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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MINDREAPER
Ein Teil der großen Metal-Familie!
Steffi Müller
www.mindreaper.de


Mit welch Engagement, Ideenreichtum und Kreativität kleinere Bands in der riesigen Masse an neuen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen, ist zeitweise mehr als nur lobenswert. Ein bestes Beispiel dafür, sind die Hessen von MINDREAPER. Mit ihrer musikalischen Leistung haben sie inzwischen sicherlich nicht nur in meine CD-Sammlung einen frischen Wind gebracht. Sie legen sich für ihr musikalisches Anliegen aufopfernd ins Zeug. So war es mir eine Freude, mit Sänger Sebastian ein interessanten Interview zu führen.

Mindreaper

Ganz zu Beginn: Wie und wann kam es eigentlich zu Gründung von "Mindreaper"?

Zwei Schulfreunde von mir und ich sitzen nicht mal volljährig abends des Öfteren zusammen. Wir trinken viele Biere und rauchen die Aschenbecher voll. Dabei schauen wir uns die Iron Maiden Videokassette "Donington Live" von 1992 an und träumen davon, wie cool das sein müsste, vor 80000 Leuten auf der Bühne zu rocken. Das muss so 1998 gewesen sein. Drei Jahre vergehen in beschriebenen Zustand, bis wir endlich Nägel mit Köpfen machen und bei mir zu Hause, in einer ehemaligen Kneipe, Mindreaper aus der Taufe heben. Dafür holten wir noch einen weiteren Gitarristen in die Band und begannen wir im Frühjahr 2001 völlig ohne Plan von irgendwas, aber dafür mit einer Menge Enthusiasmus, uns auf den Mindreaper-Weg zu machen. Kurz gesagt, wir hatten einfach tierisch Bock auf Heavy Metal und große Träume. Daran hat sich bis heute auch nicht so wirklich was geändert, auch wenn vom ursprünglichen Lineup nur noch ich als Sänger übrig geblieben bin!

Was hat euer Band-Name dabei für eine Bedeutung?

Mindreaper beschreibt eine symbolische Figur, die zu dir kommt, wenn sich dein Geist in Grenzbereichen befindet. Das können z.B. Rauschzustände, Nahtod-Erfahrungen, Wahnsinn, alle Arten starker Emotion sein, aber natürlich auch die alltägliche Geisteskrankheit, die uns auf den Straßen, im TV und sonst wo begegnet. Wobei es dabei letzterem natürlich auf den jeweiligen Standpunkt ankommt. Jeder von uns kennt solche Erlebnisse und Situationen…immer dann ist er bei dir. Daraus ergeben sich die unzähligen Themen, welche auch die Lyrik der Mindreaper-Songs bilden.

Wie würdet ihr persönlich eure Art Metal beschreiben?

Wir nennen den Mindreaper-Sound eine Mischung aus Thrash- und Deathmetal. Dazu kommen unterschiedliche musikalische Einflüsse wie ein recht traditioneller Einschlag und einiges an Melodie. So richtig passt aber keine der genannten Schubladen, weshalb wir unsern Stil für uns einfach Mindreaping Metal nennen.

Gibt es Bands und Vorbilder, die eure Musik besonders geprägt haben?

Gynni ist bei uns der Hauptsongwriter und er spielt eigentlich von Metal über Blues bis Jazz alles. Er verfügt über das dazugehörende spielerische Know How und Theroriewissen um unseren Sound zu kreieren, ohne sich dabei an irgendwelchen großen Bands im speziellen zu orientieren. Im Proberaum fließen dann noch die Ideen der anderen Bandmembers in all deren Vielfältigkeit mit in den Guss hinein. Natürlich sind wir von einer Vielzahl von Metalbands und anderen Künstlern zum musikalischen Denken angeregt worden. Jeder von uns hat eine große CD Sammlung zu Hause, die stetig wächst, womit ich sagen will, dass wir permanent von allen Seiten inspiriert werden. Natürlich hoffen wir insgeheim auch andere Musiker zu beeinflussen. Sorry, aber zwei oder drei besonders prägende Bands kann ich da nicht nennen.

Mindreaper

Was bedeutet das Thema "Metal" im Allgemeinen für euch?

Metal ist für uns einfach Lebenseinstellung und täglicher Begleiter. Bei keinem von uns vergeht wohl ein Tag, an dem er nicht eine Metalplatte durchs Autoradio oder den MP3-Player jagt. Nach zwei Tagen ohne Metal würde ich persönlich wahrscheinlich mit Krämpfen auf dem Boden liegen und um Erlösung winseln oder schlicht und ergreifend immer mit dem Kopf rhythmisch gegen die Wand hauen, nur um eine Doublebass zu hören. Wir sind einfach verdammte Metalfans!

Ihr habt in Eigenregie bereits eine EP und ein Album veröffentlicht! Eine starke Leistung! Wann habt ihr begonnen nach einem Label für euch zu suchen?

Bisher noch gar nicht! Der Grund hierfür ist, dass wir erst die musikalische Güte erreichen wollen, um eine realistische Chance auf einen Labeldeal zu haben. Wir wollen einen möglichen Labelpartner ein hochwertiges "Produkt" (wenn man die Band als das Produkt, bzw. deren musikalischen Output so sieht) anbieten, welches sich auch zu signen lohnt. Denn dieses soll ja schließlich an die Hörer verkauft werden, die ein Recht darauf haben, für ihr Geld richtig gute Musik zu bekommen. Es gibt da draußen mittlerweile tausende Metalbands und da musst du dich einfach absetzten. Und das geht nur durch Qualität und Innovation. Die Zeiten bei denen man bei einem Label mit einer unzureichend produzierten Proberaumdemo etwas reißen kann, sind unserer Meinung nach vorbei.
Erst jetzt mit der "Human Edge (…To The Abyss)" haben wir ein spieltechnisches Niveau erreicht, um bei einem Label vorstellig zu werden.

Was ist an Elan, Durchsetzungsvermögen, und bestimmten Konsequenzen notwendig, um solch eine Eigenproduktion wie "Human Edge (...To The Abyss)" überhaupt in Eigenarbeit zu Stande zu bringen?

Das Wichtigste meiner Meinung nach ist, dass man ganz fest an seine Songs glaubt und das man ehrlich genug zu sich selbst ist, um zu erkennen, wann die Musik das Potenzial dazu hat in eine Produktion zu fließen. Denn eines ist klar, dass alles gibt es nicht umsonst! Man steckt immer eine Menge Zeit und Geld hinein. Dafür braucht man einfach Liebe zur Musik, was in diesem Kontext gleichbedeutend mit Aufopferungsbereitschaft ist. Da steht eben dann mal die Familie oder der Urlaub oder was weiß ich noch alles hinten an. So ist das zumindest seit über zehn Jahren bei uns.

Was würdet ihr Musikerkollegen raten, die genau in der gleichen Situation stecken, und an ihre Musik glauben?

Macht immer weiter und gebt verdammt noch mal nicht auf!!! An dem Tag an dem ihr keine Musik mehr macht, könnt ihr euch auch in das Massengrab werfen lassen, wo schon genug andere vor euch gelandet sind!

Wie lange habt ihr schließlich bis zur Fertigstellung von "Human Edge" gebraucht?

Angefangen zu produzieren haben wir im Oktober 2011 und bis März 2012 gebraucht. Das klingt nach viel Produktionszeit, was aber nicht so wirklich stimmt, da wir immer nur phasenweise in diesem Zeitraum am Album gearbeitet haben. Dieser Umstand ist einfach unserer und der Berufstätigkeit des Produzenten geschuldet gewesen.

Wie kam es schließlich zur Zusammenarbeit mit Andy Classen im Stage One Studio?

Ich habe Andy einfach angeschrieben und ihm unserer Material online vorgestellt. Er hat sofort zugesagt und es war mit ihm eine hervorragende Zusammenarbeit. Ich halte Andy für einen der besten seines Fachs den man in Deutschland bekommen kann. Seine Produktionen sind einfach große klasse! Das nächste Mindreaper-Album wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unter seiner Regie eingespielt werden.

Mindreaper

Was war für euch das Schwierigste bei der Produktion?

Das Schwierigste bei der Entstehung der Human Edge - Platte waren definitiv die personellen Verwerfungen innerhalb der Band. Kurz vor Produktionsbeginn hat uns unser damaliger zweiter Gitarrist verlassen. Das kam für uns total überraschend. Seine Parts mussten dann im Studio von Gynni zusätzlich eingespielt werden, was die Sache nicht einfacher machte. Gynni selbst steckte zu dieser Zeit mitten in den Vorbereitungen zu seinem Abschluss an der Rock-Pop-Jazz-Akademie Mittelhessen und gab noch Unterricht an diversen Musikschulen. Noch während der Aufnahmen hat dann auch noch unser damaliger Drummer seinen Hut genommen. Das war echt eine emotional harte Zeit. Aber es ist dann noch alles irgendwie glatt gegangen.

Auf was seid ihr jetzt nach Fertigstellung des Gesamtwerkes besonders stolz?

Ein Album produziert zu haben hinter dem wir, bis auf ein paar Kleinigkeiten, zu 100% stehen können! Die Kleinigkeiten gibt es ja immer und man weiß nachher immer einiges mehr. Wir sehen unsere Arbeit durchaus sehr kritisch in Bezug auf Dinge, welche wir noch besser machen hätte können. Ansonsten sind wir sehr stolz aus den oben genannten LineUp-Schwierigkeiten als Band gestärkt hervorgegangen zu sein!

Wem würdet ihr "Human Edge (...To The Abyss)" besonders ans Herz legen?

Grundsätzlich jedem, der auf Thrash- und Death Metal steht, aber auch Leuten, die auf die traditionelle Schiene stehen und zugleich modernen Ideen nicht abgeneigt sind. Wir bilden da so eine Art Bindeglied.

Welchen Song von diesem Album sollte man keinesfalls verpassen und warum nicht?

Eigentlich sollte man gar keinen verpassen, da jeder Song seine ganz eigene Identität besitzt. Wenn man genau hinhört entdeckt man immer wieder Nuancen und erfährt auch das Feeling, welches in jedem Song steckt. Besonders in Kombination mit der Lyrik ist dieses Feeling zu erleben. Das liegt daran, dass ich die Lyrik auf die Saiteninstrumente schreibe. D.h. die Texte folgen der Stimmung der Songs und ergeben dadurch immer den typischen Mindreaper-Sound.

Wie schätzt ihr die laufenden Kritiken zu eurem neusten Werk ein?

Bisher haben wir ca. 20 Reviews erhalten, wobei sich dreiviertel hiervon im oberen Bereich der Wertungen befinden. Damit hätten wir überhaupt nicht gerechnet! Eigentlich hatten wir ein eher durchschnittliches Presseecho erwartet. Das es anders gekommen ist, ist natürlich sehr erfreulich für uns. Vor allem wenn auch die großen Magazine wie metal.de oder das Legacy so positiv über die Human Edge schreiben, ist es eine besondere Genugtuung für unsere Arbeit. Natürlichen freuen wir uns auch sehr über jeden Bericht in der Vielzahl von kleineren Onlinemagazinen. Wer sich ein Bild über die Pressestimmen machen möchte, schaut einfach auf unserer Homepage unter der Rubrik Presse nach oder geht auf Facebook. Danke an dieser Stelle an alle Redakteure, die so viel, meist kostenlose, Arbeit leisten um der Szene willen!

Und wie geht man mit negativer Kritik bei einer Sache um, die einem so ans Herz gewachsen ist?

Wenn wir ehrlich sind, dann trifft jede negative Kritik einen. Man kann einfach nicht verstehen, wie jemand diese Musik nicht gut finden kann, nur weil man es selber tut. Wir diskutieren die negativen Kritiken natürlich mehr als die positiven und ziehen aus den konstruktiv negativen unsere Schlüsse, wo es etwas zu verbessern gibt. Naja und letztendlich bleibt Musik ja immer Geschmackssache! Dem einen taugt es, dem anderen eben nicht…so ist das nun mal!

Mindreaper

Was gibt es für nächste Schritte, die Mindreaper nun gehen wird?

Als nächstes werden wir unser erstes professionelles Musikvideo drehen. Das ist für uns eine gänzlich neue Sache und wir sind alle verdammt gespannt auf diese Erfahrung. Wie sich jeder vorstellen kann, ist das in Eigenregie durchzuziehen nicht so einfach. Aber wir haben da auf jeden Fall schon ein paar gute Ideen! Lasst euch überraschen. Weiter heißt es für uns Promo für das Album zu machen, um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern und Auftrittsmöglichkeiten zu erhalten. Auch wollen wir noch neue T-Shirts und einige andere Merchartikel auf den Markt bringen. Das mussten wir leider aus finanziellen Gründen in der letzten Zeit vernachlässigen. Dies bzgl. werden wir schon ständig angefragt, wann es denn wieder welche geben wird, nachdem die alten schon seit längerem ausverkauft sind. Und natürlich neue Songs für das nächste Album zu schreiben steht auch ganz oben auf der Agenda.

Gibt es Konzerte oder Tourpläne, die man sich vormerken sollte, um euch live sehen zu können?

Konkret ist bisher nur ein kleinerer Gig in unserer Heimatregion bestätigt. Grundsätzlich ist Mindreaper derzeit voll buchbar. An alle Veranstalter die das lesen, fragt einfach bei uns an! Leider waren wir dieses Jahr etwas spät mit der Fertigstellung unserer CD um uns noch bei den Sommerfestivals zu bewerben, sodass wir nur das Metalfest East spielen konnten. Für das nächste Jahr hoffen wir natürlich, zumindest eine kleinere Supporttour spielen zu können und auf mehreren Open Airs vertreten zu sein.

Nach eurem Infoblatt hat Mindreaper seinen Sitz im hessischen Vogelsberg. Eure Booking-Adresse kommt aus Wiesbaden! Wie oft finden sich alle Bandmitglieder da noch zu regelmäßigen Proben zusammen?

Wir proben eigentlich sehr regelmäßig 1 x pro Woche im Vogelsberg. Unsere Management- und Bookingadresse ist in Wiesbaden, da ich in Mainz-Kastel wohne und von dort mich um die Bandangelegenheiten kümmere. Alle Entscheidungen treffen wir aber gemeinsam im Proberaum und in unserem Onlineforum. Ohne Internet wäre Mindreaper kaum denkbar.

Was würdet ihr euch insgeheim für eure Band und für die nächsten Jahre noch wünschen?

Definitiv mit einigen richtig guten Bands zusammen zu touren und natürlich die Ehre zu haben, auf den geilen Festivals in Deutschland und anderswo auftreten zu können. Das ist das eine. Das andere wäre ein wirklich richtungweisendes Metalalbum aufzunehmen! Man fragt sich doch immer ob so was heute noch möglich ist. Mal sehen...

Was gibt es für einen Ausgleich für euch, neben dem Musik-Geschäft?

Daneben hat jeder von uns so sein eigenes Ding. Hauptsächlich sind das die Familie, Freunde und Hobbys wie z.B. Sport.

Mindreaper

Wie verdienen sich die Mindreaper-Mitglieder bis jetzt ihr tägliches Brot?

Gynni ist als freiberuflicher Künstler und als Gitarrenlehrer tätig, da er ja E-Gitarre studiert hat. Was für uns zur Konsequenz hat, dass er uns alle mit seinem Können am Instrument und musiktheoretischen Wissen überstrahlt. M ist im Vertrieb eines mittelständischen Industrieunternehmens tätig und der einzige bei uns mit einem 8 bis 17 Uhr Job. Unser Drummer Manuel ist Student auf Lehramt für Mathe und Sport. Er muss deshalb immer von mir die Storys anhören, die mit "als ich noch studiert habe" anfangen. Meine Wenigkeit verdient sich als Dipl. Sozialarbeiter und ich mache die Straßen etwas sicherer.

Wie lautet eure Durchhalte-Parole für die kommende Zeit?

Bisher haben wir keine Durchhalteparolen gebraucht, weil es einfach Spaß macht. In diesem Sinne könnte man sagen, auf dass uns der Spaß an der Musik erhalten bleibt!

Wird es zu Not noch ein Album in Eigenregie geben, wenn kein passendes Label gefunden werden sollte?

Ohne Frage! Zur Not muss sich jeder noch einen Zweitjob zulegen, um uns beim Andy ins Studio einmieten zu können.

Was würdet ihr unseren MyRevelations-Lesern noch gern mit auf den Weg geben?

Lest schön weiter dieses ganz hervorragende Magazin und promotet es. Checkt unsere Platte mal an und bestellt sie in unserem Onlineshop auf www.mindreaper.de wenn es gefällt.

Und warum sollte man sich nun als Metal-Fan unbedingt den hessischen Vogelsberg als Metal-Standort merken?

Weil man dort unter Gleichgesinnten ist und was kann es Schöneres geben, als ein Teil dieser wunderbaren Metal-Familie zu sein. Metal up!

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