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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BEYOND THE BRIDGE
Der alte Mann und die Brücke
Alexander Meyer
www.beyondthebridge.net


BEYOND THE BRIDGE sind zweifelsohne die aufregenste deutsche Prog Metal-Entdeckung seit Sieges Even. Mit ihrem Debütalbum "The Old Man And The Spirit" sind die Frankfurter auf Anhieb zu Presselieblingen avanciert. Umso schöner, dass Gitarrist und Bandgründer Peter Degenfeld-Schonburg uns so ausführlich und sympathisch rede und Antwort stand.

Peter, du hast Beyond the Bridge ins Leben gerufen bzw. ins Leben zurückgeholt. Wie schwer war es deine Mitstreiter von deiner Vision zu überzeugen?

Beyond the Bridge

Es war nicht so einfach, muss ich gestehen. Allerdings war klar, dass nur Dominik, Christopher und ich weiter zusammen Musik machen werden. Dominik war mit großer Freude dabei. Bei Christopher musste ich allerdings einen guten Eindruck machen. Zu der Zeit (ca. 2005) hatten wir uns in alle Himmelsrichtungen verteilt und hatten den Kopf voll mit anderen Dingen. Christopher war in seinem Tonmeister Studium von vielen professionellen und sehr talentierten Musikern umgeben. Ich musste mich da, als angehender Physikstudent, erst einmal durchsetzen. Am Ende unserer ersten Songwriting-Session war Christopher schließlich vom Projekt überzeugt. Auch die Story, die ich zu größten Teilen vorbereitet hatte, ergab für ihn nun langsam Sinn. Das ist wahrscheinlich ein Prozess, den viele Hörer des Albums werden durchmachen müssen.

Der Entstehungsprozess von "The Old Man And The Spirit" hat geschlagenen fünf Jahre in Anspruch genommen. Das Ergebnis ist die Wartezeit sicherlich wert, aber musste es wirklich so verdammt lange dauern?

Ich freue mich sehr, dass du das fragst. Ich habe nämlich ein mehr oder minder starkes Bedürfnis die "lange Wartezeit" zu rechtfertigen. Als wir drei uns damals trennten, lag meine größte Hoffnung in Christopher. Es war irgendwie klar, dass Christopher nach fünf Jahren Studium seinen Lebensunterhalt mit Musikaufnahmen verdienen wird. Der Plan war also ein Album zu schreiben, die fehlenden Musiker zu suchen und dann mit Christopher als Produzent ins Studio zu gehen. Ich überzeugte Christopher davon und wir schrieben das Album. In der Zwischenzeit überlegte es sich der liebe Christopher ein bisschen anders und spezialisierte sich auf die Produktion klassischer Musik. Es kam aber trotzdem alles viel besser als wir es uns jemals erhofft hatten. Christopher lernte während seines Studiums den Simon kennen. Simon hat nach seinem Abschluss bei Sascha Paeth in den Gate Studios als Tonmeister angefangen. Er hat unser Album dort produziert, aufgenommen, gemixt und zusammen mit Sascha gemastert. So gesehen konnten wir nicht schneller sein als in fünf Jahren. Früher oder später hätten wir sowieso warten müssen. In Zukunft wird das aber anders sein. Jetzt haben wir Rückenwind durch Frontiers Records. Die nächsten Alben werden deshalb deutlich schneller gehen.

Ihr seid alle gestandene Musiker, mit einer klassischen Ausbildung. Gleichwohl stellt ihr eure technischen Fähigkeiten stets in den Dienst des Albums bzw. des jeweiligen Songs. Auf ausschweifende Solopassagen, wie bei Dream Theater, verzichtet ihr größtenteils. Wie habt ihr es geschafft, euch so zurückzunehmen?

Vielen Dank. Ich glaube zurücknehmen kann man sich auf zwei verschiedene Arten. Entweder man hat nicht ganz so viel geübt wie die Jungs von Dream Theater oder man entscheidet sich, wie du sagst, bewusst dagegen und wählt die songdienliche Variante. Um ehrlich zu sein, ist es bei uns eine Mischung von beidem. Trotzdem ist es wahr, dass wir unsere Songs sehr konzeptorientiert geschrieben haben. Viele nichtssagende Frickelpassagen haben wir wieder verworfen. Ich weiß noch ganz genau, wie ich im Studio saß und in dem Solo von "The Primal Demand" etwas sehr schnelles spielen wollte, aber Simon mich kurz vor der Aufnahme einfach nur kritisch fragte, was ich denn mit dem Song bzw. Solo aussagen möchte. Ich habe kurz darüber nachgedacht und mich für die viel coolere und stimmungsvollere Variante, die man nun auf dem Album hören kann, entschieden. Ungefähr so kann man sich das vorstellen.

Neben der musikalischen Klasse besticht "TOMATS" durch ein beeindruckendes, lyrisches Gesamtkonzept. Könntest du dazu bitte etwas sagen?

Inhaltlich gesehen kann man da einiges rausholen, denke ich. Jeder Hörer kann sich selbst ein Bild machen. Eine wunderschöne Interpretation gibt es hier auf Englisch: www.ladyobscure.com/albums/beyond-the-bridge-the-old-man-and-the-spirit.Beyond the Bridge Ich kam auf die Idee während meiner Zivildienstzeit. Ich musste entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen will. Ich hatte zwei Optionen. Ich wollte entweder etwas mit Musik machen oder Physik studieren. Von Physik versprach ich mir einiges mehr an Verständnis über die Welt um mich herum. Ich interessierte mich für Fragen der Quantenmechanik, der Astrophysik, für Elementarteilchen und ähnliche Dinge, die man in typischen populärwissenschaftlichen Büchern findet. Dem gegenüber stand die Musik. Wie jeder weiß kann man durch Musik sehr intensive Erfahrungen sammeln. Meinen inneren Konflikt habe ich dann zu Papier gebracht. "The Spirit" verkörpert den Teil in mir, der sich mehr zur Erkenntnis und Ewigkeit hingezogen fühlt. "The old Man" strebt mehr nach Erfahrung und Sinnlichkeit. Ich habe letztendlich Physik studiert. So wie es aber aussieht, rückt die Musik in meinem Leben doch wieder in den Vordergrund.

Für die Umsetzung dieses Konzepts waren zwei Stimmen, eine männliche (Herbie Langhans) und eine weibliche (Dilenya Mar) von Nöten. Wird euer Songwriting zukünftig ebenfalls auf diese beiden Sänger/innen ausgelegt sein?

Ja, ganz bestimmt. Wir sind sehr glücklich mit Dilenya und Herbie. Ihre Stimmen geben dem Album etwas Besonderes, wie ich finde. Das nächste Album wird wieder ein Konzept mit zwei Hauptrollen haben.

Apropos Songwriting: Wie gestaltet sich das überhaupt? Schließlich ist die Band über ganz Deutschland verteilt...

Ja, das stimmt. Die Musiker kommen aus Wolfsburg, München, Freiburg, Leipzig und Frankfurt. Das ist wohl unser größtes Problem. Das macht jeden Schritt zu einem recht großen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Deshalb müssen wir immer gut planen und uns für einen längeren Zeitraum treffen. Da Christopher und ich die Songs zusammen schreiben, muss man eigentlich nur Leipzig und München miteinander verbinden. Da wir aber ursprünglich aus Frankfurt kommen, verabreden wir uns oft dort. Wir arbeiten dann meistens nicht nur für ein paar Stunden oder nur einen Tag, sondern mehrere Tage am Stück. Es wird eine große Menge Schokolade, Bier und Pizza gehortet und dann legen wir los. Meistens Tag und Nacht. Dominik stößt manchmal auch dazu und gibt neuen Input. Christopher ist ein ausgebildeter Tonmeister. Ich würde sagen, dass er sein Handwerk gut versteht. Er ist sicherlich der beste Musiker und Komponist, den ich persönlich kenne. Ich hatte zwar auch viele Jahre lang klassischen Gitarrenunterricht, aber sicherlich bin ich derjenige von uns beiden, der eher mit seiner Intuition und viel Ausprobieren an die Sache herangeht. Ich glaube, dass es die Mischung macht. Wenn man uns beide gut kennt, kann man sicherlich erkennen, welche Passagen in den Songs eher von Christopher und welche eher von mir stammen.

Das macht es sicher auch nicht einfacher gemeinsam zu proben und sich auf Konzerte vorzubereiten, zumal ihr alle Jobs habt. Kann man trotzdem mit einer kleinen Deutschlandtour rechnen?

Wir haben uns eine Tour definitiv vorgenommen. Wir wissen nur noch nicht wann genau das sein wird. Zunächst einmal spielen wir unsere erste Headliner Show am 19.08.2012 im Nachtleben in Frankfurt. Es kommt auch sehr auf die Resonanz an. Bisher ist noch nicht ganz klar, ob genügend Leute sich für uns interessieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass uns mehr Journalisten als Nicht-Journalisten kennen. Ganz bestimmt wird es aber bald auch weitere einzelne Konzerte in Deutschland geben. Vielleicht gehen wir auch mit einer bekannterer Band als Support mit auf Tour. Das werden wir sehen, so wie ihr alle die Show im Nachtleben - Lacht!.

Eure Feuertaufe auf der Bühne habt ihr ja unlängst im Vorprogramm von Fates Warning gefeiert. Wie ist es gelaufen?

Das war klasse! Es lief eigentlich alles super. Dilenya und Herbie waren gut drauf, die Menge tobte und unser Schlagzeuger hat seine Stöcke nicht verloren! Das einzige kleine Problem gab es mit meinem Inear-Monitorkabel. Ich bin nämlich darauf getreten und hatte dann ca. 30 Sekunden lang nichts mehr auf den Ohren. Dem Publikum stand ich währenddessen auch bloß visuell zur Verfügung.

Demnächst spielt ihr sogar auf dem renommierten "Prog Power Festival" in den USA. Wie kommt ihr zu der Ehre?

Beyond the Bridge

Da hat uns das gute alte Internet sehr geholfen. Dominik, der unsere Facebook-Seite betreut, hat Kontakt mit einigen der Mitarbeiter des Festivals. Einer von ihnen hat uns zu unserem Album gratuliert. Mir ist daraufhin aufgefallen, dass Herbie dort mit Sinbreed spielt. Also fragte ich ganz frech, ob wir nicht auch mit Herbie zusammen über den großen Teich dürfen. Zunächst hatten wir eine Absage, da das Festival meistens schon ein Jahr im Voraus mit den Bands besetzt wird. Als die Band Above Symmetry im März absagte, rutschten wir rein! So kann es gehen. Glück gehabt! Das Internet ist zur Zeit sehr wichtig für uns, da es eine hervorragende Möglichkeit bietet mit unseren Fans und Journalisten in Kontakt zu treten. Da wir noch nicht so bekannt sind, ist es uns möglich persönlich auf die meisten Leute einzugehen. Wir haben außerdem auch einen Webshop. Dort kann man das erste BtB T-Shirt aller Zeiten bestellen. Auch das machen wir komplett selbst. Alle hochgradig verliebten Mädels sollten deshalb wissen: Auf den Shirts ist unser Handschweiß drauf - Lacht!

Zum Ende ein kurzer Blick in die Zukunft: Wo siehst du BtB in fünf Jahren und was soll nach diesem Klassealbum überhaupt noch kommen?!

Unser aller Ziel ist es aus BtB eine richtige Band zu machen, das heißt eine echte Studio- und Live-Band mit diversen Alben und einigen Tourneen. In fünf Jahren kommt vielleicht eine Deutschlandtour, die das dritte Album präsentiert. Du triffst bei mir mit deiner Frage voll ins Schwarze. Ich habe ganz großen Respekt vor den anstehenden Kompositionen, da ich sehr zufrieden mit dem Album bin. Ich hoffe, dass wir das wieder so gut hinbekommen oder vielleicht sogar noch eins oben drauf setzten werden.

Da bin ich mir sicher! Und einstweilen stellt Peter ein Exemplar vom aktuellen Album zur Verlosung zur Verfügung. Also schreibt einfach eine Mail an alex@myrevelations.de und der Gewinner erhält dann die CD. Ansonsten sehe ich euch alle beim Konzert am 19. August in Frankfurt, wie Peter schon so treffend bemerkte!

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