Brenner

Albumtitel

Brenner

Label/Vertrieb

We Love Music/Universal

Veröffentlichung

15.03.2019

Laufzeit

44:27 Minuten

Deutschrock fristet ja in der Metal-Gemeinde ein eher untergeordnetes Dasein, sieht man mal von den richtig „Großen“ aus den verschiedenen Untersparten (Punk, Mittelalter, Dark etc) wie Die Toten Hosen, In Extremo, Die Böhsen Onkelz, natürlich Rammstein oder auch Santiano (ich weiß…viele sehen die eher im Volksmusik-Fach) ab. Ich persönlich hatte noch nie ein solch gespaltenes Verhältnis zur deutschsprachigen Musik wie unser Chef Thorsten, schließlich bin ich schon als junger Mann in den 80ern zu Konzerten von BAP, Heinz Rudolf Kunze, den Hosen oder sogar Maffay (den ich heute allerdings nicht mehr höre) gepilgert. Aber in diesen Zeiten waren auch Deep Purple oder Rainbow meine ersten Berührungspunkte zur härteren Mucke, deren Musik damals bei uns noch als „ultra-hart“ galt und mir wenig Verständnis von Eltern und Lehrern einbrachte. Gut, es ist wie es ist, jetzt kommt eine neue Deutschrock Band mit dem einprägsamen Namen Brenner und ihrem selbstbetitelten Debütalbum, um höchst wahrscheinlich mehr als einen Fuß in die Tür zum Erfolg zu bekommen.

Die Chancen hierfür stehen dabei nämlich auch gar nicht mal schlecht, meiner Meinung nach sogar richtig gut! Denn die gebotene Mischung aus Southern-und Country Rock, Punk und melodischem Rock ist dermaßen einprägsam, dass viele der 12 Songs ohne Umschweife  ins Langzeitgedächtnis eindringen und somit für ein breites Airplay wie geschaffen sind. Einen großen Anteil daran haben natürlich die Melodien, allerdings sind auch die fetten, mehrstimmigen Chöre für diesen Effekt verantwortlich. Schon der Opener „Alles Was Ich Will“ macht dies deutlich, zeigt aber auch die Nähe zu den Toten Hosen, die sich diese Arbeitsweise beim Komponieren bzw. Produzieren ebenfalls zum Nutzen machen. Eine weitere Hymne hat der Fünfer mit „Richtung Alaska“ an Bord, dessen Video ich euch mal unten angehängt habe.

Die Band wurde von Bassist Volker Schlag, der früher mal bei der Casting-Show X-Factor erfolglos sein Glück probierte, gegründet. Er kommt aus Gifhorn, hat einen alten Bahnhof zu einem coolen Live-Club umgestaltet und  mit seinem langjährigen Gitarristen Marc Beierstedt einen Vertrauten an seiner Seite. Der Rest der Truppe, die beiden Sänger und Gitarristen Martin Goldenbaum und Markus Beier sowie Drummer Mario Enrico Oliva kommen aus Berlin und sind dort schon länger in der lokalen Musikszene aktiv. Es bringt also jeder die verschiedensten Erfahrungen aus der Musik mit, was dann wohl ein großer Vorteil beim Schreiben und Musizieren sein dürfte.

Auch das Konzept, als lebenserfahrene Motorradfahrer auf der Bühne zu stehen und vornehmlich Texte über Freiheit, Freundschaft und Lebensfreude ins Publikum zu schmettern, ist wohl durchdacht. Und obwohl ab und an diese Klischee-Kiste sperrangelweit geöffnet wird, wird es bei einigen Stücken sozialkritisch und ernster („Wo Du Herkommst“, „Halt Dich Fest“ oder „Dann Lachen Die Uns Aus“). Doch es ist auch schön zu hören, dass sich die Herren zwischen Mitte 30 und Ende 40 nicht selber allzu ernst nehmen, denn bei Aussagen wie „..die Fassade bröckelt, doch was macht das schon?“ oder „…gib mir bei 180 Sachen einen Zungenkuss“ darf der Hörer durchaus zwischendrin grinsen. Was mir besonders gut gefällt sind die geilen Slide-und Steel Gitarren, die vielen der Songs diesen saucoolen Southern-bzw. Country Touch verpassen. Zudem verfügen alle Mitglieder über gute bis sehr gute Stimmen und so die beiden o.g. Hauptsänger nach Kräften im Chor unterstützen. Auch Balladen haben Brenner im Programm, „Das Leben Passiert“ oder „Halt Dich fest“ laden zum Innehalten und wegen der guten Texte genauen Zuhören ein.

Also, der Boden ist bereitet und gemäß dem Song „Noch Lang Nicht Alles“ werden wir ganz bestimmt noch viel von dieser Band hören. Dafür muss man wirklich kein Prophet sein.

Fazit
Brenner werden aufdrehen und die Fanbase wird sich schnell vergrößern!
12
von 15
Edelstahl
Die Melodie muss stimmen!