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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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HELL:ON
Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter!
Steffi Müller
www.hell-on.net


Hell:On aus der Ukraine beweisen, dass Metal aus Osteuropa noch viel zu selten zu uns nach Deutschland herüberschwappt. Mit ihrem neusten Werk "The Age of Oblivion" wurde ich das erste mal auf diese Band aufmerksam, die sich nun das Ziel gesetzt hat, auch die deutschen Metal-Fans von ihrer Kunst zu überzeugen. Ein Unterfangen was mit ihrer Musik keinesfalls mehr unmöglich sein wird. Gitarrist Alexey Pasko erläuterte mir schließlich die musikalischen Besonderheiten in der Ukraine und natürlich auch die interessanten und ausführlichen Band-Geschichten...

Hallo Alex, wann wurde Hell:On eigentlich gegründet?

Unsere Band wurde im Jahre 2005 in der Stadt Zaporozhye in der Ukraine gegründet. Alle Mitglieder von Hell:On kannten sich schon aus früheren Zeiten. Man traf sich bereits lange vor der Band-Gründung immer mal wieder auf den örtlichen Konzerten und Veranstaltungen. Und jeder von uns war irgendwie musikalisch aktiv. Sei es im Black Metal- oder im Speed-Bereich. Unser Schlagzeuger Oleg und ich entschieden uns irgendwann einmal dazu, etwas weit aus ernsthafteres ins Leben zu rufen. Und so wurde Hell:On gegründet. Wir luden Freunde ein, bei der Sache mit zu machen, so dass schließlich unser Bassist Alexander und unser zweiter Gitarrist Anton mit einstiegen. Anton wurde dann schließlich von einem anderen Gitarristen abgelöst, der komischerweise auch Anton heißt, und nein, es ist keine Aufnahmebedingung unsere Band unbedingt Anton heißen zu müssen!!(lacht)
Als letztes stieß dann unser Sänger Alex dazu. Wir hatten das große Glück schon einen Monat nach unserer Gründung auf dem ukrainischen Festival "Metal Heads Mission" spielen zu dürfen. Eines der größten Festival in der Ukraine. Ein schneller und überraschender Band-Start, der es uns ermöglichte, die Bühne mit Napalm Death teilen zu dürfen.

Hell:On

Ihr kanntet euch also alle schon aus den guten alten Zeiten?

Ja, wir wurden alle in Zeparozhye geboren. Und alle von uns lieben Metal. Es bleibt also nicht aus, dass man sich auf so einem kleinen Flecken Erde und mit dem selben Musik-Geschmack irgendwann einmal über den Weg läuft, auch wenn man es manchmal vielleicht vermeiden wollte (lacht)!

Und was ist derzeit euer größtes Motiv immer weiter zu machen?

Oh, diese Antwort ist ganz einfach: Es ist der Rock'n'Roll!

Was hat es denn mit dem Band-Namen "Hell:On" auf sich?

Zu Beginn hieß unsere Band eigentlich "Hellion". In der Ukraine war dieser Name eigentlich nie ein Problem. Aber als wir dann aber begannen, unsere Musik auch europaweit zu vertreiben, bekamen wir schnell Ärger mit den Urheber-Rechten. In Europa gibt es also bereits Bands, die Hellion heißen. Also probierten wir den Namen wenigstens mit visuellen Effekten zu verändern. Aus dem i wurde ein Doppelpunkt! Und irgendwie ist die neue Namens-Version weit aus interessanter!

Hell:On

Wie würdet ihr eure Musik unseren Lesern beschreiben, die von eurem ukrainischen Metal noch nie etwas gehört haben?

Wir nennen unsere Musik Thrash-Death-Groove-Metal! Wie auch immer, es ist immer sehr schwer den eigenen Stil mit nur wenigen Worten zu beschreiben. Außerdem wollen wir immer etwas Heimatgeschichte mit hinein bringen. In unserem Fall ist das ganze also auch Kosaken-Metal. Die Kosaken waren im 17. Jahrhundert kriegerische Reiterstaffeln. Und unsere Heimatstadt Zaporozhye stammten die ersten dieser Krieger.

Euer neustes Album trägt den Namen "Oblivion", was so viel wie "Vergessenheit" bedeutet. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Ja, unser eigentliche Namen "Age of Oblivion" beschreibt eigentlich alles das, was auch von uns ausgedrückt wird. Wir alle leben in einem Zeitalter, in dem so viel Vergessen und Verdrängt wird. Manche von uns wissen doch noch nicht einmal mehr, was und wie sie selber sind. Und für was man leben soll! Jeder rennt nur noch dem Geld, der Gesundheit und der guten Nachrichten und dem Glück hinter her und das besteht ja angeblich nur noch daraus, sich gewisse und bezahlbare Gegenstände leisten zu können. Eigentlich lächerlich! Aber wir gehen etwas tiefer, schaut euch unser Cover an, das werdet ihr einige Symbole und Ideen von uns finden können.

Es gibt also ein spezielles literarisches Thema auf eurer CD?

Oh, wir haben so viele Kleinigkeiten und eigene Ideen in dieses Album gesteckt, es ist schwer diese zu einem Thema zusammen zu fassen. Als Musiker sollte man auch manchmal nicht zu viel über seine Musik reden, sondern die Musik auch selber erzählen lassen.

Gibt es Bands, die euch besonders inspirierten?

Wir haben alle einen so unterschiedlichen Musik-Geschmack. Und hören auch Musik, die nicht aus der großartigen Metal-Welt kommt. Aber unsere Großen-Drei sind natürlich: Metallica, Slayer und Sepultura!

Hell:On

Welchen Song von "Age Of Oblivion" würdest Du als deinen Lieblings-Song bezeichnen?

Ich liebe den Song "Satan"! Dieser ist sehr emotional. Aber man muss ihn auch klar von den anderen Songs trennen. Immerhin haben wir bei diesem Song den großen Versuch gestartet orchestrale Melodien mit einzubauen. Nach meiner Meinung sollte man das Album vom ersten zum letzten Song durch hören, und keinesfalls die Reihenfolge der Stücke ändern. Ich liebe es wenn Alben wie ein ewiger Song klingen. Und ich hoffe, wir haben das auf unserer CD hin bekommen!

Wie entstehen eigentlich eure Songs?

Wir schreiben unsere Stücke ganz klassisch. Unsere Gitarristen bringen fertige Riffs mit, dann ordnen wir sie zusammen, setzten sie um, bauen ein paar neue Effekte mit ein und legen das Arrangement fest. Dann kommen unser Bassist und unser Schlagzeuger dazu, die beiden ändern alles wieder von vorne und stellen die ganze gemachte Arbeit wider um (lacht!), so dass wir am Ende endlich die Lyriks drunter setzen können. Und die Texte ergeben sich aus dem, was gerade in einem vorgeht oder was die Geschichte gerade so mit sich bringt.

Wer hat bei eurem neusten Werk eigentlich das Cover gezeichnet?

Ja, das Artwork wurde von einem sehr talentierten Kerl namens Seeming Watcher gezeichnet. Aber die ganzen Ideen und alle gezeichneten Symbole entstanden weit aus früher. Schon mit unserer ersten EP "In The Shadow Of Emptiness" hatten wir tausende Ideen, die ihr nun auf unserem Cover sehen könnt. Also haben wir einfach nur das weitergeführt, was mit der letzten EP begonnen wurde!

Hell:On

Wie können wir uns die Metal-Szene in der Ukraine vorstellen?

In der Ukraine ist Metal noch totaler Underground. Wir haben zwar einige interessante Bands, aber unsere Musik-Industrie interessiert sich nicht für Metal! Die ukrainischen Produzenten wollen Pop hören und machen. Mit Folk kannst Du in unserem Land auch Erfolg haben. Aber den Heavy Metal in der Ukraine bekannt zu machen, ist sehr hart. Wir werden trotzdem weiter machen, getreu nach dem Motto: "Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter"!(lacht)

Also kann man in der Ukraine nicht vom Heavy Metal leben?

Oh nein, niemals! Wir würden es gerne, aber das geht nicht. Aber es hat natürlich auch seine gute Seiten, mehrere Standbeine zu haben – so haben wir Bauarbeiter, Bänker, Web-Designer, Elektro-Ingenieure und Tontechniker bei uns in der Band.

Habt ihr schon mal in Deutschland gespielt??

Nein, wir waren leider noch nie in Deutschland! Aber wir werden ab Oktober in Deutschland zu sehen sein. Wir mögen die deutsche Metal-Szene. Zum Beispiel das letzte Album von Kreator - "Phantom Antichrist" lief in meinem Player einen ganzen Monat lang. (Und das ist für mich schon eine Ewigkeit!) Und wir haben mit Kreator schon einige Konzerte in der Ukraine und in Polen gespielt. Bands wie Rage, Sodom, ja sogar In Extremo gefallen mir auch. Ich denke Deutschland ist mit die größte Hauptstadt des Heavy Metal!

Was sind demnach die größten Unterschiede zwischen der ukrainischen und der deutschen Metal-Szene?

Die deutsche Metal-Szene ist sehr professionell und klasse organisiert. Das gibt es in der Ukraine nicht. Weitere Unterschiede können wir euch erzählen, wenn wir jetzt endlicheinmal dort gewesen sind (lacht)!

Was war das größte Event, das ihr mit Hell:On bereits erleben durftet?

Hell:On

Das war in diesem Jahr das "Metalfest" in Polen. Wir haben dort mit Megadeth, Kreator, WASP und Soulfly gespielt. Alles tolle Bands. Das war ein unglaubliches Erlebnis für uns. Vielleicht auch noch das "Prorock Festival" in Polen, dass wir mit Arch Enemy, Sodom und Vader spielen durften.

Was sind die nächsten Pläne für Hell:On?

Jetzt ab Oktober werden wir erstmals auf Europa-Tour gehen und dabei fünf Länder besuchen: Polen, die Tschechoslowakei, die Slowakei, Ungarn und Deutschland! Nach dieser Reise geht es an den ersten Video-Dreh! Bevor wir eine kleinere Tour in der Ukraine spielen!

Gibt es also noch irgendeinen Ort, wo ihr unbedingt mal auftreten wollt?

Oh jaaaaa, Wacken!!!

Was ist das wichtigste für euch beim Thema Heavy Metal?

Heavy Metal besitzt Power! Er gibt dir eine spezielle eine Art von Freiheit! Und irgendetwas von ihm, hat sich tief in unsere Gene festgesetzt, so dass so viele Menschen von ihm gepackt werden. Heavy Metal ist die pure Energie, die die Menschenmassen bewegt!

Hell:On

Möchtest du zum Schluss unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Ja, wir wissen, dass ihr noch nicht viel vom Heavy Metal aus der Ukraine kennt. Aber wir werden unsere Musik so gut es geht auch in Deutschland repräsentieren. Hört euch unsere CDs an und schaut auf unsere Webseite: www.hell-on.net! Und drückt uns die Daumen, dass wir irgendwann auch auf den großen Festivals in Deutschland spielen dürfen! Danke!

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