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09. September 2010 - Uhr
 
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Metal im 2.0 Zeitalter
von Alexander Meyer


Wir schreiben das Jahr 2010 und schon wieder befinden wir uns auf der Schwelle zu einer neuen Dekade. Die Welt ist bunter, schnelllebiger und irgendwie kleiner als je zuvor. Das gilt implizit natürlich auch für unsere Musik: Sie ist vielfältiger, abwechslungsreicher, einfach mehr geworden. Sie wird gigabyteweise heruntergeladen, kopiert und konsumiert. Ich frage mich manchmal, ob diese rapide Entwicklung mehr Fluch oder Segen ist. Natürlich ist es praktischer und billiger sich ganze Alben mit ein paar Mausklicks einzuverleiben. Doch was bedeutet dies für unsere Haltung und Wertschätzung gegenüber unserer Musik? Degeneriert sie nicht allzu oft zum Fastfood für die Ohren? Der nächste Song, das nächste Album, die nächste Band ist nur einen Knopfdruck entfernt. Selbst das Cover und die Texte lassen sich bequem vom PC aus besorgen.

Wie war das früher? Denkt nur an die gute alte Schallplatte, mit den geilen Artworks im Großformat, am besten im Klappcover wie bei "Piece Of Mind" von MAIDEN oder die kunstvollen FATES WARNING-Cover wie z.B. "Awaken The Guardian". Die luden doch förmlich dazu ein sich stundenlang mit jedem Detail und jeder Textzeile zu beschäftigen. Ich möchte jetzt nicht in die übliche "Früher war alles besser"-Leier verfallen. Ich besitze mittlerweile zehnmal mehr CDs als LPs und ich lege die alten Scheiben auch nur noch selten auf, teils aus Bequemlichkeit, teils wegen des schlechteren Klangs (auch wenn ich den Aufschrei der Vinylfetischisten jetzt schon höre). Heutzutage kommen viele CDs in ansprechender Verpackung auf den Markt, vielfach als edle Digipacks mit Bonusmaterial. Klar muss man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen, doch für Zusatzleistungen muss man in allen Lebenslagen mehr investieren.

Ich denke gerade darin liegt auch in der heutigen Zeit der Weg aus der Misere, insbesondere für die Musikindustrie. Ich bin überzeugt davon, dass die meisten Musikfreunde bereit sind für gute Produkte gutes Geld zu bezahlen, solange sie sich nicht durch eine zweifelhafte Veröffentlichungspolitik und Wucherpreise verschaukelt fühlen. Damit meine ich insbesondere die spätere Veröffentlichung einer Specialedition mit ein paar Bonustracks, um die Konsumentenrente derjenigen abzuschöpfen, die sich das Album bisher noch nicht angeschafft haben bzw. die Die Hard-Fans, die alles von ihren Faves haben müssen, ein zweites Mal zu schröpfen. So treibt man die Leute dazu illegale Kopien oder MP3-Dateien auszutauschen. Für einen richtigen Fan können solcherlei Krücken das Originalprodukt nie und nimmer ersetzen und auf Verdacht mal eben 15 Euro in eine unbekannte Band zu investieren, kommt den meisten eh nicht in den Sinn. Warum sollte man also die Mucke nicht umsonst und ungestraft kopieren und downloaden dürfen?!

Darüber hinaus bieten die neuen Medien den Labels alternative Vertriebskanäle, beispielsweise über den kostenpflichtigen Download ihrer Produkte. Dadurch lassen sich Groß- und Einzelhandel geschickt umgehen und die räumliche Distanz zwischen Produzent (Plattenfirma) und Endverbraucher (Metalhead) problemlos überbrücken, ohne dass Dritte ihre Hand aufhalten. Aber auch viele Bands nutzen die (fast) unbegrenzten Möglichkeiten des Internets (mehr oder weniger) geschickt für ihre Zwecke. Gerade für Kapellen, die kein Label finden oder unabhängig bleiben wollen, sind die Möglichkeiten des WWW ein Segen. Heutzutage wird man kaum einen Musiker finden, der nicht eine oder mehrere myspace-Seiten betreibt, auf denen neben Streams und Videos auch die aktuellen News und Tourdates veröffentlicht werden.

Eins darf man an dieser Stelle natürlich nicht außer Acht lassen: MY REVELATIONS würde es als Webzine ohne das Internet natürlich nicht geben. Ihr würdet diesen Text hier also gar nicht lesen können und euch würden all die kostenlosen Interviews, Konzertberichte, CD/DVD-Reviews und Verlosungen durch die Lappen gehen. Uns vereinfacht die neue Technologie die Arbeit immens und sie ermöglicht erst eine gewisse Aktualität und ein professionelles Erscheinungsbild. Wenn ich da an die ersten zusammen geschnippelten, getippten und fotokopierten Fanzines denke... das hatte natürlich auch seinen Charme... war auch ne geile Zeit... aber das ist ein anderes Thema...









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