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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ALPHA TIGER
Wollen und müssen auffallen!
Thorsten Dietrich
www.alphatiger.de


Die junge, ostdeutsche Metalband Alpha Tiger ist mit ihrem zweiten Album beim großen Indielabel Century Media gelandet. Gute Musik und eine stark besuchte Tour als Support versprechen Gutes! Wir sprachen mit Frontmann Stephan Dietrich über Musik, Outfit und schwierige Altstars.

Hallo Stephan, wie kommt man als recht junger Mensch eigentlich zu der musikalischen doch sehr 80s lastigen Ausrichtung deiner Band Alpha Tiger?

Hallo! Ich muss zugeben, dass meine Begeisterung für die 80s erst so richtig durch Alpha Tiger entstanden ist. Als ich bei den Jungs als Sänger angefangen habe und wir erkannten, was plötzlich gesanglich alles möglich war, gab uns der 80s Metal sehr viel Inspiration für eigene Songs. Die vielen grandiosen Bands mit ihren Hammeralben haben mich sehr begeistert und ich begann eine Leidenschaft dafür zu entwickeln.

Hast du durch deine Band auch einige deiner Idole getroffen und war es schön oder teilweise ernüchternd?

Auf dem "Rock Hard Festival" letztes Jahr habe ich Michael Kiske kennengelernt. Ein Sänger der auch mich inspiriert hat. Ich war etwas überrascht, dass er ein etwas introvertierter und stiller Typ ist. Ich hätte ihn mir etwas offener vorgestellt, aber das ist ja nichts, was man als ernüchternd beschreiben würde.

Alpha Tiger

Wieso habt ihr den alten Bandnamen Satin Black (eine CD & EP) eigentlich abgelegt?

Der Name Satin Black ist in der Anfangszeit ungefähr drei Stunden vor dem ersten Gig als provisorische Lösung entstanden und hat sich dann mit der Zeit festgesetzt, ohne dass sich darüber jemand Gedanken gemacht hat. Aber wir waren irgendwie nie wirklich mit dem Namen zufrieden, weil er nicht so richtig zu uns passte. Mit der ersten großen Veröffentlichung von "Man Or Machine" sahen wir die Chance uns einen neuen Namen zu geben, der besser unserem Stil entspricht.

Dem Klischee nach, gibt es in Ostdeutschland eher härtere Bands in Sachen Metal und auch was die Touren / Festivals betrifft sagt man immer, dass dort eher die Härtner gut ankommen. Wie sind denn deine Erfahrungen mit diesem Umstand?

Das stimmt. Vor allem Sachsen ist, was das betrifft, sehr schwarzmetallisch. Interessanterweise kommen wir in den meisten Fällen trotzdem sehr gut an, weil es die Leute einfach cool und kultig finden. Ich kenne viele Leute aus dem härteren Metalbereich, die mir das immer wieder bestätigen.

Sei nicht beleidigt, aber eure Promovideos und Fotos empfinde ich aufgrund der Klamotten eher belustigend. Warum lauft ihr eigentlich in diesem Retrooutfit herum. Braucht man das, um als junge Band aus der Masse zu stechen?

Natürlich! Das erzeugt ja auch unseren Wiedererkennungswert. Es ist unverkennbar, dass die Oldschool-Metalszene seit einiger Zeit wieder richtig im Kommen ist. Als Künstler ist es wichtig, dass man seine Musik und Leidenschaft auch optisch nach außen verkörpert.

Musikalisch empfinde ich eure neue Scheibe eher als eine alte Fates Warning ohne Prog Appeal plus diverse US Sachen, also sehr NWOBHM. Wie unterschiedlich waren bisher die Reaktionen und wie siehst du die musikalische Ecke selbst?

Auf jeden Fall haben wir uns stilistisch mit dem neuen Album mehr in Richtung US-Metal bewegt, wobei meiner Meinung nach eine stärkere Prog-Note sehr wohl zu erkennen ist. Die meisten Reaktionen gehen ebenfalls in diese Richtung. Der NWOBHM-Einfluss beschreibt eher weniger unsere Musik in den aktuellen Reviews.

Ich mag hohe Sänger und ich "HASSE" diverse hohe Nervsänger. Kann es sein, dass dein Gesang um einiges massenkompatibler als auf dem Debüt klingt?

Alpha Tiger

So ist es und ich wollte mit der neuen Scheibe auch direkt darauf hinarbeiten. Für mich als Sänger ist es wichtig, ein breites Spektrum in punkto Gesangsstilistik vorweisen zu können und ob du es glaubst oder nicht, ich gehe mir mit den High-Pitched-Vocals manchmal sogar selbst auf den Sack.

Das nenne ich dann mal Selbstkritik! Viele Booklets sind heute bewusst aufwendig gestaltet mit Bildern und Artworks pro Song. Bei euch und Enforcer hat man das Gefühl es wurde eher bewusst das Gegenteil versucht zu machen, liege ich da richtig?

Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist ein Album mit jedem einzelnen Song als gemeinsames Ganzes verdeutlicht darzustellen. Allein schon das Album-Cover sollte aussagekräftig genug sein, um auf den Inhalt der Songs zu schließen. Dazu bedarf es keiner allzu aufwendigen Booklet-Gallerie.

In Sachen Artwork habt ihr euch an Ed Repkas Thrash Artworks der 80s orientiert, steht ihr auf diese Art oder war da eine andere Intention?

Also ich persönlich habe eine Vorliebe für diese 80’s Thrash Artworks. Und weil unsere Musik ziemlich oldschoolig klingt, haben wir das auch als Leitfaden genommen. Es gibt ja Kollegen die sagen auf Fragen nach kurzen Alben, dass man die Vinyllänge im Kopf hatte (oder andere Ausreden).

Euer Werk ist da ja recht lang und das Digi hat ja sogar zwei Bonustrack. Plant man als Band eine Albumlänge oder wolltet ihr euch von keinem Song trennen?

Nein, ich denke eine Albumlänge zu planen wäre der falsche Weg. Musik kennt keine Grenzen. Wir komponieren so lange an einem Song, bis er alles enthält, was eine gute Komposition eben ausmacht, um uns eben von Keinem trennen zu müssen. Und so lange wir das Gefühl haben "Moment! Irgendwie fehlt da noch was." ist ein Song einfach noch nicht fertig. Eigentlich war ja auch eine EP im Frühjahr 2012 geplant, aber wir haben uns dann doch entschieden alles mit aufs neue Album zu packen.

Eure Bonustracks sind ja bekannte Coversongs von Kultbands. Diese sind aber schon öfters mal neu interpretiert worden. Warum habt ihr keine anderen Lieder dieser Bands genommen?

Weil die Songs uns selbst sehr gut gefallen und wir davon ausgehen können, dass unser Publikum diese Songs kennt und live immer sehr gut ankommen. Deswegen werde ich auch immer wieder gefragt, ob wir beim nächsten Konzert doch bitte bitte wieder "Queen Of The Reich" spielen können.

Woher habt ihr denn die Idee gehabt "solche Musik" zu machen, ihr seid ja noch recht jung und damit sicher nicht aufgewachsen, oder?

Alpha Tiger

Das stimmt zwar, aber durch meinen Bandeintritt im Jahre 2009, und mit dem gesanglichen Potential, was ich mitbrachte, wurde mehr und mehr klar, dass sich unsere Musik letztendlich in Richtung des oldschooligen Heavy-/Speed-Metals entwickeln würde. Und wer sich unsere Alben anhört, merkt auch, dass überhaupt kein Weg daran vorbei geführt hätte.

Auf eurem Label seid ihr ja die einzige Band eurer Art und ich war auch verwundert, dass ihr dort unter gekommen seit. Siehst du das als Vorteil der Paradiesvogel bei CMR zu sein?

Auf alle Fälle! Bei Century Media, als eins der größten Metallabels in Europa, wird Promotion und Marketing in einem viel größeren Stil betrieben. Als Paradiesvogel sticht man da natürlich heraus und es ist uns völlig egal, ob sich die Metalfans härterer Gangarten z. B. auf dem youtube-Channel über uns aufregen. Wir gewinnen durch das Gerede nur mehr Fans, die davon überzeugt sind, dass wir genau das Richtige tun.

Abschlussfrage: Ihr wart auf Tour mit WASP und da war ja sicherlich viel Publikum. Hat es sich gelohnt, man hört über Blackie nie was gutes (aber über seine netten Mietmusiker)?

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Mit der Tour haben wir nochmal richtig viel Werbung für "Beneath The Surface" machen können und natürlich sammelt man auf so einer Tour sehr viele neue Erfahrungen, wenn man mit einem der schwierigsten Musiker im Metalbusiness unterwegs ist. Wir haben auf der ganzen Tour kein Wort mit ihm gewechselt, weil er immer seine Ruhe wollte. Hingegen ist Gitarrist Doug Blair ein sehr sympathischer und humorvoller Typ, der auch den Kontakt zu den Fans sehr pflegt.

Darum schaue ich mir, liebe Leser solche Headlinerbands mit kurzen Spielzeiten und seltsamen Frontmännern auch nicht mehr an. Aber Alpha Tiger sind da sicherlich die bessere Alternative. Checkt die live und auf CD mal an!

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