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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MERCURY FALLING
Haben einen langen Atem
Thorsten Dietrich
www.mercuryfalling.de


Irgendwo in der hessischen Provinz gibt es die Band Mercury Falling und das nicht erst seit gestern. Auch ich kannte sie nicht! Das war eine Bildungslcke. Mit einem jungen Label mit alten Hasen an Bord und einer starken Scheibe im Gepck stehen Mercury Falling nun auf der Bildflche! Die beiden Brder Tobias (Gitarre) und Daniel Galminari (Keyboard) beantworteten meine Fragen.

Euer Bandname ist auch ein Albumname von Sting und ein Song der gar nicht so alten Poisonblack! Wonach habt ihr euch denn benannt?

Mercury Falling

Daniel: Frher dachte ich immer, dass man diesen Namen so wunderbar interpretieren lassen knnte, dass das Wort MERCURY so viele verschiedene Ebenen zulsst. Die ganze Wahrheit allerdings ist wirklich die, dass wir uns unseren Bandnamen dem Titel des 1996 verffentlichten Sting Albums entliehen haben. Wir suchten damals nach einem geeigneten Namen und ein Jahr zuvor wurde die Scheibe von Sting verffentlicht. Wir fanden einfach, dass es gut klingt! Der Albumtitel oder unser Bandname lsst natrlich immer noch viel Interpretationsspielraum.

Wurdet ihr schon einmal mit Mercury Tide, Mercury Rain oder so wegen des hnlichen Namens verwechselt ?

Daniel: Nein! Asche auf mein Haupt! Die beiden genannten Bands sind mir auch leider vllig unbekannt. In der Vergangenheit wurden wir hin und wieder fr eine Queen-Tribut-Band gehalten, da unsere Name flschlicher Weise mit Freddy Mercury in Verbindung gebracht wurde.

Ihr seid nun seit 1998 am Start, habt einige Supportgigs mit bekannten Bands, sowie Nachwuchswettbewerbe hinter euch, trumt man da noch vom groen Durchbruch mit Mitte 30 oder seid ihr zufrieden was ihr schon erreicht habt?

Daniel: Klar sind wir zufrieden. Wir sind in der Lage unsere Musik spielen zu drfen, haben einige Fans, knnen Alben aufnehmen und hatten vor einigen Monaten das Glck bei Phonotraxx mit unserer aktuellen CD "Into The Void" gesignt zu werden. Was den "groen Durchbruch" angeht, so sind wir innerhalb der Band sehr realistisch! Um richtig gro in dem Business zu werden, htten wir in der Tat ein wenig jnger sein mssen. Aber es ist trotzdem cool, wenn man mit jedem Schritt den man macht, etwas erfolgreicher wird. Wir hoffen natrlich, dass es fr uns weitergeht und sich nicht zurckentwickelt oder stagniert. Denn Stillstand ist nie gut! Wir sind natrlich nicht bse, wenn der "groe Durchbruch" trotzdem irgendwann kommt.

Wie schwer ist es denn als osthessische Band mit einem relativ unkommerziellen Sound (Melodic Power Metal mit leichtem Prog Einschlag) weiter zu kommen, was sind denn die Stolpersteine die euch persnlich betroffen haben?

Daniel: Es ich unglaublich schwer auf sich aufmerksam zu machen. Und das in jeglichen Bereichen. Veranstalter die Dich nicht kennen, buchen Dich nicht. Zeitschriften die noch nichts von Dir gehrten haben, berichten nichts ber Dich. Leute die Dich aus diesen Grnden nicht kennen, kommen nicht zu Deinen Konzerten. Alles was Dir brig bleibt, ist am Ball zu bleiben, neue Alben aufzunehmen und gute Konzerte spielen. Dazu ist es wichtig, Kontakte zu knpfen. Das ist aber in einer Zeit, in der der Konkurrenzkampf im Musikbusiness immer hrter wird, zunehmend schwerer. Wir beweisen einen so langen Atem, weil wir unsere Musik einfach gerne machen, dazu stehen und innerhalb der Band wirklich gut befreundet sind. Anders geht das nicht! Ich glaube es gibt eine Menge guter Bands die sich aus dem Grund einer falschen Perspektivlosigkeit nach 2-3 Jahren auflsen.

Mercury Falling

Tolle Einstellung! Viele Bands machen die Produktion selber, ihr habt mit Jens Ludwig (Edguy) und Piet Sielck (Iron Savior) Profis rangelassen, was insgesamt sicherlich gutes Geld gekostet hat. Auch optisch habt ihr euch nicht lumpen lassen. Glaubst du viele Bands berschwemmen den Markt heutzutage mit halbgaren Scheiben, die vielleicht Monate oder Jahre zu frh drauen sind?

Daniel: Das kann ich gar nicht so richtig beurteilen. Wenn die Ideen und die Musik gut sind, ist der Sound relativ zweitrangig. Hr Dir mal Scheiben aus den 70er oder 80er Jahren an. Der Sound kann oftmals mit dem heutigen Standard nicht mithalten, die Songs sind allerdings immer noch der absolute Burner. Wir haben uns dazu entschlossen Profis ranzulassen, da wir damals gar nicht in der Lage gewesen wren unsere Songs in ein brauchbares, professionelles Soundgewand zu hllen. Fr uns persnlich ist der Sound unserer CDs enorm wichtig. Du kaufst Dir ja keinen Maybach und stellst ihn in den Kuhstall. Wir finden analog zu diesem Vergleich eben, dass gute Songs eine prima "Garage" - einen guten Sound - bentigen. Viele Bands knnen oder wollen es sich nicht leisten, viel Geld fr die Produktion auszugeben. Ob ein Album mit einem weniger hochwertigen Sound akzeptiert wird, bestimmt am Ende immer der Fan.

Alben und Demos in Eigenregie sind pass. Was erhofft ihr euch nun vom Axxis eigenen Label Phonotraxx das die Scheibe noch einmal raus bringt?

Tobias: Nun erstmal hoffen wir natrlich, dass sich unser Bekanntheitsgrad erhht und wir Zugang zu einem greren Publikumskreis bekommen. Dazu wollen wir natrlich viel live spielen. Wir hoffen, dass uns die Kontakte des Labels und Axxis einige Tren ffneten. Es handelt sich bei "Into the Void" brigens nicht um ein Re-Release. Die Scheibe wurde von uns bisher nicht in Eigenregie verffentlicht. Wir haben lediglich eine Kleinauflage zur Bemusterung und Promotion anfertigen lassen.

Viele Leute sagten mir, dass sich die Metalszene in den letzten Jahren so entwickelt hat, dass im Internet immer anonym Bands und Newcomer angegriffen werden. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?

Daniel: Zu unserem Glck selten! Richtig angefeindet wurden wir eigentlich noch nie! Es gab mal einen Fall, dass sich ein schreibwtiger Kritiker unsere letzte CD "Human Nature" besorgte und sie dann nach allen Regeln der Kunst in seiner Rezension zerrissen hat. Wie sich spter herausstellt, tat er dies auch mit zahlreichen anderen Bands, worber die Betreiber der Plattform gar nicht glcklich waren. Wenn man als Kritiker bestimmte Arten von Musik persnlich nicht mag, kann man doch auch mal getrost nix schreiben oder den Silberling an jemanden weitergeben, der eher von solcher Musik angetan ist. Letztendlich ist das sowieso immer eine Geschmacksfrage.

Das Downloadgespenst ist fr viele mittelgroe Bands die davon leben mssen ein Verlustgeschft, welche Erfahrungen hast du mit Downloads (legal) und den ganzen Diensten die damit zusammen hngen gemacht oder denkst du CDs verkaufen zu moderaten Preisen ist die beste Sache? Bietet ihr eigentlich alte Demos oder einzelne Songs kostenlos an?

Mercury Falling

Tobias: Das Problem mit den Downloads ist meist, dass die Mglichkeit besteht, unbegrenzte Kopien anzufertigen und sie kostenlos weltweit zu verteilen. Viele Sagen zwar, dass das frher mit den Kassetten nicht anders war. Viele wissen aber nicht, dass ein gewisser Betrag einer verkauften Leerkassette an Verwertungsgesellschaften geflossen ist, und es so einen gewissen Ausgleich gab. Im digitalen Zeitalter gibt es solche Modelle nur begrenzt. Auf jeden verkauften Track kommen daher einige 100 kopierten Versionen. Das macht es natrlich extrem schwer, von Verkufen zu leben. Als relativ unbekannte Band ist es aber wichtig, auch mit freien Titeln auf sich aufmerksam zu machen. Wir versuchen, durch die Verffentlichung einzelner Songs oder Videos die Leute neugierig auf die ganze Scheibe zu machen. Den digitalen Markt fr "Into the Void" berlassen wir aber dem Label.

Habt ihr eigentlich einen Plan fr die nchsten 2-3 Jahre in der Tasche was die Band betrifft?

Daniel: Nchstes Jahr einen neuen Longplayer verffentlichen und gute Auftritte spielen! An einem konkreten Masterplan wird noch gefeilt. (lacht).

Ich hoffe diese gute Band bekommt da drauen von euch und anderen Chancen bekannt zu werden!

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