
TORIAN sind sicherlich eine der sympathischsten Bands, die mir bisher untergekommen sind. Die Paderborner sind nicht nur in der Lage starke Songs zu komponieren, sondern gehen auf der Bühne ab, wie ein Porsche auf der Autobahn. War das letzte Werk "Thunder Times" schon mehr als gelungen und beinhaltete einige fette Hymnen, gelang der Band nun mit dem Nachfolger "Dawn" nochmals eine deutliche Steigerung. Gitarrist Carl gab uns kurz vor der VÖ der Scheibe Antworten auf unsere Fragen.
Hallo Carl,
ist die Spannung vor einer VÖ und damit vor den ersten Reviews vergleichbar mit der Spannung vor einem wichtigen Fußballspiel?
Ja, so in etwa! Es ist erstmal sehr interessant, was die ersten E-Mag-Reviews zu schreiben haben. Schließlich gehen die Leute da unvorbelastet heran, sofern sie sich das Album auch richtig anhören und vor allem Fans der Musik ist.
So richtig aufgeregt ist man auf die vorab Reaktionen langjähriger Supporter, die die Band am Leben gehalten haben oder natürlich die Reaktion der großen Printmags oder der bekannteren E-Mags, zu denen ich myrevelations.de ohne mich anzubiedern zähle!
Was gab es bisher schon an Resonanzen zu eurem Output "Dawn"?
Die Reaktionen wichtiger Presseorgane sind sehr gut bis fantastisch! Im Rock Hard und im Metal Hammer gibt’s z.B. hohe Punktzahlen und uneingeschränkte Kaufempfehlungen, ebenso in der Mehrheit der E-Zine-Kritiken.
Es gibt auch vereinzelt kritische Stimmen, die aus der angedeuteten Problematik resultieren. Es muss jedoch gesagt werden, dass es auch Nicht-Power Metaller gibt, die das Album gut besprochen haben oder andere, die Dreiviertel der Kritik aus dem Bandinfo übernommen haben und die Punktzahl trotzdem stimmte. Soll uns nur recht sein.
Der Vorgänger "Thunder Times" war schon gespickt mit eingängigen Hymnen. Songs dieser Art finden sich auch auf "Dawn", doch habt ihr beispielsweise mit dem überlangen Titeltrack und dem beinharten "Soul Desert Asylum" euer Repertoire erheblich erweitert.
Yes! Mit "Dawn" wollten wir "Eternal Dreamless Sleep" nochmal fett übertreffen! An diesem Stück habe ich über zehn Jahre geschrieben!
Und wir wollten neue Härtegrade bestreiten und immer noch nach TORIAN klingen. Das macht einfach großen Spaß. Man bricht immer wieder aus, landet aber stets wieder beim TORIAN-Grundsound!
Mir persönlich gehen die typischen TORIAN Nummern total gut ab. "Thunder Battalions" oder "Fall Of The Golden Towers" sind für mich TORIAN pur. Schneller Versteil, erhabene Bridge und dann ein Refrain zum Mitsingen. Live kann man da zunächst mal kräftig die Birne schütteln, dann die Hände erheben und im Anschluss kräftig mitgröhlen. Stehst du auf diese Art von Songs oder schreibst du sie nur gerne?
Sowohl als auch: Ich schreibe ja eh die Musik, die ich selbst gerne hören würde. Power Metal kann hin und wieder komplex sein, braucht aber meiner Meinung nach. stets einen eingängigen Refrain.
Aber ich schreibe auch mit dem Bauch, da steckt kein Kalkül dahinter. Wenn es dann ein eingängiger Mitgröhler unter fünf Minuten Spielzeit wird, dann ist es einfach so passiert, haha.
Hat sich in letzter Zeit etwas bei euch im Bandlager verändert oder ist alles beim Alten geblieben?
Nein. Ungewöhnlicherweise besteht das Line Up samt Höhen und Tiefen seit 2005. Somit haben sich die anderen mehr als sonst beim Songwriting beteiligt. Was die Sache sehr erleichtert hat ist, dass Alex (git) nach knapp zwei Jahren Osnabrück wieder in Paderborn lebt. Wir wohnen nun alle wieder in der Region und treffen uns regelmäßig auch privat zum Party machen.
Eure Liveauftritte sind ein echter Hingucker. Egal 50 oder 500 Leute, bei TORIAN gibt es immer Vollgas. Muss man ein besonderes Gen in sich tragen, um auch die Leute schnell zu begeistern, die einen eigentlich gar nicht kennen und nur wegen dem Headliner da sind?
Vielen Dank erstmal!
Ich denke, dass wir mit Para einfach einen Sänger in unseren Reihen haben, der die Leute wie kein zweiter anpeitscht und die richtigen Sprüche auf Lager hat. Er schon aus so manchem phlegmatischen Publikum das letzte rausgeholt, sodass der jeweilige Auftritt dann doch ein echter Erfolg wurde. Er macht eine hochprofessionelle Metalshow, gespickt mit Wesenszügen eines Otto Waalkes und Joe Granada (Die Angefahrenen Schulkinder), haha.
Wir anderen versuchen uns ja auch so gut es geht zu bewegen, wenn der Bühnensound stimmt.
Ihr habt einige Shows in ganz Europa mittlerweile absolviert. Mit welcher Band war es am geilsten und welcher Auftritt ist euch am meisten in Erinnerung geblieben?
Ich kann da immer wieder nur auf den Support von DRAGONFORCE in Luxemburg verweisen. Wir haben zwar davor und danach hin und wieder vor noch mehr Publikum gespielt, aber an dem Abend passte einfach alles: Ein fachkundiges und geil abgehendes Publikum, eine hochprofessionelle Crew, eine begeisterte Hauptband (mit Sam Totman stehen wir immer noch in Kontakt), eine unvergessene Aftershow-Party, und man hat viele neue und interessante Menschen kennengelernt.
Was plant ihr nach der Veröffentlichung von "Dawn"? Wird es wieder einzelne Gigs geben oder sieht man TORIAN vielleicht auf einer Tour als Support?
Wir kämpfen um derzeit um eine lukrative Tour, wo man sich finanziell nicht das Genick bricht und man nicht verarscht wird. Ansonsten wollen wir wieder verstärkt auch Einzelgigs spielen. Die Veranstalter sollen uns oder Redlion Music (unsere derzeitige Booking-Agency) einfach anschreiben. Man wird sich bestimmt einig werden.
Mit welchen fünf Alben würdest du denn vier Wochen auf einer einsamen Insel bestehen?
Also, gehen wir mal davon aus, dass diese einsame Insel auch beschissene Wetterperioden hat, dass man auch mal was Düsteres auflegen kann. Sonst wären es wohl fast nur AOR- und Hair Metal-Scheiben, (lacht). Also, here we go:
- Iced Earth - Night of the Stormrider
- Iron Maiden - Somewhere in Time
- Bob Catley - Legends
- Kreator - Violent Revolution
- Killswitch Engage - Alive Just Breathing
Bis auf die Scheiben von Iced Earth und Iron Maiden, was sich seit über 15 Jahren nicht geändert hat, sind die anderen Sachen Momentaufnahmen. Kann sich also immer wieder ändern.
Zum Abschluss bitte eine Antwort zum Phänomen "Heavy Metal". Ich war letztens auf einem Konzert von U.D.O. und sah von Jugendlichen bis hin zu 70-jährigen Rentnern das ganze Altersrepertoire vertreten. Warum überdauert der Metal alle Zeit und was ist das Faszinierende an ihm?
Heavy Metal ist und bleibt ein Lebensgefühl. Dieses will ich aber dem Rockabilly, dem Hip Hop oder Punkrock auch nicht absprechen.
Heavy Metal jedoch deckt wie keine andere Musikrichtung alle Emotionen in ihren Extremen ab: Kein Punkrock oder Hip Hop-Song wird je so aggressiv rüberkommen wir ein Stück von Slayer, kein poppiges Liebeslied wird jemals mit der Trauer und Melancholie einer Fates Warning-Ballade mithalten können, und kein Ballermann-Schlager wird jemals mehr zum Saufen animieren wie Saxon oder Airbourne, oleeeee und kein Fan einer anderen Subkultur wird diese Thematik jemals so engstirnig sehen wie wir Metaller.Daran wird auch keine Kommerzialisierung oder die Ankunft in der Mitte der Gesellschaft etwas ändern! Heavy Metal geht wie gesagt durch alle Altersschichten: Die älteren Metaller haben sich einfach nur geweigert, sich komplett dem Normalo-Leben zu verschreiben.
Was für andere eine „Jugendsünde" ist, ist für uns eine Lebenseinstellung, die sich nicht ablegen lässt, selbst wenn man es wollte!
Diesen wahren Worten ist am Ende des Gesprächs einfach nichts hinzuzufügen. Leben wir einfach unsere Musik! TORIAN sein dank, ist dies auch möglich. |