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27. Mai 2016 - Uhr
 
Die Kolumne

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LUCID DREAMING
Die Vertonung einer unpopulären Fantasysaga
Thorsten Dietrich
www.facebook.com/luciddreamingmetal


Der Hesse Till Oberboßel ist im Underground durch seine Power Metal Band Elvenpath bekannt und recht aktiv. Trotzdem fand er die Zeit, ein Konzeptalbum mit verschiedenen Vokalisten basierend auf einer nicht sehr bekannten Fantasyreihe zu veröffentlichen. Der Clou dabei: Hier regieren Gitarren und Metal. Damit setzt sich der Gitarrist mit Lucid Dreaming vom Rest der "Metal Opern" ab. Aber lest selbst was der gute Mann informatives zu erzählen hat.


Wie kommt man als normal arbeitender Mensch und Musiker bei Elvenpath noch auf die Idee eine Konzeptplatte mit verschiedenen Sängern auf die Beine zu stellen und warum das Thema? Das hat doch sicherlich lange gedauert und ist bestimmt ganz auf deinem Mist gewachsen!

In der Tat, dieses Projekt wurde von mir initiiert, ich habe alle Stücke geschrieben und den Zirkus mit den Aufnahmen dirigiert - allerdings stand mir dabei Michael Frölich als Produzent zur Seite. Nun, ich war immer ein großer Fan von Konzeptalben, und als dann diese sogenannten "Metalopern" aufkamen, bei welchen jeder Charakter von einem Sänger dargestellt wird, gefiel mir das auch sehr. So reifte in mir die Idee, mich auch an so etwas zu versuchen. Das war dann natürlich auch keine Sache, die innerhalb von zwei Wochen auf die Beine zu stellen ist. Insgesamt hat sich das Komponieren der Songs auf rund zwei Jahre verteilt, von den ersten aufgenommenen Noten bis zum finalen Mix vergingen auch insgesamt zweieinhalb Jahre…ich lebe also schon recht lange mit diesem Album, haha. Je mehr Leute involviert sind, desto mehr Faktoren aller Art spielen eine Rolle, und das führt dann mitunter zu Verzögerungen. Umso froher bin ich, daß das Album nun veröffentlicht ist, und ich bin wirklich sehr glücklich damit.

LUCID DREAMING

Der Autor und die Bücher sagen mir nichts, lediglich der Hinweis, dass Disney aus der Story "Taran und der Zauberkessel" machte ist mir ein Begriff. Bitte erzähl doch was zum Thema?

Die "Chroniken von Prydain" sind eine fünfbändige Fantasyreihe des Autors Lloyd Alexander, basieren lose auf der walisischen Mythologie und wurden in den 60er Jahren veröffentlicht. Es ist eher Fantasy für jüngere Leser, aber auch Erwachsene können sich sicherlich dafür begeistern. Im Mittelpunkt steht der junge Taran, der als Findelkind auf einem Bauernhof aufwächst, ohne seine Herkunft zu kennen. Im Lauf der fünf Bände lernt er das Land Prydain, in welchem er lebt, kennen, muß einige Missionen bestehen und wächst dabei auch zu einem jungen Mann heran. Es handelt sich dabei also sowohl um klassische Fantasy als auch um eine Coming-Of-Age-Geschichte. Das Album behandelt die beiden ersten der fünf Romane; "The Book of Three" und "The Black Cauldron". Taran muß im ersten Band das entlaufene Orakelschwein Hen Wen suchen und wird dabei unversehens in den immer wiederkehrenden Kampf Gut gegen Böse hineingezogen, denn Prydain wird von einem düsteren Kriegsfürsten, dem Gehörnten König, bedroht. Im zweiten Band wird der schwarze Kessel geraubt, welcher dazu dient, Tote zu untoten Vernichtungsmaschinen zu erwecken. Er muß gefunden und zerstört werden, auch hier passieren natürlich viele überraschende Dinge. Ich kann die Lektüre nur wärmstens empfehlen, denn ich habe die Chroniken von Prydain geliebt, seit ich sie als Kind zum ersten Mal gelesen habe, und sie zählen zu meinen Lieblingsbüchern. Der angesprochene Zeichentrickfilm ist mir ein Begriff, stellt allerdings eine äußerst freie Bearbeitung der Geschichte dar und sollte nicht als Maßstab herangezogen werden. Witzigerweise ist er aber offenbar deutlich bekannter als die Bücher - die meisten Sänger, die ich kontaktierte und denen ich von der Geschichte erzählte, waren mit den Büchern nicht vertraut, hatten aber irgendwann mal diesen Film gesehen und erinnerten sich sofort daran, (lacht).

Was ist mit den Sängern - hast du nur dir bekannte Leute genommen die passen oder auch fremde Musiker, gab es auch Absagen und hast du auch für einen eventuellen 2. Teil noch welche in der Hinterhand?

Die Auswahl der Sänger lief unter verschiedenen Aspekten. Zum einen mußten sie gute Sänger sein, logisch, zum anderen mußte die Stimme aber auch zum Charakter passen. Ich habe mir also überlegt, was für eine Stimme ein bestimmter Charakter haben könnte – da spielen Alter, Herkunft, Stand usw. eine Rolle. Ein alter Krieger kann nicht von einem ähnlichen Sänger dargestellt werden wie ein halbwüchsiger Schweinehirt. Ich habe zum einen in meinem recht weitläufigen Bekanntenkreis gesucht aber auch darüber hinaus. Mit Ausnahme von Jason Conde-Housten war ich mit allen Sängern, die im Endeffekt auf dem Album gelandet sind, schon vorher bekannt bis befreundet, das hat manches natürlich erleichtert.Die eine oder andere Absage gab es auch - die betreffenden Leute waren erst Feuer und Flamme, haben dann aber doch irgendwann aus Zeitgründen abgesagt. Aber vielleicht klappt es ja ein andermal. Was die Sänger für das zweite Album angeht: Das hängt von der Geschichte ab. Einige Charaktere vom ersten Album werden erneut auftauchen, die sollten natürlich auch wieder von denselben Sängern dargestellt werden. Andere Charaktere tauchen nicht mehr auf, dafür kommen neue Charaktere ins Spiel, und da müssen dann auch neue Stimmern her. Ich habe schon ein wenig herumgefragt und habe auch schon ein paar Zusagen bekommen, aber es wäre jetzt noch zu früh, Namen zu nennen. Alles zu seiner Zeit (lacht).

Du weißt sicher das sogenannte Metal Opern, Konzeptalben teils mit Kitsch, Erzählern und viel Pathos überfrachtet werden und teils recht viele ähnliche Alben erschienen sind! Ist deine Scheibe deshalb so komplett ohne das Ganze drum herum ausgefallen und lässt die Songs und Sänger für sich sprechen?

Ich wollte kein Hörspiel oder Hörbuch machen sondern ein Metalalbum. Generell lese ich eine Geschichte lieber, statt sie mir vorlesen zu lassen, daher wollte ich so etwas nicht. Und wer sich für die Details interessiert, der kann jederzeit die Bücher zur Hand nehmen, habe ich ja bereits empfohlen. Lucid Dreaming legt den Fokus auf die musikalische Seite und ist daher keine genaue Nacherzählung sondern eher eine Ergänzung zur Literatur, wenn man so will.Was die Musik selbst angeht: Ich mag zwar auch manche symphonischen und keyboardbetonten Sachen, aber Gitarren mag ich noch viel mehr, daher war das eine ganz natürliche Entwicklung. Keyboards gibt es auch auf der Scheibe, aber sie werden nur bei ein paar Songs und nur dezent eingesetzt. Lucid Dreaming sollte klassischer, gitarren- und gesangsbetonter Power Metal werden. Operation gelungen, würde ich sagen.

Definitiv! Wie wird es weiter gehen, wenn man eine Scheibe Teil 1 nennt, soll ja mehr folgen wie viele Teile wird es geben wenn du es schaffst und was kannst du schon über Teil 2 verraten?

Ich schreibe bereits fleißig am zweiten Album und hoffe, im Sommer 2014 mit den Aufnahmen beginnen zu können. Es wird thematisch erneut nach "Prydain" gehen, allerdings habe ich nicht vor, die kompletten Chroniken zu verarbeiten. Ich werde mich stattdessen dem vierten Band "Taran Wanderer" widmen, das ist mein Lieblingsband der Pentalogie. Taran begibt sich hier auf eine Wanderschaft quer durch "Prydain", um endlich das Geheimnis seiner Herkunft zu lüften. Er macht viele Erfahrungen und trifft viele interessante Personen - die Geschichte schreit förmlich danach, in ein Metalalbum verwandelt zu werden (lacht) Entsprechend werden auch eine ganze Reihe neuer Stimmen zu hören sein, aber da möchte ich wie gesagt noch keine Details nennen. LUCID DREAMING

Hattest du auch schon überlegt das Album mit nur einem Sänger oder unter dem Elvenpath Banner zu machen?

Zweimal klar nein! Der Anstoß für Lucid Dreaming war ja, daß ich auch ein Konzeptalbum mit verschiedenen Sängern machen wollte. Und Elvenpath ist eine Band mit einer festen Besetzung und einem festen Sänger, daher wollte ich das nicht unter dem Bandnamen veröffentlichen. Aber es gibt durchaus noch weitere Querverbindungen, denn zum einen hat unser Sänger Dragutin eine Gesangsrolle bei Lucid Dreaming übernommen, zum anderen hat unser Klampfer Oliver etwa die Hälfte der Gitarrensoli eingespielt.

Das mystische Cover zeigt ja den "Zauberkessel" War es schwer ein Cover für das Album zu finden?

Es gab schon ein längeres Hin und Her mit dem Label, denn meine Ideen mochte Limb nicht und ich fand seine Vorschläge unpassend. Bei Felipe Machados Entwurf waren wir uns dann aber einig. Ich hatte Felipe kontaktiert und ihm von der Geschichte erzählt, hatte aber keinen konkreten Wunsch, wie das Cover aussehen sollte. Wichtig war mir nur, daß die Protagonisten der Geschichte nicht zu sehen sein sollten - da möchte ich die Fantasie des Hörers nicht beschneiden, jeder soll sich beim Hören sein eigenes Bild von den Personen machen.Felipe erbat dann die Texte, um sich inspirieren zu lassen und schickte nach wenigen Tagen eine Skizze, die bei Limb und mir auf Zustimmung stieß. So fertigte er dann das endgültige Cover an. Es ist recht düster und kraftvoll ausgefallen, ich mag es.

Ja, es sieht toll aus! Ich denke, das Lucid Dreaming als Studioprojekt ausgelegt ist! Hast du noch über andere Möglichkeiten als Livespielen zur Bewerbung deiner CD nachgedacht (z.B. Videoclip)?

Livekonzerte kommen nicht in Frage, das wäre ein zu großer logistischer und finanzieller Aufwand. Daher ist Lucid Dreaming in der Tat als Studioprojekt konzeptioniert - Heavy Metal fürs Wohnzimmer (lacht). Ein Videoclip war auch nie geplant, wäre aber für die Werbung vielleicht schon eine gute Idee. Vielleicht machen wir da was für das zweite Album, mal sehen. Ansonsten hoffe ich einfach, daß die Musik auf Zustimmung stößt und die Metalfans das Album ihrer Sammlung einverleiben.

Macht auf jeden Fall einen Clip, wenn ihr könnt. Ist Lucid Dreaming nur an diese Fantasysaga gekoppelt oder könntest du dir auch andere Geschichten vorstellen (eigene oder fremde)?

Da bin ich sehr offen. Mit dem bereits erwähnten Band "Taran Wanderer" sind die Chroniken von Prydain für mich auch abgefrühstückt, mehr wird es aus der Reihe also nicht geben. Ich möchte aber gerne darüber hinaus mit Lucid Dreaming weitermachen und Konzeptalben mit verschiedenen Sängern veröffentlichen. Das kann dann auch in ganz andere thematische Bereiche gehen; es kann also sein, daß ich dann historische oder politische Themen behandle oder ein Konzeptalbum über die Geschichte des Apfelweins mache (lacht). Im Ernst: Da bin ich überhaupt nicht festgelegt. Daher habe ich dem Projekt auch einen Namen gegeben, welcher nicht an die Chroniken von Prydain gekoppelt ist sondern offener interpretiert werden kann. Ein Klartraum oder luzider Traum ist ein Traum, in welchem sich der Schläfer der Tatsache, daß er träumt, bewußt ist, und er kann seinen Traum entsprechend steuern. Da ziehe ich eine Querverbindung zu Ausdrucksformen wie Musik und (Fantasy-) Literatur. Mittels dieser Medien begeben wir uns in Fantasiewelten, in welchen wir uns wohlfühlen, sind uns aber der Tatsache bewußt, daß es noch eine reale Welt gibt. Mit Lucid Dreaming kann man sich also für die Dauer eines Albums in eine Traumwelt begeben.

Bist du eine Fantasynerd der viele Buchserien kennt und auch in Englisch gelesen hat, wenn ja welche zwei findest du abseits der bekannten Reihe wie "Herr Der Ringe", "Game Of Thrones" usw. denn gut und warum?

Ich lese gerne und mag Fantasy sehr, lese aber auch Sachen aus vielen anderen Gebieten. Was Fantasy angeht, sind Tolkiens Werke und natürlich die Chroniken von Prydain meine Favoriten. Gründe für solche Vorlieben kann ich nicht so recht nennen - wenn mich ein Buch bzw. eine Reihe fesselt, denke ich darüber auch nicht besonders nach. Wenn ich mich in der Fantasiewelt wohlfühle, bleibe ich da gerne eine Weile. Was ich darüber hinaus sehr gerne mag: Die "Conan"-Geschichten von Robert E. Howard, die "Books of Ascension"-Trilogie von Dirk Strasser (dazu wird es übrigens einen Song auf dem nächsten Elvenpath-Album geben), die "Death Gate Cycle"-Reihe von Margaret Weis und Tracy Hickman und nicht zuletzt die "Discworld"-Romane von Terry Pratchett. Die liebe ich heiß und innig. Vielen Dank für das Interview, für Dein Interesse an Lucid Dreaming und daß ich meine Musik hier vorstellen durfte. Interessierte Leser mögen bitte auf www.facebook.com/luciddreamingmetal vorbeischauen, und wenn Euch die Musik gefällt, seid bitte so fair, das Album zu kaufen, statt es aus dem Netz zu ziehen. Unterstützt den Underground und stay Metal!

Den Ball kann ich nur zurück werfen! So gute und stichhaltige Antworten mit Herz sind nicht alltäglich bei Interviews. Das Album lohnt sich!

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