Whitesnake-Flesh & Blood

Albumtitel

Flesh & Blood

Label/Vertrieb

Frontiers/Soulfood

Veröffentlichung

10.05.2019

Laufzeit

62:36 Minuten

Ehrlich gesagt habe ich von der neuen Whitesnake Platte im Vorfeld nicht viel erwartet. Zu groß war meine Enttäuschung über die Vorstellung des Frontmanns David Coverdale bei der gemeinsamen Tour mit Alice Cooper, als er Voll-Playback sang und ich mit ansehen musste, wie alte Fans ihre T-Shirts nach dem Gig vor der Halle verbrannten. Vielleicht traut sich die Band deshalb dieses Jahr für nur ein einziges Konzert nach Deutschland? Egal, jedenfalls gefiel mir die letzte richtige Studioplatte „Forevermore“, immerhin schon ganze acht Jahre alt, auch nicht besonders gut und das „Purple Album“ aus dem Jahr 2015 sowie den Unplugged-Aufguss „Unzipped“ vom letzten Jahr lasse ich mal ganz außen vor.

Und nun also „Flesh & Blood“, dass dann doch nicht so fürchterlich ausfällt, wie ich es befürchtet habe. Okay, die Texte voller sexuellen Anspielungen und Klischees…daran haben wir uns schon lange gewöhnt, aber was die neuen Stücke allein musikalisch zu bieten haben, lässt mich doch oft erstaunt die Augenbrauen heben. Schon der charmant opulente Opener „Good To See You Again“ kommt verdammt nah an die starke Phase von „1987“ heran! Ist also Mainstream angesagt? Mitnichten, denn so einen düsteren Kracher wie „Hey You (You Make Me Rock)“ habe ich lange nicht von dieser Band gehört. Dazu kommen mit dem phantastischen „Sands Of Time“ und „Gonna Be Allright“ zwei 70er Jahre inspirierte Songs im Led Zeppelin-Stil, die offensichtlich von der Songwriting-Session in den Neunzigern mit Jimmy Page für eine geplante Fortsetzung der Zusammenarbeit übrig geblieben sind.  Großartig auch, was der fast 68-jährige Coverdale stimmlich immer noch zu bieten hat…okay, im Studio kann ja immer nachgebessert werden, doch die Produktion klingt absolut up to date, kraftvoll und schlüssig. Hat es der Kerl doch schon wieder (fast) geschafft, mich rumzukriegen? Naja, für eine Höchstwertung reicht es dann doch noch nicht, aber dank weiterer richtig guter Stücke wie die feine Akustik-Ballade „After All“ oder den radiotauglichen Nummern „Shut Up And Kiss Me“ und „Always And Forever“, das ein wenig an Thin Lizzy erinnert, ist die weiße Schlange mit ihren beiden Gitarristen Joel Hoekstra und Reb Beach so nah dran wie lang nicht mehr. Da ist sogar ein leicht belangloses Stück wie „Get Up“ locker zu verschmerzen, bei dem die Schlange im schnellen Rock`n Roll-Rhythmus züngelt und einen auf Guns` n Roses macht. Insgesamt aber wie gesagt eine verblüffend starke Vorstellung!

Fazit
Das süße Gift der alten Schlange wirkt schon nach dem ersten Biss!
12
von 15
Edelstahl
Die Melodie muss stimmen!