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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Metal im 2.0 Zeitalter
von Alexander Meyer


Wir schreiben das Jahr 2010 und schon wieder befinden wir uns auf der Schwelle zu einer neuen Dekade. Die Welt ist bunter, schnelllebiger und irgendwie kleiner als je zuvor. Das gilt implizit natrlich auch fr unsere Musik: Sie ist vielfltiger, abwechslungsreicher, einfach mehr geworden. Sie wird gigabyteweise heruntergeladen, kopiert und konsumiert. Ich frage mich manchmal, ob diese rapide Entwicklung mehr Fluch oder Segen ist. Natrlich ist es praktischer und billiger sich ganze Alben mit ein paar Mausklicks einzuverleiben. Doch was bedeutet dies fr unsere Haltung und Wertschtzung gegenber unserer Musik? Degeneriert sie nicht allzu oft zum Fastfood fr die Ohren? Der nchste Song, das nchste Album, die nchste Band ist nur einen Knopfdruck entfernt. Selbst das Cover und die Texte lassen sich bequem vom PC aus besorgen.

Wie war das frher? Denkt nur an die gute alte Schallplatte, mit den geilen Artworks im Groformat, am besten im Klappcover wie bei "Piece Of Mind" von MAIDEN oder die kunstvollen FATES WARNING-Cover wie z.B. "Awaken The Guardian". Die luden doch frmlich dazu ein sich stundenlang mit jedem Detail und jeder Textzeile zu beschftigen. Ich mchte jetzt nicht in die bliche "Frher war alles besser"-Leier verfallen. Ich besitze mittlerweile zehnmal mehr CDs als LPs und ich lege die alten Scheiben auch nur noch selten auf, teils aus Bequemlichkeit, teils wegen des schlechteren Klangs (auch wenn ich den Aufschrei der Vinylfetischisten jetzt schon hre). Heutzutage kommen viele CDs in ansprechender Verpackung auf den Markt, vielfach als edle Digipacks mit Bonusmaterial. Klar muss man dafr etwas tiefer in die Tasche greifen, doch fr Zusatzleistungen muss man in allen Lebenslagen mehr investieren.

Ich denke gerade darin liegt auch in der heutigen Zeit der Weg aus der Misere, insbesondere fr die Musikindustrie. Ich bin berzeugt davon, dass die meisten Musikfreunde bereit sind fr gute Produkte gutes Geld zu bezahlen, solange sie sich nicht durch eine zweifelhafte Verffentlichungspolitik und Wucherpreise verschaukelt fhlen. Damit meine ich insbesondere die sptere Verffentlichung einer Specialedition mit ein paar Bonustracks, um die Konsumentenrente derjenigen abzuschpfen, die sich das Album bisher noch nicht angeschafft haben bzw. die Die Hard-Fans, die alles von ihren Faves haben mssen, ein zweites Mal zu schrpfen. So treibt man die Leute dazu illegale Kopien oder MP3-Dateien auszutauschen. Fr einen richtigen Fan knnen solcherlei Krcken das Originalprodukt nie und nimmer ersetzen und auf Verdacht mal eben 15 Euro in eine unbekannte Band zu investieren, kommt den meisten eh nicht in den Sinn. Warum sollte man also die Mucke nicht umsonst und ungestraft kopieren und downloaden drfen?!

Darber hinaus bieten die neuen Medien den Labels alternative Vertriebskanle, beispielsweise ber den kostenpflichtigen Download ihrer Produkte. Dadurch lassen sich Gro- und Einzelhandel geschickt umgehen und die rumliche Distanz zwischen Produzent (Plattenfirma) und Endverbraucher (Metalhead) problemlos berbrcken, ohne dass Dritte ihre Hand aufhalten. Aber auch viele Bands nutzen die (fast) unbegrenzten Mglichkeiten des Internets (mehr oder weniger) geschickt fr ihre Zwecke. Gerade fr Kapellen, die kein Label finden oder unabhngig bleiben wollen, sind die Mglichkeiten des WWW ein Segen. Heutzutage wird man kaum einen Musiker finden, der nicht eine oder mehrere myspace-Seiten betreibt, auf denen neben Streams und Videos auch die aktuellen News und Tourdates verffentlicht werden.

Eins darf man an dieser Stelle natrlich nicht auer Acht lassen: MY REVELATIONS wrde es als Webzine ohne das Internet natrlich nicht geben. Ihr wrdet diesen Text hier also gar nicht lesen knnen und euch wrden all die kostenlosen Interviews, Konzertberichte, CD/DVD-Reviews und Verlosungen durch die Lappen gehen. Uns vereinfacht die neue Technologie die Arbeit immens und sie ermglicht erst eine gewisse Aktualitt und ein professionelles Erscheinungsbild. Wenn ich da an die ersten zusammen geschnippelten, getippten und fotokopierten Fanzines denke... das hatte natrlich auch seinen Charme... war auch ne geile Zeit... aber das ist ein anderes Thema...