
Irgendwo in der hessischen Provinz gibt es die Band Mercury Falling und das nicht erst seit gestern.
Auch ich kannte sie nicht! Das war eine Bildungslücke. Mit einem jungen Label mit alten Hasen an Bord und einer starken Scheibe im Gepäck stehen Mercury Falling nun auf der Bildfläche! Die beiden Brüder Tobias (Gitarre) und Daniel Galminari (Keyboard) beantworteten meine Fragen.
Euer Bandname ist auch ein Albumname von Sting und ein Song der gar nicht so alten Poisonblack! Wonach habt ihr euch denn benannt?
Daniel: Früher dachte ich immer, dass man diesen Namen so wunderbar interpretieren lassen könnte, dass das Wort MERCURY so viele verschiedene Ebenen zulässt. Die ganze Wahrheit allerdings ist wirklich die, dass wir uns unseren Bandnamen dem Titel des 1996 veröffentlichten Sting Albums entliehen haben. Wir suchten damals nach einem geeigneten Namen und ein Jahr zuvor wurde die Scheibe von Sting veröffentlicht. Wir fanden einfach, dass es gut klingt! Der Albumtitel oder unser Bandname lässt natürlich immer noch viel Interpretationsspielraum.
Wurdet ihr schon einmal mit Mercury Tide, Mercury Rain oder so wegen des ähnlichen Namens verwechselt ?
Daniel: Nein! Asche auf mein Haupt! Die beiden genannten Bands sind mir auch leider völlig unbekannt. In der Vergangenheit wurden wir hin und wieder für eine Queen-Tribut-Band gehalten, da unsere Name fälschlicher Weise mit Freddy Mercury in Verbindung gebracht wurde.
Ihr seid nun seit 1998 am Start, habt einige Supportgigs mit bekannten Bands, sowie Nachwuchswettbewerbe hinter euch, träumt man da noch vom großen Durchbruch mit Mitte 30 oder seid ihr zufrieden was ihr schon erreicht habt?
Daniel: Klar sind wir zufrieden. Wir sind in der Lage unsere Musik spielen zu dürfen, haben einige Fans, können Alben aufnehmen und hatten vor einigen Monaten das Glück bei Phonotraxx mit unserer aktuellen CD "Into The Void" gesignt zu werden. Was den "großen Durchbruch" angeht, so sind wir innerhalb der Band sehr realistisch! Um richtig groß in dem Business zu werden, hätten wir in der Tat ein wenig jünger sein müssen.
Aber es ist trotzdem cool, wenn man mit jedem Schritt den man macht, etwas erfolgreicher wird. Wir hoffen natürlich, dass es für uns weitergeht und sich nicht zurückentwickelt oder stagniert. Denn Stillstand ist nie gut! Wir sind natürlich nicht böse, wenn der "große Durchbruch" trotzdem irgendwann kommt.
Wie schwer ist es denn als osthessische Band mit einem relativ unkommerziellen Sound (Melodic Power Metal mit leichtem Prog Einschlag) weiter zu kommen, was sind denn die Stolpersteine die euch persönlich betroffen haben?
Daniel: Es ich unglaublich schwer auf sich aufmerksam zu machen. Und das in jeglichen Bereichen. Veranstalter die Dich nicht kennen, buchen Dich nicht. Zeitschriften die noch nichts von Dir gehörten haben, berichten nichts über Dich. Leute die Dich aus diesen Gründen nicht kennen, kommen nicht zu Deinen Konzerten. Alles was Dir übrig bleibt, ist am Ball zu bleiben, neue Alben aufzunehmen und gute Konzerte spielen. Dazu ist es wichtig, Kontakte zu knüpfen. Das ist aber in einer Zeit, in der der Konkurrenzkampf im Musikbusiness immer härter wird, zunehmend schwerer. Wir beweisen einen so langen Atem, weil wir unsere Musik einfach gerne machen, dazu stehen und innerhalb der Band wirklich gut befreundet sind. Anders geht das nicht! Ich glaube es gibt eine Menge guter Bands die sich aus dem Grund einer falschen Perspektivlosigkeit nach 2-3 Jahren auflösen.
Tolle Einstellung! Viele Bands machen die Produktion selber, ihr habt mit Jens Ludwig (Edguy) und Piet Sielck (Iron Savior) Profis rangelassen, was insgesamt sicherlich gutes Geld gekostet hat. Auch optisch habt ihr euch nicht lumpen lassen.
Glaubst du viele Bands überschwemmen den Markt heutzutage mit halbgaren Scheiben, die vielleicht Monate oder Jahre zu früh draußen sind?
Daniel: Das kann ich gar nicht so richtig beurteilen. Wenn die Ideen und die Musik gut sind, ist der Sound relativ zweitrangig. Hör Dir mal Scheiben aus den 70er oder 80er Jahren an. Der Sound kann oftmals mit dem heutigen Standard nicht mithalten, die Songs sind allerdings immer noch der absolute Burner. Wir haben uns dazu entschlossen Profis ranzulassen, da wir damals gar nicht in der Lage gewesen wären unsere Songs in ein brauchbares, professionelles Soundgewand zu hüllen. Für uns persönlich ist der Sound unserer CDs enorm wichtig. Du kaufst Dir ja keinen Maybach und stellst ihn in den Kuhstall. Wir finden analog zu diesem Vergleich eben, dass gute Songs eine prima "Garage" - einen guten Sound - benötigen. Viele Bands können oder wollen es sich nicht leisten, viel Geld für die Produktion auszugeben. Ob ein Album mit einem weniger hochwertigen Sound akzeptiert wird, bestimmt am Ende immer der Fan.
Alben und Demos in Eigenregie sind passé. Was erhofft ihr euch nun vom Axxis eigenen Label Phonotraxx das die Scheibe noch einmal raus bringt?
Tobias: Nun erstmal hoffen wir natürlich, dass sich unser Bekanntheitsgrad erhöht und wir Zugang zu einem größeren Publikumskreis bekommen. Dazu wollen wir natürlich viel live spielen. Wir hoffen, dass uns die Kontakte des Labels und Axxis einige Türen öffneten. Es handelt sich bei "Into the Void" übrigens nicht um ein Re-Release. Die Scheibe wurde von uns bisher nicht in Eigenregie veröffentlicht. Wir haben lediglich eine Kleinauflage zur Bemusterung und Promotion anfertigen lassen.
Viele Leute sagten mir, dass sich die Metalszene in den letzten Jahren so entwickelt hat, dass im Internet immer anonym Bands und Newcomer angegriffen werden. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?
Daniel: Zu unserem Glück selten! Richtig angefeindet wurden wir eigentlich noch nie! Es gab mal einen Fall, dass sich ein schreibwütiger Kritiker unsere letzte CD "Human Nature" besorgte und sie dann nach allen Regeln der Kunst in seiner Rezension zerrissen hat. Wie sich später herausstellt, tat er dies auch mit zahlreichen anderen Bands, worüber die Betreiber der Plattform gar nicht glücklich waren. Wenn man als Kritiker bestimmte Arten von Musik persönlich nicht mag, kann man doch auch mal getrost nix schreiben oder den Silberling an jemanden weitergeben, der eher von solcher Musik angetan ist. Letztendlich ist das sowieso immer eine Geschmacksfrage.
Das Downloadgespenst ist für viele mittelgroße Bands die davon leben müssen ein Verlustgeschäft, welche Erfahrungen hast du mit Downloads (legal) und den ganzen Diensten die damit zusammen hängen gemacht ¬ oder denkst du CDs verkaufen zu moderaten Preisen ist die beste Sache? Bietet ihr eigentlich alte Demos oder einzelne Songs kostenlos an?
Tobias: Das Problem mit den Downloads ist meist, dass die Möglichkeit besteht, unbegrenzte Kopien anzufertigen und sie kostenlos weltweit zu verteilen. Viele Sagen zwar, dass das früher mit den Kassetten nicht anders war. Viele wissen aber nicht, dass ein gewisser Betrag einer verkauften Leerkassette an Verwertungsgesellschaften geflossen ist, und es so einen gewissen Ausgleich gab. Im digitalen Zeitalter gibt es solche Modelle nur begrenzt. Auf jeden verkauften Track kommen daher einige 100 kopierten Versionen. Das macht es natürlich extrem schwer, von Verkäufen zu leben. Als relativ unbekannte Band ist es aber wichtig, auch mit freien Titeln auf sich aufmerksam zu machen. Wir versuchen, durch die Veröffentlichung einzelner Songs oder Videos die Leute neugierig auf die ganze Scheibe zu machen. Den digitalen Markt für "Into the Void" überlassen wir aber dem Label.
Habt ihr eigentlich einen Plan für die nächsten 2-3 Jahre in der Tasche was die Band betrifft?
Daniel: Nächstes Jahr einen neuen Longplayer veröffentlichen und gute Auftritte spielen! An einem konkreten Masterplan wird noch gefeilt. (lacht).
Ich hoffe diese gute Band bekommt da draußen von euch und anderen Chancen bekannt zu werden! |