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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

... als wären wir was Besseres
von David Lang


Mit der viel gepriesenen Toleranz im Metal-Lager ist es nicht (mehr) wirklich weit her. Ich will sogar soweit gehen und sagen, dass ich diese nur aus Erzählungen teils verklärter Retro-Metaller aus den 80ern kenne. Fangen wir mal allgemein an: Da werden Hip-Hop Kids diffamiert, weil sie ihre Hosen auf halb zwölf hängen haben und XXL Shirts tragen, die meine Mum nicht mal als Nachthemd anziehen würde. Ok, zugegebenermaßen witzig, aber wer lacht am lautesten über diese (meist pubertierenden) Opfer? Dicke, ungepflegte Metaller Mitte 20 (und älter), in viel zu engen Karottenjeans, mit versiffter Kutte, Patronengurten, Nietengürteln und exorbitant großen Nietenarmbändern (wenn sie nicht dick sind, sind die T-Shirts dafür aber dann XL; na, merkt ihr was?). Hallooooo? Wie muss unsere Szene diesen "Gangstern" vorkommen? Also entweder sind wir alle peinlich, oder wir sehen ein, ja geben gar zu, dass jede Szene ihre kleinen, seltsamen Modeverbrechen mit sich bringt.

Wir müssen aber gar nicht mal so weit über den eigenen Tellerrand schauen. Was wurde sich in der letzten Zeit nicht über Emos ereifert; oder unsere Freunde der Nacht: in den 80ern noch Grufties, heute Gothics, "Schwarze" (bizarr), was auch immer. Der Underground sollte im Grunde eine verschworene Gemeinschaft sein, in der man sich gegenseitig trägt, doch dass ist schon bald nur mehr utopisch. Death, Black, Thrash, Grind, Hardcore, Power Metal... die Liste ließe sich noch recht lange fortführen, auf Konzerten kann man leider nur allzu oft die Beobachtung machen, dass sich diese Subgenre-Vertreter eher mit Argwohn betrachten, als aufeinander zu zugehen, oder sich wenigstens nicht gegenseitig zu mustern. Vielleicht sehe ich das alles schlimmer als es ist und ich weiß auch, dass es hier durchaus Positiv-Beispiele zu vermelden gibt (das WFF Festival leistet hierzu z.B. einen guten Beitrag), doch abgesehen davon und der Tatsache, dass unsere geliebte Musik immer weiter mutiert und so fantastische neue und mutige Bands entstehen muss vor allem in den Köpfen der "toleranten" Fans noch einiges passieren... und davon schließ ich mich gar nicht mal aus.