Navigation
                
14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
BELTEZ
"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland"
Stephan Mertens
www.facebook.com/Beltez


Im letzten Monat tauchte die Black Metal Band BELTEZ nach Jahren mit dem starken Album "Tod: Part 1" wieder aus der Versenkung auf. Gitarrist Dod erzhlt uns, wie es nach neun Jahren nun endlich zum langersehnten zweiten Album kam, was es mit dem spontan eingesungenen Texten auf sich hat und wie die Band zu politischen Extremen steht.


Vor neun Jahren ward ihr mit dem Erstling "Beltane" und einer regelmigen Liveprsenz schon ein Geheimtipp. Wie kam es dazu, dass es dann relativ schnell ruhig um BELTEZ wurde? Habt ihr eigentlich immer weitergemacht, oder gab es Pausen?

Das fhlt sich ja erst einmal nicht verkehrt an, als Geheimtipp bezeichnet zu werden - wenngleich das aus heutiger Sicht natrlich eher schmeichelhaft ist - danke dafr. Es wurde relativ schnell ruhig um uns, da hast du Recht. Wir haben BELTEZ nie aufgelst oder uns bewusst eine Auszeit gegnnt. Es wurden einfach diverse Entscheidungen getroffen und Dinge sind passiert, die das werden lieen, was heute BELTEZ ist.

Euer zweites Album ist nach etlichen Jahren nun doch noch erschienen. Wann habt ihr euch ernsthaft wieder mit einer mglichen Verffentlichung von "Tod: Part 1" beschftigt? Wie und wann kam es zur Zusammenarbeit mit Bret Hard Records?

Das steht in unmittelbarem Zusammenhang mit deiner ersten Frage. Da muss ich allerdings ein wenig ausholen...
Als wir "Beltane" seinerzeit verffentlicht hatten und im Underground einige Konzerte absolvieren durften, womit hier und da positive Resonanz einherging, kamen wir an den Punkt, an den jede Band nach einem ersten kleinen Erfolg kommt: man muss nachlegen, im Gesprch bleiben, den Namen bekannter machen, mehr live, mehr Material... ein neues Album. Aus heutiger Sicht kann man wahrscheinlich nur von Glck reden, dass zu dieser Zeit eine gewisse Szenemonotonie aufkam. BELTEZ Wir waren pltzlich regelrecht gelangweilt von diesem unaufhaltsamen Output-Wahn in der Szene. Nicht gelangweilt von Black Metal - das geht ja auch gar nicht, vllig ausgeschlossen. Sondern gelangweilt von diesen schlichten und nichtssagenden Alben, die einst namhafte und aufstrebende Bands pltzlich wie am Flieband produzierten. Keine Seele, kein Herzblut... Dynamitfischen in einem aufpolierten Tmpel voller blasser Fische - mitnehmen was geht, wenn man es so sagen kann.
Wir saen daher eines Abends zusammen und fragten uns, wie wir als BELTEZ diese Standardkost durchbrechen konnten. Pltzlich brauchte man als Black Metal Band einen Produzenten. Irgendeinen Fatzke aus der Musikindustrie, der deine Musik so glattbgelt, dass sie nicht mehr klingt wie der pure Hass, sondern wie eine grne Wiese mit Kuschelhschen. Darauf hatten wir einfach keinen Bock. Dummerweise sprangen damals viele Label auf diesen Zug auf und so kam es nicht allzu selten vor, dass ein Endprodukt nicht ansatzweise so genial klang, wie die Demo-Version der Songs. Nicht ohne Grund packen heute einige Bands ihre Demos lterer Alben auf neue Special Editions. Aber ich schweife ab. Wir jedenfalls hatten darauf einfach keinen Bock und beschlossen, so weiterzumachen wie bisher, unsere eigenen Herren zu sein und das zu tun, was BELTEZ ausmacht: ehrliche, hssliche und ungeschnte Musik. Parallel zu dieser Entscheidung stieg natrlich das Bewusstsein, dass die Mehrheit der Labels schon aus diesem Grund mit BELTEZ nichts zu tun haben wollen wrde. Was man den Kids nicht verkaufen kann, wird auch nicht vertrieben, fertig. Mit berraschender Gleichgltigkeit akzeptierten wir dies jedoch und schrieben an unseren bisher entstandenen Songs einfach weiter, verfeinerten sie und lieen sie immer weiter reifen. Der kurz zuvor angekndigte Schnellschuss "Selbstmord" wurde zurckgezogen. Wenn schon, dann konsequent.
Irgendwann kam dann Bret Hard Records ins Spiel, nachdem die Songs beinahe alle als fertig angesehen werden konnten. Wir sagten Chris damals, dass wir ein Album fertiggestellt haben, das er nur rausbringen msste. Er sagte uns, dass es als kleines Label leider nicht mglich sei, einen Produzenten zu engagieren oder einen professionellen Mix zu erstellen. Das war das Schnste, was seit knapp zehn Jahren jemand zu uns gesagt hat, also war die Sache schnell klar. Kein Produzent, keine Bgeleisen. Musik aufnehmen, selbst arrangieren, pressen, Champus!

Nach und nach habt ihr die Stcke des Albums berarbeitet. Wie muss man sich das vorstellen, habt ihr euch in all den Jahren regelmig getroffen, oder gab es lngere Auszeiten?

Nein, eine Auszeit gab es nie. Wir nutzten irgendwann die Mglichkeiten des Internet-Zeitalters und tauschten uns digital mit Ideen, Erweiterungen und neuen Songvorschlgen aus. Hin und wieder trafen wir uns auch. Jedoch nicht so, wie die meisten Bands, in einem Proberaum, sondern eher jeweils beim ein oder anderen zu Hause, wo wir dann ber die Entwicklung und Ideen sprachen, vereinzelt gemeinsam aufnahmen et cetera. So ging das ber viele Jahre hinweg. Dass es am Ende wirklich neun Jahre waren ist fr uns selbst beinahe erschreckend.

Ihr weist im Booklet mehrfach darauf hin, dass die Richtung Black Metal nur eine Momentaufnahme ist. Was genau wollt ihr damit ausdrcken? Seid ihr parallel auch in anderen Sparten musikalisch unterwegs, oder wollt ihr euch bewusst von der Szene distanzieren?

Musikalisch sind wir alle recht vielseitig unterwegs. Handgespielt muss es sein, das sollte gesagt werden, aber was das Genre angeht, sind wir nicht festgefahren. Der eine spielt noch in einer Alternative Rock Band, zwei andere in jeweils einer Death Metal Band. Musik allgemein, und daher nicht rein Black Metal, ist von Natur aus eigentlich eine Momentaufnahme. Du kennst sicher das Gefhl, wenn du einen Song hrst, den du lange nicht gehrt hast aber frher immer gern und du kannst dich genau daran erinnern, wo du ihn vielleicht das erste oder das letzte Mal gehrt hast. Oder wo genau du warst, als der Song pltzlich gezndet hat und dich fesseln konnte. Genau so verhlt es sich oft mit dem Schreiben von Songs. Ein Moment beschert dir diese eine Idee, die du unbedingt festhalten musst. Schafft es diese Idee zu einem kompletten Song, wirst du diese Erinnerung durch diesen Song immer bei dir tragen. Musik ist nichts anderes als ein emotionales Speichermedium. Distanzieren wollen wir uns mit dieser Szene keineswegs. Es gibt sie ja bestimmt immer noch, diese kleingeistigen Trueness-Prediger, die so etwas wie BELTEZ beispielsweise niemals hren wrden, wenn sie das hier nun lesen, aber es ist gut zu wissen, dass sie das ja auch nicht mssen. In ihrer kleinen Welt mssen wir ja nicht stattfinden.

Es ist ja kein Geheimnis, dass es so was wie NS-Black Metal gibt. Ich habe auf der BELTEZ-Facebookseite eine klare Ansage gegen Rechts gelesen, zudem habt ihr mit dem SLIME-Cover "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" ebenfalls eindeutig Stellung genommen. Klare Verhltnisse zu schaffen finde ich lobenswert, wie wichtig ist euch eine politische Aussage in der Musik?

Das ist gar kein so einfaches Thema, wie man vielleicht denkt. Viele machen es sich leicht und werfen mit Aussagen um sich wie: "Politik hat in der Musik nichts verloren!". Meinen tun diese Menschen aber meistens, dass rechte Politik in der Musik nichts zu suchen hat, denn links ist das dann pltzlich schon wieder OK - aber dafr ist die Aussage einfach zu plakativ und einseitig. Dieser Aussage schlieen wir uns daher nur bedingt an. Wir sind keine politische Band, empfinden zwar eine gewisse Sympathie fr feinen, rudigen Punkrock, aber auch hier gibt es politische Extreme, die wir nicht untersttzen. Daher sind wir fr uns einfach gegen jegliche Art von Extremismus und Musik als dessen Propaganda-Instrument. Wir sprechen uns deutlich gegen rechts aus und pflegen dabei eine leidenschaftliche Nulltoleranz. Das SLIME-Cover passte thematisch einfach hervorragend zum Konzept und wir mgen die Band sehr. Wenn sich daran vor allem die braunen Schwachmaten stren, haben wir doch alles richtig gemacht. Und wenn irgendwelche Linken hnlichen Intellekts der Song oder die Musik von BELZET strt, ist uns das so egal wie Pickel am Arsch eines Fremden.

Derzeit kursiert die Frage durch das Internet, ob es moralisch ok ist, Bands wie BURZUM zu mgen, oder sie gar mit CD- und T-Shirt-Kufen indirekt zu untersttzen (und wenn es nur der Werbeeffekt ist). Bei der gerne unternommenen Trennung zwischen Kunstwerk und dem Menschen dahinter, tu ich mich ehrlich gesagt ein bisschen schwer. Hat man als Musiker eine gewisse Verantwortung oder steht das Produkt, welches im Grunde unpolitisch ist, fr sich selbst, wie siehst Du das?

Haha, die Aktion von Danko Jones zu dem Thema fand ich im Zusammenhang sehr gelungen. Nachdenken... viel mehr nachdenken. Das ist heute leider ein wenig in Vergessenheit geraten. Fr alles gibt es eine App, kein Mensch wei mehr, Dinge genauer zu beschreiben oder zu erklren als Wikipedia oder Google. Wir verlassen uns viel zu sehr auf Selbstverstndlichkeiten und auf vermeintliches Wissen, das von Menschen generiert wurde, die Wissen generieren, das von Menschen generiert wurde, das von... du verstehst sicher, was ich meine. Die Menschen interessieren sich nicht mehr fr Hintergrnde, sondern konsumieren blind und lassen sich viel zu einfach steuern.
Im Bezug auf BURZUM ist meine Meinung recht klar. Der Mann hat zweifelsohne unglaublich gute Pionierarbeit fr den Black Metal geleistet und Alben wie "Filosofem" hervorgebracht, das einfach unsterblich ist. Dummerweise hat der Kerl irgendwann eine menschliche Kehrtwende vollzogen, die meinen Respekt dem Menschen gegenber gen Null hat sinken lassen. Im Knast - wir erinnern uns: es handelt sich um einen verurteilten Mrder - hat man scheinbar genug Zeit, sich mit Dingen zu beschftigen, die von der Realitt ablenken. Deswegen schwelge ich gern in guten alten Zeiten und hre mir nach wie vor mit Freude seine Musik an. Ich setze allerdings einen radikalen Schnitt ab dem letzten Album vor seinem ffentlichen Sinneswandel, weil es fr mich unvereinbar ist, einen Menschen finanziell zu untersttzen, der diese Ansichten propagiert und lebt. Ich besitze die ersten vier Alben - danach war fr mich Schluss und ich sehe nicht ein, seine Musik zu kaufen, die nach 1996 erschienen ist. Dabei ist mir auch vllig egal, wenn mir Bekannte oder die Presse erzhlen, dass seine aktuelleren Werke mindestens von gleicher Gte sind, wie einst "Filosofem" oder "Det som engang var". Ich ignoriere ihn. Dummerweise bekommt er immer wieder eine Plattform - selbst wenn er nur in Interviews Erwhnung findet.

BELTEZ

Kommen wir nochmal zum Album. Der Klang von "Der Tod: Part 1" stellt fr mich einen gelungenen Spagat zwischen druckvollen Aufnahmen und Authentizitt dar. Ungewhnlich finde ich, dass euer Snger Gezuecht die Texte spontan eingesungen hat. Abgefahrene Idee! Ich verstehe zwar kaum etwas, aber der vermutlich gewnschte emotionale Effekt kommt gut rber. Wie kam es zu dieser Vorgehensweise?

Diese Aktion war fr uns mindestens so ungewhnlich wie fr dich. In der Tat sind neben der Musik auch Texte entstanden und "mitgereift", wenn man das so ausdrcken kann. Hier wurde umgeschrieben, dort wurde neugetextet, dann wieder komplett verworfen. Irgendwann haben wir festgestellt, dass die Musik aufgrund der Erfahrungen und Momente Momentaufnahmen... eben - entstand und dass es interessant wre, den Gesang auf eine hnliche Ebene zu fhren. Die Sache mit den alten Songs die ich eben erwhnte, die man ewig nicht gehrt hat, zu denen einem aber sofort einfllt, wo man gerade war, als man sie das letzte oder erste Mal hrte oder welche Erinnerungen man damit verbindet, kam uns vor den Aufnahmen in den Sinn und so wuchs die Idee, die Erinnerungen an die Entstehung des Albums hervorzurufen, in dem wir einfach ein Mikro aufstellen und das aufnehmen, was dabei herauskommen wrde. Es war ein interessantes Experiment und teilweise war anschlieend die Stimmung auch etwas schlicht, aber unserer Meinung nach hat sich diese Idee wunderbar entwickelt. Das fehlende Stck in diesem ber Jahre gereiften Puzzle.

Die Idee, eine Art Konzeptwerk ber den Tod herauszubringen, scheint ja schon lter zu sein. Eine knappe Dekade geht an niemandem einfach so vorbei, ihr seid in dieser Zeit erwachsener geworden, habt das Leben ein Stck nher kennengelernt und vermutlich auch die ersten Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Hat diese Thematik im Laufe der Zeit einen anderen, vielleicht auch wichtigeren Stellenwert fr euch bekommen?

Natrlich. Je lter man wird, desto hufiger denkt man ber den Tod nach. Wir sind zwar noch keine 60 oder 70, aber es wird sicher kaum ein Tag vergehen, an dem ein 70-Jhriger nicht an den Tod, die Folgen oder das Erlebnis an sich denkt. Ein Kind hingegen denkt eigentlich nur daran, wenn es damit direkt konfrontiert wird. Auerdem kommen die Einschlge immer nher, wie man so schn morbide sagt. Wir alle hatten unsere Erfahrungen mit dem Thema. Mancher tglich, andere seltener, aber immer hnlich intensiv. So wuchs nach und nach das Vorhaben, das Ganze musikalisch zu verarbeiten. FARSOT haben das mit ihrem unglaublich genialen Album "IIII" brigens auch getan. Nicht direkt ausschlielich zum Thema Tod, aber ber die teilweise damit verbundenen Zustnde Hass, Angst, Tod und Trauer. Ein unfassbar geiles Ding, aber das sagte ich ja bereits.

Und jetzt noch die Frage, die so offensichtlich ist wie der Albumtitel: Plant ihr schon einen zweiten Teil von "Tod" ein? Wie geht es mit BELTEZ weiter, seid ihr derzeit auch auf der Bhne aktiv, oder ist da was geplant?

Wir tragen ja selbst die Schuld daran, dass man uns jetzt dauernd nach einem zweiten Teil fragt. Offenbar steigt das Interesse an BELTEZ langsam wieder. Ob und wann das so sein wird und ob es wirklich ein zweiter Teil oder etwas vllig anderes sein wird, steht in den Sternen. Vielleicht wird es auch noch weitere Alben geben und daher erst irgendwann einen zweiten Teil. Man wird sehen. Fakt ist, dass wir uns nach wie vor zum einen keine Vorgaben machen lassen, wann etwas erscheint und zum andern vor allem nicht, wie das Ganze erscheint. Es gibt etliche Ideen und viele Anstze, also schauen wir einfach mal, wohin uns die Reise fhrt. Ob das Ganze in naher Zukunft auf einer Bhne stattfinden wird, ist ebenfalls unklar. Eigentlich wurde BELTEZ vor zehn Jahren als reine Studioband von der Bhne gezogen und wir hatten auch bisher nicht vor, das zu ndern. Seit "Tod: Part I" erhalten wir allerdings laufend Gig-Anfragen. Teilweise brigens von Menschen, die wir viele, viele Jahre nicht gesehen haben und die sofort wieder da waren, als wir wieder da waren. Beeindruckend. Dennoch gibt es bisher keine konkreten Plne.

Vielen Dank fr die Beantwortung meiner Fragen. Nach der tollen Comeback-Scheibe wnsche ich euch weiterhin alles Gute! Die letzten Worte gehren Dir!

Offensichtlich gefllt dir das Album. Schn zu hren. Wir haben zu danken. Danke fr das Interview und die Mhe bei den Fragen. Vielleicht sehen wir uns irgendwann, vielleicht auch nicht...

<< vorheriges Interview
PRIVATEER - Freiburger Freibeuter mit dem 2. Streich
nchstes Interview >>
LUCID DREAMING - Die Vertonung einer unpopulren Fantasys [...]




 Weitere Artikel mit/ber BELTEZ: