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20. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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PRIMAL FEAR
Listening Session - Eindrücke aus dem Studio!
Thorsten Schwalbach
www.primalfear.de


Das neue Album "Delivering The Black" der deutschen Metal - Institution PRIMAL FEAR erscheint am 24.01.2014. Schon am 26.10.2013 hatte die Band zur Listening Session eingeladen. Diese fand im House Of Music - Studio bei Stuttgart statt, in dem die Band schon so manchen Ton eingespielt hat. Also wirklich eine lohnenswerte Angelegenheit, für die wir uns gerne auf den Weg in den Süden machten.

Sänger Ralf Scheepers und Bassist Mat Sinner waren persönlich bei der Session anwesend. Nachdem die Beiden die Metal - Abgesandten sehr freundlich begrüßt hatten ging es nach einem kleinen Imbiss in den Regieraum des House Of Music, wo es direkt hinter dem Mischpult "Delivering The Black" in druckvoller Lautstärke zu hören gab. Das Album wurde von Mat Sinner produziert und von Jacob Hansen (u. a. VOLBEAT, PRETTY MAIDS) gemixt und vorab, sie haben einen wirklich sehr guten Job abgeliefert. Eingespielt wurde das Album vom mittlerweile bewährten internationalen Team, also neben Mat und Ralf von den Gitarristen Alex Beyrodt und Magnus Karlsson sowie von Randy Black am Schlagzeug. Die neuen Songs klingen durch die Bank druckvoll, dynamisch und glasklar, wodurch schon beim ersten Hören auch die kleinsten Details nachvollziehbar werden. Aber genug allgemeine Info und direkt zu den vorgespielten Songs:

King For A Day

Ein schneller riffbetonter Song, der direkt so richtig knallt. Der Chorus ist eingängig und der Gesang melodisch, hoch und trotzdem kräftig. Die schneidenden Gitarren erinnern dezent an JUDAS PRIEST und im Solo wird das Gaspedal ziemlich durchgetreten. Auf jeden Fall ein sehr gelungener und passender Einstieg in das Album.

PRIMAL FEAR

Rebel Faction

Hier gibt es erst mal einen recht bombastischen Anfang, nachdem sich dieses Stück zu einem richtig schnellen Riff - Rocker mit schneidendem Gesang entwickelt. Die dynamischen Drums mit cooler Double - Bass bilden ein grundsolides Songfundament und der melodische Refrain schafft spannenden Kontrast zu den härter angelegten Strophen. Es gibt abwechslungsreiche Soloparts und eine prägnante Gitarrenmelodie erinnert mich dezent an das "Heaven And Hell" - Riff.

When Death Comes Knocking

Der erste Longtrack startet gefühlvoll mit cleanen Gitarren und entwickelt sich danach zu einem Midtemporocker mit schneidendem kraftvollem Gesang. Auch hier bilden die Drums das solide Fundament des leicht bombastisch geprägten Stückes. Der orientalische Mittelteil lässt aufhorchen und geht danach fließend in das feelingbetonte Solo über. Am Ende wird der gefühlvolle Anfang wieder aufgenommen und so schließt sich der Kreis. Insgesamt bleibt der Song über die Spielzeit von rd. 10 Minuten spannend und abwechslungsreich.

Alive & On Fire

Danach ist dann Abwechslung angesagt, was dem Albumfluss sehr gut tut. Der Song startet mit einem eingängigen Drumpart und entwickelt sich zu einem groovigen Rocker, der live bestimmt sehr gut abgehen wird. Ein klassischer Metalsong, was sich auch im Solo zeigt, das an JUDAS PRIEST erinnert und gekonnt Melodie mit Feeling verbindet. Ralf singt hier etwas weniger hoch und sehr ausdrucksstark, was hervorragend zu dem eingängigen Stück passt.

Delivering The Black

Im Titelstück wird dann wieder deutlich das Tempo angezogen. Ein eingängiger grooviger Rocker mit coolen "Qietschriffs", die dezent an Zakk Wylde erinnern. Der zum Teil geshoutete Refrain ist megaeingängig. Im Solo ist Spannung und Abwechslung angesagt, wobei auch hier zum Teil das Gaspedal richtig durchgetreten wird.

Road To Asylum

Dieses Stück entwickelt sich nach schnellem Anfang erneut eher groovig. Hoher aber kraftvoller Gesang, quietschige Riffs, dynamische Drums und ein schnelles aber sehr melodiebezogenes Solo sind die Grundelemente eines wieder sehr eingängigen Songs.

One Night In December

Das zweite Epos des Albums startet atmosphärisch mit Adlerlauten und einer eingängigen Klaviermelodie. Der abwechslungsreiche Song entwickelt sich zu einem bombastischen und dennoch dynamischen Midtemporocker mit dezenter Schlagseite in Richtung "Heaven And Hell". Der Chorus ist bombastisch angelegt bevor ein detailgeprägter Riffpart für Spannung sorgt. Insgesamt halten die dynamischen Riffs und Drums auch diesen Longtrack nachvollziehbar. Ein leicht "modern" geprägter Mittelpart und eine folgende gefühlvolle Klaviermelodie gehen in das eher rockig ausgelegte Solo über. Auch hier wird am Ende mit Adlern, Regen und Glockengeläut die Idee vom Anfang wieder aufgenommen.

PRIMAL FEAR

Never Pray For Justice

Eine Kettensäge (oder Irgendwas in dieser Art) holt den Hörer zunächst auf unsanfte Weise in die harte Wirklichkeit zurück. Danach taucht schnell eine kleine keltisch geprägte Gitarrenmelodie auf, die durch den Song begleitet. Das Stück selbst klingt wieder eher groovig - stampfend. Im coolen Solo wird größter Wert auf Melodie und Nachvollziehbarkeit gelegt. Durch die immer wieder auftauchende Melodie wird der Song enorm eingängig.

Born With A Broken Heart

Die Ballade des Albums startet sehr gefühlvoll mit Akustikgitarren. In den Strophen wird der sehr ausdrucksstarke Gesang fast nur von dezenten Gitarren begleitet. Im emotionalen Refrain bringt Liv Kristine (LEAVES' EYES) Backingvocals ein, die dezent in den Hintergrund gemischt wurden, was sehr harmonisch klingt. Passend zum Song sind die Soli feelingbetont und auch mal dezent "dreckig". Das Stück endet gefühlvoll mit allein stehenden Akustikgitarren.

Inseminoid

Das reguläre Album klingt kraftvoll mit jeder Menge Gitarrenpower aus. Ein schneller Song mit eingängigem Chorus und sehr starkem Gesang, der als Nachfolger von "Nuclear Fire" durchgeht. Neoklassische Gitarrenmelodien setzten dem dynamischen Stück dabei die Krone auf.

Insgesamt ein abwechslungsreiches sehr druckvoll und dynamisch produziertes Album, das die groovige Seite der Band mehr in den Vordergrund stellt als die experimentelle. Dennoch kommen verspielte Details nicht zu kurz, was die Songs spannend hält. Der sehr kraftvolle und ausdrucksstarke Gesang stellt dabei ein besonders Highlight dar. "Delivering The Black" erscheint als Vinyl, digital, als Jewel Case und als CD/DVD Deluxe / sowie CD/DVD Super Deluxe Eagle Edition, jeweils mit drei Bonustracks, die im House Of Music nicht vorgespielt wurden. Die DVD wird Videoclips zu "King For A Day" und "When Death Comes Knocking" und ein exclusives Making - Of enthalten.

Nach der eigentlichen Listening - Session standen Mat und Ralf noch für O - Töne zum Album zur Verfügung. Das Ganze startete in lockerer Runde, in der den Beiden die ersten Meinungen zum Album eher locker von den verschiedenen Schreiberlingen "zugeworfen" wurden. So entwickelte sich ein "offenes Gespräch", in dem die Musiker das Album aus ihre Sicht wie folgt schilderten:

Auf die Frage, ob die Band dieses Mal das Album zusammen im Studio eingespielt habe.

(Mat Sinner) Nein, das funktioniert bei PRIMAL FEAR leider nicht, weil wir halt alle zu weit voneinander entfernt wohnen. Bei SINNER haben wir das beim letzten Mal so gemacht, da funktioniert das schon aber halt nicht bei PRIMAL FEAR. Da hat jeder eher für sich alleine seine Sachen aufgenommen, teilweise auch in seinen eigenen Studio. Aber das Schlagzeug haben wir komplett hier im House Of Music - Studio aufgenommen, was man der Sache auch anhört.

(Ralf Scheepers) Das macht bei uns auch jeder so wie es für ihn am besten ist. Ich habe meinen Gesang bei mir zu Hause aufgenommen. Da kann ich einfach am besten meine Parts ausarbeiten was ja bei der heutigen Technik auch kein Problem mehr ist.

PRIMAL FEAR

Auf die Aussage, dass das neue Album insgesamt sehr direkt und geradlinig klingt:

(Mat Sinner) Ja, das war genauso gewollt, es sollte diesmal erst mal geradlinig klingen. Wir wollten mit den Drums eine straighte solide Basis für die Songs aufbauen, was dem Randy Black auch sehr gut gelungen ist. Der hat diesmal wirklich einen Superjob gemacht. Auf diesem Fundament konnten wir dann sehr gut aufbauen, auch mit einer geradlinigen Produktion und dem druckvollen Mix, was insgesamt zu diesen straighten Songs geführt hat. Aber trotz dieser Ausrichtung haben sich die Gitarristen richtig Mühe gegeben, die Songs interessant zu gestalten. Und ich denke, dass denen das auch wirklich sehr gut gelungen ist.

Auf die Aussage, dass es wirklich schöne Details zu entdecken gibt wie keltisch geprägte Gitarrenmelodie, die sich wie eine Art "Leitthema" durch den Song "Never Pray For Justice" zieht.

(Ralf Scheepers) Das sind halt solche Details, die uns trotz der geradlinigen Ausrichtung wichtig waren. Und man sieht ja auch, dass so was direkt hängen bleibt, was doch auch schon mal was ist. In diesem Song haben wir den Titel ein bisschen im Song "versteckt". Da war eine der Choruszeilen die ganze Zeit so eine Art Arbeitstitel und wir haben gar nicht erst versucht, den Titel im Chorus zwanghaft unterzubringen.

(Mat Sinner) Da muss man schon gut zuhören. Aber der Titel kommt schon im Song vor, nur halt nicht so direkt im Chorus. Aber auch so was macht die Sache doch interessant und spannend.

Auf die Frage, wie es zur Zusammenarbeit mit Liv Kristine auf dem neuen Album kam und wie die Band mit dem Ergebnis dieser Zusammenarbeit zufrieden sei.

(Mat Sinner) Das hat sich eher einfach so ergeben. Wir wollten mal wieder weiblichen Gesang auf dem neuen Album haben und sind dann irgendwann auf die Liv gekommen. Aber das Ganze sollte dem Song einfach nur eine zusätzliche Farbe geben, was der Liv sehr gut gelungen ist. Das sollte bewusst kein Duett werden, das hatten wir ja schon. So was lässt sich dann live nur sehr schwer umsetzen und in die Richtung wollten wir uns erst gar nicht einschränken.

Auf die Frage, ob die Band für die orchestralen Elemente auf klassische Musiker zurückgegriffen hat, zu denen über das "Rock Meets Classic - Projekts" sicherlich gute Kontakte vorhanden sind.

(Mat Sinner) Nein nein, das haben wir schon selber gemacht, dafür haben wir nicht auf klassische Musiker zurückgegriffen. Da sind wir inzwischen fit genug, um solche Sachen selber zu erledigen.

Auf die Aussage, dass Ralf diesmal in einem Song wie "Alive & Fire" auch mal richtig aggressiv klingt, was eine willkommene Abwechslung zu dem ansonsten eher klar angelegtem Gesang darstellt.

(Ralf Scheepers) Ja, das ist halt so ein straighter "Abgehsong", der so richtig nach vorne geht. Da hat diese Art von Gesang einfach gepasst und das hat auch richtig Spass gemacht, den Song in dieser Art einzusingen.

Hat wirklich Spaß gemacht, mit den Beiden so locker über die ersten Eindrücke zum Album zu "plaudern", wobei Mat und Ralf sich wirklich sympathisch und ohne irgendwelche Berührungsängste zeigten. Die Kommentare von Mat und Ralf zeigen auch, dass sie mit den neuen Songs wirklich zufrieden sind. Die dargelegten Intentionen sind so in den Songs rübergekommen. PRIMAL FEAR haben also ehrlich und konsequent das umgesetzt was sie vorhatten was nach einmaligen Hören sicher ein sehr großes Kompliment an eine Band ist. Also schon mal Gratulation an die Jungs zu einem starken Album. Da wir noch eine ziemlich lange Rückfahrt vor uns hatten haben wir auf ein längeres Einzelinterview verzichtet, was aber nach einmal Hören sicher auch nicht ganz so sinnvoll ist. Also kurz noch ein Foto und nach freundlicher Verabschiedung von Ralf und Mat machten wir uns zufrieden auf den Heimweg.

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