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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DANTE
Keine Stehlampen im Sonnenblumenkostüm!!!
Alexander Meyer
www.danteband.de


DANTE haben unlängst mit "November Red" ihr drittes Album veröffentlicht. Höchste Zeit den Münchner Powerproggern hier einmal auf den Zahn zu fühlen. Wie bei dieser Art von Musik nicht anders zu erwarten, erweist sich Keyboarder Markus Maichel als intelligenter und eloquenter Interviewpartner, der uns einen tiefen Einblick in den Bandkosmos von DANTE gewährt.

Zunächst einmal Gratulation zu "November Red"! Was unterscheidet aus deiner Sicht das neue Album von den beiden nicht minder grandiosen Vorgängern?

Dante

Danke, freut mich sehr, dass Dir das Album gefällt! Es ist immer schön, so positives Feedback zu bekommen, nachdem man so lange Zeit soviel Energie hineingesteckt hat! Ich denke, "November Red" ist einerseits eine logische Fortsetzung der beiden ersten Alben, ist aber sicher auch das ambitionierteste und eigenständigste Album. Irgendwie gehören "The Inner Circle" und "Saturnine" sehr eng zusammen, auch wenn das so nicht unbedingt konzeptionell angelegt war, das hat sich schlicht so entwickelt. "November Red" ist inhaltlich noch verwobener und komplexer geworden, aber eben auch gleichzeitig noch mehr auf den Punkt. Es zieht sich sehr stringent ein kompositorischer roter Faden durch alle Songs, die Anordnung der einzelnen Songs auf der Platte ist da sehr durchdacht. Nur zum Beispiel: Das Piano, das "Birds Of Passage" beginnt und beendet, wird im Pianothema von "The Lone And Level Sands" aufgegriffen, das ist derselbe Sound. Dann kommt die Klavierballade. "The Day That Bled" endet mit dem Drum"solo" und es geht dann direkt mit einem Drum-Auftakt hinein in "Shores Of Time". Bei "Allan" wird der Bass als Song-tragendes Instrument eingeführt und es taucht gegen Ende die Thema-Querflöte in Verbindung mit dem Rhodes auf, "November Red" beginnt dann eben genau wieder mit dem sehr präsenten Bass, und dieselbe Querflöte spielt am Anfang und gegen Ende des Songs ein zentrales Thema, wieder begleitet vom Rhodes. Und wenn man vom FadeOut des Songs wieder in das Intro von "Birds Of Passage" springt, also an den Anfang der Platte, geht auch das. Auch musikalische Motive tauchen, gerne auch in Variationen, hier und da auf der Platte verteilt auf. Da gibt es noch einiges, was den inneren Zusammenhalt der Platte ausmacht. Zudem haben wir sicher auch produktionstechnisch eine ganze Schippe draufgelegt!

Wow! Bemerkenswert wieviel Detailarbeit in den Kompositionen steckt. Markus, du zeichnest dich auch für die Texte verantwortlich. Meist ist das ja Angelegenheit des Sängers. Hat euer Sänger Alexander Göhs einfach keinen Bock darauf oder ist dein Englisch einfach besser? Woher nimmst du deine Inspiration? Welche Geschichten erzählst du?

Das liegt schlicht darin begründet, dass DANTE zu Beginn ja eine ganze Zeit lang ein Projekt von Markus Berger und mir war, bevor Alex und die anderen dazukamen. Mir war es schon zu Beginn wichtig, dass DANTE sehr poetische Texte hat, und da habe ich mich dann von Beginn an drum gekümmert und die Lyrics geschrieben. Gerade "The Inner Circle" war ein sehr poetisches Projekt, mit sehr gedichthaften Texten. Auf "Saturnine" sind wir da etwas von dieser ausgeprägt poetischen Linie abgewichen sind – wir wollten da nicht nochmals das Gleiche machen, aber die Texte habe weiter ich geschrieben, das war da eben einfach so und lief gut, zumal Alex damals auch noch eine andere Band hatte, in der er textlich das Zepter schwang. Für "November Red" hat Alex dann aber auch seinen Teil zu den Texten beigetragen und wir sind bewusst wieder mehr in die bildhafte, poetische Richtung gegangen. Mir persönlich geht es bei den Texten um das Lyrische, den Wohlklang, um das vermittelte Bild und die erzeugte Stimmung. Ich bin absolut kein Freund sehr direkter und "realer" Songtexte und Gedichte – für so etwas sollte man dann eher politische Kampfschriften schreiben oder die Selbsthilfegruppe aufsuchen. Aber bitte keine Songtexte verfassen. Inhaltlich ist da viel Melancholie und Nachdenklichkeit, viel Sehnsucht und die Suche nach verborgener Schönheit und auch nach sich selbst. Aber wie gesagt, im Endeffekt geht es mir darum, beim Lesen der Texte Stimmungen, Gefühle und Assoziationen zu wecken.

Ihr präsentiert euch höchst ambitioniert: Drei künstlerisch wertvolle Artworks, eingebettet in hochwertige und liebevoll gestaltete Booklets, sowie ein professioneller Internetauftritt in englischer Sprache. Was wollt ihr mit DANTE erreichen?

Es war uns immer wichtig, dass wir ein hochwertiges Gesamtpaket anbieten. Wir wollen anspruchsvolle und gute Musik schreiben, mit guten und anregenden Texten, und als Fans des Albumformats ist uns auch das aufwändige Booklet eine Herzensangelegenheit. Und natürlich gehört ein professioneller Auftritt einfach dazu, wir sind ja schlicht auch keine Garagenband. Was wir erreichen wollen: Zu allererst wollen wir weiter die bestmöglichen Songs schreiben und gute Alben herausbringen. Das Tolle (und auch Beruhigende!) ist, dass wir das auch immer komplett im Alleingang könnten – zu wissen, dass wir Alben selbst schreiben, selbst aufnehmen und auch produzieren können, dass wir das komplette Artwork in Eigenregie ebenso stemmen können wie die professionelle Webpräsenz - das ist schon sehr schön! Aber natürlich sind wir mehr als froh, jetzt mit Massacre einen tollen Partner an der Seite zu haben, der uns unter die Arme greift. Das erleichtert doch sehr sehr viel, und die Jungs machen da einen wirklich tollen Job! Natürlich wollen wir mit DANTE so weit kommen wie möglich. Sprich: viel mehr Konzerte spielen, viel mehr Leute erreichen, bekannter werden. Dass wir mit der Art Musik keine Plattenmillionäre werden, ist uns aber natürlich klar, da müssten wir dann eher pseudo-lyrischen deutschen Gefühlsduselpop machen oder darüber rappen, wie krass unser Block in den Suburbs einer durchschnittlichen deutschen Stadt so ist...

Dante

In meiner Rezension von „November Red“ bezeichne ich euren Stil als Synthese aus Prog und Power Metal. Kannst du damit leben? Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Damit kann ich gut leben! Wir bewegen uns mit unserer Musik irgendwo im Grenzbereich zwischen Prog Rock klassischer Prägung und Progressive Metal. Ob der metallische Anteil, der sicher im Laufe der Alben an Gewicht gewonnen hat, jetzt eher in Richtung Power Metal, klassischem Heavy Metal oder einer anderen Metal-Spielart geht, ist schwer zu sagen, und da machen wir uns auch ehrlich gesagt keine Gedanken darüber. Aber Power Metal geht schon absolut in Ordnung.

Am 4. Januar verstarb euer Gründungsmitglied Markus Berger – mein aufrichtiges Beileid. Ich möchte die persönlich-menschliche Ebene, die ein solcher Verlust bedeutet, jedoch bewusst aussparen und frage mich, wie ihr die Lücke, die Markus als Hauptsongwriter und Bassist/Gitarrist hinterlässt, kompensieren werdet.

Markus´ Tod hat uns sehr getroffen. Natürlich hatten wir eine gewisse Zeit, uns darauf vorzubereiten, aber wir mussten dann eben auch feststellen, dass man sich auf so etwas eben nicht wirklich vorbereiten kann. Er fehlt mir sehr, und natürlich fehlt er uns allen auch als Musiker. Aber natürlich ist es eben auch so, dass er schon ein knappes Jahr nicht mehr aktiv an DANTE mitwirken konnte, und auch wenn es hart klingt, haben wir uns da natürlich im Laufe des Jahres auch irgendwie daran gewöhnt, dass er nicht bei der Probe dabei ist, nicht mit auf der Bühne steht...Für das Songwriting hat das natürlich auch Auswirkungen. Markus und ich waren drei Alben lang der kreative Kern von DANTE. Ich hatte da immer gewissermaßen die "Director"-Rolle inne, habe immer sehr viele Demos und Ideen vorproduziert, die wir dann zu zweit in langen Sessions zu mehr oder weniger fertigen Songdemos gemacht haben, bevor dann der Rest der Band dazukam. Für mich ändert sich im ersten Schritt rein kompositorisch gar nicht so viel, ich erstelle immer noch die Grunddemos, nur arbeite ich sie jetzt eben noch etwas weiter aus, und anstatt sie mit Markus im Team weiter auszuarbeiten, geschieht das jetzt direkt mit Alex, Chris und Markus (Bader), je nachdem, an welchem Teil gerade zu arbeiten ist. Das funktioniert auch sehr gut bis jetzt, wir kommen da gut voran mit neuem Material. Aber klar, Markus hat da in jeder Beziehung eine große Lücke hinterlassen, und gerade die langen Sessions zu zweit - das war schon etwas Besonderes, und es schmerzt, dass das nicht wiederkommen wird. Was seinen Posten als Bassist angeht: wir haben im letzten Jahr bewusst darauf verzichtet, einen Ersatz zu suchen (das hätte sich schlicht einfach sehr falsch angefühlt und war in keinster Weise Thema für uns) und haben live seinen Bass vom HD-Recorder eingespielt. So war er gewissermassen immer mit uns auf der Bühne. Aber natürlich suchen wir jetzt einen neuen Bassisten, das wird schwer genug.

Eine ähnliche Erfahrung mussten Ende letzten Jahres Beyond The Bridge machen, die mit Simon Oberender ebenfalls ein Bandmitglied verloren. Habt ihr euch darüber ausgetauscht? Im März werdet ihr gemeinsam zwei Konzerte spielen. Wie kam es dazu? Ich finde, ihr passt hervorragend zusammen!

Das finde ich auch! Der Kontakt zu Beyond The Bridge kam über Danilo Batdorf zustande, den Drummer von Subsignal und Dreamscape, der uns letztes Jahr bei einem Konzert gesehen hatte und zu dem wir schon vorher Kontakt hatten. Danilo hat dann netterweise die Beyond The Bridge-Jungs auf uns aufmerksam gemacht, die nach Bands aus der Münchner Gegend gesucht haben. Wir freuen uns sehr auf die Konzerte, Beyond The Bridge ist eine ganz fantastische Band! Und natürlich haben wir uns auch über die Todesfälle ausgetauscht, und sicher wird das im Rahmen der Konzerte auch noch weiter vertieft werden. So etwas prägt und verändert eine Band sehr, keine Frage.

Dante

Wie darf man sich eine DANTE-Show vorstellen? Mich würde vor allem die Setlist interessieren, frei nach dem Motto: Wie viele Longtracks kann ich in einem Gig unterbringen?

Als Band versuchen wir immer, den Zuschauern eine gute Show zu bieten und sie möglichst gut zu unterhalten. Natürlich können wir mit der Art Musik nicht die klassische Metal-Show machen, das ist angesichts der (technischen) Komplexität der Musik auch gar nicht möglich. Trotzdem wollen wir mehr bieten als nur gut gespielte, technisch schwierige Musik. Gerade das Prog-Genre hat ja viele "Stehlampen" im Angebot - und das ist ja auch ok. Aber unser Ansatz ist da eben ein anderer. Wenn die Location das hergibt, fahren wir immer auch Hintergrund-Visuals ab, die die Songs illustrieren und begleiten. Das geht dann sehr stark in die Richtung, die das jeweilge Album-Artwork vorgibt. Das geht aber natürlich nicht immer. Die Auswahl der Setlist hängt natürlich stark von der Spiellänge ab, aber unsere erste Priorität ist es, immer eine abwechslungsreiche und stimmige Setlist zu haben. Da werden sicher nicht zwei 20-Minüter hintereinander gespielt, nur damit man die gespielt hat und gezeigt hat, dass man Longtracks schreiben kann. Wir versuchen da immer einen guten Mix aus langen und kurzen - ok, wohl eher "weniger langen - Songs, aus härteren und weniger harten Songs und den Balladen zu finden. Aber ab einer Setlänge von 45 Minuten wird ziemlich sicher auch ein Epic dabei sein!

Famous last words: Was würdest du noch gerne loswerden? Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen? Wer wird die Bundestagswahlen gewinnen...???

Wir wünschen uns, dass "November Red" dazu beitragen wird, uns bekannter zu machen, dass wir uns und unsere Musik mehr Leuten präsentieren können und uns die Leute auch besser einordnen können. Wir erleben doch sehr oft, dass die Erweiterung "Prog" erst mal dazu führt, dass eine gewisse Grund-Skepsis entsteht - bei Zuhörern aber v.a. auch bei Veranstaltern. Viele denken da automatisch an 20-Minuten Gitarrensoli mit Ventilator vor dem Gitarristen, an Keyboarder mit ca. 40 Synthesizern auf der Bühne, an Feedbackorgien und Sänger im Sonnenblumenkostüm (an dieser Stelle muss ich gestehen: ich mag das durchaus, nur eben nicht immer!). Und stellen dann fest, wenn sie eine DANTE-Show besuchen, dass das eine unterhaltsame Show mit guter Musik ist, die nicht nur aus Instrumental-Gedüdel und Spielereien besteht und die auch anderen Leuten als Musikern gefällt und gefallen kann. Entsprechend gestaltet sich auch unser Publikum: Da ist der Alt-Rocker, der Led Zeppelin schon live gesehen hat, als die noch auf den Durchbruch warteten, ebenso dabei wie der klassische Metaller, der jeden Tag mindestens einmal "Painkiller" hört, Musiker und Musiklehrer ebenso wie Goths und komplett "normale" Leute - das ist schon sehr gemischt. Ach ja, die leidige Bundestagswahl...am großen Ganzen wird da eh kein Ausgang was ändern, und inzwischen sind die großen und größeren Parteien alle so austauschbar und inhaltsarm geworden, das ist schon fast komplett egal, wer da was mit wem macht. Schwierig - als politischer Bürger möchte ich meiner demokratischen Verantwortung nachgehen, wirklich vertreten fühlt man sich aber irgendwie von niemanden...mal sehen.

Was für ein erfrischendes Interview! Genauso wie die Alben halt. Wir sehen uns hoffentlich bei den Shows im März!

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