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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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VOLBEAT
Die Elvis-Metaller gehen steil!
Martin Stark
www.volbeat.dk


Rob Caggiano, seit wenigen Wochen neuer Gitarrist bei den dnischen Rockabilly-Metallern von VOLBEAT, die mit ihrem mittlerweile fnften Album wohl endgltig ihre Meisterprfung ablegen, kann punkten. Unmittelbar vor einem Konzert in Denver, Colorado auf der bereits zu groen Teilen ausverkauften und ausufernden US-Tour, erwischen wir den gebrtigen New Yorker irgendwo in der gespannten Leere zwischen Soundcheck, Catering, Meetings und dem Gig.

Der ehemalige und langjhrige Anthrax-Sechssaiter, der auch schon eher modernere und extremere Kapellen wie 36 Crazyfists oder Cradle Of Filth produzierte, war zunchst "lediglich" als Produzent des neuen Volbeat-Albums vorgesehen, jedoch muss die Chemie zwischen den drei verbliebenen Ur-Mitgliedern Michael Poulsen (v/g), Anders Kjlholm (b) und Jon Larsen (d) auch in kreativer und vor allem menschlicher Hinsicht schnell gestimmt haben:

Sie gingen als eine Band mit drei Mitgliedern ins Studio und kamen mit mir als viertem Mitglied wieder heraus. Die Art der Zusammenarbeit und auch der Umgang zwischen uns war von Anfang an etwas Besonderes. Dennoch traf mich die Entscheidung, mir ein Angebot zu machen, im ersten Moment wie ein Blitz, denn schlielich bin ich ja kein Dne (grinst). Ich kann mich nicht erinnern jemals so aufgeregt und erwartungsfroh bezglich einer neuen Band oder einem bestimmten Sound gewesen zu sein.

Volbeat

Das ein neues Mitglied einer (sehr erfolgreichen) Band bereits wenige Wochen nach Einstieg Interviews gibt, drfte nicht nur leicht verwundern, sondern darf vor allem als uneingeschrnkter Vertrauensbeweis gedeutet werden. Wobei gerade auf Tour die Aufgaben vermutlich bewusst breiter verteilt werden, da nach wie vor der charismatische Snger nicht nur unverwechselbares Aushngeschild, sondern auch die magebliche treibende Kraft hinter dem Phnomen Volbeat ist. Die Tatsache, dass Michael Poulsen seine Omniprsenz und Energie schon das eine oder andere Mal mit gesundheitlichen Problemen bezahlen musste, blieb der ffentlichkeit nicht verborgen.

Ich traf die Jungs das erste Mal vor ein paar Jahren bei einer Big Four-Show irgendwo im Osten Europas. Mir gefiel sofort ihre Einstellung, die Professionalitt und das es einen Sound wie ihren damals so noch nicht gab und bis heute auch in der Form von keiner anderen Band gibt.

Der bekennende Misfits-Fan scheint nach langen und sicher teilweise turbulenten Jahren bei der Thrash-Institution Anthrax, so sieht es unverkennbar aus, endlich seine wahre Bestimmung gefunden zu haben.

Mir ist es jedoch sehr wichtig klarzustellen, dass mein Entschluss Anthrax zu verlassen im Grunde schon lnger feststand und nichts mit Volbeat zu tun hat. Viele Leute werden es falsch verstanden haben, als ich auf meine Zukunft angesprochen mehrfach betonte, mich mehr auf die Produktion von Musik als auf das Spielen an sich zu beschrnken. Ich wollte nie die Gitarre ganz aus der Hand legen und aufhren ein aktiver Musiker zu sein. Das stand nie zur Debatte, auch wenn die grobe Planung bis vor ein Wochen eine komplett andere war.

Nachdem die Zusage fr die Produktion erfolgte, reiste der Wunschproduzent nach Kopenhagen und auch wenn bereits einige Songs fertig geschrieben waren, konnte man noch gemeinsam an verschiedenen Stcken arbeiten und aus der ursprnglichen Idee den ehemaligen Anthrax-Gitarristen lediglich spontan einige Soli einspielen zu lassen wurde schnell mehr, viel mehr. Schnell verliefen auch die eigentlichen Aufnahmesessions, denn nach knapp drei Wochen waren die meisten Songs im Kasten. Auch die Vorgabe der Band, die Produktion mglichst nah an den energiegeladenen Live-Sound, der die Dnen seit je her auszeichnet, anzunhern, der ein nicht zu unterschtzender Faktor fr den groen Erfolg darstellt, wurde perfekt umgesetzt.

Volbeat

Die Magie, die ganz besonderen Vibes, die Volbeat in meinen Augen einzigartig machen, muss man einfach hervorheben. Obwohl oder gerade weil unsere Maxime war, smtliche Formeln, die vermeintlich existieren, zu brechen, traten die Stken hervor. Deshalb ist meiner Meinung nach das neue Album dieses Biest geworden, das da auf die Fans zukommt.

So wird Mr. Caggiano nun kurzfristig seine persnliche Lebensplanung auf den Kopf stellen mssen, sind die vier Musiker doch die nchsten Monate praktisch ununterbrochen auf Tour. Ein Umstand, der dem Amerikaner schnell und unvermittelt bewusst wurde. Die erste Feuertaufe fr die neuen Songs sowie den neuen Mann an den Saiten galt es wenige Tage vor dem Start besagter umfassender US-Tour im beschaulichen Dnemark zu absolvieren. Die Reaktionen der Fans bei der in kleineren bis mittelgroen Hallen absolvierten Warm-Up-Tour fiel dann auch entsprechend warm oder besser gesagt hei aus, wie der Neue zu berichten wei.

Die Zuschauer lieben die alten wie die neuen Stcke und es fhlt sich groartig an, mit dieser einzigartigen Band die Bhne teilen zu drfen. Aber auch oder vor allem die Amerikaner, die schon mehrfach in den Genuss umfangreicher Gastspielreisen der Dnen kamen, sei es als Support von beispielsweise Nightwish oder auch als Headliner wie aktuell auch, nehmen die Band weniger als europisch oder gar dnisch wahr, sondern vielmehr als eine Band mit einem eigenen Sound. Diese Denkweise ist typisch europisch, die Amerikaner denken da anders, viel universaler. Gerade in Amerika tauchen so unfassbar viele Bands aus dem Nichts auf und es wird immer wichtiger, dass die Leute schlicht und ergreifend eine Verbindung zu einer Band aufbauen. Ist das geschehen, ist alles andere wie Herkunft oder Geschichte relativ egal.

Die erste Single, eine leicht poppige, aber mit typischem Volbeat-Sound ausgestattete Nummer (Cape Of Our Hero) mit starkem Ohrwurm-Charakter besitzt textlichen Tiefgang und beschftigt sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen, hier eines im Krieg gefallenen Soldaten. Gerade in Amerika aufgrund der aktuellen Tagespolitik ein mehr ein heikles Thema, aber wie so oft liegt es im Auge oder besser im Ohr des Betrachters beziehungsweise Hrer, wie gerade die im dazugehrigen Video erzhlte (tragische) Geschichte eines Jungen, der seinen geliebten Vater an den Irrsinn Krieg verliert, beweist.

Volbeat

Die Texte auf dem neuen Album, sofern es sich nicht um eine der Geschichten ber Wildwest-Helden handelt, sind offen fr persnliche Interpretation, das macht doch Lyrics allgemein so spannend, jedenfalls wenn sie nicht zu platt ausfallen.

Rob Caggiano spricht, als gehre er schon ewig zur Band und man glaubt ihm ohne Umschweife. Dann gibt es eine Nummer auf Outlaw Gentlemen & Shady Ladies, die ganz alleine fr sich steht, und das nicht nur weil auf eben jenem Room 24 niemand Geringeres als King Diamond, bekanntermaen ein Landsmann von Poulsen und Co, einen seiner seltenen Gastauftritte hinlegt und dabei in gewohnt einzigartiger Manier berzeugt.

Ja, der Song ist sicherlich anders als der Rest des Materials, aber in seinem Kontext funktioniert er gut und vor dem Hintergrund, dass wir alle riesige Anhnger seiner Musik sind. Mann, Abigail ist eine der genialsten Platten auf diesem Planeten und dann singt der King pltzlich auf einem der Songs auf der Platte an der du gerade arbeitest. Schon alleine mit ihm zu telefonieren war cool.

Volbeat scheinen nach wie vor, also auch nicht nach fnf starken Langrillen, noch lange nicht am Limit angekommen zu sein. Es wird spannend werden, zu beobachten, welche Gipfel die Band noch erklimmen kann. Im Laufe des Jahres stehen auch vereinzelte Gastspiele in Deutschland und Europa auf dem Plan, allesamt in grerem bis ganz groem Rahmen versteht sich. Man darf gespannt sein. Volbeat sind im Begriff einen weiteren groen Sprung zu schaffen.

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