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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DAGOBA
Französischer Metal zwischen Zerstörung und Emotionen!
Stephan Mertens
www.facebook.com/dagoba




Aus Frankreich erreichen uns in letzter Zeit etliche, bisher hier unbekannte Metal Bands. Da steckt unheimlich viel Potential und es gibt eine Menge zu entdecken. Eine dieser "Neuentdeckungen" ist bereits seit Ende der 90er-Jahre im Geschäft und hat wirklich gute Chancen, mit ihrem mittlerweile fünften Album "Post Mortem Nihil Est", auch in Deutschland durchzustarten. DAGOBA können es in meinen Augen mit ihrer frischen Mischung aus modernem High Tech Thrash und melodischem, wie brutalem Deah Metal sogar mit den ganz großen der Szene aufnehmen. Der Sänger der Truppe, der sich bezeichnenderweise Shawter nennt, stand mir Rede und Antwort.


Mit "Post Mortem Nihil Est" habt Ihr bereits euer fünftes Album herausgebracht. In Frankreich habt euch ihr euch in der Metal Szene schon lange einen Namen gemacht. Bei uns hat es leider noch nicht zum großen Erfolg gereicht. Könntest Du unseren Lesern kurz mitteilen, was DAGOBA musikalisch sowie inhaltlich heute ausmacht?

Wir spielen dunklen Heavy Metal, mit brutalen Riffs und einer Menge Kinofilmatmosphäre, zu komplexe Strukturen sind nicht wirklich unser Ding. Wir mögen es, wenn die Musik klar und universell verständlich ist. Unsere Botschaft ist ziemlich einfach: Wir lieben Zerstörung!

Wenn man sich im Internet informiert, heißt es mehrfach, dass Ihr Euch ursprünglich als Progressive Death Metal Band gegründet habt. Musiker verbessern im Laufe der Zeit ihre Fähigkeiten am jeweiligen Instrument und werden sicherlich auch offener für andere Spielarten. Wie wichtig ist die Entwicklung in eurer Musik? Versucht ihr bei einem neuen Album bewusst, neue Wege einzuschlagen?

Natürlich experimentieren wir gerne und probieren Neues aus und ja, wir sind auch offen für verschiedenste Arten von musikalischen Einflüssen. Ich interessiere mich beispielsweise sehr für Filmsoundtracks und liebe es, neue Klänge und Wege zu entdecken, um Gefühle auszudrücken. Aber das Wichtigste als Teil einer Metal Band, also neben der großen körperlichen Herausforderung, ist es, die Musik so kompakt und gut wie möglich zu gestalten. Man kann sagen, Musik ist unsere Leidenschaft, daher versuchen wir ständig, weitere Emotionen zu transportieren. Andererseits achten wir auch darauf, dass unser Metal dabei so brutal und präzise, wie möglich bleibt. In gewisser Weise ist das schon eine Entwicklung

Dagoba

Ich habe mich mit eurer neuen Scheibe beschäftigt und stelle fest, dass die sich Qualität der Produktion im Vergleich zum Vorgänger "Poseidon" stark verbessert hat. Wie seid Ihr auf den ehemaligen MACHINE HEAD und SOULFLY Gitarristen Logan Mader als Produzent gekommen?

Viele Dinge sind ziemlich neu für uns bei dieser Platte. Zum ersten Mal haben wir zwei verschiedene Gitarristen (Z und ich) aufgenommen, um eine stärkere Soundwand zu erzeugen. Etwas kräftigeres, solideres... . Nachdem wir unsere Ideen und Vorgaben an Logan geschickt haben, war er voll dabei und machte es für uns möglich, zu ihm nach L.A. zu reisen um das Album gemeinsam zu mischen und zu mastern. Das war sicherlich der Hauptgrund für die Verbesserung. Er ist wirklich ein großartiger Produzent und unsere Musik hatte seinen fetten, amerikanischen Sound nötig. Ich habe dir ja schon gesagt, dass Zerstörung unser Ding ist. Verdammt! Logan weiß genau, wie man das am besten umgesetzt bekommt! Ich kann es kaum erwarten, wieder zurück in das Darth Mader Studio zu kommen!

Mir haben sich Vergleiche mit Werken von FEAR FACTORY oder eben auch dem letzten MACHINE HEAD Album "Unto The Locust" aufgedrängt. Der Wechsel zwischen komplexen Songstrukturen und eingängigen, melodischen Passagen gelingt euch ebenso gut, wie den alten Hasen. Habt Ihr diesmal länger an den einzelnen Stücken gearbeitet? Kannst Du uns ein paar Eindrücke aus dem Entstehungsprozess von "Post Mortem Nihil Est" vermitteln?

Zum ersten Mal schrieb ich das ganze Album in einem Rutsch alleine, und die anderen waren mit jedem einzelnen Song zufrieden. Wir haben nicht übermäßig viel Zeit investiert, um Riffs oder Strukturen hier und da zu ändern. Das ganze Projekt spiegelte und wird immer die Arbeit von uns allen widerspiegeln, so aufrichtig, roh, ehrlich und finster, wie es ist. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen dieser Scheibe und unsere bisherigen.

Parallel zum Einsatz des neuen Gitarristen Z, habt ihr euren Stil weiter vom Death Metal weg, hin zu einer ganz eigenen Definition von Heavy Metal entwickelt. In wie weit ist euer neues Bandmitglied dafür mitverantwortlich?

Z schloss sich uns erst ein Jahr, nachdem das ganze Album geschrieben war an, so konnte er leider noch nicht seinen Stil und seine Ideen in die Kompositionen mit einbringen.

Ihr könnt nicht leugnen, dass die neuen Songs um einiges eingängiger sind, als euer bisheriges Schaffen. Ich muss unter anderem an den klar gesungenen Refrain von "Oblivion Is For The Living" denken. Hat diese Entwicklung auch einen kommerziellen Hintergrund? Ich gönne jedem Musiker, dass er von seiner Kunst leben kann, sehe bewusstes Erweitern der Zielgruppe allerdings eher kritisch. Wie siehst Du das?

Natürlich scheren wir uns einen Dreck um diese Kommerz-Scheiße. Ich wollte einfach, dass sich die Singstimmen in hohem Krontrast gegenüberstehen, so habe ich meine Death Metal Growls tiefer als je zuvor, und meine klar gesungenen Passagen noch sauberer als bisher gestaltet. Das Ziel war es, die bösen Momente wirklich depresiv und brutal, und die Refrains so positiv wie möglich erklingen zu lassen. Wenn ich wirklich kommerziellen Schrott machen wollen würde, könnte ich einfach direkt von Anfang bis Ende alles mit der klaren Stimme singen und müsste meinen Schlagzeuger überreden, auf sein maschinengewehrartiges Doublebassspiel zu verzichten (lach).

Wir bekommen in den letzten Monaten immer mehr Rezensionsmaterial aus Frankreich. Ob Black, Melodic oder Death Metal, die Szene scheint derzeit zu explodieren. Was glaubst Du, woran das liegt? Sind es die technischen Möglichkeiten heutzutage oder hat es etwas mit der gesellschaftlichen und politischen Lage in Eurem Land zu tun?

Dagoba

Politik oder die Gesellschaft hat absolut nichts damit zu tun. Ich denke, wir waren einfach ein bisschen spät dran. So wie sich amerikanisches Essen seit Jahrzehnten verbessert, in Kalifornien findet man heute zum Beispiel ausgezeichnete Weine, so findet man jetzt einige gute Metal-Bands in Frankreich! Wir können uns glücklich schätzen, schon eine ganze Weile auch im Ausland spielen zu dürfen. Auch wenn wir noch einen weiten Weg vor uns haben, zu spät ist es noch noch lange nicht, hahaha!

Wenn ich richtig informiert bin, seid Ihr in Marseille aufgewachsen. In Deutschland sieht man die Städte in Südfrankreich am ehesten als schöne Urlaubsorte. Das ist natürlich sehr oberflächlich, wie würdest Du den Einfluss der Stadt auf eure Musik und die Gründung von DAGOBA beschreiben?

Unsere Stadt ist leider keine große Inspiration für Metal! Hier gibt es nur Sonne und Meer, da ist keine Loch Ness Legende oder Wikingermythologie in der Nähe, hahaha! Wir sind hier wirklich weit weg von fast allem, was in Europa mit Heavy Metal zu tun hat. Jedes Mal wenn wir auf Tour gehen, müssen wir Tausende Kilometer fahren... aber ich liebe diese Stadt, ich bin stolz darauf, aus Marseille zu kommen und die Deutschen haben Recht: es ist ein schöner Urlaubsort. Also, wenn ich mal nicht auf Tour bin, kann ich hier bestens entspannen!

Welche Art von Musik mögen die Mitglieder von DAGOBA? Gibt es vielleicht noch den ein oder anderen Geheimtipp, den man unbedingt antesten sollte?

Die meisten von uns hören Metall. Aber dann auch alle möglichen Spielarten von Motley Crue bis hin zu Death. Ich neige dazu, mir aus allen Richtungen das für mich interessanteste rauszupicken und zu entdecken. Wie ich schon sagte, höre ich gerne Filmmusik. Zum Beispiel mag ich die Arbeit von Michael Giacchino, der für die Musik der Fernsehserie "Lost" verantwortlich ist. Ich höre auch Elektrozeug und manche Pop Bands, weil ich denke, dass es wirklich wichtig ist, sich den Sinn für das Einfache und Melodische zu bewahren. Ich genieße Death und Black Metal sehr, aber manchmal finde ich "Easy Listening" Musik auch toll. Blastbeats sind gut, wenn man sie nicht zu inflationär einsetzt.

Für viele Bands ist die Umsetzung von neuem Material auf der Bühne eine große Herausforderung. Wie sieht es mit zukünftigen Live-Aktivitäten aus? Habt Ihr die Möglichkeit und die notwendige Unterstützung, um eine größere Europa-Tour zu starten?

Wir werden alles tun, um in Bestform wieder in Europa durchzustarten. Wir erwarten in kürze eine positive Nachricht unseres Agenten für Frankreich, weitere europäische Länder und Amerika. Wir können es kaum abwarten, das Touren liegt uns im Blut!

Vielen Dank für die Antworten. Ich wünsche Euch auf jeden Fall alles Gute und viel Erfolg mit der neuen Scheibe! Alleine schon vom musikalischen Anspruch her, hättet Ihr es absolut verdient, auch außerhalb Frankreichs bekannter zu werden.

Danke Kumpel!

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