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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Überteuerter Weiterverkauf von Konzertkarten
von Robin Geiß


Ich denke mal alle interessierten Konzert und Festivalgänger dürften entweder am Rand oder durch eigene Erfahrung mitbekommen haben, welche Unsitte mittlerweile Gang und Gäbe ist. Die Rede ist von überteuerten Weiterverkäufen ausverkaufter Konzerte oder Festivals. Und dabei ist es nur allzu offensichtlich, dass hier Karten (teils Massenweise) aufgekauft werden, nicht mit der Option, sich selbst und seinen Freunden einen Platz zu sichern, der dann mangels Urlaub oder wegen Krankheit abgegeben werden muss, sondern mit der festen Kalkulation, sich am "Fan-Dasein" anderer zu bereichern.

Rammstein Rammstein

Öffentlich aufregen tut sich irgendwie jeder: Veranstalter, Fans und Bands. Doch wer macht was dagegen? Ich weiß nicht, ob Rammstein die erste Band war (bezweifle ich fast sogar), aber ich kann eben nur aus eigener Erfahrung sprechen - für mich war es das erste personalisierte Ticket. Mein Name stand auf der Karte und wurde am Einlass mitsamt Ausweis und Scanner auf Echtheit und Übereinstimmung geprüft. Das Ganze führte natürlich dazu, dass ich ca. 90 min. in der Kälte warten musste, aber diese Wartezeit nehme ich doch liebend gerne in Kauf, wenn ich dafür eine reelle Chance auf ein Ticket habe, das ich zum Normalpreis erwerben kann. Klar sind solche Maßnahmen auch mit Mehraufwand verbunden, die auch bezahlt werden wollen. Ob die Band dies nun mittels Kalkulation auf jedes Ticket umlegt oder selbst trägt, ist eigentlich uninteressant. Viel wichtiger ist aber folgendes: Die Musiker, denen es egal sein könnte, da ja alle Karten schon verkauft sind, tun etwas gegen den Schwarzmarkt. Die haben somit überhaupt nichts davon - außer zufriedene Fans. Das "Wacken Open Air" wollte 2013 ebenfalls gegen die Schwarzmarkthändler vorgehen. Einerseits mit einer erfolgreichen Methode, nämlich mit einem richterlichen Urteil, dass den Weiterverkauf von Original Wacken Tickets bei eBay (bis heute) untersagt, andererseits mit einer leider zu belächelnden Umsetzung: den selbst zu beschriftenden, personalisierten Tickets. Dass dieses System überhaupt nichts brachte, fiel den Veranstaltern noch im selben Jahr auf und das System wurde verfeinert. Für 2014 wurden die Tickets ebenfalls mit schon aufgedrucktem Namen ausgeliefert und können nur über die offizielle Ticketverkaufsstelle gegen eine Gebühr geändert werden. Schwarzmarkthändler würden also zuerst mal drauflegen.

Wie organisiert solche Händler vorgehen, kann ich anhand eines beobachteten Beispiels fernab vom Internet aufzeigen: Metallica, "Sonisphere", Hockenheimring 2009. Ich hatte kein Ticket, das "Sonisphere" war aber auch nicht ausverkauft, also versuchte ich, eines vor dem Einlass zu ergattern. Ein Mann mittleren Alters stand neben der Abendkasse und fragte mich, ob ich noch ein Ticket brauche, er habe eins übrig. Man einigte sich auf den Preis (knapp unter Originalpreis) und ich hatte noch genug Zeit, wieder zum Auto zu gehen.

Rammstein Etwa eine Stunde später sah ich den selben Verkäufer, der über den Parkplatz mit einem Fahrrad fuhr und ein Schild hoch hielt, auf dem mit Kuli "Suche Karte!" geschrieben stand. Da ich immer noch ordentlich Zeit hatte, beobachtete ich das Ganze ein wenig. Dieser Typ, also "mein" Verkäufer und gleichzeitig Käufer, traf sich kurz mit einem anderen, sie tauschten etwas aus (Karten, Geld?) und später sah ich den zweiten auf dem Weg zum Eingang, der etliche Leute ansprach, ob sie noch ein Ticket benötigen. Es stecken teilweise also richtig organisierte Banden dahinter, die auf dem Parkplatz versuchen, den Preis so gut wie möglich zu drücken, um sie dann ein paar Minuten später an anderer Stelle so hoch wie möglich zu verkaufen. Nach hinten los ging diese Aktion übrigens 2013 bei Iron Maiden in Frankfurt. Maiden kündigten eine Tournee an, Frankfurt war in kurzer Zeit ausverkauft und sie kündigten für den darauf folgenden Tag direkt ein Zusatzkonzert an. Wieder dauerte es nicht lange und die Tix waren vergriffen. Doch anscheinend gab es jetzt mehr Leute, die auf eine große Fanschar hofften, als wirklich Fans im Rhein-Main Gebiete waren. Denn am zweiten Tag konnte man verzweifelte Verkäufer in Massen vor der Halle sehen, die ihr Ticket für ca. 60 bis 70 Euro (je nach Vorverkaufsstelle unterschiedlich, was ich auch nicht nachvollziehen kann) für teilweise 30 Euro anboten. Und in der Halle merkte man dann, dass dort noch ordentlich Platz für Fans gewesen wäre.

Natürlich steht jetzt die Frage im Raum, wie so etwas verhindert werden kann. An die echten Fans appellieren, dass diese keine überteuerten Tickets kaufen, bringt wohl so viel, wie einem fast verdursteten Menschen zu sagen, er solle langsam trinken. An die Moral appellieren (denn ich gehe stark davon aus, dass sich unter den eBay Verkäufern auch viele Privatleute befinden und nicht nur solche Banden), bringt wohl ebenfalls nichts. Ich will gar nicht wissen, wie viele von denen, die im Internet jammern, dass sie kein Ticket mehr bekommen haben, selbst das schnelle Geld einstecken würden, wenn sie auf einmal im Besitz von mehr als benötigen Tickets sein würden. Personalisierte Tickets sind schon, wie im Beispiel von Rammstein und "Wacken" beschrieben, eine gute Sache, dem entgegen zu wirken. Jedoch ist dies eben ein erheblicher Mehraufwand und damit eben auch mehr Kosten.

Eine andere Methode wäre, wie es die Böhsen Onkelz jüngst versucht haben: Man kündigt ein Konzert an, dieses ist sofort ausverkauft und genau danach kündigt man einen Zusatztermin an. Dumm nur, dass dieser ebenfalls schnellstens ausverkauft ist und ein Blick in eBay und Co. zeigt, dass ein Großteil der Karten eben nicht an Fans gegangen ist. Meine Frage wäre, wie würde das Ganze laufen, wenn noch ein Zusatzkonzert und dann eben noch eins angekündigt werden würde? Natürlich bedarf das einer guten Organisation, denn sonst könnte es passieren, dass sich alle Fans auf 4 Tage verteilen und somit wieder nicht genügend Einnahmen stattfinden. Aber wenigstens wären auch genügend Tickets für alle Fans im Umlauf.


Fazit: Die perfekte Lösung gibt es natürlich nicht, aber es gibt Mittel und Wege, dem Schwarzmarkt Einhalt zu gebieten und den Fans genügend Möglichkeiten einzuräumen, an normale Tickets zu kommen. Es steckt immer ein Mehraufwand dahinter, das ist richtig. Aber eines ist auch klar: Wenn eine Band Fanfreundlichkeit propagiert und keine der hier aufgezählten Maßnahmen aufgreift (oder sich weitere einfallen lässt), sollte man deren Glaubwürdigkeit doch arg in Frage stellen.