
Death Metal, trocken und schwedisch klingend von einer spanischen Band mit englischen Texten und einen Bandnamen den ich nur von einer nervigen Retrorockband kenne! Graveyard sind echte Exoten! Aber dabei haben die beiden Musiker Javir Bastard und Julkam wirklich Humor und auch was zu erzählen.
Graveyard ist ein cooler Name für eine Deathmetal Band. Echt unglücklich, dass es da eine Retroband mit dem gleichen Namen gibt. Wusstet ihr das nicht und wie oft werdet ihr deswegen angesprochen?
J.B.:Hi! Wir wussten dass es ein cooler Name ist, das ist der Grund warum wir ihn in 2001 wählten. Ich wusste nichts von dieser schwedischen Band bis Graveyard dann existierte und loslegten. Das Lustige ist, dass beide Bands ungefähr zur gleichen Zeit begannen (auch wenn unser Name und das Logo schon lange vorher entstanden sind) und im selben Monat desselben Jahres das erste Album veröffentlichten. In den letzten paar Monaten gab es ein paar Missverständnisse wegen des Namens aber ich muss dir sagen, dass du ein blinder Idiot bist, wenn du unsere Facebookseite besuchst und uns mit einer Blues-/Rockband verwechselst! Ich meine, schau nur auf das Logo und den Schädel auf dem Cover von "The Altar of Sculpted Skulls". Sieht das nach Blues/Rock oder so einem Zeugs aus? (lacht). Für mich ist das kein Problem, ich meine, mit ein wenig Aufmerksamkeit wird man sofort realisieren welche Band die schwedische Blues-/Rockband ist und welche die von den spanischen Death Metal Freaks! Anders wäre es wenn beide Bands
denselben Style spielen würden, aber das ist nicht der Fall.
Spanien ist nicht das Land des schwedischen Death Metal, erzähl doch ein wenig über euer Bandleben und die Schwierigkeiten für eure Musik?
J.B.: Yeah, aber Schweden war auch nie das Land des Blues/Rock (lacht). Wir spielen diesen Style weil das zusammen mit jeder anderen Form des klassischen Death Metal aus der "goldenen Ära" unser bevorzugter Typ des Death Metals ist. Vermutlich klingen wir "schwedisch" (die Gitarre ist's), aber wenn du die Gitarre weglässt, dann hörst du, dass es dieselben Einflüsse wie CARNAGE und MORBID ANGEL, CELTIC FROST, MORGOTH oder BOLT THROWER sind. Also wenn wir schreiben, dann denken wir nicht an schwedischen Death Metal, wir denken nur an Death Metal. Ich denke, dass ist der Unterschied von GRAVEYARD und anderen "schwedischorientierten" Death metal Bands von heute. Spanien war nie ein Land dass einen speziellen Stil bevorzugt hat. Angesagt sind Brutal Death, Grind/Death oder Crust, damit wirst du bekannt in der "Szene". Ich glaube nicht, dass es mehr als 4 oder 5 Bands gibt, die denselben Style wie wir spielen (und die Hälfte davon sind nur Schlafzimmerprojekte = keine Shows, keine Proben, weißt du).
Ihr mögt brutalen oldschool Deathmetal. Denkst du dass ihr mit "neuen" Bands/Projekten wie Bloodbath oder Chaosbreed viel gemeinsam habt?
J.B.: Ich denke "brutal" passt nicht richtig zu GRAVEYARD. In unserer ganzen Zeit (wir haben mehr oder weniger 40 Songs aufgenommen) haben wir nur 2 Blastbeats verwendet und einer gehört zu einem unveröffentlichten Song, (lacht). Wir benutzen viele Melodien und Midtempo, ich denke, die Atmosphäre sollte brutal sein und nicht die Musik selbst. Du kannst uns nicht mit BLOODBATH oder CHAOSBREED vergleichen, wir sind ein Haufen durchschnittlicher Metalheads/Fans während das respektierte Musiker von bekannten Bands (OPETH, AMORPHIS, EDGE OF SANITY, HYPOCRISY...) sind. Ich mochte die erste EP und LP von BLOODBATH wirklich, dann wurden sie zu einer modernen Band, die bei dem Versuch versagte, die "alte" Stimmung aufrecht zu erhalten. Ich habe eine CHAOSBREED LP, aber vermutlich habe ich sie nur ein oder zweimal gehört… Abgesehen davon denke ich, dass sie nicht so "Neu" sind, sie fingen lange Zeit vor diesen ganzen Retro-Bands an Material zu veröffentlichen.
Was sind die coolsten Death Metal-Cover?
Julkarn: Von Dan Seagraves Cover sind wirklich beeindruckend. Es gab einen Punkt, wo jede Band ein Cover von ihm wollte, aber seine Arbeit ist immer noch geil! Chris Moyen hat auch ein erstaunliches Cover entworfen und Timo Ketola ist auch ein sehr talentierter Künstler. Und natürlich unser eigener Derek Riggs, Matt Carr. Das Cover das er für "The Altar of Sculpted Skulls" gemacht hat, lässt mich denken dass es nicht wahr sein kann, dass wir so ein bemerkenswertes Stück Kunst in eine unserer Aufnahmen haben. Im Allgemeinen ist alles was er bisher gemacht hat recht spektakulär. Wir arbeiten derzeit mit ihm an unseren neuen Cover und ich bin mir sicher es wird ein weiteres Meisterwerk des Horrors werden.
Der Sound des Minialbums ist sehr zeitlos, hasst du diesen sauberen und klinischen Klang in den meisten heutigen Alben?
Julkarn: Absolut! Schau, der Punkt ist dass normale Instrumente sich nicht so anhören wie auf diesen überproduzierten Alben. Einige der Drums und Gitarren scheinen aus solchen futuristischen Videospielen zu kommen. In meinen Ohren hören sich diese modernen Aufnahmen so an, wie sie sich anhören sollten aber tatsächlich nicht tun, und das ist ein großer Unterschied. Eine Aufnahme sollte zeigen, was eine Band fähig ist im Proberaum zu kreieren und nicht wie sie sich unter idealen Voraussetzungen anhören könnte. Wenn man darüber nach denkt ist es fast wie Betrug. Ich kenne Alben die Beat für Beat, Note für Note und Wort für Wort aufgenommen wurden und das ist ein verdammter, Monate dauernder Prozess. Wie wollen solche Bands ihre Musik auf der Bühne darstellen? Wir haben bei GRAVEYARD folgende starke Philosophie: wir nehmen auf als proben wir und spielen es genau so wie wir es live spielen wollen. Das ist der einzige Weg um sicher zu stellen, dass man auf den Tonträgern und live dasselbe abliefert!
Muss Death Metal immer Gore und blutige Themen in den Texten haben, denkst du die Texte sind wichtig?
Julkarn: Hmm, wir haben nicht so viele Texte, die von Gore und blutigem Zeugs handeln. Ich schreibe lieber über den Tod als Konzept als über den eigentlichen medizinischen Vorgang an sich. Ich finde die Vorstellung von staubigen, zerbrochenen, alten Gerippen viel suggestiver als brutales Morden oder verrückte Folterungen. Ich juble nicht über den Schmerz von anderen, ich reflektiere lieber die dunkle Seite von Dingen indem ich klassische Metaphern aus Filmklassikern und Büchern verwende. Was einen Zombiefilm gruselig und bedrohlich macht ist nicht die grafische Darstellung wie ein Zombie den Fuß von irgendeinem Kerl futtert sondern die "Tatsache" dass Tote wieder lebendig werden und sich von den Lebenden ernähren. Es ist die Message die unter den Metaphern liegt und nicht das Bild an sich.
Viele klassische Deathmetalbands wie Dismember, Death, At The Gates oder
Carcass existieren nicht mehr oder spielen nur noch auf ein paar Festivals. Welche alten Bands (noch aktiv) magst du 2012 und warum?
Julkarn: Meine Lieblingsband ever ist Motörhead und sie treten seit 35 Jahren schon in verdammt viele Ärsche! Bei den Death Metal Bands denke ich Bolt Thrower hat eine sehr solide und lange Karriere. Ein weiteres gutes Beispiel sind die Deutschen Fleshcrawl, die ziehen ihr Ding durch und geben einen Scheiß auf Trends und anderen Mist, veröffentlichen Jahr für Jahr ziemlich gute Alben und zeigen den verschiedenen Trends und Modeerscheinungen einen konstanten Mittelfinger! Dieses Verhalten zeugt von großen Eiern und hat all meinen Respekt.
Was sind eure weiteren Pläne nach einem Album und einer EP?
Julkarn: Wir wollen in den nächsten Monaten unser neues Album "A Shroud of Darkness" aufnehmen und danach sofort mit Live-Shows weitermachen. Wir arbeiten auch an einigen unserer persönlichen Musikprojekte weiter, betrinken uns und hören tonnenweise Metal.
Dann: Prost! |