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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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WORDS OF FAREWELL
Teamarbeit
Thorsten Dietrich
www.facebook.com/wordsoffarewell


Im Gegensatz zu vielen alten Hasen die eigenbrtlerisch im Keller ihre Musik komponieren und herstellen funktionieren Words Of Farewell als Einheit bei der jeder Aufgaben hat. So ist es auch ganz normal dass die Musiker nicht einzeln das Interview beantworten sondern souvern als Trio: Alexander Otto (Gesang), Erik Gasmu (Gitarre), Leo Wichmann (Keyboard).


Wie ist es euch seit unserem letzten Interview und eurerm Debt "Immersion" ergangen?

Leo :Es ist viel passiert. Wir hatten zwei Besetzungswechsel, haben eine Menge neue Leute kennengelernt, einige coole grere Konzerte und Shows gespielt, uns einen neuen Proberaum gesucht, viel Zeit mit Songwriting verbracht und versucht, unseren Stil weiter auszuarbeiten.

Ihr seid ja eine recht junge Truppe und hattet nun zwei Umbesetzungen. Habt ihr einfach neue Leute finden knnen? Oft sind Schlagzeuger im Gegensatz zu Gitarristen Mangelware!

Leo: ich studiere in Mnster Musik und sitze damit glcklicherweise gewissermaen an der Quelle. Da man dort unglaublich viele gute Musiker und coole Leute trifft, haben wir beispielsweise direkt zwei gute Drummer gefunden, die bei uns einsteigen wollten. Auch unser neuer Bassist kommt aus Mnster.
Erik: Wir haben inzwischen einige Besetzungswechsel hinter uns, und dieses Mal ging das Ganze im Vergleich echt schnell und einfach ber die Bhne, da wir mit Tristan und Konni zwei wirklich talentierte und engagierte Musiker gefunden haben.

WORDS OF FAREWELL

Das Zweitwerk "The Black Wild Yonder" wirkt durch Cover, Titel und Songtitel recht kryptisch. Erzhlt doch mal was zu euren Texten, sind die wichtig fr euch persnlich oder eher Beiwerk?

Alex: Der Albumtitel ist ursprnglich der Songtitel eines Textes gewesen, der nie verwendet wurde. Allerdings ist mir irgendwann aufgefallen, als das Material zusammen getragen wurde, dass eben die Inhalte dieses Textes alle in einer gewissen Form in der Lyrik, welche ich fr das Album verfasst habe wieder auftauchten - es ist also gewissermaen die Formulierung der Quintessenz. Die Texte behandeln auf diesem Album - mit Ausnahme der letzten drei Songs- im Prinzip Grenzbereiche der menschlichen Psyche, oder eben diese in bestimmten Extremsituationen. Dabei verhandeln die Texte meistens bestimmte Sachverhalte anhand von empirischen Beobachtungen, persnlichen Erfahrung oder Fachliteratur die ich gelesen habe, das hlt sich die Waage.

Das Cover ist ebenso mehr oder weniger nur ein Teil des Puzzles. Die Kraft und Ausdrucksstrke des Bildes welches wir nun verwendet haben, ist auf der einen Seite ein guter Eyecatcher, ergibt aber im Kontext mit den Albuminhalten den schnen synergetischen Effekt, dass die Figur im Bild als Projektionsflche fr die Inhalte der Songs verwendet werden kann. Gerade im Bezug auf Songs wie "Beauty in Passing", "Damaged Beyond Repair" oder "The Outer Rim" ist dies sehr produktiv.

Wie seht ihr die Entwicklung bei euch von Platte 1 zu 2, was ist anders / besser eurer Meinung nach?

Leo: das neue Album ist in unseren Augen detailverliebter und erwachsener geworden. Alex hat sich mit seiner Vocal-Performance nochmals stark gesteigert, zudem haben wir zustzlich mit unserem neuen Bassisten ein zweites Goldkehlchen fr die Backing Vocals verpflichtet. Auerdem haben wir einiges von dem, was an Feedback und Kritik zum letzten Album geuert wurde, mit einflieen lassen. Die einzelnen Songs haben einen strkeren Wiedererkennungswert und unterscheiden sich mehr voneinander, trotzdem klingt das Album kohrent und stimmig.
Erik: "The Black Wild Yonder" ist im Groen und Ganzen ein Stck aggressiver als "Immersion", bleibt dabei aber ebenso trumerisch und melodisch. Ich habe beim Schreiben der Songs bewusst darauf geachtet, nicht nur die simple Dur-moll-Harmonik zu bedienen, sondern an passenden Stellen auch ungewhnliche Harmonien einzubinden, um den klanglichen Horizont zu erweitern. Auerdem hat diesmal auch unser neuer Trommler Tristan zwei Songs beigesteuert, und insgesamt haben wir gemeinsam weitaus mehr an allen Songs gearbeitet bevor wir damit ins Studio gegangen sind.

Mein nahezu einziger Kritikpunkt ist die fehlende eigene Note und der ewig sich anbahnende Vergleich mit Bands wie Scar Symmetry und Konsorten. Hat man es als junge Band im 21. Jahrhundert schwer, da es ja schon alles gibt und manche Genres nahezu im Minutentakt Bands ausspucken (z.B. Gothic Metal mit Frauengesang)?

Leo: Im Jahr 1899 lie Charles H. Duell das US-Patentamt in New York mit der Begrndung schlieen, es sei alles erfunden, was es zu erfinden gbe. Zum Glck lag er damit ganz schn daneben. Das sehe ich mit der Musik genauso. Sicherlich ist es schwerer, heutzutage mit Innovationen um die Ecke zu kommen. Allein die Flut an professionell produzierten Bands derer man im Internet gegenber steht, lsst einen schnell die bersicht verlieren und auch Unterschiede und Besonderheiten gehen dadurch schnell unter. Dennoch denke ich, dass wir es gerade auf der neuen Platte durch einen offeneren Songwriting-Prozess und zwei Besetzungswechsel mehr denn je geschafft haben, unseren eigenen Stil und auch unseren Sound weiterzuentwickeln und der Musik eine ganz eigene Note zu verleihen. Mglicherweise gibt es Bands mit hnlichem Songwriting und hnlichen Elementen. Eine Band, die genauso klingt (z.B. bzgl. Gesang, Keyboards, Gitarren), habe ich bisher jedoch nicht gehrt (lacht). brigens fassen wir es als Band von doch eher bescheidener Gre als riesiges Kompliment auf, mit Szenegren wie Scar Symmetry, Insomnium etc. verglichen zu werden!

WORDS OF FAREWELL

Das Musikbiz wird immer schneller und ndert sich dauernd, eben waren noch Downloads verdammt, nun ist es das Streaming. Alte Musikstile werden zum neuen Heilsbringer stilisiert und selbst "exotische" Lnder haben zig Metalbands. Wie ergeht es euch in diesem Dschungel und wie versucht ihr eine Nische zu finden?

Leo: Das Internet ist Fluch und Segen der heutigen Bands. Auf der einen Seite lsst sich nicht mehr so leicht Geld mit Musik verdienen wie noch vor 20 Jahren. Auf der anderen Seite hat man eine riesige Plattform, die jungen Bands vllig neue Chancen der Prsentation und Verffentlichung aufzeigt. Eine eigene Nische zu finden versuchen wir nicht im wrtlichen Sinne. Vielmehr vereinen wir verschiedene Nischen aus verschiedenen Bereichen des Metals in einer Mischung, die uns gefllt. Wir machen die Musik, die uns Spa macht, mit der wir uns identifizieren knnen und bei der sich jeder austoben kann. Wenn das beim Publikum ankommt, freuen wir uns umso mehr!

Viele deutsche Bands sind im Ausland recht beliebt, habt ihr da auch solche Erfahrungen gemacht?

Leo:In den USA hat sich unser letztes Album beispielsweise gut verkauft und wir kriegen hufig Nachrichten von Fans aus der ganzen Welt, die uns in ihr Land einladen wollen. Darber freuen wir uns natrlich sehr, leider hatten wir bisher kaum die Mglichkeit, diese Einladungen wahrzunehmen und im Ausland Shows zu spielen. Aber mal schauen, was das neue Album so bringt!

Was war euer schnster Erlebnis als Band seit eurer Grndung und was das Schlimmste?

Leo: Eine der dunkelsten Stunden unserer Bandgeschichte war sicherlich die Trennung von unserem Ex-Gitarristen Phillipp, nach der die Zukunft der Band auf eine harte Probe gestellt wurde. Wir saen ohne Proberaum, ohne PA, ohne Verstrker und auch ohne zweiten Gitarristen mehr oder weniger auf der Strae. Zum Glck konnten wir uns von diesem Schock mit etwas Zeit erholen und haben nun ein gut funktionierendes Team. Ein besonders cooles Erlebnis war vor kurzem der Musikvideodreh im Landschaftspark Duisburg. Es war arschkalt, uns fielen beim Spielen fast die Hnde ab und trotzdem hatten alle Bock, so lange weiterzumachen bis alles im Kasten war - zum Glck hat auch das Wetter mitgespielt. Zwischendurch wurde ich von einem schaulustigen Hund angefallen. Mal sehen, vielleicht gibt's davon Outtakes, wir hatten jedenfalls unglaublichen Spa dabei.
Erik: Ich persnlich knnte mich nicht entscheiden, wenn es darum geht, ein schnstes Erlebnis mit der Band zu benennen, so klischeehaft das auch klingen mag. Jeder Abend, an dem wir auf der Bhne stehen, oder an dem wir uns mit reichlich Bier fr irgendeine Errungenschaft belohnen, ist ein absolutes Highlight. Zu den schnsten Erinnerungen zhlen fr mich aber auf jeden Fall die wirklich ganz kleinen Konzerte vor 30 bis 40 Leuten, die eigentlich schon mehr Party als Konzert sind, da die halbe Band mit im Publikum steht und die Stimmung den gesamten Raum erfllt.

Ich hoffe die Jungs knnen diese sympathischen und bodenstndigen Einstellungen behalten!

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