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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SECOND RELATION
Heimscheißer auf Weltklasseniveau!
Alexander Meyer
www.facebook.com/secondrelation


Second Relation haben mich mit ihrem grandiosen Progsound so beeindruckt, dass ich unbedingt ein Interview machen musste, um mehr über die Newcomer aus Österreich zu erfahren. Sänger Bastian Berchtold stellte sich netterweise meinen neugierigen Fragen.

Lass uns nicht lange um den heißen Brei herum reden, Bastian. Für mich seid ihr musikalische "Wunderkinder" und ich frage mich ernsthaft, wie ihr im Alter von 16 Jahren ein Meisterwerk wie "Lynette" erschaffen konntet. Wie ist das möglich?

Haha, das ist echt nett von dir! Aber "Wunderkinder" würde ich uns jetzt nicht nennen. Wir haben uns einfach sehr früh Ziele gesetzt und gewusst, was wir machen wollen! Das hat dann dazu geführt, dass wir zielstrebig zu unseren Alben gekommen sind. Das war mit sehr viel Arbeit und Konsequenz verbunden und wir haben tief in unsere kleinen Sackgeldtaschen greifen müssen. Aber das hat sich im Nachhinein definitiv gelohnt und wir sind doch sehr stolz auf unser bisheriges Werk.

Second Relation

Bastian, du spielst ja Cello. Verfügt ihr alle über eine klassische Ausbildung?

Wir haben eigentlich mehr oder weniger alle mit der Klassik in der Musikschule begonnen. Daniel und ich studieren Musik und sind ihr deshalb heute noch verhaftet. Simon hat mit klassischem Klavier begonnen, bis er zur E-Gitarre gewechselt hat und Michael paukte ein bisschen in Operetten rum bis ihm das Drumset doch besser gefiel.

Auf euren alten Promofotos tragt ihr Shirts von Bands wie Opeth, Cynic und Pink Floyd. Worin bestehen eure Haupteinflüsse?

Du hast gerade einen großen Teil genannt. Das waren die glorreichen Bands unserer Oberstufenzeit. Diese Progressive Rock Phase ist nachher etwas verflacht. Man kann ja nicht immer dasselbe hören! Letztens habe ich mir aber wieder mal "Animals" reingezogen und war wieder hellauf begeistert! Ich höre übrigens gerade die neue The Faceless Scheibe, die nur zu empfehlen ist. Ansonsten 6bin ich sehr angetan von Jazzplatten, wie zum Beispiel "Libretto" von Lars Danielsson, "Alter Ego" von Yaron Herman oder Klassikern wie "Tuesday Wonderland" von E.S.T.! Der schwedische Sound packt mich im Jazz wie im Metal. Ich kann nur für mich sprechen. Auf was die anderen Rabauken gerade so stehen, weiß ich nicht genau. So wie ich Julian kenne, hört er entweder gerade das "Human"- Album von Death oder eine Trip-Hop Platte von Ulver.

Eure beiden bisherigen Werke sind künstlerisch sehr ambitioniert. Ihr habt trotz hörbarer Einflüsse eine eigene Handschrift. Steckt ein Gesamtkonzept hinter eurem Schaffen? Welche Rolle spielt darin euer Bandname?

Diese eigene Handschrift ist uns sehr wichtig! Aber wie genau wir jetzt diese erreichen, weiß ich nicht. Unser Gesamtkonzept ist es, eine seriöse Band zu bleiben, die Alben von hoher Qualität rausbringt. Zu dem Gesamtkonzept gehört es auch, dass sich unsere Musik mit uns und unserer persönlichen Entwicklung weiterentwickelt. Unser Bandname hat absolut keine Bedeutung. Es gab Tage, da haben wir uns einen anderen gewünscht.

Worin liegen für euch die Hauptunterschiede zwischen "Lynette" und dem aktuellen Album "Abiona"? Welche Geschichten erzählt ihr darauf?

Es gibt ein paar Unterschiede. Erstens ist die Produktion besser. Wir haben in Geräte und Studio investiert. Wir haben uns beim Einspielen und bei der Bearbeitung sehr viel Zeit gelassen. Es gibt kaum etwas, was mich mehr stört als irgendein Part, der mich bei jedem Mal Anhören nervt. Klingt sehr pingelig, aber ich denke da können viele Musiker ein Lied davon singen. Zweitens sind wir im Songwriting gereift. Wir hatten mehr Erfahrung und wussten, was gut oder schlecht klingen wird. Die Story auf "Abiona" ist schlüssiger, klarer und logischer. Auf "Lynette" waren wir abstrakter unterwegs. "Abiona" handelt von drei Freunden mit unterschiedlichen Vorgeschichten. Ihre Wege münden in einem gemeinsamen Ziel, einer Stadt, in der sie sich kennenlernen und anfreunden, ihren Alltag gemeinsam mit der Hoffnung auf ein besseres, vielleicht auch sinnvolleres Leben bestreiten. Dieser Alltag wird zerrüttet indem "Abiona" sich von ihnen und der Bar in der "fox-den-street" entfernt und die Phase des Sichwiederfindens erweist sich als eine sehr schwierige.

Second Relation

Die tollen Artworks von deiner Schwester Johanna wirken wie eine optische Visitenkarte von Second Relation. Außerdem wurde das Video zu "Chance, Aim Way, Promise" anscheinend in Johannas Atelier gedreht. Könnte man sie als inoffizielles, sechstes Bandmitglied bezeichnen? Kann man ihre faszinierenden Gemälde auch kaufen?

Unser Ziel war es, beiden Alben eine künstlerische Note zu verpassen. Mit Johanna habe ich das Glück eine der talentiertesten Künstlerinnen der Welt als Schwester zu haben. Und da spricht nur ganz wenig der Bruder aus mir. Sie ist definitiv das sechste Bandmitglied und wird es sehr wahrscheinlich auf den nächsten Alben auch sein. Vielleicht auch mit ihren Bandoneon-Künsten. Kaufen kann man ihre Gemälde natürlich auch, aber man sollte ein großes Wohnzimmer haben, denn sie malt sehr großflächig. Hier gerne ihre Emailadresse für Interessenten: johanna.berchtold@gmx.at!

Apropos Video, zuletzt habt ihr einen aufwändigen Dreh in der Natur für "Velvet And Silk" gemacht. Das Ding würde sich als Werbefilm für eure österreichische Heimat gut machen. Wie wichtig sind euch die Natur und eure Heimat?

Der Dreh war sehr witzig und anstrengend, aber es hat sich gelohnt, denn ich bin davor auch selten so in Vorarlberg rumgekommen. Vorarlberg ist wie unser Filmdreher treffend sagte "eine der schönsten Kulissen, die es im Westen gibt", denn wie man im Video sieht, ist hier eine atemberaubende Berglandschaft auf engstem Raum, mit wunderbaren Seen und tiefen Wäldern. Natur ist uns also sehr wichtig und ich bin auch um ehrlich zu sein ein kleiner Heimscheißer!

Ich habe das Gefühl, dass die Musikszene in Österreich derzeit richtig aufblüht. Zuletzt habe ich viel Post von Newcomerbands, wie z.B. Experience, bekommen, aber auch ein Interview mit den Prog-Veteranen von Mayfair gemacht. Könnt ihr unseren Lesern weitere gute Bands aus eurer Heimat empfehlen?

Ich würde eher sagen, dass dies Bands sind, die schon sehr lange und eifrig dabei sind und sich langsam diese Aufmerksamkeit mehr als verdient haben! Ich höre derzeit gerne die Wiener Band "Milk+" und die Tiroler Band "Times New Roman" macht auch immer wieder von sich hören. Ich kann auch den Vorarlberger Jazzpianisten David Hellbock empfehlen.

Ihr müsstet ja mittlerweile die Schule abgeschlossen haben. Was macht ihr im "richtigen Leben"? Seht ihr die Möglichkeit von der Musik langfristig leben zu können? Wie stehen die Chancen auf einen Plattenvertrag, falls ihr einen solchen überhaupt anstrebt?

Zurzeit sind wir vor allem mit unseren Studien beschäftigt und Julian macht neben seinem Job noch die Matura (Abitur) nach. Wir hatten nie wirklich Träume von einer Rockkarriere. Uns von diesem utopischen Gedanken zu entfernen, wurde uns sehr früh eingetrichtert. Die Zeit mit Second Relation wird wohl ein intensives und professionelles Hobby bleiben. Wir hatten bereits Kontakt zu Labels und Managern. Dieser war aber bis jetzt zum größten Teil sehr 8enttäuschend.

Second Relation

Wann und wo kann man euch im neuen Jahr live erleben? Vielleicht eine kleine Tour oder ein Gastspiel auf dem "Prog Power Europe"-Festival?

Das wird man auf unserer Facebookseite www.facebook.com/secondrelation sehen, wohin es uns dieses Jahr verschlägt. Unser Motto: "Willst du gelten, mach dich selten!" Eine Tour... da müsste schon noch sehr viel passieren, also eher unwahrscheinlich.

Schön, dass es bei all den Selbstdarstellern und Möchtegern-Stars noch solch bodenständige Bands wie Second Relation gibt. Wer dies unterstützen will oder sich ganz einfach selbst belohnen möchte, bestelle sich die beiden Alben hier: secondrelation@gmx.at!

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