Pristine-Road Back To Ruin

Albumtitel

Road Back To Ruin

Label/Vertrieb

Nuclear Blast/Warner

Veröffentlichung

19.04.2019

Laufzeit

47:38 Minuten

Wenn ich so  über female fronted Roots Rock Kapellen nachdenke, fällt mir neben den unvermeidlichen Blues Pills und den deutschen Vertretern WolveSpirit ziemlich rasch das norwegische Quartett Pristine ein. Die Truppe um das optische wie stimmliche Aushängeschild Heidi Solheim konnte für ihre letzten beiden Alben „Reboot“ (2016) sowie „Ninja“ (2017) allseits richtig gute Kritiken einheimsen, weshalb ich auch schon sehr gespannt auf Album Numero 5 war. Und genau das liegt mir mit dem zweideutig betitelten „Road Back To Ruin“ jetzt vor.

Schon die ersten Klänge des Openers „Sinnerman“ bringen eine der alten Stärken wieder zum Vorschein, ein extrem kräftiger und schneller, aber auch durch den Orgel-/Gitarren-Mix traditioneller Claasic Hardrock-Auftakt nach Maß. Beim darauf folgenden Titelsong wird besonders deutlich, dass der Vierer bei den Aufnahmen erneut analog zu Werke ging, der Sound ist wirklich sehr retro im allerbesten Sinne. Etwas schleppender beginnt das Lied, aber nach einem Break in der Mitte geht die Post in bester 70er-Manier ordentlich ab. Das wirkt dann so, als schlummerten zwei verschiedene Songs in einem! Über die großartige Stimme der rothaarigen Frontdame brauche ich nichts mehr zu schreiben, die steht für sich und klingt wie gehabt sehr souverän. „Bluebird“ entwickelt sich dann im Verlauf zu einem starken Mitgröhler, hier dürfte einem kommenden Einsatz auf den Bühnen wohl nichts entegenstehen. Irgendwie ertappe ich mich dabei, dass ich auf psychedelische oder experimentelle Elemente warte, aber diesen zweifelhaften Gefallen tun mir Pristine noch nicht. Nein, vielmehr wird zunächst traditionell hart und bluesig gerockt was das Zeug hält. Erst Mitte des Albums wird es mit dem wunderbaren „Aurora Skies“ deutlich ruhiger. Gerade bei dieser leicht lasziven Ballade kommt Heidi`s Stimme besonders gut zur Geltung, ein wirklich wunderbares Stück Musik. Bei „Pioneer“ ahmen die Gitarren beim Intro eine Lokomotive nach, während ein Hubschrauber über die Szenerie geflogen kommt. Doch der treibende Rhythmus behält die Oberhand und dieser schnelle und kurze Song ist für mich ein weiteres Highlight unter den elf neuen Stücken. „Blind Spot“ baut zunächst eine bedrohliche und ja, leicht psychedelische Stimmung auf, wird dann aber durch akustische Gitarren in den Strophen gekonnt abgefedert. Immer dann wenn es direkter wird, gefällt mir die Musik der Norweger ebenso besonders gut, wie etwa bei „Sober“. Wie auf den Vorgängern auch spielt die Abwechslung eine große Rolle bei Pristine. Sehr überraschend dann mit „Cause And Effect“ der Einsatz von Streichern, eine opulente, mächtige Ballade, bei der vor meinem geistigen Ohr ein James Bond Vorspann abläuft! Der Wahnsinn! „Your Song“ ist dann auch kein Elton John-Cover, sondern ein überraschend poppiger, luftig leichter Folksong, der einfach nur beschwingt etwas nach den Beatles klingt, bevor beim Rausschmeißer „Dead End“ rhythmisch zu harten Gitarren geklatscht wird. Ich applaudiere dann insgesamt ebenfalls zu einer wirklich empfehlenswerten und wieder mal starken Pristine-Scheibe.

Fazit
Pristine bleiben sich weiterhin treu, ohne den Mut zur Weiterentwicklung zu vernachlässigen!
14
von 15
Geniestreich
Die Melodie muss stimmen!