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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SIROCCO
Metal in Eigenregie ist Freiheit!
Steffi Mller
www.siroccoband.com/


Durch die Liebe zur keltischen Musik und durch zufllig zugesandtes Promo-Material, stie ich vor Wochen glcklicher Weise auf die irischen Musiker von Sirocco! Eine Metal-Band, die fern von allen Folk-Klischees mitreienden Heavy-Metal mit keltischem Inhalten produziert. Mit Lambay hat dieser Quartett nun bereits ihr drittes Album verffentlicht, so dass es fr mich Grnde genug gab, den Gitarristen Jim Tobin ber die Band, ber den Heavy Metal und natrlich auch ber Irland auszufragen...

Hallo Jim, danke dass du dir fr dieses Interview mit My Revelations Zeit nehmen konntest!

Hey Steffi, es ist mir eine Freude mit der deutschen Metal-Szene zusammen zu arbeiten, immerhin ist Deutschland eines meiner Lieblings-Reiseziele!

Beyond the Bridge

Zuallererst: Kannst Du uns bitte ein paar Fakten zu Entstehungsgeschichte von "Sirocco" liefern?

Aber klar! Sirocco wurde im Jahre 2003, in einer kleinen Stadt namens Co. Waterford gegrndet. Wir wuchsen alle zusammen auf, verbrachten viel Zeit miteinander und teilten den gleichen Musikgeschmack. Zu dieser Zeit war Co. Waterford noch kein Metal-freundlicher Ort, so dass wir dort irgendwie Auenseiter waren. ber Jahre hinweg lernten wir also unsere Instrumente zu beherrschen und spielten in einigen Bands, bevor wir zusammen kamen, um Sirocco ins Leben zu rufen. Wir starteten mit dem Covern von Metallica-Hits, bevor wir uns dazu entschieden, unsere eigene Musik zu schreiben, die durch irische Bands der spten 90er sehr beeinflusst wurde - Belinus, Mael Mardha, etc.! Und natrlich brachten wir auch unsere eigenen Vorlieben mit ein, die von Metallica, ber Thin Lizzy und Bathory, bis Rotting Christ reichten.

Warum habt ihr euch dann schlielich fr den Band-Namen "Sirocco" entschieden?

Es war in einer Phase mangelnder Kreativitt - wir bltterten durch ein Wrterbuch und stoppten bei dem erstem Wort, dessen Bedeutung wir noch nicht kannten. Im Rckblick htten wir wohl etwas sorgfltiger mit der Namensgebung sein knnen, aber unsere Musik spricht ja fr sich selbst.

Beschreibe uns doch bitte einmal euren Musik-Stil?

Unser Musik-Stil basiert eigentlich auf traditionellem Heavy Metal. Unser Hauptziel war es immer, die Musik nur durch unsere eigenen Instrumente entstehen zu lassen. Deshalb benutzen wir auch keine technischen Effekte oder traditionellen Instrumente, aber trotzdem versuchen wir keltisch klingende Melodien und Sounds zu erschaffen.

Eigentlich begann Sirocco doch als reine Instrumental-Band! Warum habt ihr euch schlielich doch dazu entschieden, euren Snger Ciaran O' Cearuill ans Mikkrofon zu lassen?

Eigentlich hatten wir schon zu Anfangszeiten einen Snger, namens Ferghal Maher, aber dieser musste die Band leider aus gesundheitlichen Grnden verlassen. Danach suchten wir einige Monate nach Ersatz, fanden aber keinen passenden Interessenten, so dass wir als Instrumental-Band weitermachten. Ciaran kam 2004 als Bassist zu uns und versuchte von da an auch Gesangsparts mit ein zu bringen! (Zu denen wir zu Beginn noch NEIN sagten!) Also dauerte es eine gewisse Zeit, bis er sich wieder traute, vor uns zu singen! (lacht!). Und dann hat es sofort bei uns geklickt. Es war das beste, was uns passieren konnte: Ein Snger, der bereits bei uns Mitglied war. Fr Auenstehende wre es sicherlich schwierig geworden, sich in der Band zu Recht zu finden - ja, ich denke Auenstehende wrden uns nicht immer verstehen!

Hat die Hinzunahme des Gesangs auch eure Art Metal verndert?

Eigentlich nicht! Die Songstrukturen wurden eigentlich schon immer so geschrieben, dass der Gesang spter noch hinzu genommen werden konnte. Und wir schreiben die Songs immer noch in dieser Art. Erst kommt die Komposition, dann der Gesang. Der Gesang macht das Ganze zu einem kompletten Ganzen. Und manchmal, so wie auf unserer neuen CD, stiehlt er uns auch gerne mal die Show!

Was ist fr euch das Wichtigste an der Musik?

Meinst du unseren Musik-Stil? Fr mich ist es wichtig, unseren eigenen Metal-Stil zu spielen, der so ist, wie wir uns den Heavy Metal wnschen. Wir schreiben Musik, die wir selber auch gerne hren. Dass andere Leute diese Musik auch toll finden, ist ein riesiges Geschenk!

Beyond the Bridge

Euer neustes Album trgt den Namen "Lambay". Was bedeutet dieser Titel?

Lambay ist eine Insel vor Dublin, auf der die Wikinger bereits im 10. Jahrhundert landeten.

Und was ist das literarische Thema auf eurer neusten CD?

Das Album handelt von der Invasion der Vikinger in Irland. Aber wir haben versucht einen etwas anderen Ansatz zu finden, und beschreiben Geschehnisse aus dieser Zeit, die weniger bekannt sein drften. Zum Beispiel wird in den Songs "Azur" und "Lambay" die Reise ber das Meer und die Ankunft der Wikinger auf der Insel Lambay beschrieben. Der Song "Follow" beschreibt die Ansiedlung bei Waterford. Das Lied namens "Mael Suthain" ist eine Geschichte ber einen Gelehrten aus dieser Zeit, der zufllig der spirituelle Berater Brian Borus, und ein Vorfahre unseres Sngers war. Dann berichten wir von der Schlacht um Clontarf, ber die Nachwirkungen und schauen zurck auf das alte Knigreich Irlands, ber das schon die Vorfahren Ciarans herrschten.

Erzhl mir doch bitte mehr ber euer Song-Writing. Wer bernimmt dabei welchen Part und wie entstand die Musik zu "Lambay?"

Zu erste treffe ich mich mit John und wir beginnen die Riffs und Akkorde zu arrangieren. Dabei entstehen neue Melodien, eigene Solo-Parts etc. Danach bringen sich Rob und Ciaran mit ein, und geben uns Vorschlge und Anregungen, manchmal verndert sich so die ganze Komposition, aber in positiver Weise. Erst wenn alles steht und wir glcklich mit dem Sound unserer Songs sind, kommt der Text hinzu. - Fr die letzten zwei Alben haben diesen Part John und ich bernommen. Bei Lambay aber hat Ciaran alle Texte und Gesangs-Melodien selber geschrieben. Er hat einen tollen Job gemacht!

Gibt es Bands, die eure Musik weiterhin inspirieren?

In Irland sind es sicherlich die Jungs von "Darkest Era"! Sie spielen auch diesen Metal, der viele Gitarren Solos und keltische Melodien beinhaltet. Hmm, sonst wsste ich im Moment keine andere Band, die uns im Stil sehr nahe kommen wrde.

In eurer Band-Beschreibung fllt fters die Bezeichnung "Celtic-Thrash"! Das neue Album klingt super, keine Frage, aber mit dem Begriff "Thrash" wrde ich eure Musik niemals in Verbindung bringen. Warum also "Celtic Thrash"?

Ja, "Lambay" ist sicherlich kein "Celtic-Thrash", sondern Heavy-Metal. Die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit der ersten beiden Alben, in der wir noch deutliche Thrash-Sequenzen mit einflieen lieen. Als wir uns das erste mal zusammensetzen, um Songs zu schreiben, brachte John den Thrash-Sound mit (beeinflusst von Slayer und Testament). Ich brachte die keltische Musik mit, die vor allem bei mir von Thin Lizzy beeinflusst war. Damals herrschte ein groes Thrash-Revival in Dublin, mit Bands wie Mass Extinction. Aus dieser Zeit stammt dieser Begriff also noch!

Euer Album ist nun auch in Deutschland erhltlich! Wie waren die deutsche Kritiken zu eurem neustem Werk "Lambay"?

Eigentlich waren sie sehr gut, aber auch sehr verschieden - vielleicht auch daher, dass manch einer eher Thrash erwartete und andere die klassischen Folk-Instrumente vermisst haben. Aber ich denke, die deutschen Hrer schtzen unsere Musik.

"Lambay" ist nun schon eure dritte CD, die ihr in Eigenregie aufgenommen und produziert habt. Warum ist es fr Sirocco so schwer, ein eigenes Label zu finden?

Oh, wir genieen es, unser Ding durch zu ziehen und haben deswegen wieder in Eigenregie gehandelt. Mit einem Platten-Deal folgen auch Verpflichtungen und Druck. Aber so knnen wir selbst entscheiden und handeln. Wir mchten selbst die Kontrolle ber unsere Musik und ber unsere Band behalten. Und vor allem uns genieen!

Beyond the Bridge

Und was ist bei so viel Engagement die treibende Kraft?

Ich glaube, weil wir einfach das machen, was wir lieben. Und fr mich persnlich ist es eine wahre Freude, unsere Band so weit wie mglich voran zu bringen!

Werdet ihr mit der neuen Platte auch irgendwann in Deutschland auftreten?

Eigentlich gibt es immer wieder Plne in Deutschland zu spielen. Aber die Mglichkeiten sind da doch sehr beschrnkt. Ich hoffe, dass wie mit der kommenden Tour auch nach Deutschland kommen werden. Die Leute dort sind einfach verrckt und schtzen das, was wir tun.

Ihr habt also schon in Deutschland gespielt? Und kennt die deutsche Metal-Szene?

Ja, mit Heidevolk haben wir vor 2 Jahren auf einem kleinen Festival in Burstadt gespielt. Und es war groartig. Eines unserer Highlights! Abgesehen davon sind wir alle immer mal wieder in Deutschland. Mit den Jungs von Suidakra, mit denen wir sehr gut befreundet sind, waren wir 2007 in Wacken. Und vor ein paar Jahren haben wir einige Konzerte mit Wolfchant gespielt.

Und wie knnen wir uns die Metal-Szene derzeit in Irland vorstellen?

Diese entwickelt sich zur Zeit in zwei Richtungen! Die Metal-Szene in unserer zweiten Heimat Cork stirbt langsam aus, nachdem sie dort nun auch das "An Cruiscin Lan" geschlossen haben, das viele Jahre ein toller Austragungsort fr Konzerte war. In Dublin sieht die Sache schon ganz anders aus. Dort gibt es einen stetigen Strom groer Metal-Shows, Veranstalter, die auch kleine Konzerte untersttzen und den Plattenladen "Into The Void", der auch einigen kleinen Labels wie Sentinel, Sarlacc and Invictus eine Heimat bietet. Das groe Highlight in Irland ist natrlich das "Siege of Limerick Festival" (jeden April und jeden Oktober!). Und dort herrscht dann auch die richtige Mischung zwischen internationalen und irischen Bands. Und da das Festival keinen Eintritt kostet, ist es natrlich perfekt!

Was plant Sirocco nun fr die Zukunft?

Erstmal werden wir jetzt mal wieder etwas Ruhe einkehren lassen und uns um unsere Privat-Leben kmmern, bevor wir Ende des Jahres auf unsere Irland-Tour gehen. Nchsten Sommer folgt dann die Europa-Tour. Und danach werden wir uns natrlich wieder hin setzen und neue Songs schreiben. Wir wollen ja nicht hoffen, dass es wieder 5 Jahre dauert, bis etwas Neues dabei raus kommt.

Kannst Du uns zum Schluss noch das beeindruckendste Erlebnis mit Sirocco verraten?

Beyond the Bridge

Die Tour in Griechenland war toll. Aber das wirklich grte Erlebnis war unser Auftritt als Vorband von Megadeth in Cork. Als unser Intro eingespielt wurde, und wir die Schreie 1000er Menschen hinter dem Vorhang hrten, haben wir vier uns angeschaut und gesagt: "Heilige Scheie!!!"

Mchtest du noch einige Worte an unsere Leser richten?

Oh ja! Erstmal danke Ich Dir fr das nette Interview Steffi. Und an die Leser von My Revelations: Leute, wir sind groe Fans der deutschen Metal-Szene. Ihr seit einfach groartig. Wir hoffen wieder einmal dort hin zurck zu kehren. Also empfehlt uns an alle Veranstalter und Festival-Agenturen weiter. Sirocco ist bereit und willig!!!

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