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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MOONCRY
Mondsüchtige vom Bodensee
Jürgen Lugerth
www.mooncry.de


Da glaubt man felsenfest, man kennt sich in seiner Heimat, nämlich dem schönen Bodenseekreis, in punkto Rock und Metal bestens, oder noch genauer, lückenlos aus. Plötzlich wird man mit einer beachtlichen Metal Band konfrontiert, von der man zuvor noch nie etwas gehört hat! Da ist es natürlich umso schöner, wenn man diese Bildungslücke gleich in einem persönlichen Gespräch schließen kann. Das gab es dann direkt mit drei Mitgliedern auf einmal. So geschehen mit der Dark Melodic Metal Band Mooncry, deren Mitglieder rund um den Bodensee verstreut zwischen dem bayrischen Lindau und dem badischen Singen am Hohentwiel leben. Wir verabreden uns geografisch gerecht nach Ladenschluss zu einem Lokaltermin im kultigen Konstanzer Second Hand Schallplattenladen Studio Eins, um die neue CD der Gruppe namens "A Mirror's Diary", zu besprechen und auch sonst ein wenig Licht ins melancholisch angehauchte Dunkel zu bringen, in dem sich der talentierte Fünfer bewegt.

Mooncry

Zum fröhlichen Frage- und Antwortspiel sind angetreten: Keyboarder Enrico "Enno" Hahn, Sänger Sali Hasan und Gitarrist Berthold "Berti" Miller, der die Band ursprünglich ins Leben gerufen hat. Die Rhythmusabteilung glänzt durch Abwesenheit!

Enno: Das macht aber gar nichts die lässt sich ja sehr einfach per Sequenzer ersetzen.

Es wird eine lustige Runde, die Jungs sind offensichtlich zufrieden mit dem Geleisteten und bewegen sich entspannt im Hier und Jetzt. Die vorhersehbare erste Frage gilt dem Stellenwert des neuen Produktes, das selbstverständlich das bisher beste aus dem Hause Mooncry ist. Richtig?

Enno: Wir sehen das so, ja. Was das Songwriting, die Kompositionen, die Arrangements angeht, ist das sicher unsere beste Leistung bis jetzt. Obwohl ich sagen muss, dass unser letztes Album bei den Kritikern und den Fans auch schon gut weggekommen ist. Es gefällt uns auch immer noch sehr gut. Aber natürlich ist unser Anspruch, genau wie der jeder anderen ernsthaft arbeitenden Band, daß wir uns weiterentwickeln und kontinuierlich steigern.

Schließt das denn auch die Hoffnung mit ein, sozusagen auf eine höhere Ebene zu kommen und den Bekanntheitsgrad zu steigern, vom Regionalen ins Bundesweite oder sogar noch weiter?

Sali: An so etwas haben wir überhaupt nicht gedacht. Es macht einfach großen Spaß, zusammen mit Berti neue Songs zu entwickeln. Da passt alles in der Zusammenarbeit und die Stücke entstehen sehr spontan, ganz ohne Berechnung oder mit einem speziellen Ziel. Aber wenn dabei eine Weiterentwicklung und mehr Perfektion herauskommen, ist das natürlich schön.

Berti: Ja, es ist eigentlich so, dass alle Songs von Mooncry von Sali und mir per Brainstorming ausgedacht werden, so richtig im stillen Kämmerlein, und was dabei entsteht, das nehmen wir auf und reichen das an Enno weiter, der seine Keyboards und Synthesizer und all den elektronischen Kram hinzufügt. Das hat dann ab und zu Änderungen und Ergänzungen zur Folge, aber das Grundgerüst aller Songs kommt immer von Sali und mir. Der Rest geschieht dann im Proberaum, da machen wir die Sache dann zu fünft rund und passend.

Mooncry

Wie weit ist denn der Weg, den die Band, die nun immerhin schon drei Alben vorweisen kann, mittlerweile zurückgelegt hat?

Berti: Nun, das ist schon eine verdammt lange Strecke. Zuerst gab es ja gar keine richtige Band. Denn anfangs war ich ganz allein mit allem. Ich hatte einfach eine genaue Vorstellung von der Art Musik, die ich machen wollte, und das habe ich auf Demos festgehalten und auch selbst eingesungen. Falls man da von Singen sprechen kann (lacht). Ich bin wirklich einem Konzept gefolgt, das ich unbedingt wahr machen wollte. Erst nachdem ich einiges an Brauchbarem in der Hand hatte, habe ich quasi per Annonce und Internet nach den passenden Mitmusikern gesucht.

Sali: Ja, ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich von meiner alten Band aus Vorarlberg getrennt hatte und einen Tag danach im Netz nachgeschaut habe, wie es für mich weitergehen könnte. Bertis Anzeige fand ich interessant. Wir haben uns dann in einer Kneipe getroffen und schnell gemerkt, dass wir gut zueinander passen. Ich habe dann später über meine alten Beziehungen auch einen Bassisten und einen Schlagzeuger für die Band organisiert und den Tastenmann hat Berti selbst angeschleppt.

Enno: So ungefähr war das wohl. Ich war aber zeitlich gesehen der Dritte im Bunde. Berti und ich haben uns ebenfalls per Anzeige gefunden und im Proberaum meiner verflossenen Band Soilent haben wir zum ersten Mal gejammt und gesehen, daß es funktioniert.

Mooncry ist also quasi als Konzept- um nicht böse zu sagen, als Retortenband entstanden. Wenn man aber sieht, wie gut sich die drei Jungs während unserer Unterhaltung verstehen und sich bildlich gesehen die Bälle zuwerfen, scheint dass schon lange Vergangenheit zu sein. Wo aber kommt denn der Bandname her?

Mooncry

Sali: Wir sind ja alle eher Nachtmenschen und scheuen das Tageslicht, also war irgendwas mit dem Nachtgestirn nahe liegend.

Enno: Außerdem ist das natürlich sehr passend zu unseren meist düsteren und mystischen Texten. Es gibt doch nichts Mystischeres als eine von einem geheimnisvollen Vollmond beleuchtete einsame Landschaft.

Na, da fehlen dann nur noch ein paar heulende Wölfe in der Ferne und das Bild ist perfekt. Bei einer Dark Melodic Metal Band sind die Texte ja etwas wichtiger als anderswo. Gibt es da bei Mooncry wie bei allem anderen auch eine Art Konzept?

Berti: Es ist wohl leicht zu erkennen, dass wir uns natürlich mehr mit dem Negativen, dem Verstörenden, dem Depressiven im menschlichen Leben beschäftigen .Am Anfang habe ich gern eigene Erfahrungen verarbeitet, heute verwende ich viele Dinge aus Büchern, Filmen oder den Nachrichten. Der Titel des neuen Albums folgt einer Idee, die ich hatte. Was würde wohl ein Spiegel, wenn man ihn personifiziert, so zu erzählen haben über all das, was er schon gesehen hat?

Wir werden es nie erfahren. Aber was Mooncry in nächster Zeit so erfahren und erleben wird, werden wir sehen. Hoffentlich nur Gutes. Es wäre dieser sympathischen Band zu wünschen.

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