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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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VICTORIUS
ohne zweites O!
Thorsten Dietrich
https://www.facebook.com/VictoriusBand#!/victoriusmetal?fref=ts


Ich habe mir seit Jahren angewhnt neue Alben erst einmal anzuhren und mich dann mit den Musikern, Biografien, Cover und Bandfotos zu beschftigen. Das war auch bei den Nachwuchsmetallern Victorius aus Sachsen Anhalt der Fall. Die machen zeitlosen Melodic Metal erster Gte und haben das beste Debtalbum seit Monaten, wenn nicht Jahren in dieser Richtung abgeliefert. Da ist es auch nebenschlich, dass sie auf den Bandfotos ultradrge und teils wie eine Gothic Combo daher kommen, oder? Dirk Scharsich (Gitarre) und Andreas Dockhorn (Bass) gaben mir ausfhrlich Auskunft.


Von euch habe ich noch nie was gehrt. Ich wei nur, dass ihr aus Sachsen-Anhalt stammt und recht jung seid. Erzhl doch mal kurz was zu eurer Geschichte!

Andreas: Wir haben 2004 im Nichts angefangen. Seit 2006 sind wir live unterwegs, zunchst nur im lokalen Bereich, spter Deutschlandweit. 2008 (Demo) und 2010 ("Unleash The Titans") folgten die ersten Amateuraufnahmen und jetzt sind wir hier wo wir sind. Natrlich haben wir in dieser Zeit eine grundlegende Entwicklung durchgemacht. 2004 waren wir Teenager, die Hammerfall und Manowar gehrt haben. Heute wollen wir modernen Power Metal machen und unseren eigenen Stil begrnden.

Victory war als Bandname schon besetzt da habt ihr euch fr Victorius in dieser eigensinnigen Schreibweise entschieden oder wie?

VICTORIUS

Andreas: Bevor ich Victory 2006 live sah, kannte ich die Band ehrlich gesagt gar nicht. Der Bandname hat keine tiefgreifende Bedeutung. Die eigensinnige Schreibweise ergibt sich aus sthetischen Grnden. Man stelle sich mal unser schneidiges Bandlogo mit einem zweiten O vor. Aber danke, dass es dir auffllt! Beim EMP-Katalog hat man nicht so genau hingeschaut.

Eure recht drgen Bandfotos verwirren mich. Teilweise sind da verschiedene Leute drauf und euer Snger sieht anders aus als er sich anhrt, um es dezent auszudrcken. Eine Sache sind sicherlich Lineupwechsel, das andere schiebe ich auf schlechte Beratung beim Fotoshooting. Wrdet ihr die wieder so machen?

Dirk: Provokante Frage! Ein Lineup Wechsel hat mit dem Aussehen unserer Bandfotos garantiert nichts zu tun. Warum sollen wir uns anziehen wie irgendeine 80er Metalband, wenn wir modernen Powermetal spielen? Unser Snger David sieht denke ich stylisch genug aus, um als Frontmann einer geilen Band durchzugehen. Unser visueller Style wird sich also nicht ndern.

Ich habe es nur gut gemeint. Musikalisch habe ich selten ein so geiles Debt wie eures gehrt, habt ihr da ewig dran gesessen mit Hilfe von Auen oder ist das die Macht der Jugend die einfach Spielfreude und flotte Songs beinhaltet?

Dirk: Das Songwriting stammt selbstverstndlich von uns selbst. Warum sollten wir keine geilen Songs alleine schreiben knnen? Nur weil wir noch keine 20 Jahre Musikerfahrung haben heit das nicht, dass wir keine guten Ideen haben. Wir haben einfach Bock auf diese Art von Musik, und das Ergebnis kannst du auf Platte hren.

Das Schne an euren Liedern ist fr mich auch, dass man bei euch nicht sagen kann: die klingen nach X , Y und bissel nach Z. Allgemein hre ich bei euch den klassischen skandinavischen und deutschen Melodic Metal raus. Wie siehst du das?

Dirk: Genau so ist es. Natrlich leugnen wir auch nicht diverse Einflsse von Band X,Y oder Z, da wir alle unsere Lieblingsbands haben die diesen Stil spielen. Es ist ganz natrlich, dass man von dem beeinflusst wird, was man gerne hrt, aber jede Band sollte irgendwann ihren eigenen Sound entwickeln. Wir klingen halt wie wir klingen, ohne viel darber nachzudenken.

VICTORIUS

Ganz ehrlich: Eine Band wie ihr msste rund um die Uhr live spielen. Wie schwierig ist das in der heutigen Pay To Play Landschaft und was habt ihr sonst so vor um eure Band zu pushen?

Andreas: Wir wollen auch rund um die Uhr live spielen. Leider ist das nicht so einfach, wie man sich das als Leser vielleicht vorstellt. Das Stichwort Pay To Play ist gut. Den "Job", wenn wir es mal so nennen mgen, den wir bei einer Live Show erledigen, ist objektiv betrachtet eine bestimmte Summe wert. Wir sind jung und wir wollen auf die Bhne, also kmmert es uns erst mal nicht, was am Ende rumkommt. Wenn man allerdings nur noch for free spielt oder in manchen Fllen sogar noch Geld drauflegen muss, oder Dienstleistungen erbringt (Stichwort Ticketverkauf), dann fngt die Band an, einen langsamen Tod zu sterben. Wahrscheinlich wissen die Veranstalter das, aber die sind ja genauso beschissen dran. Kleinere und mittlere Clubs kmpfen genauso ums berleben wie wir Bands. Das Resultat des Ganzen ist unsere magere Konzertreihe von bis dato nur 10-20 Konzerten im Jahr. Wir sind aber sehr optimistisch, dass uns das das neue Album einen ordentlich Push verleihen wird, und genug Aufmerksamkeit erregen wird, damit wir dieses oder nchstes Jahr ordentlich rum kommen werden und viel mehr Shows spielen knnen. Ich erhalte Mails von Fans aus ganz Europa und auch aus Japan. Das Interesse an einer Victorius Tour wchst. Darauf arbeiten wir hin.

Musste denn ein Titel wie "Metal Heart" sein, da erwartet doch jeder ne Accept Covernummer!

Andreas: Ich sehe das Problem nicht. Wenn man sich beide Songs anhrt, finden sich keinerlei Parallelen. Da wir nicht die grten Accept-Fans sind, hat sich die Assoziation zum Accept Song in der Songwritingphase auch nicht ergeben. Die beiden Songs kommen einfach aus verschiedenen Generationen. Wir sind junge Musiker. Die knstlerische Freiheit, einen Song "Metalheart" oder meinetwegen "Angel of Death" zu nennen, nehmen wir uns einfach.

Coversongs sind bei euch keine vorhanden, oft ist das nur Zeitschinderei. Wie siehst du dieses in den letzten Jahren sehr grassierende Phnomen?

Andreas: Ich hre mir gutgemachte Coversongs gerne an. Das dieses Phnomen berhand nimmt, ist wohl damit zu erklren, dass junge Bands sich ein lteres Publikum erspielen wollen. Ob wir selbst Coversongs einspielen werden, wei ich jetzt noch nicht. Falls es passiert, dann jedoch als Bonustrack zum vollstndigen Album und nicht als Ersatz fr fehlende Kreativitt.

Was strt dich denn an der heutigen Metalszene so sehr, dass es dir oft in den Sinn kommt?

Dirk: Ehrlich gesagt strt mich an der heutigen Metalszene nicht wirklich etwas. Ein bisschen rgerlich finde ich es nur, dass diverse Magazine anscheinend zu sehr auf Oldschool bzw. 80's Metal eingeschossen sind, und grundstzlich erstmal alles schlecht machen was nach etwas neuem oder frischem klingt. Zieh dir Spandexhosen an und du wirst gepusht, trage Eyeliner und du wirst zerrissen. Auerdem rgert es mich, dass wohl viele Metalfans den Bezug zur CD verloren haben. Es heit ja immer, dass der Metalfan Wert darauf legt einen physischen Tontrger seiner Lieblingsbands zu besitzen. Wrde dies wirklich so sein, gbe es allerdings weniger Bands die wirklich ums berleben kmpfen mssen. Und auch kleine Bands, wie wir, haben so nur geringe Chancen wirklich "hoch zu kommen".

Das ist ein gutes Schlusswort, was ich nur untersttzen kann: Image und Klamotten sollten nicht ber der Musik stehen!

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