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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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IN FLAMES
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Thorsten Dietrich
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Mal ehrlich, wenn es um den so genannten Göteborg Sound geht spricht man in erster Linie von In Flames. Konstante Veröffentlichungen und Touren haben den Schweden eine große Fanbasis beschert, die sie mit dem neuen und sehr abwechslungsreichen Album noch vergrößern werden. Wetten?
Ich sprach mit Drummer Daniel Svensson:

Okay, erste Frage: Was bedeutet der Untertitel "Fourteen Songs of conscious Madness" auf der neuen CD?

Er beschreibt lediglich die neue Platte, sozusagen das kontrollierte Chaos und die Verschiedenheit der einzelnen Lieder. Es sagt außerdem aus, dass man manchmal einen anderen Weg wählen muss, um sich weiterzuentwickeln. Das muss man aber kontrolliert machen. Dafür steht der Untertitel im Prinzip.

Habt ihr mitbekommen, dass da ein Fehler auf der Trackliste ist? Da steht "Trasnparent" anstelle von "Transparent", ist das nur auf der Promo so oder auch auf dem offiziellen Release?

Das ist nur auf der Promo. Ist also kein Problem.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, dieses eher ungewöhnliche Cover-Artwork zu verwenden? Wer hat es geschaffen und was ist die Intension dahinter? Man könnte auch sagen, dass es ein ziemlich cleverer Schachzug bezüglich des kommerziellen Aspektes ist, wie siehst du das?

Zuerst einmal wollten wir etwas ändern. Wir haben Andreas Marschall jetzt schon für einige Alben in Anspruch genommen und viele andere Bands tun das auch, wodurch manche Cover sich ziemlich ähneln. Wir wollten etwas Neues machen, wir haben immer versucht, unseren eigenen Weg zu gehen. Dieses Mal wollten wir das also ändern und wir fragten Niklas Sundin von DARK TRANQUILLITY, ob er interessiert wäre. Er war's, also sagten wir ihm, dass wir dieses Mal ein etwas "stylischeres" Layout haben wollten. Dann gaben wir ihm den Albumtitel und die Musik und dies ist das Ergebnis! Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, dass das Optische auch zur Musik passt. Das Album wäre nicht dasselbe gewesen, wenn wir ein Cover von Andreas Marschall gehabt hätten.

Ja, stimmt. Ich finde, dass eure Marschall-Artworks ganz gut sind, allerdings kopiert er sich in letzter Zeit selber. Wie z.B. bei den ganzen Power-Metal Sachen, die er gemacht hat. Meiner Meinung nach sind das nur noch Rip-Offs seiner eigenen Sachen.

Ja, das sehe ich auch so. Es würde uns sozusagen limitieren, wenn wir ein Power-Metal-Cover hätten. Die Leute könnten denken, dass es sich hier um eine Power-Metal-Platte handelt, wenn sie sie vorher noch nicht gehört haben.

Das Bild erinnert mich etwas an SF-Sachen, wie "Final Fantasy" oder so.

Es ist wirklich cool. Und es ist mit dem Titel "Reroute to remain" verknüpft. Alle diese Typen, die man da sehen kann, versuchen, verschiedene Weg in ihren Leben zu gehen, um zu ihren Wurzeln zurückzufinden. Passt alles logisch zusammen.

Ich hab eure neue CD jetzt seit einer Woche und ich muss sagen, dass es mir nicht eben leicht fällt, ein Review darüber zu schreiben. Das ist sicher keine Easy-Listening-Mucke!

Die Musik muss einerseits interessant und andererseits nicht zu kompliziert sein. Manchmal muss man sich eben hinsetzen und versuchen, über die Musik nachzudenken und sie zu verstehen. Das macht die Sache für den Hörer interessanter, sonst würde es nach dem dritten Durchlauf langweilig werden. Das war nicht geplant oder so, als wir die Stücke schrieben, das haben wir immer mit dem selben Spirit und derselben Einstellung getan. Wir schreiben nie Musik von der wir denken, dass die Leute sie mögen werden, sondern die, die wir selber mögen und auf die wir stolz sein können. Bei jedem Kompromiss, den wir beim Songwriting treffen müssen, versuchen wir immer etwas zu experimentieren und unseren eigenen Weg zu finden. Und so hat es sich eben dieses Mal entwickelt.

Mir gefällt es immer sehr gut, wenn ein Künstler ein Album aufnimmt, dass mit jedem Male mehr wächst, wenn du weißt, was ich meine. Bei eurer neuen CD ist jedes Lied verschieden, das war bei den anderen nicht immer so der Fall. Auf "Reroute..." habt ihr viele verschiedene Stimmungen in die Songs eingebaut.

Ich denke, dass dies das differenzierteste Album bisher ist und ich finde auch, dass IN FLAMES noch nie so aggressiv geklungen haben, wie bei einigen der neuen Songs. Auf der anderen Seite sind wir aber auch so soft, wie noch nie zuvor. Und genau das macht die Vielfalt aus. Diese Mal haben wir die Pre-Production vor den eigentlichen Aufnahmen gemacht, was wir vorher noch nie ausprobiert haben. Wir sind in eine Hütte auf dem Land außerhalb der Stadt gegangen und haben da eine Woche nur gejammt und Lieder geschrieben. Dieses Mal ist das Ganze eher als Gruppenleistung anzusehen. Es gibt mehr individuelle Einflüsse in der Musik, das ist ein weiterer Grund, warum die CD so unterschiedlich klingt. Aber es sind immer noch Björn und Jesper, die die eigentlichen Riffs schreiben, dennoch bringen jetzt alle mehr ein, wodurch die Musik einen persönlichen Anstrich bekommt. Wir hatten bei der neuen Platte alle mehr Raum und Platz für Kreativität.


                                   (v.l.n.r.: Daniel, Anders, Peter, Jesper, Björn)

Ihr habt jetzt auch eine richtige Ballade bzw. einen Akustik-Track auf der Scheibe!

Ja, der heißt "Metaphor". IN FLAMES haben immer auch die akustischen Gitarren benutzt, so auch auf "Colony": "Pallar anciers Visa". Das war ein traditioneller Folkmusic-Song, also haben wir uns entschieden, auch auf der neuen CD einen Titel mit akustischen Gitarren zu verwenden. Aber das erschien uns nicht interessant genug, also bauten wir noch die Drums ein und fügten den Gesang hinzu. Und das ist halt das Ergebnis.

Die Texte von IN FLAMES sind immer recht schwer zu verstehen, kannst du etwas darüber erzählen?

Anders schreibt die ganzen Lyrics. Er schreibt sie immer so, dass es dem Leser überlassen bleibt, sich Gedanken darüber zu machen. Dieses Mal geht es darum, wie er die Dinge in seinem Leben beobachtet, Leute die er getroffen hat oder verschiedenartige Situationen. Und er versucht dann Geschichten über das zu schreiben, was er sieht.

Denkst du, dass es für den Hörer wichtig ist, die Texte zu lesen?

Die Lyrics und die Musik müssen zueinander passen. Zu uns passen keine Texte über Blut und so ein Zeug, da das nicht zu der Musik von IN FLAMES passt. Das ist dasselbe, wie mit dem Cover-Artwork, wie ich vorhin sagte. Das sagt etwas aus und gehört zur Musik, mit den Texten ist das ähnlich. Also ist es sehr wichtig.

Ihr habt eine Live-Aufnahme in Japan gemacht, ist das Land immer noch ein großer Markt für euch oder sogar der größte?

Ich kenne die Verkaufszahlen nicht so genau, aber ich weiß, dass wir da ziemlich gut ankommen. Der Grund warum wie die Aufnahme gerade da gemacht haben ist, dass wir von dem einen Club, in dem wir spielten, erzählt bekommen haben, dass sie da sämtliches Equipment hätten, was man für so einen Mitschnitt braucht. Dann haben wir das also gemacht und dadurch dass wir durch das viele Touren nicht die Zeit hatten, ein neues Album einzuspielen, haben wir uns entschlossen, diesen "Tokio-Showdown" zu veröffentlichen. Auch um den Leuten zu zeigen, dass wir noch da sind.

Ich denke, dass es nach acht Alben oder so schon okay ist, eine Live-Album rauszubringen.

Ja, finde ich auch. Es war einfach an der Zeit, das zu machen.

Ihr habt viele Bands beeinflusst, die euren Stil kopierten oder nachahmten, macht euch das stolz?

Ja, es ist natürlich schmeichelhaft zu sehen, dass die eigene Musik andere dazu inspiriert hat, selber Bands zu gründen. So lange sie selber denken, kopieren sie nicht wirklich, das wäre ja auch langweilig. Aber es gibt schon viele gute Bands, auch wenn ich hier von der schwedischen Szene ausgehe. Das ist schon cool.

In Deutschland wird das der "Göteborg-Sound" genannt!

Ja! Das ist schon ziemlich lustig. Aber ich mag es nicht, wenn Musik in Schubladen gepresst wird, das ist nicht fair. Klar spielen diese Bands alle Metal, aber es ist immer noch unterschiedliche Musik. Diese Kategorisierung ist halt den Bands gegenüber nicht gerecht.

IN FLAMES sind ja nicht dafür bekannt, viel zu covern, ihr habt nur diesen einen DEPECHE MODE Track. Denkst du, dass heutzutage im Metalbereich zu viel gecovert wird?

Ich weiß nicht so genau, es ist schon ziemlich cool, ein Cover zu spielen, wenn man es gut macht. Natürlich kann man das nicht dauernd machen, aber solange man dem Cover seinen persönlichen Anstrich verpassen kann ist das schon ziemlich cool. Manchmal ist es aber auch so, dass gecovert wird, weil die Leute nicht selbst interessante Musik schreiben können.

Oder sie haben nicht genügend Spielzeit auf ihrer CD...

Ja, vielleicht sind sie auch einfach faul, keine Ahnung... Aber wenn wir covern muss das schon ein Song sein, der zum IN FLAMES Stil passt, das ist ziemlich schwer. Das DEPECHE MODE Cover ist allerdings ganz schön cool geworden! Momentan haben wir zwar noch nichts in Aussicht, aber wir werden das in Zukunft definitiv wiederholen.

Wie wär's mit IRON MAIDEN?

Nein!! Das machen wir sicher nicht. Höchstens als Japan- oder China-Bonus, haha!

Was hat sich in eurem Leben seit dem Erfolg von IN FLAMES geändert? Sind eure Träume wahr geworden?

Ja, das könnte man schon so sagen. Als ich anfing Musik zu machen wollte ich vor so vielen Leuten spielen, wie nur irgend möglich. Wenn das Erfolg ist, dann habe ich den erreicht. Ich kann meine Rechnungen mit der Musik bezahlen und so weiter, das macht mich schon sehr glücklich. Das bringt einen als Individuum wirklich weiter, ich meine zum Beispiel dieses Herumreisen mit den ganzen Menschen um die ganze Welt einmal im Jahr. Das ist schon eine tolle Erfahrung.

Ja, das ist schon toll, zumal ich denke, dass die wenigsten Musiker (im Metalsektor) ihre Rechnungen mit der Musik alleine bezahlen können.
Was macht ihr in eurer Freizeit?

Wir versuchen schon uns beschäftigt zu halten, wenn wir nicht gerade spielen, da es ziemlich langweilig ist, drei Monate lang auf dem Hintern zu sitzen und nichts zu tun. Björn baut manchmal Computer zusammen, Anders arbeitet in seinem Studio, Peter hat Kinder und ich versuche, verschieden Arbeiten zu machen. Es ist nur nicht gerade einfach, für drei Monate Arbeit zu finden. So arbeite ich auch mit geistig behinderten Menschen zusammen und helfe ihnen im Alltag zurecht zu kommen. Das hat mich als Person wirklich weiterentwickelt. Also versuchen wir schon irgendwas Sinnvolles zu machen, wenn wir nicht gerade spielen.

Ja, ich weiß, was du meinst. Ich arbeite auch mit Behinderten Leuten und mein Chef würde mir sicher auch nicht ein halbes Jahr frei geben, um auf Tour zu gehen und Musik zu machen.

Bei mir ist das aber etwas anders, ich arbeite nur für einen Typen, der ein eigenes Apartment hat. Wir sind zu viert und arbeiten in Schichten, da ist also immer Arbeit vorhanden und die andren drei können einspringen, wenn ich nicht da bin.

Cool!
Wie sieht es mit der Tour aus? Ich hab gelesen, dass ihr mit PAIN losziehen werdet!

Wir werden mit PAIN und SOILWORK touren und das wird dieses Mal ein richtig cooles Package. Vor drei Jahren waren wir das letzte Mal durch Europa gezogen also wird das schon gut werden! (Drei Jahre? 10.09.00 in der Frankfurter Batschkapp! -Anm.v.NDK)

Wenn du an die momentane Metal-Szene denkst, findest du, dass die besser ist, als in den Neunzigern oder gibt es zu viele Bands, Touren etc.?

Solange die Bands gut sind, kann es eigentlich nicht zu viele geben. Aber vielleicht haben viele einfach nicht die richtige Qualität. Es gibt schon viele Bands, aber die musikalische Ausrichtung wird auch immer breiter, besonders im extremen Bereich gibt es heutzutage viele Bands mit ihrem eigenen Stil und das ist schon cool.

Wenn ich an skandinavische Musiker denke, muss ich zugeben, dass einige von ihnen recht ruhige Typen sind. Also bin ich immer froh, wenn meine Gegenüber auch reden, so wie du.

Danke!

Hehe! Warum existieren diese Gerüchte über skandinavische Musiker? Gibt es einen speziellen Grund, warum sie nicht so viel reden wollen?

Ich glaube das beschränkt sich nicht nur auf die Musiker. Die Menschen hier sind introvertierter. Sie sind nicht so offen, wie z.B. die Menschen in Südeuropa. Ganz besonders die Finnen, die sind echt introvertiert, haha! Die müssen echt betrunken sein, bevor sie überhaupt mit dir reden. Aber das ist deren Art zu leben.

Das hab ich auch gedacht, aber SENTENCED waren wirklich angenehme Interview-Partner. Oder sie waren betrunken, keine Ahnung.

Vielleicht! Nein, wir haben mit ihnen getourt und das sind wirklich nette Kerle. Sie sind jetzt schon ziemlich lange im Geschäft und wissen folglich, was zu tun ist. Das war sicher nicht deren erstes Interview.

Alles klar, das war's auch schon! Hast du noch irgendwas, das du loswerden willst? Was erwartest du von deinem Leben? Was wirst du mit dem Rest davon anfangen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich versuche, nicht zu viele Dinge zu erwarten, denn wenn sie sich nicht erfüllen, ist das eine traurige Sache. Ich hoffe, dass ich und meine Familie gesund bleibe und ich weiterhin das machen kann, was mir am besten gefällt: Musik spielen. Ich hoffe wirklich, dass ich mit dem, was ich momentan mache, weitermachen kann. Wir werden sehen...

Okay, vielen Dank für das Interview! Ich wünsche dir alles gute und wir sehen uns auf Tour!!

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