bei dem alle Songs des neuen Albums als aufwendige Lyric-Videos dargestellt wurden. So etwas habe ich bisher ehrlich gesagt auch noch nicht erlebt, zeigt aber, wie ernst es die erfolgreiche Band mit ihren Aussagen nimmt.

Hallo Pär, ich habe mir vor diesem Interview natürlich einige Fragen ausgedacht. Jetzt, nachdem ich das wirklich beeindruckende Video gesehen habe, ergaben sich spontan eine ganze Menge anderer Fragen. Ich hoffe, dass ich jetzt alles unter einen Hut bringen kann. Erzähl uns doch am besten einmal etwas über das Konzept von „The Great War“.

Alle Songs drehen sich um das große Thema Erster Weltkrieg. Es ist nicht das erste Mal, dass wir Songs über einzelne Storys daraus geschrieben haben, aber das erste mal dass wir ein ganzes Album lang darüber berichten. Anlass war der 100-jährige Jahrestag des Kriegsendes im letzten Jahr, das wollten wir irgendwie würdigen und für uns machte es irgendwie Sinn, das in Form eines ganzen Albums thematisch umzusetzen. Im Titelsong geht es aber um die Frage, was denn so großartig ist oder war an diesem Krieg, deshalb der Titel „The Great War“. Dabei war uns das Wortspiel wichtig, denn wir hätten den Song ja auch „The Big War“ oder „The Large War“ nennen können, das hätte aber nicht ausgedrückt was wir wollten. Ein sehr zwielichtiger Titel also, ich könnte auch zynisch sagen.

Ihr behandelt in den Songs einige bekannte Persönlichkeiten wie den Roten Baron Manfred von Richthofen oder Lawrence von Arabien. Jedoch kommen auch einige unbekanntere Geschichten wie jene über den kanadischen Scharfschützen Francis Pegahmagabow oder den (offiziell nicht belegten) Giftgasangriff der Deutschen auf ein holländisches Dorf. Woher stammt eigentlich die Inspiration über solche Geschichten aus dem Krieg zu schreiben und überhaupt euer Wissen darüber?

Nun, das hat sich mit den Jahren bei Sabaton so entwickelt und ist ganz klar das Ding von Joakim. Er zieht sich alles rein was er über Schlachten und Kriege erfahren kann, er schreibt ja auch die Texte. Dabei ist es ihm und uns wichtig, dass sie authentisch sind und zu uns passen. Obwohl bei „The Attack Of The Dead Men“ nicht eindeutig bewiesen ist, dass es genau so passiert ist mit dem Gas wie wir das singen. Der Text ist ein wenig mystischer, was wir auch sehr gerne mögen. Obwohl man heute ja genau weiß, dass schon sehr früh im Krieg Giftgas eingesetzt wurde und es ja einen ganzen „Gaskrieg“ gegeben hat. Den Song haben wir schon für „Heroes“ geschrieben, aber er passte musikalisch nicht auf das Album, denn er war dafür zu düster. Für historisch Interessierte haben wir ja einen eigenen Kanal bei youtube, den „Sabaton History Channel“ eingerichtet, da erklären der Historiker Indy Neidell und Joakim in vielen Videos die Hintergründe zu den Songs. An dieser Stelle geht mal ein großes Dankeschön an Indy, der viel Zeit und Herzblut in diese Sache investiert und uns bei der Auswahl der Themen eine große Hilfe ist!

Zwei weitere besondere Songs möchte ich noch ansprechen. Als erstes fiel mir „The End Of The War To End All Wars“ auf. Ist es richtig, dass dies das bisher bombastischste Stück von Sabaton ist? Mir kam es fast so vor, als hättet ihr euch in eine italienische Oper verschanzt!

Haha, vielleicht hast du Recht, das könnte man tatsächlich denken! Dieses Stück ist schon SEHR bombastisch mit den fetten Chören und der Orchestrierung, wohl wahr. Mit den Sängerinnen arbeiten wir schon seit „Primo Victoria“ zusammen, sie kommen immer wieder zum Einsatz und stammen aus der gleichen Umgebung wie Joakim und ich.“

„In Flanders Fields“ ist das nächste Lied auf meiner Liste, weil es gar nicht so typisch für euch ist, nur vom Chor gesungen wird und zudem ohne Instrumente daherkommt. Trotzdem, oder gerade deshalb ist es sehr intensiv und erzeugt Gänsehaut!

Danke sehr, das nehme ich als Kompliment auf! Dieses Lied ist die Vertonung eines alten Gedichtes, das von einem kanadischen Lieutenant 1915 geschrieben wurde. Sein bester Freund starb einen Tag zuvor bei einem Chlorgasangriff in Flandern und er verarbeitete damit seine Trauer. Es ist ein sehr tragisches Lied und zudem höchst authentisch! Kürzlich haben es unsere Freunde von Apolalyptica in ihrem Style aufgenommen, ganz anders und sehr speziell, aber wie ich finde großartig.

Es wird mit der „History Edition“ eine Fassung von „The Great War“ geben, bei der vor den Songs die Geschichte über die jeweiligen Lieder erzählt werden. Ehrlich gesagt habe ich mich beim Hören der Tracks wie auf einer Schulbank gefühlt, zumal die Texte von einer Frau gesprochen werden. Würde es nicht mehr Sinn machen, die eben von dir gezeigten Videos als Bonus-DVD anzubieten?

Mmh, ich weiß was du meinst, aber wir haben uns bewusst für die rein audiophile Version entschieden. Wir glauben nämlich dass diejenigen Fans, die sich für die Texte und die realen Hintergründe interessieren, viel lieber mit Kopfhörer auf der Couch liegen und die Stimme der Sprecherin und die anschließenden Songs auf sich wirken lassen. Wir denken, dass die Videos zu sehr ablenken. Aber wer weiß, vielleicht haben wir zu einem späteren Zeitpunkt noch mal die Gelegenheit, den Film anders zu nutzen als Beilage für die nächste DVD oder so etwas. Aber darüber haben wir bis jetzt noch nicht nachgedacht. Außerdem ist es ja so, dass nicht jeder Fan die Texte automatisch durchliest und versteht, für viele zählt nur die Musik, was ja ebenfalls völlig in Ordnung ist. Deshalb gibt es ja 2 Versionen, eine CD bei der nur die Musik drauf ist und die andere mit den gesprochenen Hintergrundinformationen.

Viele eurer Texte sind ja aufgrund der Thematik sehr ernst. Was entgegnest du den Kritikern, die behaupten ihr würdet den Krieg und seine Gewalt bzw. Brutalität verherrlichen. Im Gegensatz dazu macht ihr ja auf der Bühne immer gewaltig Party mit Alkohol, ins Mikro rülpsen oder Zoten erzählen. Passt das für dich zusammen?

Ach weißt du, wir müssen uns ja nicht vor irgendwem rechtfertigen. Als erstes sind wir immer noch eine Heavy Metal Band und wollen Spaß mit unseren Fans, gerade bei den Konzerten. Heavy Metal soll doch Spaß machen, oder? Wir haben uns eben auf diese Texte und Themen spezialisiert, genau wie andere über Drachen, Ritter, Wikinger oder Fantasy-Sachen singen. Und wenn irgendwer meint, wir wären Nazis dem kann ich nur sagen, dass der den Schuss nicht gehört hat oder sich nicht mit unseren Texten auseinandergesetzt hat. Deshalb haben wir auch kein Problem damit. Das gleiche Phänomen habt ihr in Deutschland ja mit Rammstein, oder?

Das stimmt! Ihr seid ja gerade bei uns in Deutschland mehr als beliebt. Ihr pflegt einen besonders engen Kontakt zu den deutschen Fans, ihr habt sogar mal einen Refrain in Deutsch gesungen („Gott Mit Uns“ bzw. abgewandelt bei Konzerten in „Noch Ein Bier“). Wie erklärst du dir diesen großen Erfolg?

Nun, Deutschland war und ist immer noch nach Schweden das Land, in dem wir richtig großen Erfolg haben. Außerdem war unsere erste Tour mit einer deutschen Band, nämlich Edguy. Bei euch gibt es die größten Metal Festivals und überhaupt ist Deutschland DAS Heavy Metal Land Nummer 1. Nicht zu vergessen, dass unser Plattenlabel Nuclear Blast hier beheimatet ist. Wir kommen immer wieder sehr gerne hierher, es gibt so viele Freunde und nette Geschichten, die wir hier erlebt haben.

Ich dachte es wäre wegen des leckeren Gerstensaftes und der für schwedische Verhältnisse niedrigen Preise dafür. Scherz am Rande! Wie kommt es, dass ihr dieses Jahr nur für einige Festivals nach Deutschland kommt? Soll das nächstes Jahr nachgeholt werden?

Ehrlich gesagt wissen wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dieses Jahr im Sommer spielen wir erst einmal die Festivals, darunter natürlich im August wieder unser jährliches eigenes Sabaton-Festival! Das ist mittlerweile, nach dem „Sweden Rock“ das zweitgrößte Festival in Schweden, zu dem wir auch liebend gerne kleinere, noch nicht so bekannte Bands einladen, denn wir waren zu Beginn unserer Karriere auch froh, von gestandenen Gruppen Unterstützung bekommen zu haben. Für Newcomer ist sowas natürlich sehr wichtig. Dieses Jahr sind übrigens neben anderen Apocalyptica, U.D.O., Gloryhammer und Bloodbound mit dabei, die allesamt unseren Geschmack voll bedienen! Dann geht es noch über den großen Teich in die USA  sowie für einige Gigs nach Russland. Russland ist enorm am Wachsen für uns, weshalb wir diesem Umstand auch gerecht werden möchten. Wir haben in den letzten Jahren ja wirklich in Deutschland in jedem Ort gespielt, ihr könnt euch wirklich nicht beschweren, haha. Spaß beiseite, Sabaton hat sich über die Jahre zu einem wirklich großen Ding entwickelt und wir sind immer weiter am Wachsen. Es ist wirklich nicht leicht, allen gerecht zu werden, aber wir wollen auch mal nach Australien, wo wir eher selten aufgetreten sind im Vergleich zu Europa, speziell Deutschland, da bitte ich die Fans um Verständnis. Aber wir werden auch für euch eine Lösung finden, da bin ich mir sicher.

Als wir uns das letzte Mal trafen, war das eher Zufall. Wir haben uns nämlich vor ein paar Jahren vor einem Konzert von Blackmore`s Night in Essen gesehen. Ihr wart ebenfalls auf Tour, hattet einen Day Off und habt ganz locker vor dem Konzert auf dem Parkplatz Bier getrunken und mit den Leuten gequatscht. Ich war sehr überrascht, dass ihr damals mit der gesamten Band das Konzert besucht hattet und so locker mit den Blackmore`s Night Fans geplaudert habt.

Ja, warum denn auch nicht? Ich glaube das muss 2012 oder 2013 gewesen sein? Der Grund weshalb wir uns Blackmore`s Night angesehen haben war, weil wir den gleichen Sound-Mixer haben. Er arbeitet schon über 25 Jahre für Ritchie und er hat uns damals eingeladen. Das haben wir natürlich gerne angenommen, denn normalerweise ist so ein Tag ohne Konzert bei einer Tour eher langweilig, weil man nur im Bus unterwegs ist. Außerdem mögen wir Blackmore`s Night auch ganz gerne, obwohl das nicht mehr viel mit Deep Purple oder Rainbow zu tun hat.

Wie lange dauert es denn üblicherweise vom Songwriting bis zum fertigen Album bei Sabaton?

Das kann ich wirklich nicht mit Sicherheit beantworten, denn es ist immer von Album zu Album unterschiedlich. Joakim schreibt ständig neue Songs, auch während einer Tournee. Wir sammeln immer und wie ich es eben schon sagte bei „The Attack Of The Dead Men“, es kann auch passieren dass ein Song schon älter ist. Da die Bandmitglieder ziemlich weit voneinander entfernt leben, sehen wir uns nicht so oft wie wir es eigentlich sollten. Joakim und ich wohnen im Südwesten Schwedens, während die anderen Jungs im Nordosten leben, also ungefähr 1000 Kilometer entfernt. Deshalb müssen wir Studioaufenthalte immer genau planen. Wenn die Songs geschrieben sind und wir genügend Material haben, dauern die reinen Aufnahmen im Studio nicht länger als zwei Monate, das geht dann also recht fix. Die meiste harte Arbeit ist dann tatsächlich die Promotionarbeit, die ich mir mit Joakim teile. Für dieses Album habe ich beispielweise insgesamt 300 Interviews!

Wovon eins für unser Magazin war, wofür ich mich im Namen unserer Leser ganz herzlich bedanke! Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und schöne Konzerte.

Die Melodie muss stimmen!