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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ALEXANDER PAUL BLAKE
Ein kreativer Vollblutmusiker auf tiefgründigen Solopfaden!
Steffi Müller
www.alexanderpaulblake.de


Der Frontman von Eden Weint Im Grab hat sich mit seiner "Rückkehr Ins Goldene Zeitalter" auf einen musikalischen Alleingang begeben und dabei ein Album entstehen lassen, das gekonnt Mystik, Atmosphäre und Literatur mit rauem Black Metal verbindet. Alexander Paul Blake kann dabei aber nicht nur mit seiner Musik begeistern. Auch Worte gehören wohl zu seinen Stärken, so dass mir mit diesem Interview ein interessanter und ausführlicher Einblick in seine Schaffens- und Denkweise geboten wurde...

Alexander Paul Blake Alexander Paul Blake

Wie kamst Du eigentlich zu dem auffallenden Pseudonym "Alexander Paul Blake"?

Kraft der Fantasie? Nun, das Pseudonym stammt noch aus der Frühzeit von Eden Weint Im Grab und lehnt sich an meinen bürgerlichen Namen an - gewissermaßen ist es eine Poetisierung desselben, um meine dunkle künstlerische Seite von der privaten zu trennen. Als ich "Die Rückkehr Ins Goldene Zeitalter" letzten Herbst komponiert habe, stand nicht von Beginn an fest, dass es ein Alexander-Paul-Blake-Album werden würde. Vielmehr habe ich zunächst relativ frei und ohne ein konkretes Ziel komponiert, weil ich das Bedürfnis hatte, mich am Black Metal zu versuchen. Eine Musik, die mich seit meiner Jugend begleitet, zuvor in meinem eigenen kreativen Schaffen aber keine Rolle gespielt hat.

Was hat Dich dazu veranlasst, neben deiner kreativen und erfolgreichen Arbeit bei "Eden Weint Im Grab" zusätzlich noch ein eigenes Soloprojekt ins Auge zu fassen?

Als es langsam konkreter wurde, dass aus den ersten Kompositionsversuchen ein ganzes Album werden würde, stand ich vor der Frage, unter welchem Namen ich es veröffentlichen soll. Ich habe zunächst mit dem Gedanken gespielt, es als Eden-Weint-Im-Grab-Album zu deklarieren, aber ich hatte kein gutes Gefühl dabei, da es zum einen bedeutet hätte, den "Geysterstunde"-Zyklus schon wieder zu durchbrechen und zum anderen für Verwirrung gesorgt hätte und am Ende niemand mehr hätte sagen können, für welchen Sound Eden Weint Im Grab eigentlich stehen. Immerhin hatte ich mich "Der Herbst Des Einsamen" ja bereits ein reines Gedichtalbum veröffentlicht, das sehr weit vom Dark/Gothic Metal Kurs abwich. Mit schien es sinnvoller, dem Projekt einen neuen Namen zu geben - Alexander Paul Blake lag nahe, da ich alles im Alleingang kreiert hatte und so die Verbindung zu Eden Weint Im Grab dennoch deutlich wird. So sind beide Projekte gewissermaßen verbrüdert.

Für viele ist das alleinige produzieren eines Werkes, ohne Band und gemeinsames Songwriting, ein Graus. Steckt in diesem Alleingang für dich ein besonderes Maß an Freiheit? Hast Du an mancher Stelle doch insgeheim helfende Bandkollegen vermisst?

Es ist vielmehr so, dass dies seit jeher meine bevorzugte Arbeitsweise ist und sie sich für mich am natürlichsten anfühlt. So kann ich am effektivsten arbeiten. Auch die Eden-Weint-Im-Grab-Alben sind ja mehr oder weniger alle im Alleingang entstanden. Bei "Geysterstunde I", als das Projekt zu einer richtigen Band gewachsen war, haben sich meine Bandkollegen ab dem Zeitpunkt, als ich die Songs fertig geschrieben hatte, dann aber mit eingebracht. Das ist richtig. Diesmal fehlte diese Stufe, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass dem Album dadurch etwas fehlt. Kreative Sackgassen gab es glücklicherweise keine. Ich bin gewiss kein Virtuose, aber ich bin in der Lage, alle Instrumente, die auf der Scheibe zu hören sind, so weit zu spielen, dass es für Studiozwecke reicht und dass mich die Performance zufrieden stellt. Daher spiele ich meist direkt beim Komponieren den Großteil der Instrumente ein - Komposition, Aufnahme und Mix verschmelzen so gewissermaßen und lassen sich nicht mehr deutlich in Abschnitte trennen, wie bei vielen anderen Bands.

Dein neustes Werk "Die Rückkehr Ins Goldene Zeitalter" besticht durch die gelungene Portion an Mystik und Romantik, die mit harschen Black Metal-Elementen gepaart werden. Was war Dir beim konzipieren dieser Songs besonders wichtig?

Ich wollte eben diese Gegensätze auf einem Album vereinen. Es sollte ein Soundtrack zu einem einsamen Gang durch die unberührte Natur werden und die Urkräfte von Mutter Erde musikalisch einfangen. Wenn ich die Stücke höre, habe ich Assoziationen wie das leise Plätschern eines Baches, weite Nebelfelder, bedrohlich wiegende Tannenspitzen, dunkle aufziehende Wolken, schwere Gewitter- oder Hagelstürme oder grimmiges Schneestreiben. Ich habe beim Komponieren bewusst darauf geachtet, dass die Musik auf ihre Weise roh, ungeschliffen und harsch, aber gleichsam sehr atmosphärisch und episch klingt. Deshalb habe ich den Perfektionismus diesmal komplett außen vor gelassen und nur darauf geachtet, dass das Feeling stimmt. Unsauberheiten, oder kleine Verspieler sind auf dem Album durchaus auszumachen, auch viele Gesangsparts sind first takes. Aber oft ist es so, dass man die Magie des ersten Moments später nicht mehr reproduzieren kann. In einigen Rezensionen wurde die Produktion kritisiert. Auch diese ist bewusst puristisch und harsch gehalten, um dem typischen Black-Metal-Sound nahe zu kommen. Ich wollte absichtlich kein modernes, druckvolles Album produzieren, sondern etwas sehr Archaisches vermitteln. Dass manche Hörer eher einen zeitgemäßen Sound präferieren, muss ich da wohl in Kauf nehmen.

Als literarisches Vorbild stand dir bei diesem Werk Henry David Thoreau mit seinem Werk "Walden". Ein Mann, der seine Erfahrungen über sein zwei Jahre andauerndes Leben in der Natur beschreibt. Wie bist Du eigentlich auf dieses Buch gestoßen?

Die Akustikgitarre, mit der ich dieses Album einspielte, ist von der Firma Walden, daher lag es nahe, auch das Konzept daran anzulehnen ... Nein, im Ernst. So genau weiß ich gar nicht mehr, wie ich auf "Walden" gestoßen bin. Ich nehmen an, es war während meines Literaturwissenschaftsstudiums. Jahre später, in einer Phase der Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, habe ich das Buch noch mal gelesen und fühlte mich zu manchem Text inspiriert. Allerdings muss ich dazu sagen, dass das Konzept von "Die Rückkehr Ins Goldene Zeitalter" nur anfangs - beim Bau der Hütte im Wald - auf "Walden" Bezug nimmt. Später verselbstständigt sich die Handlung und geht andere Wege. Generell finde ich den Gedanken, sich einfach aus der Gesellschaft auszuklinken und all die Oberflächlichkeit und Entfremdung zurück zu lassen, um etwas Echtes für sich wiederzuentdecken, sehr reizvoll. Dummerweise ist mein Abenteuergeist im realen Leben nicht allzu ausgeprägt, sodass ich mich zunächst einmal auf poetische Flüchte besinnen muss. Das Kreieren dieses Album war solche eine Flucht. Wenn ich an den Songs arbeitete, konnte mir nichts etwas anhaben und ich war in einer beschützten, archaischen Welt der Kunst zu Hause. So sind die Songs gewissermaßen auch mein erhobener Mittelfinger an diese Gesellschaft, deren höchste Werte Geld, die Anhäufung von Besitztümern, Macht, Prestige und Erfolg zu sein scheinen, zu sehen.

Inwiefern kann die Thematik, die Thoreau beschreibt, für die heutige Menschheit noch aktuell sein?

Sie ist aktueller denn je. Es ist nicht so, dass ich den Menschen empfehle, wieder in den Wald zu ziehen und alle Errungenschaften der Moderne zurück zu lassen, aber etwas mehr Demut und Respekt gegenüber allen Kreaturen auf diesem Planeten und Mutter Erde würden uns sehr gut tun. Es ist zu viel, um alles aufzuzählen, aber ich denke, dass jeder, der die Augen aufmacht, sieht, wie viel Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Kriege, Naturverseuchung oder Tierquälerei es auf diesem Planeten gibt. Unfassbar, dass so viele von uns dies ganz "normal" finden und sich eine bessere Welt schon gar nicht mehr vorstellen können. Die meisten von uns haben den Bezug zu ihrer wahren Natur verloren - sie agieren wie ferngesteuerte Konsumenten im Hamsterrad und hinterfragen kaum etwas. Ich glaube zwar, dass den Großteil der Verantwortung eine kleine Elite trägt, die in jeder Hinsicht über Leichen geht, um des Profits und Machterhalt willen. Aber die breite Masse der Menschen sieht hilflos zu, nimmt die Verführungen der modernen Technik dankbar an und verharrt in Lethargie. Dabei ist es kurz vor 12 und ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis sich der Planet zurück holt, was wir ihm genommen haben, um sich selbst zu heilen. Menschen wie Thoreau und auch viele Idealisten heutzutage, versuchen ihr Leben bewusst zu gestalten, sie entdecken die Spiritualität fernab aller dogmatischen Religionen für sich und sind zumindest bemüht, durch ihr Leben hier möglichst wenig Schaden anzurichten. Auch darum geht es zwischen den Zeilen auf diesem Album - aber ich sage bewusst zwischen den Zeilen, denn einen erhobenen Zeigefinger, wird man in den Texten nicht finden - nur in manchem Interview, wenn die Empörung mit mir durch geht...grins"

Was hat Dich persönlich an Thoreaus Erzählungen fasziniert?

Ich glaube, das hat ganz viel mit eigenen Sehnsüchten zu tun, die man im Alltag nicht unbedingt ausleben kann, die aber ein anderer Mensch in die Tat umsetzte. Durch das Buch kann man gewissermaßen daran teilhaben. Außerdem spielt die philosophische Ebene eine wichtige Rolle: Ich finde den Gedanken sehr wichtig, dass sich der Mensch wieder in die Natur eingliedern muss, anstatt sich über sie zu stellen. Das muss aber nicht unbedingt ein Schritt zurück in die Steinzeit sein, denn es liegen durchaus Patente für saubere Formen der Energieerzeugung in den Schubladen - Stichwort Freie Energie -, die jedoch mangels großer Profitaussichten unterdrückt und nicht weiterentwickelt werden. Ich denke, dass die moderne Technik und ein Leben im Einklang mit der Natur sich nicht unbedingt ausschließen. Als Beispiel möchte ich das Venus-Projekt nennen, das in dem Film "Zeitgeist Addendum" vorgestellt wird, den es frei im Netz gibt. Es mag nicht alles realistisch sein, aber mehr über solche vermeintlichen Utopien nachzudenken, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Wenn Du ein Song aus "Die Rückkehr Ins Goldene Zeitalter" besonders empfehlen solltest, welcher Song würde es sein, und warum genau dieser?

Bei dieser Frage verweise ich gerne auf eine Mutter, die (im Normalfall) auch keines ihrer Kinder lieber hat als das andere. Für mich sind alle meine Songs meine Kinder - auch sie sind durch mich auf diese Welt gekommen und die Geburt war sehr schön! Sicher gefallen mir beim Hören nun auch bestimmte Passagen mal besser und mal schlechter, aber es ändert sich bei jedem Hören, sodass ich Favoriten wirklich nicht ausmachen kann. Ich arbeite ja auch an jedem Stück so lange, bis es in meinen Augen veröffentlichungswürdig ist. Hinzu kommt, dass das Album für mich eine Einheit bildet und ich es eher als Gesamtwerk sehe, nicht so sehr als Sammlung von für sich stehenden Songs. Mit etwas Fantasie erzählt es ja auch eine durchgehende Geschichte.

Alexander Paul Blake Alexander Paul Blake

Für mich ist der Song "Naturgeisterschauspiel" einer der großen Highlights auf deinem Album. Wie würdest Du diesen Song und dessen Besonderheit in deinen eigenen Worten beschreiben?

Es ist auf jeden Fall der melodischste und vielleicht auch gefälligste Song auf dem Album und jener Track, der einige am ehesten an Eden Weint Im Grab erinnert hat. Das war mir gar nicht so bewusst. Die Songs sind ja in einem Rutsch entstanden, aber es auch klar, dass sich gewisse Parallelen nicht vermeiden lassen, wenn derselbe Songwriter, Instrumentalist und Sänger dafür verantwortlich zeichnet. Es ist ein Stück über Naturgeister, die ich nicht nur als bloße Fabelwesen sehe, sondern als einen Teil der Natur, den Menschen in früherer Zeit noch wahrnehmen konnten, der uns aber durch eine zu starke Fokussierung auf das Materielle verloren gegangen ist. Ich finde, Naturgeister sind ein spannendes Thema und wenn man sich eine Weile damit beschäftigt, eröffnet sich einem eine ganz neue Sicht auf die Welt. Wir haben jüngst auch ein Video dazu gedreht, das einige der Inhalte des Albums visuell einfängt: http://www.youtube.com/watch?v=sFxK7zRDsh8&feature=youtu.be!

Bist Du nun nach Veröffentlichung zufrieden mit den Feedbacks, die du für dein Werk bekommst?

Zum Großteil schon, einige Fanreaktionen und Rezensionen waren wirklich sehr schön. Das ist ja nach Monaten des Arbeitens an einem Album schon ein wichtiger Moment, ob alle verbal auf einen einprügeln oder ob man merkt, dass die eigene Arbeit geschätzt wird, denn das motiviert natürlich, weiterzumachen. Und da es ein neues Projekt ist, war es für mich auch ein Schritt ins Ungewisse. Aber es ist nichtsdestotrotz ein Album für einen kleinen Hörerkreis, nichts für die breite Masse, auch nicht für die breite Metal-Masse. Man hat schon bei einigen Rezensenten gemerkt, dass sie einfach nichts damit anfangen konnten. Das ist der Vorteil, wenn man in einer bekannten Band spielt, denn dadurch steigen die Chancen, dass in jeder Reaktionen schon Journalisten sitzen, die die eigene Musik mögen, sodass sie in guten Händen ist. Diese Bekannt muss ich mir erst noch erarbeiten. Aber letzten Endes macht man ja eh nicht für die Journalisten Musik, sondern in erster Linie für sich selbst und in zweiter Linie für seine Fans.

Wie sähe für dich die Reise zurück ins "Goldene Zeitalter" ideeller Weise aus? Zu was sollte die Menschheit sich wieder mehr besinnen?

Der Protagonist des Albums muss sich von der Gesellschaft entfernen und sich später seiner sterblichen Hülle entledigen, um in einem spirituellen Sinne wieder eins mit dem Wirken des Waldes zu werden. Nun, so weit müssen wir nun nicht alle gehen. Ich stelle mir das Goldene Zeitalter im Sinne der Romantik als dritte Stufe einer Geschichtstriade vor: Die Menschheit lebte einst in solch einem Zustand des Friedens, gegenseitigen Respekts und ohne Kriege und Verbrechen, fiel dann jedoch aus diesem heraus und trat in ein dunkles Zeitalter ein, dass wir nun nach wie vor noch erleben. Die nächste Stufe wäre demnach ein neues Goldenes Zeitalter, als Reaktion auf all die Missstände, die wir jetzt erleben. Im Grunde wäre es sehr einfach: Wenn sich alle Menschen an das eherne Gesetz halten würden "Was du nicht willst, dass man dir tu`, das füg` auch keinem anderen zu" hätten wir einen Großteil aller Probleme nicht. Ob es realistisch ist? Momentan scheint es nicht so. Aber wenn man sich die Geschichte ansieht, steckt sie voller großer Veränderungen und Umstürze, und auch die heutige Weltordnung muss kein ewiger Zustand sein. Ich glaube daran, dass alles zyklisch verläuft.

Wird Alexander Paul Blake auch Live zu sehen sein? Oder sind Auftritt mit einem Soloprojekt völlig ausgeschlossen?

Sie sind nicht völlig ausgeschlossen, momentan aber nicht in Planung, da ich erstmal abwarten möchte, wie die Reaktionen so sind und ob das Interesse groß genug ist. Meine Erfahrungen der Vergangenheit besagen, dass es heutzutage recht schwierig ist, gute Gigs zu bekommen, da das Überangebot an Bands riesig ist. Wir werden aber bei Eden Weint Im Grab, wenn es sich anbietet, den einen oder anderen Songs ins Set einbauen.

Von welcher Musik lässt sich ein Sascha Blach alias Alexander Paul Blake eigentlich privat inspirieren?

Beim Beantworten dieses Interviews höre ich gerade And Also The Trees, wirklich wunderbare Musik, die ich jüngst für mich entdeckt habe. Ansonsten kenne ich keine Scheuklappen, sondern bin generell für fast alle Stile offen. Musik muss mich eben emotional erreichen, dann ist mir relativ egal, in welche Schublade man sie packt. Aufgewachsen bin ich mit traditionellem Heavy Metal sowie Death und Black Metal - dem typischen Musikgeschmack vieler. Diese Musik mag ich auch heute noch. Aber über die Jahre hat es sich in verschiedene Richtungen erweitert. Tendenziell mag ich besondere Musik, Bands, die gerne experimentieren und über den Tellerrand blicken, Bands, die einen eigenen Sound haben und nicht nur kopieren, Bands, die wirklich große Songs schreiben, sodass ich mir von ihnen etwas abschauen kann, Bands mit einer Liebe fürs Detail usw. Ich möchte das ungern an Namen festmachen - die Liste würde sehr lang werden. Was ich aber sagen kann, ist dass das erste Alexander-Paul-Blake-Album sowohl frühe Black- Metal-Bands wie Ulver, Emperor, Kvist, In The Woods... oder Burzum inspiriert haben als auch neuere Formationen wie Wolves In The Throne Room oder Negura Bunget - eben jene BM-Bands, die nicht nur das Gaspedal durchtreten und nicht über das Besingen genretypischer Klischees hinauskommen, sondern solche, die die naturmystische, romantische, spirituelle und philosophische Seite dieser Musik bedienen.

Gibt es aktuelle Veröffentlichungen anderer Bands, die dich völlig überzeugen?

Ja, durchaus immer wieder. Das aktuelle Album von Anathema finde ich z.B. richtig groß und rundum überzeugend. Ich erwische mich aber auch verstärkt dabei, dass ich Klassiker aus den 80ern und 90ern höre. Gerade im Metal-Bereich kann ich mit solchen Klassikern häufig mehr anfangen als mit modernen Veröffentlichungen vieler Bands. Heutzutage klingt vieles zu ähnlich, gerade in puncto Sound, da es ein paar namhafte Produzenten gibt, die ihren Standardsound allen Bands aufdrücken, die dafür bezahlen. Das klingt dann zwar meistens mörderisch fett, aber auch irgendwie unindividuell.

Wird es Alexander Paul Blake-Solo auch weiterhin geben? Liegen schon neue Pläne für ein weiteres Album vor? Oder ist zeitlich gesehen nun erst mal wieder Eden Weint Im Grab dran?

Meine Absicht ist es, beide Projekt fortan parallel zueinander existieren zu lassen. Ich bin gerade dabei, an einem zweiten APB-Album zu arbeiten, das aber erst 2013 erscheinen wird. Danach ist wieder das Songwriting für EwiGs "Geysterstunde II" dran, wobei ich noch nicht weiß, welche Album dann zuerst erscheinen wird. Mein Plan ist auf jeden Fall, gegen Ende des Jahres beide Werke fertig zu haben.

Wenn Du auf deine musikalische Schaffenszeit zurück blickst, was war bist jetzt das Schönste, was Du mit der Musik und als Musiker erleben durftest?

Das kann ich schwer beantworten, da es den einen großen Moment nicht gab. Natürlich sind größere Auftritte vor einem euphorischen Publikum immer schön, und über positives Feedback von Hörern freue ich mich auch immer, aber ich glaube, die schönste Zeit ist für mich immer die Arbeit an neuer Musik - zu sehen, wie ein Song stetig wächst, ihn wieder und wieder zu hören und dabei in Euphorie zu geraten und schließlich ein fertiges Album in den Händen halten zu können, dass man selbst quasi aus dem Nichts heraus geschaffen hat. Das ist schon toll.

Was würdest Du dir für dein musikalisches Schaffen in der Zukunft wünschen?

Weiterhin gute Inspirationen. Zudem wäre es natürlich das Größte, wenn ich eines Tages meinen Lebensunterhalt mit dem bestreiten könnte, das ich am meisten liebe. Schauen wir mal.

Woher nimmt man die Kraft und den Idealismus weitere Werke zu veröffentlichen, auch auf die Gefahr hin, in der riesigen Masse an Publikationen heutzutage unter zu gehen

Alexander Paul Blake

Gute Frage. Man braucht einen unglaublichen Idealismus. Ich bewege mich ja mit allen meinen Veröffentlichungen im Underground, d.h. dass man damit kein Geld verdient bzw. dass alles verdiente Geld sofort wieder in neue Projekte investiert wird. Dies bedeutet im Umkehrschluss auch, dass die musikalischen Aktivitäten fast sämtliche Freizeit auffressen. Ich mache es unheimlich gerne, würde mich aber auch nach mehr freier Zeit sehnen. Das ist ein bisschen ein Zwiespalt. Aber letzten Endes kann ich gar nicht anders, als immer wieder an neuen Stücken zu arbeiten, weil mich das erfüllt und mir Kraft gibt. Es ist eine Berufung und ich glaube, ich muss tun, was ich tue, egal wie viele Menschen da draußen daran teilhaben.

Was bedeutet das Thema "Musik" allgemein für dich?

Als Musiker ist es in erster Linie Selbstausdruck und eine Form, die eigene Kreativität auszuleben. Mir geht es dabei um die Kunst an sich, nicht darum, mich selbst dadurch zu profilieren. Ich nehme mich als Person dabei nicht so wichtig und halte deshalb auch Privates gerne aus der Öffentlichkeit raus. Das ist unwichtig. Wichtig sind die Alben, und eigentlich könnten sie auch komplett für sich sprechen. Damit dürfte auch klar sein, dass es mir beim Musikmachen nie um die typischen Sex, Drugs & Rock'n'Roll-Klischees ging. Wir hatten nie Groupies, ich trinke kaum Alkohol und nehme keine Drogen, aber ich bin ein leidenschaftlicher Musikliebhaber - und als solcher höre ich natürlich auch wahnsinnig gerne Musik.

Was würdest du unseren Lesern zum Schluss noch gerne mit auf den Weg geben?

Ich lade einfach jeden Eurer Leser, der nun neugierig geworden ist, auf meine Webseite www.alexanderpaulblake.de ein, wo es Hörproben (u.a. den Song "Waldkathedrale" als freien Download), das "Naturgeisterschauspiel" als Video und den Winter-Solitude-Shop gibt, wo das Album und Shirts natürlich erhältlich sind. Ansonsten danke ich dir, Steffi, dafür, dass du mir die Möglichkeit dieses Interviews gegeben hast und ich danke dem Label Einheit Produktionen, das sich derzeit so aufopferungsvoll um "Die Rückkehr ins Goldene Zeitalter" kümmert."

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