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18. Mai 2013 - Uhr
 
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ADRENALINE MOB
Frischer Wind von erfahrenen Recken!
Thorsten Schwalbach
www.adrenalinemob.com


ADRENALINE MOB haben mich von jetzt auf gleich begeistert. Grund genug, bei den Jungs zwecks Interview anzuklingeln. Schnell kam auch die Zusage für Russell Allen. Doch das war leider nicht bei ihm angekommen, weshalb er schon andere Termine hatte. Kurzfristig nahm sich Gitarrist Mike Orlando Zeit und stellte sich meinen etwas improvisierten Fragen. Er war sehr freundlich und gab während seinem verdienten Essen tiefe Einblicke in seine musikalische Welt und das Bandleben von ADRENALINE MOB. Da ich ein großer Fan von ihm geworden bin, war das natürlich ein Riesenerlebnis. Und ganz nebenbei machte er Hoffnung, nochmal etwas von einem verschollen geglaubten ehemaligen OZZY OSBOURNE - Gitarristen zu hören…

Also zunächst noch herzlichen Glückwunsch zu eurem Album "Omertá", das mir sehr gut gefällt. Die einzelnen Songs sind sehr vielseitig und ihr habt Elemente aus verschiedenen Stilen eingebaut. Es gibt da eher modern angelegte Stücke wie "Undaunted" oder "Believe Me", denen melodische Sachen wie "Indifferent" gegenüberstehen und dann habt ihr noch sehr schöne Balladen dabei wie "Angel Sky". War das von Anfang an eure Absicht, ein solch vielseitiges Album zu veröffentlichen?

Oh, vielen Dank. Ja, das stimmt schon so, das Album ist sehr vielseitig geworden. Ohne Zweifel wollte ich mein Songwriting niemals nur zu einem Genre oder einem Stil hin begrenzen. Ich bin Fan von aller Art von Musik. Ich liebe einfach solche Songs wie "Angel Sky" oder "All On The Line", aber weißt du, danach gehe ich halt gerne dazu über, Sachen wie "Hit The Wall" oder "Psychosane" zu schreiben, die richtig heavy sind. Ich versuche, die Songs abwechslungsreich zu gestalten, weil es dann einfach für den Zuhörer interessanter bleibt.

Was fehlt sind eher "proggy" klingende Sachen. Es wirkt fast so, als wenn ihr es bewusst vermeiden wolltet, etwas zu schreiben, was in die Richtung von DREAM THEATER oder SYMPHONY X geht.

Ja, das ist so eine Sache. Ich respektiere total, was Mike und Russell in dieser Richtung machen oder gemacht haben. Die Beiden kommen einfach mehr aus dieser "Prog - Richtung", was bei mir aber absolut nicht der Fall ist. Weißt du, eigentlich habe ich schon vor sehr langer Zeit angefangen, an diesen Songs zu arbeiten, schon bevor ich Russell getroffen habe. Ich bin schon sehr lange mit diesen ganzen Stilen verbunden. Ich bin einfach ein "Rocker" aber ich bin definitiv kein Fan von diesen "proggigen" Sachen. Das ist schon eine erstaunliche Musikrichtung und Mike und Russell sind für mich ganz bestimmt zwei absolute Könige dieses Stiles. Nur bin ich einfach in diesen Stil nie so richtig reingekommen. Die Songs auf "Omertá" kommen halt alle irgendwie aus verschiedenen Rockbereichen, weil das einfach die Richtungen sind, aus denen mein Songwriting kommt. Als ich damals Russell traf und wir haben angefangen, gemeinsam Songs auszuarbeiten, fand ich es interessant, ihn etwas singen zu hören, was eher aus dem Rockbereich kommt. Ich kannte von ihm damals nur seine Songs mit SYMPHONY X und ich denke, dass es eine richtig coole Sache geworden ist, ihn in die rockige Richtung zu bringen, ha ha.

Adrenaline Mob

Ja, das stimmt schon. Russell singt hier total anders als bei SYMPHONY X. Einer der ersten Songs, den ich von euch gehört habe, war "The Mob Rules" auf Youtube und ich war direkt total beeindruckt, wie er den Song singt. Es hat mich so an Ronnie James Dio erinnert, ich war wirklich berührt.

Wirklich, hey cool. Ja genau, er bringt das schon sehr gut rüber. Hey Mann, wie schon gesagt, ich habe Russell getroffen und vorher schon lange an diesen Sachen gearbeitet. Und von Russell kannte ich nur das SYMPHONY X Album "The Odyssey", was mir irgendjemand mal gegeben hat, gut möglich dass es seine Ehefrau war. Dann dachte ich mir, dass es sich schon sehr gut anhört und konnte einfach nicht abwarten, Russell Rocksachen singen zu hören. Und ich glaube, das Ganze hat dann wirklich gut funktioniert.

Ja genau, das war eine sehr gute Idee und es hat sehr sehr gut funktioniert. Aber nun zu dir selbst. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor ADRENALINE MOB noch nie etwas von dir als Gitarristen gehört habe. Aber als ich euer Video zu "Indifferent" zum ersten Mal gehört habe war ich direkt begeistert. Ich habe nur gedacht, dass das schon vom Feinsten ist, was da an der Gitarre läuft. Hast du bei euch in den Staaten einen größeren Namen oder kannst du einfach ein Bisschen über dich erzählen?

Ha ha, hey, sowas ist doch genau das, was solche Sachen so cool macht. Wofür ich schon ein bisschen bekannter bin ist meine Instrumentalband SONIC STOMP, mit der ich in China und Japan schon einige Touren gespielt habe, weil mein Album halt dort über King Records veröffentlicht wurde und ich so dort viel getourt habe. Aber ich war auch schon ein paar Mal hier in Deutschland und spiele dort eigentlich jedes Jahr auf der Musikmesse in Frankfurt. Und genauso habe ich schon öfters auf der Musik China oder der NAMM gespielt, eigentlich ständig seit 2006. Ich bin auch in den USA mit diesen Sachen ein bisschen getourt, aber es ist nicht das Gleiche mit instrumentaler Musik wie in Asien. Diese Musik ist in China oder Japan einfach viel angesagter, ich spiele dort in richtig großen Locations. Diese Musik ist dort einfach viel populärer.

Und, was hältst du von der Musikmesse in Frankfurt? Das ist ja irgendwie so ein riesiges Szenetreffen, wo irgendwie jeder jeden zu kennen scheint.

Oh ja, ich mag die Messe wirklich. Und die Musik China scheint mir sogar noch etwas größer, das ist wirklich cool, irgendwie "out of control" und einfach nur riesig groß.

Und wie ist es für dich als jemand, der halt noch nicht ganz so bekannt ist, mit diesen beiden "großen" Namen Mike Portnoy und Russell Allen zusammen zu spielen?

Also die Beiden sind für mich einfach meine Brüder in meiner Band, weißt du, ich mag die Beiden einfach wirklich sehr. Für mich ist es auch ein großer Teil davon, in einer Band zu spielen, mit den Bandmitgliedern gut auszukommen. Und es war so, dass Russell und ich halt erst mal Freunde geworden sind. Ich kannte ihn vorher nicht, nur als Sänger von SYMPHONY X, und wir haben uns einfach schnell angefreundet. Wir haben uns vor einigen Jahren zum ersten Mal getroffen, über einen gemeinsamen Freund und haben dann den Kontakt gehalten. Und dann haben wir an einem anderen Album bearbeitet, was nie veröffentlicht wurde. Später habe ich ihm irgendwann vorgespielt, woran ich arbeitete und dann hat es einfach Sinn gemacht, daran zu arbeiten, weil wir ja auch schon vorher ein Songwriter - Team waren.

Lass uns mal über die Texte auf "Omertá" reden. Für mich wirkt es so, als ob es in wichtiges Thema für euch wäre, darüber zu schreiben, wie es ist, wenn man von anderen nicht gerade gut behandelt wird und die Gefühle, die sich daraus entwickeln. Würdest du dieser Sichtweise zu euren Texten zustimmen?

Oh ja, einige der Songs sind einfach über mein Leben. "Indifferent" beschreibt eine Zeit in meinem Leben und jetzt reflektiere ich einfach darüber, wie ich diese Zeit durchlebt habe. Oder "Angel Sky", in dem ich eine Situation in meinem Leben, eine Beziehung in der ich gelebt habe, beschreibe. Klar, "Undaunted" ist ein Kämpfer - Song, mit dem Russell und ich dazu aufrufen wollten, in manchen Situationen furchtlos zu sein, einfach "undaunted". Lasst euch nichts gefallen, lasst euch nicht hin und her schubsen, das ist es, wovon dieser Song handelt. Aber ein Song wie "Down To The Floor", der beschreibt einfach das "Dragracing", was ich jetzt schon seit 10 Jahren mache, darüber geht es in diesem Song, einfach Dinge aus dem Leben.

Adrenaline Mob

Ihr spielt live ja auch einige sehr interessante Cover, z. B. "The Mob Rules" oder "War Pigs" und dann auch schon mal "High Wire" von BADLANDS. Kannst du bitte etwas über eure Cover erzählen.

Also, Jake E. Lee ist einfach einer meiner fünf absoluten Lieblingsgitarristen aller Zeiten, alles was er gemacht hat ist unheimlich faszinierend für mich. Und dann gibt es ja da noch dieses Cover auf unserem Album, wo halt oft die Frage kommt "Wessen Idee war denn das nun?" und es war meine Idee und so haben wir halt diesen DURAN DURAN - Song eingespielt. Ich war einfach ein Fan von Ihnen. Das sind großartige Musiker, die wissen, was sie machen. Ich kenne die Band auch jenseits von Stücken wie "Hungry Like The Wolve" und liebe diesen Song und glaube, dass wir da eine Version eingespielt haben, die ziemlich knallt.

Wo du schon Jake E. Lee erwähnst. In einem Interview mit dir auf Youtube habe ich gehört, dass ihr mit ihm zusammen gespielt habt.

Oh Mann, nein, das war wirklich einer der meist enttäuschenden Aspekte auf unserer ersten Tour. Wir sollten mit ihm zusammen in Las Vegas spielen. Wir waren in San Francisco und dann ist der Anhänger unseres Busses auf dem Weg nach Las Vegas gebrochen. Und dadurch ist es nie dazu gekommen, dass wir mit Jake E. Lee zusammen spielen konnten, ich war so enttäuscht. Er ist so großartig, ich hoffe dass ich doch irgendwann mal mit ihm zusammen spielen werde.

Ja, ich bin auch ein großer Fan von ihm. Weißt du vielleicht, was er heute macht?

Nein, nicht wirklich, aber er spielt wohl wieder mehr, sonst weiß ich leider nichts. Wir kennen halt jemanden, der ihn kennt und so ist der Kontakt zustande gekommen. Wir fragten, ob er "High Wire" mit uns zusammen spielen will und er stimmte zu. Aber wie gesagt, leider ist es nicht dazu gekommen.

Und wer sind die anderen deiner Lieblingsgitarristen?

Ach, weißt du, natürlich Eddie Van Halen, der für mich sehr wichtig war, als ich aufwuchs. Dann natürlich Randy Rhoads oder Ronnie Le Tekro von TNT, auch einer meiner absoluten Lieblingsgitarristen. Und natürlich Jake E. Lee. Oh Mann, das ist so schwierig, es gibt so viele überragende Gitarristen. Oder Yngwie Malmsteen, der für mich als Jugendlicher ein sehr wichtiger Einfluss war. Aber ich habe niemals versucht, einer dieser Gitarristen zu kopieren. Ich habe mehr versucht, kleine Aspekte aus dem Spiel der einzelnen Leute, die mit besonders gefallen, in meinen Stil zu integrieren.

Und das ist genau das, was ich an deinem Stil so mag. Man hört Elemente von all solch Größen und trotzdem deinen eigenen Stil.

Oh, vielen Dank. Du kannst halt niemanden kopieren. Und genau das hat man mir von Anfang an beigebracht. Lerne die Licks deiner Helden, aber kopiere nicht, bringe immer etwas von dir selber ein. Mach dein eigenes Ding. Heutzutage lernen die Kids oft aus Büchern und spielen exakt das, was da steht, was auch cool ist. Als ich jung war haben wir uns mit den Alben beschäftigt und irgendwann eine Vorstellung bekommen, was andere so machen. Und das hat mich dazu gebracht, selber mit coolen Sachen anzukommen. Ich wusste nicht exakt, was meine Helden so machten, weil es diese Bücher ja nicht gab. Ich habe dann versucht, das Beste daraus zu machen und daraus meinen eigenen Stil entwickelt.

Hört sich alles ziemlich cool an. Noch eine Frage zu Mike Portnoy. Er spielt ja auch noch in anderen Bands, z. B. FLYING COLORS. Sieht er ADRENALINE MOB eigentlich als seine Hauptband an oder wie ist das mit den anderen Bands für ihn?

Definitiv, ARENALINE MOB sind für uns alle eine Art "Hauptband". Natürlich haben wir alle unser anderen Bands, die auch sehr angesehen sind, Russel hat SYMPHONY X und ich habe auch noch eine neue Band TRED, mit der ich bald rauskommen werde und Mike hat FLYING COLORS und noch andere Projekte. Wir alle machen schon noch unsere eigenen Sachen, aber wir fühlen schon, dass das hier definitiv für uns die Hauptband ist. ADRENALINE MOB ist einfach eine Band, mit der wir touren können, überall rund um den Globus. Das ist es einfach für dieses Musikgenre.

Dann hoffe ich einfach mal, dass es von euch noch weitere Alben geben wird.

Die wird es zweifellos geben, ganz bestimmt!

Vielleicht noch eine Frage zu deinen Signature - Produkten, z. B. diesen Shredneck. Was ist das eigentlich?

Oh ja, ich wünschte jetzt, ich hätte einen hier, um ihn dir zeigen zu können. Eigentlich ist das einfach ein Übungsteil, wie 12 Bünde einer Gitarre mit Tunern dran, aber abgeschnitten, also klein. Mein Signature - Modell hat als Besonderheiten "gescallopte" Bünde und einen großen Picking - Bereich. Das haben nicht alle Modelle, und so kannst du richtig damit üben und dich nicht nur für die Shows aufwärmen. Ich mag das Teil wirklich sehr, du kannst schöne Patterns damit einüben.

Beyond the Bridge

Und dann hast du noch ein Signature - Wah Wah - Pedal. Was ist daran das Besondere?

Das ist einfach eines meiner absoluten Lieblingspedale aller Zeiten. Also zunächst mal sieht es natürlich total klasse aus mit diesem Tribal - Design, ha ha. Aber es hat auch andere Besonderheiten wie die Mix - Kontrolle, die andere Pedale nicht haben. Wenn du diesen typischen Schenker - Ton suchst musst du das Pedal immer in dieser einen Frequenz, in einer Stellung halten. Durch die Mix - Kontrolle kannst du aber immer wieder zu einer speziellen Frequenz zurückkommen, ohne das Pedal zu halten. Und das Pedal geht immer direkt in die "Grundposition" zurück, wenn du es los lässt. Und es klingt auch ziemlich gut, nicht zu hoch und auch nicht zu tief. Einfach so wie ich es mag. Ich mag Rocktron einfach, mit denen ich jetzt schon seit 2006 zusammenarbeite. Viele Dinge, die ich spiele, sind von dieser Firma.

Was sind deine weiteren Pläne, du hast ja eben noch etwas von einer weiteren Band erzählt?

Ja genau, ich habe noch eine andere Band, die TRED heißt. Dort spielt Rudy Sarzo Bass, von OZZY, DIO , WHITESNAKE oder QUIET RIOT, Schlagzeug spielt A.J. Pero von TWISTED SISTER und Dan Nelson, der vor einigen Jahren Mitglied bei ANTHRAX war, singt. Es ist ein richtig heftig hardrockendes Lineup das richtig knallt, sehr intensive Musik, da bin ich schon sehr aufgeregt drüber. Und in 2013 möchte ich dann noch "Sonic Stomp III" aufnehmen, mein drittes instrumentales Soloalbum. Ich bin schon ziemlich aufgeregt, diese drei Projekte anzugehen, wobei ADRENALINE MOB für mich schon im Vordergrund steht.

Das waren dann auch schon meine Fragen und ich möchte mich wirklich sehr herzlich bei dir bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich hoffe, es hat dir auch ein wenig Spaß gemacht. Es war wirklich eine Freude für mich, mit dir zu reden und ich bin wirklich froh, dich als Gitarristen entdeckt zu haben.

Ja, nochmal vielen Dank. Doch, es hat mir auch Spaß gemacht, mit dir dieses Interview zu machen.

Es war wirklich eine tolle Erfahrung, mit Mike zu reden. Das anschließende Konzert war natürlich der Knaller, ADRENALINE MOB und besonders die Gitarrenarbeit von Mike Orlando haben mich auch dort absolut begeistert. Ich freue mich wirklich darauf, von Mike noch einiges zu hören. Zum Glück hat er ja sehr deutlich angekündigt, dass von ihm noch so einiges ansteht. Und eine Tour von Jake E. Lee mit ADRENALINE MOB wäre doch auch mal was (Man darf ja mal träumen...). Aber ein weiteres Album der Band würde auch fürs Erste reichen.

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